Die Einfach-8-Kameras vor Super-8 und Single-8

Die Einfach-8-Kameras vor Super-8 und Single-8

Die Einfach-8-Kameras vor Super-8 und Single-8

Es waren nicht weniger als elf Produkte. Nachdem das Doppel-8-Film-System Fuß gefaßt hatte, gab es immer wieder Anläufe, die Sache zu vereinfachen. Doppel-8-Film in Kassette und Ladern konnte aber nie richtig einschlagen. 1935, dreißig Jahre vor Super-8 und Single-8, kam eine erste Initiative von der Bell & Howell Company mit dem Filmo Straight Eight.  

Die Kamera ist für 30-Fuß-Spulen ausgelegt, was 2½ Minuten Laufzeit bringt. Oben ist eine Spule abgebildet. Der Filmo Straight Eight lief mit einem Aufzug 20 Sekunden lang. Sein Preis war $69, heutige $1224.50. Hervorragend durchgestaltet, für maximalen Gewinn bis zum Gehtnichtmehr vereinfacht und doch betriebssicher, kann ich bei so einem Gerät den Kauf nur empfehlen, wenn eines auftaucht. Nach Reinigung und Neuschmierung laufen die Dinger wieder wie neu. Es gab das gewöhnliche Modell mit Tempo 8 bis 32, 127-A, und das schnelle mit 16 bis 64 Bildern pro Sekunde, 127-B.

1936 erschien die Univex A-8 von der New-Yorker Universal Camera Corporation mit eigenen 30-Fuß-Spulen, nicht austauschbar mit denen von Bell & Howell. Bei dieser Kamera ist fast alles anders angelegt. Sie hat ein ZAMAK-Druckgußgehäuse, ist ein Rechtslader, hat ein Außengewinde fürs Objektiv, dieses ein Innengewinde, einen mit der ablaufenden Feder umgehenden Aufzugschlüssel und noch vieles mehr in der Art. Sie war für $9.95 zu haben, das sind heute $169.15 oder € 141,75. Die Objektive wurden von der Ilex Optical Company, Rochester, geliefert. Es gab Folgemodelle.

1937 kam mit der Agfa Movex 8 die erste Einfach-8-Kamera für 10-Meter-Lader auf den Markt. Die Filmlänge ist ein wenig größer, zehn Sekunden mehr Laufzeit. Ein Aufzug hält 34 Sekunden an.

1938 wurde die Bauer 8 vorgelegt, ebenfalls für Agfa-Movex-Lader. Man erkennt sie sofort am Stichbogendach, die Wölbung, wie sie auch die Zeiss-Ikon-AK 8 und deren Nachfolgerinnen Pentacon AK 8 und Pentaka 8 besitzen.

1939 wurde die Revere Super 8mm vermarktet, eine Spulenkamera für Einfach-8-Film.

Nach dem Krieg, 1949, erschien die Nizo AK 1 × 8 mm. Auch sie nimmt Movex-Lader von Agfa auf, leistet jedoch auch 10 m Durchzug. Was für ein cooles kleines Gerät, mit dem man zwei Minuten und 42 Sekunden lang ununterbrochen aufnehmen kann!

1950 wartete Meopta mit der winzigen Somet 8 auf. Sie faßt koaxiale 10-Meter-Kassetten und hat einen Schnellaufzug, Positionierabstand ist +1, das Tempo 16 B./s. Hergestellt wurde die Somet im Werk Trnovany in der Nähe von Teplice. Auf Grund kleiner Veränderungen kann man fünf Modelle unterscheiden. Jürgen Lossau berichtete über das System.

Im selben Jahr konnte man auch die Blaupunkt E-8 gegen 259 DM erwerben. Sie hat eine Aufzugkurbel, läuft 30 Sekunden lang mit Tempo 16, macht Einzelbildaufnahme und ist mit einem vergüteten Rodenstock-Ronar-Triplett ausgestattet.

1955 erfolgte der Altersauftritt von Bogopolsky mit der schlicht kleinsten 8-mm-Film-Kamera aller Zeiten, der Bolsey 8 Finetta. Sie packte spezielle 25-Fuß-Kassetten von Gevaert.

1958 wurde in der Sowjetunion die Krasnogorsk Kama für 10-Meter-Lader lanciert und zwei Jahre darauf die Krasnogorsk Ekran-8. Dieses Gerät war smaragd oder schwarz glänzend lackiert erhältlich. Wieder markeneigene 10-Meter-Lader.

1962 war es dann Zeit für den Entwurf der Plastik-Wegwerfkassetten. Das Einfach-8-Prinzip konnte endlich durchgesetzt werden, nicht zuletzt wegen des Filmvorrats von 50 Fuß, das sind 3 Minuten und 20 Sekunden bei Tempo 18. Bei der Vorbereitung von Super-8 und Single-8 hatte man nämlich die durchschnittliche Laufzeit von Singles untersucht, ihr wisst, die Siebenzoll-45-Touren-Schallplatte als Nachfolgerin der Zehnzoll-78er. Da populäre Musik nach fast gleichbleibendem Muster komponiert ist, zwei oder drei Strophen mit Refrain und dieser am Ende wiederholt, kam der Gedanke, die Filmportion danach zu bemessen. Die durchschnittliche Länge der Single hatte nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu einem Minimum im Jahre 1958 abgenommen, dann wurde aus den drei Minuten bis 1992 wieder mehr Zeit zur Rille gedrückt. Die Laufzeit einer Super-8-Kassette und längere Songs stimmen in den Jahren 1965 bis 1979 genau überein. Wer sagt, wir würden heute vielfältig medial manipuliert, kennt das 20. Jahrhundert nicht.

Einfach-8- und Single-8-Film haben den Vorteil, daß sie im Großbriefumschlag verschickt werden können.


Quellen:
http://8mm.wz.cz/drobnohled/somet/somet.htm
https://www.youtube.com/watch?v=XlrV0GUFXGQ
http://8mm.wz.cz/drobnohled.htm Homesite
http://drnn1076.pktweb.com/2013/06/13/meopta-somet-8-kodak-super-8/
http://www.temnakomora.cz/topic/7485-kamery-8mm-super-8/page-5
https://plot.ly/create/?fid=RhettAllain:131 Das Laden der Seite dauert einen Moment.

Simon Wyss
Simon Wyss

2 Kommentare

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Jörg P. Veröffentlicht am12:30 - 7. März 2018

Erwähnenswert wäre auch die „Univex Cinemaster II“, die nicht nur die Einfach8-, sondern auch normale Doppel8-Filmspulen nutzen konnte: http://cinematographica.com/camera.php?cid=27

Simon Wyss
Simon Wyss Veröffentlicht am12:44 - 7. März 2018

Ja, ganz richtig, womit die Erwähnung gemacht ist. Danke!

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