70 Jahre und kein bißchen leise – N8 Vertonen mit Movilux und Moviphon

70 Jahre und kein bißchen leise – N8 Vertonen mit Movilux und Moviphon

(Titel frei nach Evelyn Künneke und Curd Jürgens)

Wie ich zum Moviphon kam

Vor etwas über 40 Jahren habe ich über eine Anzeige in einer Fotozeitschrift eine Doppel-8-Kamera Movikon 8B und einen Projektor Movilux 8B erworben. Dem Paket lag ein Fachartikel bei, der das Vertonen mit Movilux und Moviphon behandelte.
Das Thema wurde vergessen, Super 8 trat in mein Leben und damit kam dann auch für mich der Ton zum Film. Bis ich vor vielen Jahren in Deidesheim die Kombination aus Movilux und Moviphon sa. So entstand der Wunsch, auch Normal 8 so vertonen zu können. Einige Jahre danach habe ich voller Freude über den nahezu in Erfüllung gegangenen Wunsch im Schmalfilm-Forum gepostet.

Ein Wunsch geht in Erfüllung (Filmvorführer-Forum)

So ganz in Erfüllung ging der Wunsch aber eben nicht sofort, erst mal ging gar nichts, bis…. aber lest erst mal weiter (kleiner Spoiler: heute funktioniert alles, sogar besser als erwartet).

Nachdem nun wieder ein paar Jahre vergangen sind, möchte ich ein bißchen mehr über das System erzählen und das seit ein paar Wochen vorliegende, funktionsfähige Ergebnis vorstellen. Das passt in sofern besonders gut, als das Moviphon diese Jahr stolze 70 Jahre alt wird.

Aber der Reihe nach.

Historie: Wie Zeiss Ikon mit dem Moviphon anfing

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden wohl zunächst noch Vorkriegs-Projektoren (Normal 8) von Zeiss-Ikon mit dem Namen „Favorit 8″verkauft. Der erste, neue 8mm-Projektor war der Movilux 8, ca. 1954 (ohne Zusatz „A“ oder ähnliches). Die Geräte waren in grauem Kräusellack lackiert.

In der Anleitung des Movilux 8 wurde zur Vertonung lediglich die Option des synchronen Starts eines separaten Tonbandgerätes mithilfe des als Zubehör erhältlichen Synchronschalters erwähnt.


Es folgte der Movilux 8B in einem Gehäuse gleicher Abmessung und Form in grünem Hammerschlaglack, der ab ca. 1958 bis mindestens 1960 oder länger geliefert wurde.

In der Anleitung des Movilux 8B wird nicht nur der Synchronschalter erwähnt, sondern an erster Stelle das Moviphon zur Vertonung, sowie die Möglichkeit einen externen Tonkoppler anzuschliessen ( der Movilux 8B ist tatsächlich elektrisch für einen Tonkoppler-Anschluß vorbereitet), den es aber vermutlich nicht von Zeiss Ikon gab.

Das System

Zunächst mal ein paar Sätze zum Moviphon selbst. Das Gerät wurde wohl erstmals auf der Photokina 1956 vorgestellt und eine Verfügbarkeit für das Frühjahr 1957 angekündigt.

Hier ein Auszug aus dem Neuigkeiten Prospekt von Zeiss Ikon zur Photokina 1956:


Das Prinzip ist ziemlich einmalig. Es ist ein separates Tonbandgerät zur synchronen Vertonung von N8-Filmen (auch „SEPMAG“ genannt, separated magnetic). Aber dieses Tonbandgerät ist ausschließlich im Zusammenspiel mit dem Projektor Movilux 8 (und 8B) verwendbar, da es über keinen eigenen Motor verfügt und vom Movilux über eine biegsame Welle angetrieben wird.

Als Entwickler des Moviphon wird u.a. auch Rudolf Taesler genannt (Quelle: Funkschau 1963), der auch als Schöpfer der Normal-8-Kamera Movikon 8 (quer) und als Patentinhaber einiger weiterer Lösungen im Hause Zeiss Ikon genannt wird.

Dazu ein interessanter Artikel über Heinz Thiele und seine „Movilogie“ von Jürgen Lossau auf der Super8.tv Seite: Der Mann, der bei Zeiss Projektoren schuf – super8.tv
Der Artikel fasst schon viele Aspekte des Systems zusammen, die ich hier zur Vollständigkeit z.T. wiederhole aber vor allem noch einmal vertiefe. In diesem Artikel wird Heinz Thiele als Entwicklungschef für Tontechnik bei Zeiss Ikon genannt und nur Hans F. Naepfel als Mitarbeiter erwähnt.

Mehr zur Technik des Moviphon

Der vorher erwähnte Heinz Thiele (Zeiss Ikon) veröffentlichte im amerikanischen Audio Magazin von 1958 einen Artikel über die Moviphon/Movilux Kombination: Artikel H. Thiele Audio Magazin 1958 (Excerpt)
Der Artikel verteilt sich über verschiedene, nicht zusammenhängende Seiten im Magazin (damals so üblich), die ich im verlinkten PDF herausgenommen und zusammengefasst habe.

Dort findet sich auch ein Schaltplan, der wohl nur zum Moviphon B in der letzten Ausführung passt. Den habe ich hier noch einmal vergrößert und gedreht dargestellt.

Das Moviphon ist in einer Zeit entwickelt worden, als gerade eben (Mitte der 50er) Transistoren Einzug in die Unterhaltungselektronik der deutschen Wohnstuben gehalten haben. Die hier verwendeten PNP Germanium-Transistoren von Valvo, OC70 und OC76, waren gerade erst herausgekommen und fanden sich schon kurz darauf in diesem Gerät wieder, einmal im Verstärker (2x OC70, 1x OC76) und noch mal im Frequenzgenerator für Vormagnetisierung und Löschgenerator (2x OC76). Die Eingangsstufe mit einem OC70 ist nicht sehr übersteuerungsfest, daher ist es dringend geraten, das Eingangssignal so niedrig einzuspeisen, daß der Regler (links) für die Aufnahme bei korrekter Aussteuerung auf 4 oder höher stehen muss (sonst gibt es hässliche Verzerrungen). Zeiss Ikon warb damals übrigens mit der Langlebigkeit von Transistoren im Vergleich zu Röhren.

Und hier das Innenleben, in der Mitte die große Schwungscheibe. Links der Anschluß an die Antriebswelle vom Projektor. Unten rechts der kleine Anschluß für die Stromversorgung, oben die Elektronik (noch mehr Elektronik unter der Blende unter den Drehreglern auf der Vorderseite).

Der vordere Steller kann auf das Mikrofon-Symbol gestellt werden, dann kann man damit Durchsagen machen. In Stellung 1 (schwarz) wird Spur 1, in Stellung 2 Spur 2 und in Stellung 3 beide Spuren wiedergegeben. Zur Aufnahme stellt man auf 1 (rot) oder 2 (rot) und kann jeweils eine der Spuren aufnehmen, es gibt aber keine Möglichkeit beide Spuren gleichzeitig aufzunehmen, also auch kein Stereo (das damals eh unüblich war, das kam erst Ende der 50er auf).
Das Band wird in 2-Spur Lage aufgenommen, da war Zeiss Ikon sozusagen Pionier.

Zurückgespult wird bei Vorwärts laufendem Projektor in Stellung R des Moviphon Stellers, praktischerweise nachdem der Film durchgelaufen ist, das geht auch ohne Film im Projektor und ohne Projektionslampe (oberer kleiner Schalter am Movilux).

Kleine Anmerkung: bei meinem Moviphon waren die Anschlüsse an Buchse 2 gegenüber der Belegung von Buchse 1 und gegenüber obigem Schaltplan anscheinend vertauscht. Ich konnte zwar am Ende erfolgreich auch Spur 2 vom Kassettenrekorder aus vertonen, muss das aber noch mal überprüfen.

Wiedergabe über den untersten DIN-Anschluss (geht alternativ auch über Anschluss 2, warum auch immer) über Movivox, Radiogerät oder Verstärker. Das Moviphon besitzt keinen eigenen Verstärker oder auch nur einen Kopfhöreranschluß, der Betrieb ist ausschließlich mit einem Verstärker (Zeiss Ikon Movivox oder z.B. einem vorhandenen Rundfunkempfänger mit entsprechendem Eingang) vorgesehen gewesen. Ab der letzten Baureihe des Moviphon B zusammen mit dem Movilux 8B verfügt das Moviphon dann auch nicht einmal mehr über einen eigenen Netzanschluß, sondern wird vom Projektor versorgt (was ich sinnvoll finde), auch wenn diese Versorgung im Einzelnen eher rätselhaft ist.

Moviphon B; 1. Version noch mit eigenem Netzspannungsanschluß

Moviphon B; 2. Version – unten der Diodenanschluß
für die Spannungsversorgung vom Projektor Movilux 8B

Alle drei Geräte (Movilux 8 & 8B, Moviphon und Movivox) wurden in Gehäusen identischer Formfaktoren hergestellt, und mit den Generationen auch in jeweils einheitlicher Lackierung.

Offensichtlich war das ganze System von Zeiss Ikon modular ausgelegt. Die Mehrheit der Nutzer hat wohl nur den Projektor Movilux erworben. Wer vertonen wollte konnte nun ein Moviphon erwerben. Es gab mit dem Movilux zwar sonst noch Tonfilmmöglichkeiten mit synchronem Start oder über Tonkoppler (ab Movilux 8B), aber mit dem Moviphon hatte man eine einfache und kompakte Lösung. Ein Radio stand vermutlich in den meisten deutschen Wohnstuben, und die meisten dieser Geräte hatten einen Anschluß für „Tonabnehmer“, der zwar eigentlich für damalige Plattenspieler gedacht war, aber einem Adapter von Zeiss Ikon auch mit dem Ausgang des Moviphon nutzbar war.

Erst, wer es ganz autark und vermutlich eher luxuriös haben wollte, kaufte sich das Movivox, einen kleinen Röhrenverstärker mit Lautsprecher.

Wie ging es nun mit meinem N8 Tonstudio weiter?

Seit dem Erstellen des Threads im Forum habe ich insgesamt noch 3 weitere Moviphon erworben, 2 Geräte (ohne B) im grauen Kräusellack (passend zum Movilux 8) und das nun verwendete Moviphon B der letzten Generation (vorne rechts).


Das zunächst damals im Schmalfilmforum (s. Link oben) gezeigte Gerät (Moviphon B erste Generation mit eigenem Netzspannungsanschluß) war trotz längeren Versuchen für mich nicht reparabel. Sowohl die Elektronik (vermutlich der Vorverstärker), als auch die Mechanik (rasselndes Geräusch der Schwungscheibe) stellten mich vor unlösbare Probleme (Gerät hinten rechts).
Die beiden älteren Moviphon (ohne B in grau, links im Bild) funktionierten einigermaßen, aber mit einer nicht ganz frischen Klangqualität, die auch nach Reinigungs- und Entmagnetisierversuchen nur wenig besser wurde.
Dann fand ich im Laufe der Zeit so einige Artikel über das Moviphon in verschiedenen Fachzeitschriften und Katalogen der 50iger.

Hier noch einige weitere Artikel und Broschüren zu Moviphon und Movilux, bei ganzen Heften habe ich meistens nur die relevanten Teile herausgenommen und hier als PDF hochgeladen.
Zusätzlich wurde das System Movilux/Moviphon noch in der Zeitschrift „Schmalfilm“ in einem Zweiteiler über Vertonung in Heft 01/2010 (ab S.47) und in Heft 02/2010 (ab S.60) erwähnt.
Zeiss Ikon Händler-Info (1957)
Zeiss Ikon Broschüre 1957 (englisch)
Zeiss Ikon Werbebroschüre Moviphon B 1958
Zeiss Ikon Werbebroschüre Filmbearbeitung1959
Kosmos Heft 12, 1957 (Excerpt)
World Radio History 1958, Heft 8 (Original Link, Artikel auf Seite 30)

Weiter unten noch ein Link zur Funkschau von 1963 zu den damaligen N8-Vertonungssystemen.

Vorletztes Jahr habe ich dann schließlich ein weiteres Moviphon B im Internet entdeckt, und mir gesagt „letzter Versuch, wenn das nicht geht, lasse ich es“.
Und siehe da, dieses Gerät paßt zu Thieles Schaltplan im Audio Artikel (s.o.), und wird von einer (bisher nicht zuzuordnenden) Buchse meines Movilux 8B versorgt – und es funktioniert.

Und der Movivox? Welcher Movivox?

Auch hier war mein Weg kein leichter. In den zehn Jahren, die ich nun von dieser Anlage träume, fand ich ganze zweimal einen Movivox bei eBay und habe tatsächlich beide gekauft. Das erste sah eher so aus, als hätte man es sehr unsanft behandelt, der Lautsprecher hatte zudem etwas gelitten.

Das zweite, gerade erst im März 2026 erworbene, spätere Modell hingegen war optisch wie aus dem Ei gepellt, als hätte es die letzten 70 Jahre im Schrank gestanden, lediglich zwei verharzte Regler und eine korrodierte Hauptsicherung waren zu überarbeiten.

Links das ältere Modell in grauem Kräusellack, rechts das neuere in grünem Hammerschlaglack, ein „B“ wie beim letzten Moviphon gibt es hier aber nicht.

Und hier das Innenleben meines letzten Movivox (einige Kondensatoren könnten sogar neu sein)

Alles komplett zum Vertonen

So sieht nun mein ganzes, aktuelles „Tonstudio“ der „Movilogie“ (Zitat Heinz Thiele) aus:

Anleitung Movilux 8B
(Alternativ: Anleitung Movilux 8)
Anleitung Moviphon
Die Anleitung für das Moviphon B fehlt mit noch, für das Movivox ebenfalls

Ich habe nun einen alten Normal 8-Film zum Vertonen genommen, den ich im Juni 1982 beim 7. Internationalen ADAC-8-Stunden-Rennen am Nürburgring gedreht hatte.

Video 1, Vertonung – Aufnahme vom Aufbau bis zum „Eindosen“

Hier ein paar Ausschnitte der Wiedergabe mit Ton:

Video 2, Abspielen des Films mit Ton Version V2

Die hier aufgenommene Tonqualität ist real besser, die Video-Kamera stand zunächst etwas zu weit weg, am Ende noch eine „Nahaufnahme“.

Insgesamt bin ich vom Ergebnis aber doch positiv überrascht. Letztes Jahr habe ich mal probeweise zwei 15m-Rollen nur mit Musik auf einer Spur vertont.
Diese Vertonung jetzt für diesen Artikel wurde mit Überblendung und Nutzung von Spur 2 für (von mir auf Kassette vorproduzierte) Off-Kommentare durchgeführt. Das Movivox brummt zwar ein klein wenig, man kann kein Hifi erwarten. Aber die Wiedergabe ist laut, einigermaßen unverzerrt und die Synchronität ist erstaunlich gut.
Das war nicht meine letzte Vertonung mit dem Moviphon, jetzt weiß ich ja, wie es richtig geht.

Ein Wunsch ging nun tatsächlich in Erfüllung!

Ein paar Tipps zum Betrieb und zur Vertonung mit dem Moviphon

  • Vorherige Reinigung der Tonköpfe, der Capstan-Welle und der Gummirolle ist unabdingbar
  • Die Überprüfung der Schmierung der Wellen bei Movilux und Moviphon und evetl. ein Tropfen Öl hier und da wirkt Wunder, ebenso die Schmierung der Schmierstellen beim Projektor nach Anleitung
  • Movilux und Moviphon müssen beim Aufbau gut fluchten, damit die Verbindungswelle so gerade wie möglich läuft, den Projektor vorne „hochzufahren“, um einen anderen Projektionswinkel zu erreichen ist nicht sinnvoll
  • Startmarken sind sehr wichtig und auch in der Anleitung des Moviphon beschrieben.
  • Das Moviphon hat keine echte Bandzug-Regelung, daher kann das Band durch plötzliches „Entlasten“ aus der Führung fallen (wie in Video 1 in einer Szene). Die abwickelnde Rolle beim Start mit der Hand abzubremsen vermeidet das
  • Es ist sinnvoll, sich eine Zeitleiste zu erstellen und den Film auf dem Moviphon in ein oder zwei Zügen (wenn beide Spuren) jeweils in einem Stück zu vertonen (z.B. mit mehreren Zuspielern und Mischpult), Unterbrechungen und Wiederaufnahme der Vertonung sind schwierig
  • Auf die Pegel achten, mit niedrigem Eingangspegel arbeiten
  • Man kann die komplette Aufnahme auch auf einem separaten Gerät (analog oder digital) nach Zeitleiste vorproduzieren und dann von da in einem Rutsch auf eine Spur vertonen
  • Man kann sogar das komplette Band für das Moviphon auf einer geeigneten 2-Spur-Bandmaschine (Revox, TEAC, Tandberg, ASC 6002 o. 4002) mit 9,5 cm/s nach Zeitleiste aufnehmen und hinterher nur noch mit dem Moviphon abspielen

Historie: Wie bei Zeiss Ikon die Ära des Moviphon zu Ende ging

Das Moviphon gab es ab Anfang 1957 im Handel und immer farblich passend zu den Projektoren in gleich großem Gehäuse, ebenso das Movivox. Das Moviphon B dürfte ca. 1958 zusammen mit dem passenden Movilux 8B auf den Markt gekommen sein, die letzte Version vermutlich nur wenig später. Beide Versionen des Moviphon wurden wohl eine gewisse Zeit parallel angeboten, um früheren Projektorkäufern mit Movilux (ohne B und ohne Versorgungsbuchse für das Moviphon) die Nachrüstung zu ermöglichen.
Dann kamen die ovalen Projektoren, der Movilux 8A (also nach dem 8B!) ca. 1959-1962 produziert, auch in grünem Hammerschlaglack, aber mit Kunststoffdeckel und ausklappbaren Armen. Ob dieser evtl. noch einen Anschluß des Moviphons erlaubte, ist unklar, aber eher unwahrscheinlich.
Zum Betrieb der Aufwickelspule bzw. des Rückwickelns mussten Gummipesen außen aufgelegt werden.
Während dessen Produktionszeit kam ein Tonkoppler zum synchronen Betrieb mit einem handelsüblichen, externen Tonbandgerätes heraus, der oben zwischen die Arme montiert wurde.

Bild aus dem 8mm-Forum, Movilux A mit Zeiss Ikon Tonkoppler für den synchronen Betrieb mit einem externen Tonbandgerät.

Auf der Rückseite wurde dann das Tonband aufgelegt (aus einer Zeiss Ikon Broschüre):


Den Movilux 8 A konnte man m.W. schon mit den schreiend bunten Gehäusen kaufen.
Dann gab es ab ca. 1962 den äußerlich fast baugleichen Movilux 8 R mit der bunten Drucktastenleiste auf der Rückseite und erweiterten Funktionen (z.B. Rückwärtslauf). Auch den Movilux R gab es in bunten Gehäusen.
Zum Movilux R gab es dann noch formschöne, größere Tragekoffer, die den Projektor mit Deckel, Kabel und Aufwickelspule aufnahmen.

Noch in den Anleitungen zum Movikon 8B und in Prospekten findet man beide Vertonungssysteme nebeneinander beworben, erklärt und angeboten (Tonkoppler für Movilux 8A/R und Moviphon für Movilux 8/8B).
Die von Zeiss Ikon provozierte Verwirrung um die Nummerierung zieht sich durch alle möglichen Internet-Seiten (Lippisches Museum, Deutsches Kameramuseum etc.), selbst Jürgens Buch „Filmprojektoren“ ist hier nicht vor kleinen Fehlern gefeit. Wie lange das Movilux 8B/Moviphon B-System am Ende noch parallel produziert wurde, ist mir unbekannt.

Dem Movilux 8R wäre dann eigentlich ein Tonfilmprojektor für Randspurvertonung gefolgt (auch als „COMMAG“ bezeichnet, combined magnetic), für dessen Entwicklung der oben schon erwähnte Heinz Thiele verantwortlich war, der Moviton Projektor. Dazu hier noch mal der Link auf den Artikel von Jürgen Lossau auf der Super8.tv Seite: Der Mann, der bei Zeiss Projektoren schuf – super8.tv

Dazu kam es dann nicht mehr.

Das Moviphon hatte eine begrenzte Produktlebensdauer und ganz sicher keine wirklich großen Stückzahlen, es gab kaum ähnliche, derart rein proprietäre Konzepte für die Zweibandvertonung bei Normal 8. Technisch innovativ und durchaus einigermaßen ausgereift, hatte es ganz erhebliche Schwächen als Produkt am Markt.

Zum Einen war es ein spezielles Tonbandgerät, das ausschließlich für die Filmvertonung, ohne eigenen Antrieb und nur mit dem Movilux 8(B) verwendbar war, damit mußte es zusätzlich angeschafft werden, denn Ende der 50er bzw. Anfang der 60er entdeckte man auch in Deutschland das Tonband-Hobby und viele kauften so ein Gerät z.B. für die Aufzeichnung und Weitergabe von Musik. Und das Moviphon benötigte immer einen separaten Verstärker, entweder das Movivox oder einen beliebigen anderen, z.B. das heimische Radiogerät.

Zeiss Ikon war also durch das Konzept zum Tonband- und Verstärker-Entwickler und -Anbieter geworden. Das Moviphon lief zwar mit den damals üblichen 9,5cm/s, aber weder war die gesamte Ausstattung wirklich für Hifi-Tonqualität geeignet, noch hatte es einen mit guten Bandmaschinen vergleichbaren Gleichlauf, denn es wurde von einem Projektor angetrieben, der es steuerte (und nicht umgekehrt).
Die Tonqualität und Gleichlauf waren allerdings deutlich besser, als das, was damalige, erste N8-Projektoren mit Randspur ablieferten. Die Synchronität war außerdem sicher besser als das, was die meisten Tonkoppler (Verbindung Projektor <-> Tonbandgerät) leisteten.

Heinz Thiel beschreibt das Dilemma der Konzepte am Ende des von mir verlinkten Artikels aus dem US Audio Magazin (Jan 1958) recht gut:
Den Pistenton auf N8 lobt er zwar für den synchronen Start und Lauf, aber:

„However, at the present state of the art, the reproduction quality does not yet compare with the quality of a tape machine of 3 3/4 ips [inch per second := 9,5 cm/s]. The reasons are these: With 8-mm films, the film speed, in case of projection at 16 pictures per second is chosen, is approximately 2 3/8 ips [= 6 cm/s]. This speed is so slow and the width of the sound track is so limited that, in comparison with the separately running tape, certain losses of frequency response and dynamic range cannot be avoided“

Auf deutsch:
„Allerdings ist momentan die Wiedergabe Qualität noch nicht mit der eines Tonbandgerätes bei 9,5 cm/s vergleichbar. Die Gründe sind: Bei 8-mm-Film beträgt die Bandgeschwindigkeit, wenn 16 B/s gewählt sind ungefähr 6 cm/s. Diese Geschwindigkeit ist so niedrig und die Breites der Tonspur derart begrenzt, daß Verluste an Frequenz-Bandbreite und Dynamik unvermeidbar sind.“

Zudem beschreibt er am Ende des Artikels noch die aus seiner Sicht großen Vorteile beim Schneiden, das beim fertig vertonten Film mit Pistenton durch den Bild/Ton-Versatz von 54 Bildern höchst schwierig sei.

Und dennoch hat er einige Jahre später einen ersten Zeiss Ikon N8-Pistenton-Projektor entwickelt (siehe obigen Link auf super8.tv).

Das Moviphon war zudem nicht wirklich günstig, hier ein Auszug aus der Preisliste 1960:

In heutiger Kaufkraft sind das dann ca.

  • Movilux 8B 1500 €
  • Moviphon B 1900 €
  • Movivox 900 €

Zum Vergleich: ein Graetz Radio mit Tonabnehmer-Anschluss kostete 1960 285,- DM (ca. 780€ heute), also weniger als das Movivox, dafür mit 4 Wellenbereichs-Radio.

Damit zahlte man für Movilux und Moviphon der letzten Generation schon mindestens DM 1188,-
(und das ohne den Movivox Verstärker, in der Annahme, daß eh jeder Mensch 1960 ein Radio hatte)
Demgegenüber war der im selben Prospekt angebotenes Tonkoppler mit DM 78,- als Zubehör zum schon parallel erhältlichen, neuen Movilux 8A ein echtes Schnäppchen für diejenigen, die eh schon ein Tonbandgerät besaßen.

Hier eine recht ausführliche Gegenüberstellung der Systeme in der Funkschau 1963 (Auszüge aus den Gesamtheften), mit einer übrigens sehr guten Beschreibung von Tonkopplern:

Funkschau 1963 Heft 1 (Excerpt)
Funkschau 1963 Heft 2 (Excerpt)

Meine Vermutung ist, daß Zeiss Ikon die technische Sackgasse, in die sie sich damit manövriert hatten erkannt hat, und zunächst auf die Kopplungsmöglichkeit mit nahezu beliebigen (und damit beliebig guten und beliebig teuren) Tonbandgeräten von Firmen, deren Kerngeschäft das war, setzte – und dann schließlich auf den Pistenton, was aber wohl in Normal 8 aus Wettbewerbs- und Kostengründen (und vermutlich auch wegen der erwarteten S8-Einführung) nicht mehr zustande kam.

Im Deutschen Museum findet sich übrigens augenscheinlich ein Prototyp für die Vertonung und Vorführung bespurten Films mit dem Movilux 8 mithilfe des Sonomat:

Konkurrenz:


Bauer hatte das „Bauer Tonfilmsystem“ mit immerhin drei verschiedenen Tonkopplern in unterschiedlichen Ausbaustufen, Der „Tonkoppler S“ ließ sich sogar mobil während der Filmaufnahme nutzen. Man konnte ihn mit den Modellen 88DS und 88ES elektrisch koppeln und so einigermaßen synchrone Tonaufnahmen machen.
Diese beiden Modelle sind die einzigen mir bekannten N8-Amateur-Kameras mit einem elektrischen Anschluß für die synchrone Tonaufnahme zum Film.

Synchrone O-Tonaufnahmen gab es im wesentlichen sonst bei Bolex H8 mit Perfectone und MST, eher für den Profibereich. Außerdem gab es hier einzelne Geräte mit der Bolex H8 und angekoppelten, mobilen Tonbandgeräten.

Eine Besonderheit für die synchrone Vorführung ist der Siemens 800 Projektor, bei dem ein perforiertes Tonband sozusagen neben dem Film mechanisch synchron mitläuft (auf der Rückseite des Projektors).
Es gab hier weder Schlupf noch asynchronen Start.

Die meisten anderen Hersteller hatten nur die einigermaßen synchrone Vorführung mit Tonkopplern vorgesehen, auch Nizo, Bolex, Agfa u.a.

Allen Tonkoppler Systemen war gemein, daß sie nur begrenzte Synchronität herstellen konnten, der Projektor wurde elektrisch über die Geschwindigkeit geregelt, das Band hatte Schlupf. Da aber mit wenigen Ausnahmen im Amateurbereich N8 sowieso keine lippensynchrone Vertonung angestrebt wurde, war das eher akzeptabel, als eine teure Insellösung wie das Moviphon.

Mit dem Pistenton gab es zaghafte Versuche, lippensynchrone Aufnahmen zu ermöglichen. Das System von Fairchild (Cinephonic und Professional Sound 900) litten aber unter den (normgerechten) 54 Bildern Versatz zwischen Ton und Bild bei N8, die den bei O-Ton-Aufnahmen unumgänglichen, synchronen Schnitt ohne wirklich großen Zusatzaufwand nahezu unmöglich machten (bei 16B/s sind das immerhin 3 Sekunden), zudem wurde ein sonst völlig ungebräuchlicher Doopel-8-Rohfilm mit Randspur (hergestellt von Ansco) benötigt.

Unter Super 8 wurde es dann Anfang der 70er besser, es gab bessere Zweibandvertonungsmöglichkeiten bis hin zur völligen, impulsgesteuerten Synchronität und schließlich die weit verbreiteten Soundkassetten mit Randspur, die bei Super 8 „nur“ 1 Sekunde (18 Bilder) Versatz hat. Mit Super 8 gab es dann auch zahlreiche 2-Format-Projektoren, die Randspur-Vertonung auch für N8 ermöglichten.

Sammler-Situation heute

Die beiden Projektoren Movilux 8 und Movilux 8B gibt es heute öfter bei den einschlägigen Verkaufsplattformen für ca. 40 – 100 €, je nach Zustand und Modell. Die Projektoren sind einigermaßen gut zu überholen, bei VanEck gibt es für beide je das Service Manual sowie den einzigen Gummiriemen im Gerät als Ersatzteil.

Die Moviphon Geräte findet man seltener, aber immer wieder mal. Es gibt kaum Preisunterschiede zwischen den drei Modellen, daher empfehle ich das letzte Modell (Moviphon B mit DIN-Buchse für Fremdstromversorgung durch Movilux 8B). Da es auch nur für das Modell einen nahezu vollständigen Schaltplan gibt (s.o.) könnten hier Reparaturversuche gemacht werden. Ich habe bisher noch keine Service-Unterlagen für eines der Moviphon-Modelle gesehen. Der Erhaltungszustand ist oft zweifelhaft, es kann durchaus passieren, daß man (wie ich) ein paar Modelle erwirbt, bis man ein wirklich funktionierendes in Händen hält. Preise zwischen 50 und 120 €. Der einzige Gummiriemen im Gerät ist mir noch nicht als dafür ausgewiesenes Ersatzteil begegnet, sollte sich aber generisch ersetzen lassen.

Movivox Geräte sind die wahren Ringeltauben im Trio. Ich habe in den zehn Jahren, die ich aktiv nach Moviphon und Movivox Ausschau halte genau zwei Movivox in Angeboten entdeckt (im Abstand von 6 Jahren) und beide direkt gekauft. Der Erhaltungszustand hängt auch hier sehr an der Lagerung und am fachgerechten Versand nach Kauf, da mit Röhren bestückt. Die beiden Röhren (ECL82 und EZ81) gibt es noch zu kaufen, je nach Hersteller und Qualität zwischen 16 und 70 € pro Röhre.
Zum Movivox habe ich bisher noch nie weder Anleitung noch Service Heft oder auch nur einen Schaltplan entdeckt.

Man kommt natürlich als Anwender auch ohne Movivox aus, der Mono-Ausgang des Moviphon läßt sich an nahezu jeden Verstärker anschließen.

Bei allen Geräten findet man immer wieder verschiedene Schönheitsfehler. Die Abdeckkappen der Antriebsanschlüsse von Movilux und Moviphon fehlen nahezu immer, auch der vorne befindliche, abziehbare Handdrehknopf des Movilux fehlt hie und da. Die kleinen Metallschildchen an den Anschlüssen und die Ringe um die Drehknöpfe des Moviphon lösen sich nach 70 Jahren auch gerne mal.

Leider fehlt bei vielen Moviphon das unabdingbare Verbindungsstück (die flexible Welle). Das ist tatsächlich tragisch (weil ohne nicht zu betreiben), wenn auch nach ca. 70 Jahren nicht wirklich eine Überraschung. Ich werde bei Gelegenheit das Anschlussstück meines Exemplars vermessen und die Daten hier anfügen, vielleicht findet sich ein 3D-Drucker-Meister dafür.

Helge

Kommentar verfassen

EnglishDeutsch