Super-8-Kurs für Newbies: Die Kamera

Super-8-Kurs für Newbies: Die Kamera

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Alles Wissenswerte über Super 8: zu lesen im Handbuch SUPER 8

Wer ins „echte Filmen“ einsteigen will, greift gern mal zu Super 8. Schon wegen des körnigen Looks. Aber mit welcher Kamera dreht man heute noch gute Szenen? Die Geräte sind irgendwann zwischen 1965 und 1985 gebaut worden – viele haben längst das Zeitliche gesegnet, für andere gibt’s keine Ersatzteile mehr. Das aktuelle Handbuch SUPER 8  zeigt, worauf man als Einsteiger achten sollte. In diesem Auszug erfährst Du alles über die Wahl der Kamera.

Es gibt zig Millionen Super-8-Kameras auf dieser Welt. In Deutschland wurden von 1966 bis 1980 pro Jahr rund 100.000 Stück produziert. Aus Japan kamen allein im Jahr 1974 stolze 1,5 Millionen Stück, das blieb so bis 1979, danach fiel die Zahl erstmals unter eine Million im Jahr. Aber auch in den USA, in Österreich und in Frankreich wurden Super-8-Kameras hergestellt.

Wenn Super 8 für Dich neu ist, ist die Verlockung groß, gleich mit einer früheren Spitzenkamera einzusteigen. Die gibt es alle eh’ nur noch gebraucht – und bei eBay kosten wenige Modelle deutlich über 100 Euro. Ich rate trotzdem, mit was Kleinem loszulegen. Nimm’ eine Kompakte! Warum? Die großen Kisten haben viele Funktionen. Wenn Du da was falsch einstellst, ist der Ärger hinterher groß.

Nichts törnt mehr ab als ein erster Film, der missraten ist. Schon diese Ergebnisse sollen Dir Spaß machen. Mit einer Kamera aus der Kompaktklasse ist das viel wahrscheinlicher. Die haben keinen Riesenzoom. Die Gefahr von verwackelten oder unscharfen Bildern ist geringer. Und Du bist damit beweglicher. Kompakte machen alles mit, sind leicht und klein. Können überall dabei sein. Wie man das von Camcordern gewöhnt ist.

Kompakt-Klasse
Kompakte lassen sich zum Beispiel prima an Skateboards befestigen, auf Skiern, an Fahrrädern. Skater sind ja große Freunde von Super 8, auch viele Musikvideos werden nach wie vor auf diesem körnigen Filmformat gedreht. Wenn die Kamera da mal was abkriegt, vom Board fällt oder hinknallt, sind nur 5 bis 25 Euro im Eimer. Mehr kosten die Kleinen gebraucht nicht.

Worauf Du achten musst, ist, dass die Kamera mit der Filmempfindlichkeit Deiner gewählten Super-8-Kassette zurecht kommt. Während früher ASA/ISO 40 die Regel war, haben heutige Filme meist ISO 100 oder 200. Damit kann nicht jede Kamera umgehen! Eine Liste zur ISO-Akzeptanz vieler Modelle findest Du im Internet unter:

http://super8wiki.com/index.php/Super_8_EKTACHROME_100D_motion_picture_film_exposed_in_old_cameras

In der Kompakt-Klasse habe ich Dir nachfolgend handliche Kameras aufgelistet, die entweder gar keinen Handgriff haben oder über einen Klappgriff verfügen.Alle haben ein 3- bis 6-fach Zoom, Belichtungsmessung durchs Objektiv (TTL = Through the Lens) und arbeiten mit 18 Bildern pro Sekunde. Damit wären die wichtigsten Funktionen erfüllt. Du musst jetzt schauen, was Du von der Kamera ansonsten noch erwartest:

• Einzelbildschaltung: haben die meisten
• Fernauslöser: manche arbeiten mit mechanischem, ruckelanfälligem Drahtauslöser, viele mit besserem elektrischen Auslöser über Kabel
• „Profigeschwindigkeit“ 24 B/sec.: ist bei einigen anwählbar, wenige in dieser Klasse haben auch Zeitraffer (9 B/sec.) oder Zeitlupe (ab 36 B/sec.). 24 B/sec. sind wichtig, wenn Du den Film scannen und am Computer schneiden willst. Mit 18 Bildern läuft er zu langsam und muss bei der Abtastung interpoliert werden – das geht zu Lasten der Qualität
• Makro: Alle Objektive können Motive ab etwa einem Meter Entfernung scharf stellen, bei sehr guten Lichtverhältnissen ist im Weitwinkel ab 0,5 m alles scharf. Wenn Du näher ran willst, brauchst Du Makro. Da gibt es einige Varianten: manche Objektive, wie bei Bauer, ermöglichen Scharfstellung ab Frontlinse bis 1,5 m; andere, wie bei der Canon 318M, müssen exakt 22,5 cm vom Motiv weg sein – was die Verwendungsmöglichkeiten total beschränkt. Da hilft nur ein Blick in die Bedienungsanleitung.

Super-8-Kompaktkameras
Agfa Microflex 200, Agfa Microflex 300, Bauer C4, Bauer C6, Bauer C104, Bauer C14, Bauer Star 4, Bauer Top Star, Bolex 350 Macro Compact, Braun Motor Zoom Reflex Compact 500 Macro, Canon Auto Zoom 318M, Elmo C 56 Album 3600, Elmo Super 104, (Honeywell) Elmo Super 106, Elmo Traveler, Eumig Mini 3 Servofocus, Eumig Mini 5 Makro Zoom Reflex, GAF 102 A, Hanimex CPM 53, Minolta Pocket Z-8, Nizo S1, Nizo S125, Nizo S126, Nizo S30, Rollei SL86, Sankyo Super ES-44, Silma 6S, Yashica Super 40 K, Zeiss Ikon M 803 electronic

XL-Nachteulen
XL steht für „existing light“. Diese Kameras sollen sich vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen bewähren. Dafür sind zwei Faktoren maßgeblich: Besonders lichtstarke Objektive mit Öffnungen von 1:1,2 bis 1:1,4 (statt 1:1,8) und ein vergrößerter Hellsektor der Umlaufblende (statt 160–180° bis zu 230°). Dadurch verlängert sich die Belichtungszeit auf rund 1/30 sec., was bei schnellen Motiven zu leichten Bewegungsunschärfen im Einzelbild führen kann. In Verbindung mit hochempfindlichen Filmen (z. B. Kodak Vision3 200T und 500T) lassen sich auch abends interessante Ergebnisse erzielen. Wenn es zu dunkel wird, ist der Blick in den Sucher allerdings schwierig. Im Gegensatz zu hell leuchtenden Monitoren der Camcorder wird bei den meisten Super-8-Kameras ein Teil des Lichts, das ins Objektiv einfällt, abgezweigt und in den Sucher geleitet. Wenn es draußen finster ist, kommt auch im Sucher nichts an.

Besonders empfehlenswert für alle möglichen ISO-Werte der Filme sind die Modelle Canon 310 XL und 514 XL. Was kannst Du von XL-Kameras noch erwarten:

• 9er Gang: Viele haben einen Zeitraffer eingebaut, mit dem die Belichtungszeit der Einzelbilder noch weiter verlängert wird.

Super-8-XL-Kameras
Bauer C 5 XL Makro, Bauer C50 XL macro, Bauer C104XL, Bauer C105 XL, Bauer Top Star XL, Bauer Compact 20 XL, Bauer Compact III XL, Bell & Howell T30XL, Canon 310 XL, Canon 514 XL, Chinon 213, Chinon 133 P XL, Chinon 213 P XL, Elmo 412 XL Macro, Elmo 614 XL macro, Elmo Super 311 Low Light, Kodak XL 33, Kodak XL 55, Kodak XL 320, Kodak XL 330, Kodak XL 360, Minolta XL 250, Minolta XL 400, Minolta XL 401, Minolta XL 601

Spitzen-Modelle
Spitzen-Kameras haben ein 8- bis 12-fach Makro- Zoom, das fest montiert ist und häufig in zwei Geschwindigkeiten motorisch durchfahren werden kann. Es gibt also auch bei diesen Geräten keine Wechseloptik. Das Feature bleibt den System-Kameras vorbehalten, um die wir uns gleich kümmern werden. Außerdem haben Spitzen-Kameras allerlei Spielereien an Bord:

• Auf-, Ab- und Überblendfunktion
• Zeitlupe (meist 48-64 B/sec.)
• Blitzkontakt für Einzelbildbelichtung und Zweibandvertonung mit elektronischen Impulsen
• Intervalltimer für Zeitraffer mittels Einzelbildschaltung
• Langzeitbelichtungsautomatik zwischen 1/10 Sekunde bis zu einem Bild pro Minute mit vorwählbarer Szenenlänge bis 12 sec. (Bauer C Royal und A508/512 sowie Nizo 561-801 und professional)

Super-8-Spitzenkameras
Die besonderen Lieblinge der Super-8-Freunde sind die folgenden Kameras, die gut und gerne für 250 bis 350 Euro über den virtuellen Ladentisch gehen: Canon 814 und 1014XL-S (obwohl mit Sound, aber sehr begehrt), Nikon R8 und R10, Nizo professional, mit einigem Abstand auch Bauer A508/512, Bauer S709/715XL microcomputer (trotz Soundteil), alle Nizo-Modelle 481-801 macro sowie die Nizo 4056 und 6080 (trotz Soundteil).

Echte System-Kameras
Diese Modelle haben einen entscheidenden Vorteil: Du kannst das Objektiv wechseln. Alle aufgelisteten Beaulieu-Kameras verfügen über einen
C-Mount-Anschluss. Damit sind auch die Wechselobjektive von 16-mm-Kameras nutzbar. Bei der Leicina Special ist ein Leica-M-Bajonett vorhanden. Neben der Standardoptik 1:1,8/6-66 mm gibt es für diese Super 8 ein weitwinkliges Macro-Cinegon mit 10 mm, das auch Nahaufnahmen ermöglicht. Außerdem steht die gesamte Palette der Leica M Fotoobjektive offen. Die Brennweite der Foto-Objektive muss natürlich auf das Super-8-Bild berechnet werden. Das geschieht mit dem Faktor 6. Dadurch ergibt sich, dass ein Foto-Normalobjektiv von 50 mm etwa einem 300-mm-Tele an der Filmkamera entspricht. Das ist die 30-fache Vergrößerung der Super-8-Normalbrennweite von 10 mm. Da lässt sich mit extremen Tele-Brennweiten glatt in Mondkrater schauen – aber alles nur vom Stativ.

Beaulieu warb früher mit dem Slogan „100 % Licht im Sucher – 100 % Licht auf dem Film“. Erreicht wird das durch einen Verschluss, der ähnlich wie ein Schwingspiegel bei Profi-Kameras funktioniert. Vorteil ist, dass wirklich das gesamte einfallende Licht für den Film zur Verfügung steht und nichts in den Sucherstrahlengang abgezwackt wird. Nachteil ist, dass es im Sucher flackert, während gedreht wird.

Die hier benannten System-Filmkameras haben aber noch einen gemeinsamen Vorteil: Sie verfügen allesamt über ein Drehrad, um die Filmempfindlichkeit des Materials manuell von außen einzustellen! Da gibt es kein Vertun mit der Erkennung irgendwelcher Kassettenkerben. Extrem empfehlenswert, auf Ewig für alles gewappnet, dafür gern bis 400 Euro teuer!

Super-8-System-Kameras
Beaulieu 2008 S, 4008 ZM II, ZM III, ZM IV, 6008, 7008, 9008 (letztere drei obwohl Sound-Modelle), Leitz Leicina Special

Soundkameras
Vor schweren und klobigen Tonfilmkameras kann man nur warnen. Aber ich muss doch ein paar Ausnahmen schildern. Die erste ist: Wenn Tonfilmkameras Stummfilmtechnik in sich tragen, die für Deine Aufnahmen wichtig ist. Das kann mit den Modellen Canon 814 XL-S oder 1014 XL-S der Fall sein. Sie gehören zu den leistungsfähigen Kameras, die bis kurz vor Schluss der Super-8-Ära 1983 gebaut wurden. Es gibt kaum neuere Geräte. Auch die Soundkameras Nizo 4056 und 6080 sind gerne genommen. Sie sehen topp aus (Braun-Design von Dieter Rams) und sind extrem leise. Außerdem bieten sie viele Funktionen! Tonfilme gibt es aber schon lange nicht mehr. Man kann mit diesen Modellen nur noch stumm drehen.

Unbrauchbare
Vermeide schwere, klobige Kameras, die mit Film und Batterien mehr als 1,3 Kilo wiegen. Vor allem die frühen, unhandlichen Tonfilmklopper von Bauer, Beaulieu (5008), Bolex, Chinon, Copal, Cosina, Elmo, Kodak, Noris, Porst, Revue, Rollei, Sankyo und Yashica sind nicht zu empfehlen. Ignoriere alle Kameras, die eine fette Autofocus- Einheit an der Optik haben. Das hat damals kaum funktioniert und heute sowieso nicht mehr. Die meisten dieser Modelle führen die Bezeichnung „AF“ im Namen. Speziell Bolex, Canon, Chinon, Elmo, Fuji und Sankyo hatten da skurrile Konstrukte am Start.

Es gibt eine Reihe von Kameras, die nur fürs Filmen mit dem früheren Standard ASA-40-Kunstlichtfilm eingerichtet waren. Diese Modelle müssen leider auf den Müll. Oder in die Sammler-Vitrine.

Super-8-Müll
Agfa Microflex Sensor, Agfa Microflex 100 Sensor, Astral T2 Electric Eye, Eumig
Mini, Halina Super Eight, Voyageur Super 8. Besonders primitive Kameras hatten gar keinen Belichtungsmesser eingebaut: Boots Comet 121, Boots Comet S8, Mupi Zeta 1, Muplex MR 3, Universa Junior. Belichtungsmessung, die nicht durch das Zoom-Objektiv, sondern oberhalb der Optik ohne Berücksichtigung des Filmausschnitts erfolgt, ist auch nicht zu empfehlen: Argus 802, Argus 822T, Bentley B-3, Bentley BX-720, Bolex 233 Compact (S), Braun Zoom Reflex S8, Elmo Super 103(T) und 204(T), Eumig Mini Zoom Reflex2, Hanimex MZ 200, viele Kodak Instamatic Modelle.

Handbuch SUPER 8 - zu erstehen bei Amazon oder www.atollmedien.de

Mehr übers Filmen mit Super 8 erfährst Du im Handbuch SUPER 8. Hier zu haben: http://www.amazon.de/Super-Handbuch-Filmformats-digitalen-Zeitalter/dp/3938619031/ref=pd_rhf_se_p_t_2_9Z7T

Sensational: a new Super 8 camera from Denmark

Sensational: a new Super 8 camera from Denmark

A one-of-a-kind machine: the Logmar camera with matte box and external TFT viewfinder. You can still spot the 3D-printed parts.

Translation: Florian Cramer (Originalartikel hier.)

Tommy and Lasse are 63 and 30 years old. They are father and son, and they’ve always bonded over ambitious tech projects. Tommy is an expert mechanic, a crack on the lathe who knows everything about any kind of material. He can manufacture parts that he has in mind just so. Lasse’s expertise is even more microscopic than precision mechanics: He’s an engineer of bits and bytes. As a researcher and consultant, he develops complex micro controller applications, from chip design to full-fledged systems. Fifty years ago, Tommy became an amateur filmmaker, back then on Double 8mm with an Olympus Pen camera. Even today, long after the Olympus had been superseded by a Chinon Super 8 camera, he always keeps a fresh film cartridge in his refrigerator. Lasse has designed the hard- and software of highly complex micro controller systems for more than a decade. Motor control is his particular area of interest.

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Sensation: Neue Super 8 Kamera aus Dänemark

Sensation: Neue Super 8 Kamera aus Dänemark

Macht was her: Die Logmar-Kamera mit Kompendium und aufgesetztem Suchermonitor. Hier sind in grau noch deutlich die Teile aus dem 3D-Drucker zu erkennen

(English version here.)

Tommy und Lasse sind Vater und Sohn, 63 und 30 Jahre alt. Schon immer waren sie durch ambitionierte, technische Projekte besonders verbunden. Tommy ist Mechanikermeister mit großer Erfahrung, spielt virtuos die Drehbank, kennt jedes Material und dessen Eigenheiten, verteilt Kräfte und fertigt die Einzelteile die ihm in den Sinn kommen einfach mal eben aus dem Vollen. Lasses Domäne ist noch feiner als die Feinmechanik: Er ist ein Bit-Dompteur, entwickelt komplexe Mikrocontrolleranwendungen – vom Chipdesign bis zur kompletten Lösung; forschend und beratend. Tommy begann schon vor 50 Jahren zu filmen, seinerzeit mit einer Olympus Pen auf Doppel-8, auch heute hat er noch stets eine frische Rolle Film im Kühlschrank, auch wenn die Super 8 Kamera von Chinon die Olympus irgendwann weitgehend ablöste. Lasse ist seit zehn Jahren dabei, Hard- und Software spezialisierter Steuerungssystem zu entwerfen. Gerade die Motorsteuerung hat es ihm angetan.

Tommy und Lasse sind Logmar, Logmar begann als Firma 2009 in Lasses Haus in Aalborg. Heute steht in den Firmenräumen eine CNC-Fräse, ein MakerBot 3D-Drucker, ein SMD Bestückungsautomat und sogar eine Reflow-Maschine zur professionellen Fertigung von Steuerplatinen mit hoher Bestückungsdichte. Eine große Kiste mit verworfenen Prototypen der Steuerplatinen deutet auf die Unermüdlichkeit und Akribie hin, die Vater und Sohn bei ihren Projekten verbindet.

Wir haben allein bei der Mechanik fünf mal komplett von vorne angefangen. Oder waren es acht mal? Ich habe aufgehört zu zählen.

Aber wie kam es überhaupt dazu, drei Jahrzehnte nach der letzten Neuvorstellung einer Super 8 Kamera nochmals eine solche zu erfinden? Angefangen hat alles mit der Krasnogorsk, der preiswerten, russischen 16mm Kamera voller zickiger Tücken. Tommy und Lasse haben für sie einst ein “Drop-in Replacement” entwickelt, eine neue Platine, die von jedermann mit wenigen Handgriffen einfach das Innenleben des russischen Kastens ersetzen konnte. So bekam man auf einen Schlag einen ultragenauen Elektromotorantrieb, eine exakte Belichtungsmessung und eine moderne Stromversorgung. Trotz Marktreife starb das Projekt, bevor es auch nur angekündigt war: So gab es bereits Bequarzungslösungen und auch war die Qualitätsstreuung der Krasnogorsk-Kameras erheblich. Schnell wurde den beiden klar: Lieber gleich richtig machen, weg mit alten Zöpfen. Wenn schon modern, dann ganz.

Lasse wollte zunächst eine bessere Ikonoskop bauen. Heute ist er froh, dass nicht probiert zu haben, denn er hatte (ähnlich wie die Entwickler der Ikonoskop-Kamera auch) komplett unterschätzt, was für ein erheblicher Aufwand das gewesen wäre. Die Signalverarbeitung, das Bewegen der Datenmengen… dafür hätte die Zeit niemals gereicht, denn Logmar ist ein Nebenprojekt, und andere haben da einfach den längeren Atem. Alle 14 Tage erscheint eine neue, digitale Filmkamera. Der Markt ist umkämpft und breit besetzt. Beide wusste aber, wie viele Super 8 Kameras, Filme und Filmer es da draussen noch gibt – und alle müssen Kameras verwenden, die mindestens 30 Jahre alt sind und eine Menge Unzulänglichkeiten mitbringen. Damit war der Antrieb geboren, etwas anders zu machen als alle anderen: Eine neue, analoge Kamera zu bauen: Als erste Firma seit vielen Jahrzehnten!

Lasse wollte zunächst 16mm machen, denn “16 war einfach mehr als 8”. Irgendetwas aber sagte den beiden, dass 8mm die bessere Wahl wären. Super-16 stirbt schneller, als Super 8 es tut – und es gibt mehr Super 8 Kameras, mehr Super 8 Filmer, mehr Projektoren… und es ist bezahlbarer.

Unsere ganze Familie hält uns für vollkommen bekloppt. Nun, eigentlich tun das alle.

Lasse hat selber nie mit Super 8 gefilmt, seine erste Kamera war eine in den USA entstandene NTSC-Videokamera mit entsprechender Qualität. Was beiden bei Super 8 schon immer fehlte: Eine Lösung für einfachen, hochqualitativen Ton. Die leidgeprüften Schmalfilmer hatten bis heute immer nur die Wahl zwischen mieser Qualität und hoher Komplexität: Der Pistenton mit annähernd Mittelwellenqualität erlaubt seit langem keine Aufnahme von Liveton mehr, Zweibandverfahren sind so angestaubt wie kompliziert und anfällig. Eine moderne Lösung ist hier also ein echtes Novum.

Die ungeahnten Tonmöglichkeiten (unten dazu mehr) sind aber mitnichten das einzige Novum. Absolut einzigartig sind auch Filmantrieb und Filmschaltwerk, neben einem echten Sperrgreifer verfügt die Kamera auch über eine eigene, feste Andruckplatte und eine kombinierte Vor- und Nachwickelrolle sowie einen Haufen Technik, den es in früheren Kameragenerationen schlichtweg noch nicht gegeben hat.

Aus innerem Antrieb

Fangen wir ganz innen an: Beim Kameramotor. Auffallend ist zunächst, wie ungewohnt leise er läuft, ein souveränes, gesundes Summen. Erstaunt bemerke ich dann, dass sich die Bildrate im Menü auf vier (!) Stellen hinterm Komma einstellen lässt und frage verwundert nach, wie das sein kann. Lasse erklärt: Der Antriebsmotor ist ein Gleichstrommotor von Maxon, wie er auch im Mars Rover verwendet wird — vom feinsten also. Andere Motoren wie zum Beispiel von Faulhaber erfüllten die hohen Ansprüche der beiden Dänen nicht. Geregelt wird er über eine komplett autarke Regelelektronik, die unabhängig von der sonstigen Kameraelektronik für unerreicht hohe Präzision sorgt: Eine PLL, getaktet von einem 100 MHz DDS, sorgt für erreichen der korrekten Umdrehungszahl in wenigen Millisekunden und absolut exaktes Einhalten der Bildfrequenz vom ersten bis zum letzten Bild. Die Fehlerrate nach 10 Sekunden Motorlauf beträgt unter 0,0003 fps – das entspräche einem einzelnen Frame Abweichung nach 90 Minuten Filmen, was aber dank PLL Nachregelung nicht entsteht.

Die Umlaufblende lieferte hier drei Impuls pro Umdrehung. Bei eingestellten 25 fps wurden über 10 Sekunden also 25.000248  fps erreicht.
Die Umlaufblende lieferte hier drei Impuls pro Umdrehung. Bei eingestellten 25 fps wurden über 10 Sekunden also 25.000248 fps erreicht.

[alert type=”info”]Ein DDS (Direct Digital Synthesizer) ist ein Baustein, der mit absoluter Präzision beliebige Frequenzen erzeugen kann. Anders als ein Quarz hat er keine feste Frequenz auf der er schwingt, sondern kann in feinsten Stufen programmiert werden. Die PLL (Phase Locked Loop, auch Phasenregelkreis genannt) sorgt, vereinfacht gesagt, für eine exakte Zwangskopplung der Eingangsfrequenz des DDS und der gewünschten Bildfrequenz der Kamera. Die Sollgeschwindigkeit ist dadurch schon nach Bruchteilen eines Millimeters erreicht und wird zwangsläufig permanent vollkommen exakt eingehalten. Herkömmliche Quarzsteuerungen brauchen oft mehrere Sekunden, bis der Regelkreis “locked-in” ist, bei der Logmar-Kamera ist alles vom ersten bis zum letzten Bild eines Takes lippensynchron.
[/alert]

Der eingesetzte Motor ist so kräftig und präzis, dass er locker Bildfrequenzen bis 100 B/s regeln könnte – allerdings kann nicht nicht garantiert, dass die Mechanik und auch der Film derartigen Stress lange mitmachen würden. Vorerst wird die Logmar Kamera daher mit Firmwareseitig festgelegten 54 B/s Maximalfrequenz auf den Markt kommen.

Schlaufenformer

Genauso besonders wie der Antrieb ist die Filmführung der Logmar-Kamera. Ähnlich wie bei den ultra-seltenen Hochgeschwindigkeitskameras der Firma Mekel wird die kassetteneigene Andruckplatte von einem Mechanismus eingedrückt und beim Einlegen eine Filmschlaufe aus der Kassette gezogen, damit der Film den Weg einer klassischen Filmführung geht. Hierdurch werden nahezu alle Nachteile der Super 8 Kassette eliminiert, Kassettenklemmer sind ausgeschlossen, der Bildstand könnte nicht perfekter sein, selbst bei störrischem und nicht normgerechtem, unflexibelem Material.
An der unteren Filmschlaufe befindet sich eine Notabschaltung. Verschwindet die Schlaufe, zum Beispiel bei Filmende oder auch bei Blockaden, stoppt der Kameramotor umgehend.

Kennt man nur von Mekel: Eine echte Zahntrommel in einer Super-8 Kamera
Kennt man nur von Mekel: Eine echte Zahntrommel in einer Super-8 Kamera

Greifer

Eine beachtliche Konstruktion ist auch das Filmschaltwerk der neuen Kamera. So verfügt die Filmbühne nicht nur über eine kameraseitige, feste Andruckplatte aus anodisch oxidiertem Aluminium, sondern auch über einen echten Sperrpin. Diese Konstruktion geht sogar über die Schlepphebel hinaus, die eine Nikon R10 zur Verbesserung des Bildstandes benutzt: Der Sperrpin fixiert das Bild bombenfest während der gesamten Zeit, in der der Umlaufverschluss Licht auf den Film lässt. So ist ein bestmöglicher Bildstand garantiert. Der Sperrpin ist dabei übrigens so bemessen, dass er den Film spielfrei im Perfoloch fixiert. Der Testfilm beweist wie gut das funktioniert: Dreht man den Bildstrich in den sichtbaren Bereich, bewegt er sich auch bei Projektion mit 2m Diagonale kein bisschen. Einen solchen Bildstand hat es noch bei keiner 8mm Kamera gegeben, nicht einmal bei den besten DS8-Kameras aus der Schweiz. Das Bildfenster des Prototyps ist übrigens breiter als bei Super 8 Kameras üblich, ähnlich wie Max 8 — “so breit wie es geht”, sagt Tommy. Zudem hat es leicht abgerundete Ecken. Ob das bei den Filmfenstern der Serienkameras auch so sein wird, bleibt abzuwarten.

Sucher

Ebenso einzigartig ist das Suchersystem der Logmar-Kamera. Es ähnelt im Aufbau dem Beaulieu-Mechanismus, hat aber nur einen Verschlussvorhang. So blickt man mit dem Sucher durch die Optik und hat keinerlei Parallaxenprobleme, gleichzeitig kommen 100% des Lichts auf den Film, da kein Prisma zur Ausspiegelung des Sucherbildes vorhanden ist. Aich fehlen kameraseitige Einschwenkfilter, was der Qualität erneut zuträglich ist. Anders als in quasi allen anderen Super 8 Kameras befindet sich zwischen dem aufgesetzten Objektiv und der Filmemulsion zum Zeitpunkt der Belichtung tatsächlich nichts als eine durchgängige Luftschicht! Gleichzeitig bedeutet es, dass man ein helles und großes Sucherbild hat, das auch in großer Dunkelheit vollumfänglich zur Einstellung der Schärfe reicht. Das Sucherbild ist dabei sogar beliebig groß, denn statt einem optischen Sucher gibt es eine kleine CCD-Kamera, die das Sucherbild auf einen Monitor zaubert. Die Logmar hat hierzu nun seitlich ein schwenk- und drehbares LCD-Display fest angebracht, wie man es von digitalen Videokameras kennt. Das das Videosignal nach aussen geführt ist, lässt sich auch ein Kontrollmonitor oben auf der Kamera montieren. Ebenfalls möglich ist das anschliessen eines großen (u.U. weit entfernten) Kontrollbildschirms oder auch ein Aufzeichnen oder Senden des digitalen Sucherbildes, natürlich nur in SD-Qualität. Dem Video-vertrauten wird es fremd vorkommen, dass das Sucherbild während der Aufnahme mit der gewählten Bildfrequenz flackert, der erfahrene Beaulieu-Filmer hingegen fühlt sich sofort zuhause.

Anders als der erste Prototyp enthält die Kamera kein dediziertes, monochromes LC-Display für die möglichen Einstellungen mehr. Alle Einstellungen lassen sich jetzt komfortabel per Knopf und Drehrad über ein On-Screen-Display tätigen. Auch sind alle wichtigen Einstellungen wie Bildrate, Akku-Füllstand und ähnliches so jederzeit im Blick.
Selbstverständlich ist auch ein Einzelbildzähler vorhanden, der sowohl bereits belichtete als auch noch verbleibende Frames einer Kassette anzeigen kann. Da die Kamera bei Kassettenende abschaltet, verschenkt man kein einziges Filmbild und verliert zugleich keine irrtümlich auf “Exposed” belichtete Szene. Alternativ zum Einzelbildzähler kann der Sucher auch den Filmverbrauch bildgenau in Metern anzeigen.

Neu: Erster Prototyp des seitlich angebrachten, schwenkbaren Sucher-Monitors. Alle grünlich-grauen Teile an der Kamera sind PLU-Prototypen die dem 3D-Drucker entstammen. Sie werden in der finalen Version natürlich aus Aluminium oder hochwertigen Kunststoffen gefertigt sein.
Neu: Erster Prototyp des seitlich angebrachten, schwenkbaren Sucher-Monitors. Alle grünlich-grauen Teile an der Kamera sind PLU-Prototypen die dem 3D-Drucker entstammen. Sie werden in der finalen Version natürlich aus Aluminium oder hochwertigen Kunststoffen gefertigt sein.

Belichtungsmessung

Und doch hat die Kamera ein Prisma als Strahlenteiler: Allerdings erst hinter der Ausspiegelung. Mit diesem wird ein Teil des Lichtes auf eine Photodiode abgezweigt, die für präzise TTL-Belichtungsmessung zuständig sein wird. Im begutachteten Modell war der Belichtungsmesser noch nicht fertig implementiert, dem Profi macht aber ja auch die Benutzung eines externen Handbelichtungsmessers nichts aus. Geplant ist eine Nachführbelichtungsmessung, die auch die gewählte Bildwiederholrate berücksichtigt.
Der Hellsektor der Umlaufblende hat derzeit übrigens 180°, was aber auch noch einfach zu ändern wäre. Eine verstellbare Sektorenblende ist nicht vorgesehen, der konstruktive Aufwand ist schlichtweg zu hoch.

Gehirn

Bemerkenswert und zudem für die hohe Flexibilität und die vielen Möglichkeiten verantwortlich ist das Herzstück der neuen Kamera: Der ARM Cortex M3 als Mikrocontroller ist ein ausgesprochen leistungsfähiges und komplexes Multitalent. Der Anwender bekommt davon nichts mit, wird sich aber über die einfachen, mächtigen Funktionen und zukünftige Weiterentwicklungen der Kamera durch Updates der Firmware freuen. Der ARM-Microcontroller ist koordinierendes Herzstück für eine ganze Anzahl verschiedener, spezialisierter Baugruppen. So stellt er das OSD (On Screen Display, die Menüsteuerung der Kamera), steuert die Regeleinheit zur Bildrate, bedient den USB-Anschluss, lauscht und verwaltet WLAN-Verbindungen, koordiniert den Audio-Teil (siehe unten), regelt die Belichtungsmessung und dergleichen mehr.

Eine von vielen Revisionen der Hauptplatine: Zu sehen sind u.a. Wifi-Chip, SD-Kartenleser, der Scilab ARM Mikrocontroller, JTAG-Anschluss, DDS und PLL zur Motorsteuerung, der Chip für das On-Screen-Display und der Sanyo Motortreiber, der ohne Kühlkörper 24W Leistung schafft.
Eine von vielen Revisionen der Hauptplatine: Zu sehen sind u.a. Wifi-Chip, SD-Kartenleser, der Scilab ARM Mikrocontroller, JTAG-Anschluss, DDS und PLL zur Motorsteuerung, der Chip für das On-Screen-Display und der Sanyo Motortreiber, der ohne Kühlkörper 24W Leistung schafft.

Auch wenn früher schon Elektronik zur Steuerung verschiedener Kamerafunktionen zum Einsatz kam, so ist eine echte Mikrocontroller-Architektur wie hier doch etwas völlig anderes. Da fast alle relevanten Mess-, Steuer- und Regelvorgänge auf Software basieren, lassen sich durch Updates der Firmware nicht nur Fehler beheben sondern auch völlig neue Funktionen schaffen. Die Logmar ist diesbezüglich sehr gut aufgestellt, da sie mit USB und Wifi für die Außenwelt sichtbar wird und die Architektur sehr offen für Erweiterungen ist.

Liveton

Kernkompetenz und deutlichstes Alleinstellungsmerkmal der Logmar-Kamera sind wohl die Liveton-Möglichkeiten, die es so bei Super 8 Film noch nie gegeben hat.
Für den Anwender könnte es kaum simpler sein: Man steckt einfach eine handelsübliche SD-Karte oben in die Kamera. Pro Take enthält man dann eine alleinstehende, lippensynchrone Audio-Datei, deren Dateinamen den Aufnahmezeitpunkt nebst aktuellem Datum enthält. Nach der Aufnahme schliesst man die Kamera an den Computer an oder liest die Speicherkarte direkt aus — die Audiodateien müssen dann im Bearbeitungsprogramm nur noch unter die digitalisierten Spuren gezogen werden (oder für Kopieren auf Pistenton hintereinander gekoppelt) – fertig!

Auch hier wurde Nägel mit Köpfen gemacht: Herzstück ist das Audio-Multitalent 1063 der finnischen Chip-Schmiede VLSI. Dieses kleine Multitalent kann nicht nur Audiodateien in allen erdenklichen Formaten wiedergeben, es kann sie auch in höchster Qualität encodieren und mit 16 Bit und bis zu 48 kHz Samplingrate aufnehmen. Auch der VLSI-chip ist von hoher Erweiterbarkeit: So unterstützt er DSP-Plugins, Echtzeit Audio-Analyse, verschiedene Samplingraten und arbeitet dank Wallclock mit extrem hoher zeitlicher Präzision. Lasse arbeitet noch an Firmware-Änderungen, die Einstellung von Höhen und Tiefen sowie der Empfindlichkeit der automatischen Aussteuerung zulassen. Auch ein optionaler Audiokompressor mit variablem Attack ist vorgesehen, derlei Funktionen werden vermutlich über Firmware Updates sukzessive ausgebaut.

[alert type=”info”]Der derzeitige Prototyp enthält noch den Vorgängerchip 1053, der nur Dateien im Format Ogg-Vorbis erzeugen kann. Eine Umstellung auf den Nachfolger 1063 ist aber geplant, was auch Aufnahmen in MP3 oder unkomprimiertem 16-bit WAV Format erlaubt.
[/alert]

Eingangsseitig steht eine 3,5mm Klinkenbuchse für Mikrophon- oder Line-Pegel zur Verfügung, die Anpassung des Pegels geschieht automatisch. Den Profi erfreut eine XLR/6,3mm-Kombibuchse von Neutric, die auch gleich 48V Phantomspeisung erlaubt. Diese ist natürlich Kurzschlussfest. Die Wahl des Eingangs geschieht vollautomatisch, die Aussteuerung kann sowohl manuell (per Drehknopf, nicht per fummeliger Tipptasten) als auch manuell erfolgen. Der Liveton kann über einen Kopfhöreranschluss bequem kontrolliert werden, ausserdem wird der Audiopegel (nebst Übersteuerungsanzeige) direkt im On-Screen-Display des Sucherbildes angezeigt. So steht professionellen Livetonaufnahmen nichts mehr im Wege!

Anschluss gesucht: Hier die noch unbeschrifteten Buchsen zur Außenwelt und der außen angebrachte, leicht wechselbare Video-Akku
Anschluss gesucht: Hier die noch unbeschrifteten Buchsen zur Außenwelt und der außen angebrachte, leicht wechselbare Video-Akku

Und noch ein Schmankerl bietet die mächtige Sound-Option der neuen Kamera: Optional soll es bald möglich sein, Ton aufzuzeichnen, sobald die Kamera eingeschaltet wird. Nach wie vor wird pro Take eine neue Datei erzeugt, da die Aufnahmen aber lückenlos sind, entfällt effektiv der Fieldrecorder. Auch wenn man beim Livekonzert nur 10 Minuten Film belichtet, hat man trotzdem einen hochqualitativen Mitschnitt des gesamten Konzertes – inklusiv lippensynchronen Tons!

Stromversorgung

Die Logmar-Kamera gibt sich mit standardisierten 7,2V Akkus zufrieden, wie sie an vielen Videokameras verwendet werden. Diese sind schnell zu laden, preiswert, einfach erhältlich und dienen dank verschiedener erhältlicher Größen ggf. auch gleich als Ausgleichsgewicht für lange Objektive.
Erstaunlicherweise genügt dieser einzelne Akku, um die 5 verschiedenen Betriebsspannungen zu erzeugen, die die Kamera benötigt. So werden für die verschiedenen elektronischen Baugruppen 1,8V, 3,3V und 5V benötigt. Die Phantomspeisung des Mikrophoneingangs liefert normgerecht zweimal satte 48V. Der Kameramotor bekommt Betriebsspannungen zwischen 7 und 30V bei 24 Watt, um bei jeder Geschwindigkeit mit bestem Wirkungsgrad zu arbeiten — derlei Perfektionismus hat es bis dato in keiner Super 8 Kamera gegeben.

Ein großes Akkupack eignet sich gut zum ausbalancieren bei der Verwendung langer Objektive
Ein großes Akkupack eignet sich gut zum ausbalancieren bei der Verwendung langer Objektive

Besonderheiten

Das besondere Suchersystem der Logmar-Kamera bedingt ein paar besondere Verhaltensweisen, die dem Nizo- oder Bauer-gewöhnten Schmalfilmer zunächst unvertraut sein werden.
Zum einen ist der Kassettenwechsel natürlich ein wenig aufwendiger als bei normalen Kameras, da mal eine Filmschlaufe herausziehen und mit der Hand einfädeln muss. Auch verwendet die Logmar-Kamera glücklicherweise keinerlei Abtaster für Kassettenkerben, es bleibt also dem Anwender überlassen, Belichtung und ggf. Konversionsfilter korrekt einzustellen.

Zu bedenken ist auch, dass ein Entnehmen des Filmes aus der Kamera durch den Sperrpin erst möglich ist, wenn die Kamera “geparkt” ist. Im derzeitigen Prototyp muss der Anwender das Parken des Sperrpins noch selbst im Menü initiieren, ansonsten hängt der Film fest. Für die Serienversion ist vorgesehen, dass der Sperrpin bei öffnen des Filmraums automatisch in Parkposition geht.

Da die Logmar-Kamera dank der einmaligen Motorsteuerung ohne mechanische Bremse am Umlaufverschluss auskommt, kann man optional das letzte Bild einer jeden Szene für einige 100 ms belichten. Sinnvoll ist das bei der Arbeit mit Negativmaterial, da die einzelnen Takes so sehr klar erkennbar unterteilt sind, was den Schnitt vereinfacht. Der projizierender Umkehrfilmer kann diese Funktion natürlich auch deaktivieren.

Anschluss gesucht

Neben den bereits erwähnten Anschlussmöglichkeiten für Ton-Peripherie bietet die Kamera eine bisher ungekannte Kontaktfreudigkeit zur Außenwelt. Mechanisch ist an der Vorderseite ein C-Mount Anschluss für Cine-Objektive vorgesehen. Ein PL-Mount wäre denkbar, wurde aber aus Kostengründen vorerst weggelassen. Oben auf der Kamera befindet sich ein Blitzschuh für Mikrofone oder Lampen. An der Unterseite befindet sich eine Stativschraube, in der ggf. auch ein Handgriff mit Auslöser montiert werden kann. So auffällig wie praktisch ist der große Handgriff an der Oberseite, mit dem die Kamera komfortabel und sicher bewegt werden kann.

Auch auf der elektrischen Seite ist die Kamera Gesprächig: Auf der Oberseite befindet sich eine Buchse für das Videosignal des Suchers. Gleich daneben ist die WLAN-Antenne zu sehen: Die Kamera lässt sich nämlich per WLAN fernsteuern. Geplant ist die Offenlegung eines einfachen, mächtigen Protokolls, mit dem jeder Gewillte selbst Anwendungen nach Wunsch programmieren kann. Denkbar sind hier neben klassischen Fernsteuerungen auch Intervalometer, Auslösung per Bewegungsmelder, Geräuschsensor, Lichtschranke u.ä.
Geplant ist es, sämtliche Einstellungen der Kamera auch aus der Ferne konfigurieren zu können, neben der exakten Framerate aber auch so Dinge wie die exakte Belichtungszeit einzelner Frames, DSP-Optionen und anderes mehr.

Zu guter letzt sorgt ein USB-Anschluss für verkabelten Kontakt nach außen. Hierüber lässt sich sowohl neue Firmware einspielen als auch die SD-Karte mit den Audio-Aufnahmen auslesen, ohne einen Kartenleser zu bemühen. Entwickler, die das offene Protokoll der Kamera verwenden wollen, können über die USB-Schnittstelle zudem Debuginformationen auslesen.

Geburtshilfe

Und wann ist sie nun zu haben? Wenn alles gut geht, gegen April 2014. Der Prototyp ist nahezu “feature complete”, die Beta-Testphase beginnt in diesen Tagen. Erster Schritt zum Endprodukt wird es dann sein, mindestens zehn Vorbestellungen zusammen zu bekommen, um Gießformen und Werkzeuge für jene Teile zu fertigen die derzeit noch aus dem 3D-Drucker kommen. Danach kann dann eine echte Serienfertigung beginnen. Der Einführungspreis für Vorbesteller wird vermutlich zwischen €2.000 und €2.500 liegen – nach über 300.000 investierten Dänischen Kronen, über 100 handgefertigten Spezialteilen pro Kamera und vier Jahren unentwegter, unbezahlter Arbeit ein sehr faires Angebot.
Als besonderes Schmankerl können die ersten mutigen Zehn neben schwarz auch blau oder rot anodisiertes Aluminium für das Gehäuse wählen.

Mit exakten 100 cN wickelt die Logmarkamera den Film sauber auf dem Kern der Kassette auf
Mit exakten 100 cN wickelt die Logmarkamera den Film sauber auf dem Kern der Kassette auf
Hier sieht man den Prototypen mit 10mm Cooke Optik und angeschrautem Handgriff, So ist sie nur etwas breiter als die Spitzenmodelle der 70er Jahre.
Hier sieht man den Prototypen mit 10mm Cooke Optik und angeschraubtem Handgriff, So ist sie nur etwas breiter als die Spitzenmodelle der 70er Jahre.

Ein Praxistest wird in den nächsten Tagen folgen – Filmkorn wird ausgiebig berichten!

Die glorreichen Sieben

Die glorreichen Sieben

Bei Ferrania Film geht es voran:

Vordenker und Initiator Nicola Baldini stellt auf seinem Blog heute das Forschungs- und Entwicklungsteam vor, das ihm beim Erreichen der Marktreife seines ambitionierten Projektes helfen will:

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Die ehemaligen Ferrania-Mitarbeiter sind naturgemäß mit den nötigen Prozessen, Aufgaben und Schweirigkeiten gut vertraut. Laut Baldini ist dies aber nur der Anfang; so stehen wohl eine Reihe weiterer Ferrania-Veteranen bereit, um den Farbumkehrfilm durch ein neues Produkt am Leben zu erhalten.

Auf den Team-Seiten wird das Team ausführlich vorgestellt.

BBC akzeptiert wieder Super 16

BBC akzeptiert wieder Super 16

Bei Super 16 wird der Filmstreifen in seiner gesamten Breite belichtet und der Ton extern aufgenommen. Das Format ist nicht für die Projektion gedacht.

Bei Super 16 wird der Filmstreifen in seiner gesamten Breite belichtet und der Ton extern aufgenommen. Das Format ist nicht für die Projektion gedacht.

Ab sofort akzeptiert die BBC Super 16mm-Film wieder als Produktionsformat für HD-Sendungen. Wie die Website Televisual.com berichtet, revidiert der Sender damit seinen früheren Beschluss gegen das Filmformat. Prominente britische Filmregisseure – darunter Ken Loach, Sam Mendes, Stephen Frears, Kenneth Branagh und Terry Gilliam – hatten sich damals in einem Protestbrief für Super 16 als kreative Option eingesetzt.

Vor dem Aufkommen digitaler HD-Kameras war Super 16 mit seinem 16:9-Bild Standardformat für Dokumentar- und Fernsehfilme. Auch die Hollywoodfilme The Hurt Locker und Black Swan wurden mit Super 16-Kameras gefilmt. In Deutschland dreht der Regisseur Dominik Graf häufig auf dem Format, unter anderem den Mehrteiler Im Angesicht des Verbrechens und wahrscheinlich auch den gestrigen Tatort Aus der Tiefe der Zeit.

Ursprünglich hatte die BBC Super 16 für HD-Fernsehausstrahlungen abgelehnt, weil das Korn des Filmmaterials die Kompressionsalgorithmen für Digitalvideo überfordere. Laut Televisual.com bietet die BBC nun eine Kompromisslösung an, bei der Super 16 unter Auflagen akzeptiert wird. Die dürften wahrscheinlich die Körnigkeit des verwendeten Materials betreffen und darauf hinauslaufen, dass nur auf feinkörnigen Filmsorten gedreht werden darf.

Dies ist eine gute Nachricht für alle verbliebenen Filmdienstleister, besonders im Großbritannien. Nachdem das traditionsreiche Londoner SoHo Filmlab 2011 seine Pforten schloss, sah die Zukunft des 16mm-Films jenseits des Ärmelkanals zeitweilig düster aus.

Ferrania ist zurück: Interview mit Macher Nicola Baldini

Ferrania ist zurück: Interview mit Macher Nicola Baldini

Film Ferrania: neu-alter Name und Logo

Film Ferrania: neu-alter Name und Logo

Die Nachricht, dass der italienische Filmhersteller Ferrania wiederbelebt wird, schlägt hohe Wellen in der Schmalfilmszene, denn auch neue 8- und 16mm-Umkehrfilme sind angekündigt. Ein Gespräch, das Bellamy Hunt vom Blog Japan Camera Hunter mit Nicola Baldini, Filmemacher und Mitbetreiber der neu gestarteten FILM Ferrania, führte, beantwortet viele offenen Fragen. Wir veröffentlichen es hier in deutscher Übersetzung, mit freundlicher Genehmigung von Bellamy Hunt!

Nicola, was kannst Du unseren Lesern über Ferrania und Ferrania-Filme berichten?

“Ferrania” ist immer noch ein gut bekannter Name: So heisst eine berühmte italienische Firma mit einer großen Tradition und einer langen Geschichte exzellenter Industrieprodukte, trotz ihrer Schwierigkeiten in der jüngsten Zeit.

Die Geschichte Ferranias als Teil der italienischen Kinofilmproduktion begann kurz nach dem ersten Weltkrieg, als die Sprengstofffabrik SIPE auf die Herstellung von Zelluloid umgestellt wurde und sich in FILM Ferrania umbenannte. (Die Chemie des damaligen Filmträgermaterials glich der von Sprengstoffen stark.) In diesen frühen Jahren eroberte sich Ferrania schnell die Marktführerschaft im Inland und übernahm 1932 den berühmten Mailänder Fotoplatten-Hersteller Cappelli.

In der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs feierte Ferrania die größten Erfolge der Firmengeschichte. Man brachte den berühmten “Ferraniacolor” auf den Markt. Er gesellte sich zum bereits berühmten Ferrania-Schwarzweissfilm, dem Star vieler italienischer Kino-Meisterwerke dieser Zeit – von Pasolini, De Sica und anderen.

1964 ging Ferrania ins Eigentum des multinationalen 3M Ferrania-Konzerns über. Einerseits wurden so neue Märkte erschlossen, andererseits begann damit der schleichende Abschied von der Kinofilmindustrie, weil man sich ausschließlich auf den Massenmarkt für Amateurfotografie konzentrierte.

1996 fiel Ferrania unter die Firma Imation, in die 3M seine Produktion für die graphische und medizinische Industrie ausgliederte. 1999 wurde Ferrania an die Private Equity-Firma Schroder Ventures (Permira) verkauft und ging danach unter dem Namen Ferrania Technologies zurück in italienischen Besitz (der Messina-Industriegruppe aus Genua).

Nach einer Reihe Verkäufe von Firmenimmobilien und -maschinen wegen der Krise des traditionellen fotografischen Films im Würgegriff der Digitaltechnologie, gibt es jetzt uns mit der Firma FILM Ferrania. Neben dem ursprünglichen Firmennamen hat sie die Abteilung Photocolor Ferrania Technologies übernommen und will die historische Marke Ferrania im Bereich des analogen Films wiederbeleben.

Die Ferrania-Fabrik mit ihrem Forschungs- und Entwicklungscampus, zu 3M-Zeiten auf umweltfreundlichen Betrieb umgerüstet

Stimmt es also wirklich? Wird Ferrania wieder Film herstellen?

Sehr gerne beantworte ich diese Fragen, bitte aber vorab um Entschuldigung, wenn ich manchmal nicht ins Detail gehen kann, weil die ein oder andere Information noch vertraulich ist und wir andere Dinge selbst noch nicht wissen!

Zur ersten Frage, es stimmt absolut, dass in Kürze – und im Gegensatz zum heutigen Trend – ein neuer Filmhersteller auf den Weltmarkt zurückkehrt. Ein Hersteller mit einer Familiengeschichte, die nicht minder stolz ist als die von Kodak oder Agfa. Wie wir auch in unserer ersten Pressemitteilung erklärt haben, sind wir faktisch noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase, weil Ferranias Fabrik die letzten Jahre lang stillgelegen hat und Maschinen neu hergerichtet und kalibriert werden müssen. Dabei fällt zusätzlich ins Gewicht, dass die Herstellungsprozesse bei Ferrania auf tausende von Arbeitern ausgelegt waren – zu Glanzzeiten hatte Ferrania 4000 Angestellte. Doch wenn wir auf dem heutigen Markt konkurrenzfähig sein wollen, brauchen wir einen kleineren, hochoptimierten Arbeitsablauf. Alle Angestellten der Abteilung Ferrania Photocolor wurden entlassen, als die Filmproduktion stoppte. Glücklicherweise waren einige von ihnen für uns noch verfügbar und sind sehr enthusiastisch bei diesem neuen Abenteuer dabei. Und zu guter Letzt sind noch Probleme zu lösen, die nicht an uns liegen, wie zum Beispiel neue EU-Verordnungen zum Chemikaliengebrauch. Trotz all dieser Herausforderungen sind wir optimistisch über die Ergebnisse. Unsere einzige Unsicherheit liegt in der Zeitplanung, aber wir werden unser Bestes dafür tun, dass unsere früheren und künftigen Kunden so bald wie möglich neue, begeisternde Produkte erhalten.

Eines der 9 Stockwerke des mehr als 100 Meter langen Fabrikgebäudes

Wie kam es zur Entscheidung, diese klassische Marke zurückzubringen? Und wie habt Ihr das hingekriegt?

Es war wirklich eine Fügung des Schicksals. Ich bin Filmemacher und -produzent, aber auch leidenschaftlicher Anhänger des analogen Films, besonders in den Schmalfilmformaten. Marco Pagni Fontebuoni, mein Geschäftspartner, betreibt ein Labor für professionelle Kinofilm-Dienstleistungen. Vor ungefähr zwei Jahren nahmen wir Kontakt mit Ferrania auf, um Ausrüstung aufzukaufen, die dort vernichtet werden sollte. Bei dieser Gelegenheit lernten wir die Ferrania-Fabrik besser kennen und schätzen – gerade hinsichtlich der Anlagen und des hochqualifizierten Personals, das dort immer noch arbeitete. So stand am Anfang dieser ganzen Geschichte die Frage: “Was wäre, wenn wir, statt die Technik aufzukaufen und ins Ausland zu bringen, alles hier stehen lassen und versuchen, die Filmherstellung bei Ferrania mit den ehemaligen Angestellten neu zu beginnen?”

Das fabrikeigene Kraftwerk

Welche Filme wollt Ihr zurück auf den Markt bringen?

In dieser ersten Etappe unseres Unternehmens haben wir wenig Alternativen. Unser erstes Ziel ist zu zeigen, dass Ferrania, selbst nach einer Schrumpfkur, wieder Film herstellen kann, auf demselben Qualitätsniveau wie früher. Entscheidend hierbei ist nicht die Qualität unseres Maschinenparks, denn der von Ferrania ist der ausgeklügelste und flexibelste, den es auf der Welt gibt, sondern die Optimierung der chemischen Formeln und Prozesse.

Zum Beispiel können heute einige der alten Chemikalien nicht mehr verwendet werden, weil sie europäischen Umweltgesetzen zuwiderlaufen. Darum ist es logisch, zuerst den modernsten Film, den die alte Ferrania herstellte, neu zu produzieren und so eine objektive Qualitätskontrolle der optimierten Herstellungsprozesse zu gewinnen. Wir wissen, dass der Markt zur Zeit einen guten Farbumkehrfilm vor allem für Schmalfilmformate braucht, und wir sind uns sicher, dass eine überarbeitete Neuauflage unseres klassischen Scotch Chrome 100 die Bedürfnisse der meisten Filmer und Fotografen befriedigen würde.

Der Klassiker bald wieder auch als Schmalfilm: Scotch Chrome 100

Neben dem Chrome werden wir den Farbnegativfilm Solaris FG-100 Plus in möglichst vielen verschiedenen fotografischen Filmformaten auf den Markt bringen. Wir kriegen häufig Fragen nach “ausgemusterten” Filmformaten wie 126 und 127, und unsere Antwort lautet: Yes, we can! Sobald unser Geschäft gut genug läuft, wollen wir die Konfektionierung für diese Formate beginnen. Es liegt in unserem Interesse, sie herzustellen und zu verkaufen.

Abgesehen davon, gibt es viele wunderbare Produkte aus Ferranias früherer Geschichte, die wir gerne wieder vorstellen möchten. Mit der Unterstützung all der enthusiastischen Leute auf der ganzen Welt werden wir sie sicher wieder herstellen können.

Gibt es auch Zukunftspläne für völlig neue Filmsorten?

Ferrania steht bereit, eine strategische Rolle für die Zukunft des analogen Films zu übernehmen. Das beste, was wir jetzt tun können, ist, dem Markt, neue, frische, aber klassische Produkte anzubieten und damit ein starkes Signal an Verbraucher und Filmlabore zu senden, damit sie in diesen Sektor weiterhin investieren.

Nach dieser Anfangsphase planen wir spannende neue Produkte und Dienstleistungen, die das analoge Bildermachen in diesem Jahrhundert sicher voranbringen werden.

Zweite geplante Neuauflage: der Negativfilm Solaris FG Plus

Welchen Film würdest Du wieder auf den Markt bringen, wenn Ihr Verkaufszahlen ganz außer acht lassen könntet?

Aus meiner eigenen verrückten Sicht, ohne jeden Zweifel: den wunderbaren schwarzweißen Pancro 30-Film, mit dem Pier Paolo Pasolini seine Meisterwerke drehte! Gibt’s mehr als drei oder vier Leute, die ihn gerne wieder haben würden?

Wo wird Deiner Meinung nach die Fotofilm-Industrie in zehn Jahren stehen?

In den nächsten Jahren wird Film ungeeignet für alle sein, die einfach nur Fotos schiessen oder einen Film aufnehmen wollen. Natürlich werden diese Leute Digitaltechnik einsetzen. Sie ist heute ein formidables Werkzeug für den Massengebrauch. In dieser Situation wird Film, so denken wir, ein Mittel der künstlerischen Wahl sein, genauso, wie ein Maler die Wahl hat zwischen Öl- und Aquarellfarben. Wer mit Film gegen die Digitaltechnik ankämpfen will, kämpft eine verlorene Schlacht, einen Kampf gegen diese Zeit. Es geht nicht um Megapixel, und vergesst bitte, wie sich Film äquivalent zu 2K, 4K oder 8K-Auflösungen verhält, sondern es geht ums Gefühl. Manche Leute entscheiden sich für Photoshop als künstlerisches Gestaltungsmittel, andere für spezielle Filme. Was ist daran verkehrt? Würde ein heutiger Michelangelo seinen David mit einem 3D-Drucker ausdrucken? Ja, klar. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der weisse Marmor aus Carrara immer noch das Mittel seiner Wahl wäre.

Eingang zum fabrikeigenen Kraftwerk, das noch in Betrieb ist

Gibt es noch etwas, das Du den Filmfans in aller Welt mitteilen willst?

In den letzten Tagen habe ich dutzende E-Mails persönlich beantwortet und kann Euch nicht genug für Eure wunderbaren und begeisterten Reaktionen danken. Bitte lasst uns weiter Eure Wünsche wissen, und besonders auch Eure Eindrücke und Eure Kritik, wenn unsere Produkte auf dem Markt sind. Wir möchten mit unser Firma nahe bei den Kunden sein, unser Bestes tun und aus Fehlern lernen.

Übersetzung aus dem Englischen: Florian Cramer.
Copyright des Textes und aller Abbildungen bei Japanese Camera Hunter

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

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KINEMATOGRAFIE HEUTE: PHILIPPINEN

Big Boy
PHI 2011, R/B: Shireen Seno, K: Gym Lumbera, Shireen Seno, D: Ian Lomongo, Pamela Miras, 89’ Beta SP, OmeU

Eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre, ein Film, der autobiografische Fragmente und kollektive Imagination auf einzigartige Weise miteinander verknüpft: Big Boy erzählt eine bizarre Episode aus der Provinz über einen Jungen, der von seinen Eltern mit abenteuerlichen Methoden “gestreckt” wird, damit er als poster boy für ihr Fischölgeschäft genutzt werden kann, denn dieses Fischöl soll angeblich wachstumsfördernd wirken. Shireen Seno, die junge Regisseurin des Films, löst die durchaus beängstigende Geschichte auf in disparate, miteinander nur bedingt kompatible Erinnerungsfragmente, in Splitter einer immer schon halbfiktiven Vergangenheit und in quasidokumentarische Impressionen eines vormodernen, aber ganz und gar nicht unschuldigen Dorflebens auf der Insel Mindoro. Der Film wurde auf dem alten, medienhistorisch längst vergessenen Amateurfilmformat Super8 gedreht, die Bilder behalten auch nach dem Transfer ins Digitale eine berückende Brüchigkeit, die sich jeder nostalgischen Schließung widersetzt. (lf)

am 9.8.2013 um 21.00 Uhr
am 10.8.2013 um 19.00 Uhr

zu sehen im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Trailer:

Ist Elmo umgezogen?

Ist Elmo umgezogen?

Elmo-Werk Wernigerode (Harz)

Elmo-Werk Wernigerode (Harz)

Der japanische Projektoren- und Kamerahersteller ELMO scheint nicht mehr in Nagoya/Japan ansässig zu sein. Sondern in Wernigerode im Harz. Jedenfalls macht uns das dieses Bahnhofsschild Glauben. Bei näherer Betrachtung stellt sich alledings heraus, dasss ELMO ein ehemaliges Kombinat in der DDR war. Später wurde das Elektromotorenwerk zur VEM motors GmbH und hat auch heute noch 520 Mitarbeiter. Und die ehemalige Schmalfilmgerätefabrikation ELMO sitzt weiter in Nagoya. Dort produziert die Firma inzwischen Überwachungskameras, Video- und Overheadprojektoren.


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