Spätestens seit der Festlegung auf 24 Bilder pro Sekunde (B/s) im kommerziellen Kino in den 1920ern sind die Amateure am Diskutieren, ob man auch mit 24 B/s drehen solle. Die Einführung von “8mm Typ S” in den Spielarten Super8, Single8 und DoppelSuper8 änderte daran nichts. So widmete sich z.B. das Buch “Film maker’s guide to Super-8” (1980, Sheptow Publishing, ISBN 0-442-23344-2, bzw. 0-442-23319-1, je nach Einband) in einem mehrseitigen Kapitel diesem Thema. Also höchste Zeit, auch einmal einen Text für Filmkorn zu diesem Thema zu verfassen.
Künstlerische Entscheidung
Die Geschwindigkeit ist zuallererst eine künstlerische Entscheidung. Werke mit 24 B/s fühlen sich nun einmal anders an als 18 B/s. Deswegen gilt hier das Zitat von Fritz Reuter: “Wat den einen sin Uhl is den annern sin Nachtigal.” Denn gegen eine Herzens-/Bauchentscheidung kommt kein anderes Argument an. Wer sich also bereits innerlich auf eine bestimmte Aufnahmegeschwindigkeit festgelegt hat, kann hier aufhören zu lesen. 😉
Budget
24 B/s erhöht den Filmverbrauch. Will man mit Super8 9min 50s mit Film aufnehmen, reichen einem bei 18 B/s 45m, während man bei 24 B/s 60m benötigt. Man muss also eine zusätzliche 15m-Kassette kaufen, entwickeln lassen, … .
Organisatorische Gründe
Um einmal bei den 9min 50min zu bleiben:
- Die zusätzliche Kassette muss natürlich auch transportiert werden: Zusatzgewicht bei Wanderungen, Platzprobleme beim Reisegepäck, … . Okay, bei einer Kassette fällt das vielleicht noch nicht so ins Gewicht. Aber es soll ja auch Leute geben, die längere Aufnahmen planen.
- Und zu guter Letzt: Man hat einen weiteren Kassettenwechsel. Der könnte natürlich genau dann erforderlich werden, wenn der Museumszug in einmaliger Ausführung losfährt, wenn sich das Brautpaar das Ja-Wort gibt, … .
Technische Gründe
Ich habe einmal in zufälliger Reihenfolge ein paar Gründe für und gegen die beiden Geschwindigkeiten gesammelt:
- Aufnahmegeräte:
- Einige Kameras haben keinen 24er Gang, z.B. die Canon 310xl (Super8), die Fujica P2 (Single8) oder die Meopta A8G2-Supra (DoppelSuper8).
- Andere Kameras haben keinen 18er Gang mehr. So konnte man z.B. einst in der Schweiz die Eumig Nautica von 18 auf 24 B/s umbauen lassen.
- Sonderfall Tonfilmkameras:
- Einige Tonfilmkameras arbeiten bei eingestellten 18 B/s bei Stummfilmkassetten nur mit 20 B/s, z.B. die Bauer C 8 Sound (Super8), die Bauer C 5 XL Sound (Super8) oder die Fujica P100 Sound Wide (Single8).
- Einige Tonfilmkameras erlauben den 24er-Gang oder spezielle Effekte, wie z.B. Überblendungen, nur bei Tonfilmkassetten.
- Wiedergabegeräte:
- Gerade einige Projektoren aus der Einstiegsklasse haben keinen 24er Gang.
- Andere Projektoren wurden fix auf eine 2-Flügelblende umgebaut und können daher nicht mehr vernünftig Filme mit 18 B/s projizieren.
- Ton:
- Magnetton: Laut Anleitung des Eumig S 926 GL erreicht man mit 18 B/s lediglich einen Frequenzgang von 40-11000 Hz, während man bei 24 B/s 40-13000 Hz bekommt. Der Ton wird mit 24 B/s also besser.
- Lichtton: Lichtton ist bei Super8 sowieso qualitativ nicht so gut. Selbst bei 24 B/s schaffen die Projektoren hier bestenfalls nur 50-7000 Hz. Bei 18 B/s kann man Lichtton also komplett vergessen.
- Separater Ton (Perfoband, CD, …): Hier gibt es die merkwürdigsten Sachen, wie z.B. unterschiedlich perforiertes Tonband für 18 oder 24 B/s oder aus dem Profibereich stammende Geräte, die nur mit 24 B/s arbeiten. Wer so etwas nutzt, sollte aber eigentlich wissen, ob einem die gewählte Methode überhaupt die Wahl zwischen 18 und 24 B/s lässt.
- Bewegungsunschärfe: 24 B/s hat eine kürzere Belichtungsdauer, wodurch die Bilder schärfer werden können, da sie eine geringere Bewegungsunschärfe aufweisen. So erlauben einem 24 B/s z.B. schnellere Schwenks oder Fahrtaufnahmen. Plant man einen Film mit “viel Action”, sind also 24 B/s zu bevorzugen.
- Benötigtes Licht: 24 B/s hat eine kürzere Belichtungsdauer, so dass man hier mehr Licht benötigt als bei 18 B/s.
- Benötigte Energie: 24 B/s braucht mehr Energie. Batterien sind also schneller leer. Und bei Federwerkkameras reduziert sich die maximale Szenenlänge.
- Blow-Up: Wer seine Filme später auf 16mm oder 35mm aufblasen lassen möchte, ist quasi dazu gezwungen, 24 B/s zu nutzen, da viele 16mm-/35mm-Projektoren keine andere Geschwindigkeit zulassen.
- Videotransfer: Wer seine Filme später auf Video kopieren lassen möchte, sollte über diesen Punkt vor dem Dreh separat betrachten, insbesondere, wenn die Filmsequenzen später mit Handy-Aufnahmen oder so ergänzt werden sollen. Hier gibt es eine ganze Reihe von Sonderfällen, wie z.B. Handys, die nur mit “NTSC-Bildfrequenzen” arbeiten. Deshalb sei hier nur erwähnt, dass einige Super8-Kameras für die Aufnahme auch die “PAL-Bildfrequenz” 25 B/s anbieten (z.T. auch anstelle der 24 B/s), während andere mit dem “NTSC-freundlicheren” 20B/s arbeiten.
- Spezialeffekte: Viele Kameras erlauben zahlreiche Spezialeffekte, wie z.B. Zeitlupen oder Überblendungen. Die Zahl der Bilder bei den Überblendungen ist dabei oft fix. Bei 24 B/s läuft die Überblendung also schneller als bei 18 B/s. Auch der Zeitlupeneffekt ist beim Wechsel von 18 B/s auf Zeitlupe stets stärker/dramatischer als bei 24 B/s.
- Schnitt: Kombination mit Kauffilmen:
- Fertige “Ende”-Szenen, fertige Blenden, fertige Titel à la “Unsere Sommerferien” sind oft für 18 B/s gefertigt worden und damit “zu kurz” für 24 B/s.
- Aufnahmen von startenden/landenden Flugzeugen oder Souvenirfilme wie “Paris aus der Luft” wurden meisten mit 24 B/s gemacht.
- Vorführung: Weiß man, dass das fertige Werk später immer nur zusammen mit der Super8-Kaufkopie von Titanic gezeigt werden soll, macht es ggf. Sinn, mit 24 B/s zu drehen, damit man später während der Projektion nicht mehr von 18 auf 24 B/s umschalten muss.
Bestimmt habe ich hier noch Dutzende weitere Gründe vergessen. Sollte Euch noch etwas einfallen, könnt Ihr das gerne in den Kommentaren vermerken.
Fazit
- Hätte es einen zwingenden Grund gegeben, dass auch Amateure stets mit 24 B/s als Standardgeschwindigkeit arbeiten, hätten es Millionen von Aktionären bei den Filmherstellern Kodak, Fuji, Agfa, Konica, Foma, … begrüßt, wenn es bei “8mm Typ S” an den Kameras gar keinen 18er-Gang gegeben hätte.
- Kein Film wird automatisch dadurch professioneller, dass man mit 24 statt 18 B/s dreht. Stattdessen kann er bei Amateuren sogar schlechter werden (Länge der Überblendungen, Unterbelichtung durch unzureichende Beleuchtung, …).
- Es bleibt also eine persönliche Entschiedung, mit wie vielen Bildern pro Sekunde man dreht. Oft hat man durch technische Gegebenheiten sowieso keine Wahl (Teilnahme an Wettbewerben, bei denen mit 2-Fügelblende projiziert wird, …).









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