Dresdner Schmalfilmtage 2026

Dresdner Schmalfilmtage 2026

Ein kurzes Festivaltagebuch

Donnerstag

Wie immer ist die Motorenhalle im Hinterhof des Riesa Efau als Hauptspielort der Schmalfilmtage nicht ganz leicht zu finden, aber wenn man schon einmal dort war, weiß man Bescheid. Nach superfreundlichem Empfang erwerbe ich den Festivalpass an der Abendkasse für 30 Euro — ein Schnäppchen, wenn man überlegt, wie viel Arbeit dahintersteckt und was man dafür alles bekommt.

Nicht zu verwechseln mit den Schmalfilmtagen: Die gleichzeitig stattfindenden Stummfilmtage, die in der Stadt beworben werden

Nach einem freundlichen Sektempfang gibt es eine kurze Vorstellung der Organisatoren und eine etwas längere Vorstellung einiger Sponsoren, unmittelbar darauf aber schon den ersten echten Programmpunkt: Das Thema heißt „Ein Haus halten“ und umfasst drei Filme. CLOTHESLINES (Roberta Cantow) gefällt mir gut, wenn auch mit 33 Minuten als Auftakt etwas lang. Die Autorin hat über einen langen Zeitraum die Wäscheleinen in New York gefilmt und lässt auf der Tonspur die Frauen sprechen und erzählen, die sie regelmäßig benutzen müssen. Eine gelungene Collage.

Schon hier und im weiteren Verlauf des Festivals wird mir zunehmend bewusst, dass Beiträge von mehr als zehn Minuten Dauer oft etwas schwer verdaulich sind, wenn sie so repetitiv angelegt sind. Es sind hier auch einfach sehr viele. Zur Einstimmung war das aber noch in Ordnung.

Sehr gut gefiel mir der zweite Film, INVISIBLE HANDS (Lia Sudermann & Simon Nagy aus Wien, anwesend), der unsichtbare Care-Arbeit kongenial sichtbar macht und dabei aus zwölf Stunden Found Footage schöpft. Die Tonspur hob das Ganze auf eine andere Ebene und machte im Film das sichtbar, was eben nicht direkt sichtbar war: die viele Arbeit, die hinter den vornehmlich gefilmten Szenen typischer 70er-Jahre-Heimfilme steckt. Kaffeekränzchen, Konfirmation, Geburtstagsfeier und Weihnachtsfest wurden wohl selten vom Kameramann organisiert.

Im Anschluss folgte der „International Found Footage“-Wettbewerb, der mit vier Blöcken à drei Filme zwar recht handliche rund 80 Minuten Programm bot, durch Moderation und Programmvorstellung insgesamt aber doch über zwei Stunden dauerte. Auch hier waren es wieder die wenigen Filme von mehr als zehn Minuten Länge, die meine Aufmerksamkeit etwas strapazierten. Insgesamt gab es jedoch einige sehr schöne Arbeiten. Besonders gefallen haben mir die Filme, die eher auf Umgestaltung setzten als auf ein Überladen mit Filmartefakten und rhythmisches Looping beziehungsweise das Wiederholen kürzester Teilszenen in fast stroboskopischer Manier.

Meine Top 3:

I THINK I SAID “YES” (Pere Ginard), eine herausragende Arbeit in Schwarzweiß mit roter Teilvirage und wirklich genialer Bildsprache, die nach extrem viel Handarbeit und wenig digitalem Effekt aussah. Ein Fest für die Augen.

ON THE GLUE (Dave Johnson), ein Zusammenschnitt aus einer Dokumentation über die Schrecken des Klebstoffschnüffelns in einem Londoner Stadtteil der 70er Jahre.

IN THE HANDS OF TIME (Greta Bonnaud), ein kurzer, knackiger Zusammenschnitt aus Amateurfilmen einer Familie, gekonnt garniert mit gemalten Kolorierungen und behutsam eingesetzter Kratztechnik. Ein schwieriges, weil oft übermäßig benutztes Mittel, hier aber erfreulich oft gekonnt unterstreichend statt dominant eingesetzt.

Die anderen Beiträge waren keineswegs schlecht, aber entweder zu lang oder für meinen Geschmack zu effektüberladen. MONUMENT (Jeremy Drummond) etwa wäre meines Erachtens in fünf Minuten viel wirkmächtiger gewesen als in fast 17. Im Laufe des Festivals konnte ich zwei Muster beobachten:

Zum einen werden die Artefakte des Analogen — Laufstreifen, Klebestellen, Perfolöcher, Schichtauflösung — so dominant ausgerollt, dass sie den eigentlichen Inhalt eher ersticken, als ihn zu unterstreichen. Wie eine Suppe mit viel zu viel Salz. Zum anderen störe ich mich persönlich an einer Technik, die nur digital möglich ist und stark bei der Ästhetik von Musikvideos Anleihen nimmt: der inflationären Wiederholung superkurzer Schnipsel. Bei OVERWORK (Céline Berger), einer Neuinterpretation einer Sammlung von 16-mm-Lehrfilmen der Bundesanstalt für Arbeit, geschieht das offenbar sogar über lange Strecken in stroboskopisch alternierenden Einzelbildern. Nichts für Leute mit Neigung zur Epilepsie — und am Steenbeck eben einfach unmöglich umzusetzen. Gerade der ruhigere Beginn von OVERWORK gefiel mir allerdings ausgesprochen gut. Weniger ist auch hier mehr.

Das bestätigte sich auch an den technisch recht ähnlich gemachten Filmen DIZZY CAVALRY (Patrick Doyon) und OUR EYES MEET SQUINTING (Olive Harrington): Beide setzen auf collagierendes, fotogrammartiges Kopieren von 8- beziehungsweise 9,5-mm-Film auf 35 mm und auf das Spiel mit Zeitachse und Interferenzen. Doyons Einminüter gefiel mir deutlich besser; Harringtons sechs Minuten setzten stärker auf „Trip“, nahmen mich aber weniger mit und wirkten auf mich weniger packend und weniger kongruent.

Der Jurypreis ging letztlich verdient an OVERWORK (Céline Berger), der Publikumspreis für mich sehr überraschend an WATER DISSOLVES ITS IMAGE, THE LANDSCAPE DISAPPEARS (Delfina Carlota Vazquez), der mich persönlich überhaupt nicht erreichen konnte. So bunt sind die Geschmäcker.

Leider weder Festivalteilnehmer noch Sponsor, aber immerhin eine Absteige in der Nähe

Gut eingestimmt lief ich durch das eisige Dresden bei 4 Grad und freute mich auf den

Freitag

Nach Luxusfrühstück im Hotel und einem schönen Spaziergang bei herrlichem Wetter durch die Dresdner Neustadt traf ich mich mittags mit alten Schmalfilmfreunden zum Plaudern. Dieses Jahr stand keiner der Workshops auf meinem Programm, so reizvoll sie auch klangen. Die Festivalteilnehmer sind letztlich ebenso wichtig wie die Inhalte; hier muss man sich Freiräume schaffen. Es lohnt sich.

Veteran_innentreff mit geheimnisvoller Kamera

Um 15 Uhr ging es für mich dann aber weiter mit dem Festivalprogramm: ein Highlight, die Vorstellung des Prototyps der wiederbeladbaren re8mil-Kassette. Ein beeindruckendes Projekt eines detailverliebten, sympathischen Tüftlers mit viel Grit und Stamina. Die Kassette ist ein handgefertigtes Präzisionswunder, das an Uhrmacherarbeit erinnert. Jedes Röllchen ist kugelgelagert, die Teile sind verschraubt, die Haptik ist schon jetzt ein Hochgenuss. Schon das Einstellen der ASA-Kerbe mit kleinen magnetischen Schaltern ist süchtig machend. Edmund Wards enormer Aufwand bei der Suche nach bestmöglich geeigneten Materialien und Umsetzungsdetails wird sich bezahlt machen, sobald die Kassette Marktreife erlangt hat. Zunächst steht aber noch ein kleinerer, geschlossener Betatest an — es gibt einfach zu viele Super-8-Kameras, um als One-Man-Band ausreichend Praxistests durchführen zu können.

Edmund Ward präsentiert deinen re8mil Prototyp in netter Gesprächsrunde
Mit kleinen, schwenkbare gelagerten Magnetwürfeln lässt sich die ASA-Kerbe einstellen
Vorrats- und Aufnahmespulen aus geschraubten Delrinteilen
Noch Handarbeit in Einzelanfertigung: CNC-gefrästes Messing umkleidet 3D-gedruckte Teile

Sehr positiv ist auch, dass zu dieser Präsentation eine Kodak-Repräsentanz angereist war, die das Projekt offenbar wohlwollend verfolgt und begleitet. Einer Versorgung mit entsprechend hochwertigen Rohfilm-Pancakes scheint also offenbar nichts Wesentliches mehr im Wege zu stehen. Kodak hat sehr deutlich erkannt und bestätigt, dass jeder Beitrag im Super-8-Ökosystem ein guter ist — eine wunderbare Wendung, die den ehemaligen gelben Riesen heute eher wie einen agilen Senior-Unterstützer erscheinen lässt. Eine Entwicklung, die man nur begrüßen kann.

Interessentenrunde über die Genesis der wiederbeladbaren Kassettenidee

Im Anschluss folgte eine aufwendige Performance zweier Martins aus Tschechien: KLAPPER & JEŽEK zeigten eine analoge Multimediashow, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Bereits in den Neunzigerjahren malträtiertes Found Footage — mindestens gebleicht, getont, geätzt, abgeschabt, verbrannt — wurde, nebst großformatigen Dias und bemalter Rollenfolie, im stockdunklen Raum von drei auf einem Tisch montierten Super-8-Projektoren auf die große Wand der Motorenhalle projiziert. Ježek ließ dabei keine Dimension aus: Er tanzte in Schwerstarbeit um seinen Gerätepark, spielte virtuos mit Brennweiten, Schärfen, Einzelbildern, Slomo-Gang und Vorsatzlinsen, kippte und schlug die Projektoren, zerrte am Film und setzte gezielt Brandlöcher. Ein wirklich beeindruckendes Sinnesspektakel. Dass der Eumig das alles mitgemacht hat, ist für sich genommen schon bemerkenswert. Auf die nächste Ebene hob die Performance aber sein BFF Martin Klapper, der mit einem Riesentisch voller Alltagsgegenstände und einem Mikrofon einen wohlüberlegten Klangteppich dazu zauberte.

Der Tisch ist gedeckt: Klangerzeugung mit viel Phantasie

So beeindruckend und angenehm wenig willkürlich das Ganze auch war — zu oft stehen bei solchen Darbietungen ja die Effekte über den Inhalten —, so war mir die Performance doch etwas zu lang. Das ist sicherlich subjektiv, aber bei der Menge an Inhalten, die die Schmalfilmtage zu bieten haben, ist Überlänge mein häufigstes Problem. So verließ ich die Halle nach einer guten halben Stunde vorzeitig und genoss mit ein paar Gleichgesinnten die Sonnenstrahlen im Innenhof des Riesa Efau, während ich die Eindrücke verdauen konnte.

Nach dem bereits ritualisierten Abendessen beim Stammvietnamesen ging es für mich mit einer ganz wunderbar gelungenen Werkschau von DIE TÖDLICHE DORIS weiter. Wolfgang Müller, der noch lebende der beiden Gründer, war anwesend und begleitete ausgesprochen kurzweilig durch das irre breite Spektrum der filmischen Arbeiten dieser legendären Punk-Kunstformation und -band. Ein Hochgenuss, bei dem es sehr viel zu lachen gab. Das war maximal inspirierend und machte so richtig Hunger auf mehr — so muss es sein.

Den Abend beschloss der legendäre Livevertonungswettbewerb, bei dem geladene Bands und Musiker jeweils einen kurzen Film mit ihrem Sound hinterlegten. Sehr angenehm, professionell und launig führte Moderator Matthias Hufnagl durch das bunte Programm — vom zweimal gedroppten „Schmalspurfilm“ abgesehen war er brillant vorbereitet und fand genau das richtige Maß an Humor und Hintergrund, um die kurzen Umbauphasen zu überbrücken. Überwiegend waren hier Lehrfilme zu sehen, gewürzt mit ein paar Cartoons — fast alles riesig, hell und analog projiziert. Für mich persönlich ging dieses Jahr die Bild-Ton-Schere allerdings oft etwas zu weit auseinander. Die Musiker waren zweifelsohne sehr gut, talentiert und divers, allerdings fehlte mir oft der Bezug zum gezeigten Film. Wenn man bedenkt, dass alle Künstler die Filme vorab bekommen und sich entsprechend vorbereiten konnten, ist das verwunderlich.

Moderator Matthias Hufnagl moderierte so charmant wie professionell

Aber auch hier gab es Ausnahmen: Mein persönlicher Favorit war Chrys Schloyer aus Nürnberg, der den FWU-Termitenstaat minimalistisch-genial vertonte. Meine Nummer zwei war Ekkehard Meister mit FWUs Wildkatzen, der dann auch den Publikumspreis erhielt. Die Jury entschied sich völlig plausibel für Philipp Gottesleben (E-Cello) mit Arbeitskollektiv, der die im Film behandelten Emotionen sehr expressiv unterstrich. Die Halle platzte wie gewohnt aus allen Nähten, Dresden ist einfach wunderbar kulturaffin.

Gegen Mitternacht war ich müde und erfüllt und überließ die Bar und die Nachkonzerte den anderen. Ein toller Tag.

Samstag

Der Samstag begann für mich mit einem unerwarteten persönlichen Highlight: der Vorstellung des von Jan Kulka entwickelten Archeoscopes. Was das ist?

Ein analoger, handbetriebener Projektionsapparat für Live-Film-Performances. Ausgehend von einem Verständnis von Film als ‚Artikulation von Licht‘ versucht es, die Physiologie der Filmwahrnehmung experimentell erfahrbar zu machen. Es kann alle Standardformate, aber auch unterschiedliche Materialien wie Tesafilm, Bandagen und Lack projizieren“,

so beschreibt es der sympathische junge Mann aus Prag. Man muss dieses Gerät gesehen haben; es ist unvergleichlich, und seine Wirkung ist nur direkt erlebbar.

Das Archeoskop von vorne

Nur so viel: Das Gerät ist eine enorm ästhetische, hochwertig gebaute Maschine, die gut einen Kubikmeter Raum einnimmt und Daniel Düsentrieb vor Neid hätte erblassen lassen. Es verwendet vier extrem helle Power-LEDs, hat vier parallel ausgerichtete Objektive nebst Kondensor und Balgen, keine Umlaufblende und keinen Greifer, aber eine Vielzahl optischer Sensoren zur externen Rhythmisierung. Der intermittierende Bildschritt normaler Projektoren wird durch entsprechend kurze Lichtblitze ersetzt. Jan bezeichnet das Gerät als ein komplexes Instrument, das er immer wieder neu zu spielen lernt: So lassen sich für jede Lichtquelle Frequenz, Tastverhältnis sowie die den Strom begrenzende Luminanz manuell oder rückgekoppelt regeln. Loops und Samples werden ebenfalls optisch gesteuert, durch den Film selbst oder eine Art optisches Plattenspielersystem. Der 60 mm breite Filmkanal fasst jegliche Formate. Der kluge, bescheidene Kulka hat sich in über 15 Jahren Entwicklungszeit intensiv mit der Wahrnehmungsphysiologie des Auges und des Gehirns auseinandergesetzt und weiß, wovon er spricht. Aufgeladen mit Neugier und Begeisterung freue ich mich auf die am Abend anstehende Performance und die Verschränkung zahlloser Interferenzen.

Jan erklärt Philosophie und Technik
Ein Teil der Klaviatur nebst optischem Plattenteller. Gut zu sehen auch der Kühlkörper für die enorme LED-Batterie und die Haltearme für 60 mm Filme

Noch etwas übersättigt von den klassischen Inhalten der Vortage gönnte ich mir eine Content-Pause, übersprang die Programmblöcke zu „Zoopraxograph“, „Kleingärten im Amateurfilm“ und „Guerilla Gardening“ und verbrachte stattdessen ein paar Stunden mit Filmerfreunden in der herrlichen, sonnigen Dresdner Neustadt. Manchmal muss man Prioritäten setzen.

Verrückt nach Super 8
Super 8 meets Hybrid Kamera

Was ich dann um 19 Uhr in der Motorenhalle erlebte, ist schwer in Worte zu fassen und erst recht nicht reproduzierbar. Jan Kulka hat nicht zu viel versprochen. Die Wirkung seines Lichtblitzorgasmotrons erinnert stark an einen Trip: Obwohl er ausschließlich Monochromes an die große Wand der Motorenhalle wirft, beginnt man nach einer Weile, bunte Farben wahrzunehmen. Plötzlich sieht man komplett dreidimensionale Bilder. Fokussiert man ins Unendliche, wird die Projektion zu einem Raum, der einen vollständig umschließt. Ich merkte, wie ich mich mehrmals an meinem Sitz festklammerte, und verlor jegliches Gefühl für Zeit. Die über 90 Minuten dauernde Reise kam mir vor wie vielleicht 20 Minuten; meine Sitznachbarn sagten grinsend, ich hätte dabei sonderbare Geräusche gemacht.

Ich war überrascht, dass das Gebotene offenbar nicht alle Anwesenden derartig mitnehmen konnte, und konnte meine Begeisterung nur schwer bändigen. Noch den ganzen Abend blieb ich davon beseelt. Die Wirkung des Archeoscopes ist prinzipbedingt nicht reproduzierbar. Kein Medium dieser Welt kann die systemimmanente Kontinuität der emittierten Photonen erfassen oder gar wiedergeben. Es fehlt die statische Bildfrequenz. Wer jemals die Chance hat, auf diese Reise zu gehen, sollte sie auf keinen Fall verpassen.

Weiter ging der Abend — um fast 40 Minuten verspätet — mit dem bestens besuchten Internationalen Wettbewerb. Ein Lob an die Kuratoren: Alle Beiträge sind mit einer Ausnahme deutlich unter zehn Minuten lang, wodurch die zwölf durchweg hochwertigen Arbeiten gut verdauliche 70 Minuten ergeben. Leider streikte gleich zu Beginn der Ton der Analogprojektion, sodass in beeindruckender Windeseile fast fliegend zum digitalen Backup gegriffen wurde. Vermutlich, um Zeit zu sparen, blieb der Rest des Abends bei digitaler Projektion, was zwar hell und knackscharf war, einigen Beiträgen aber etwas den Charme nahm. Besser so, als das Programm am Ende nicht zu schaffen.

Die Auswahl eines Gewinners fiel mir hier ungewohnt schwer; es waren wirklich einige Glanzstücke dabei. Für mich besonders gelungen: Nelson Yeo – DURIAN, DURIAN aus Singapur, Ben Slotover – THERE WILL BE ANOTHER aus Großbritannien und der herrlich poetische Arepo – THE INEFFABLE FIXING OF THE VOLATILE. Der Jurypreis ging letztlich an Kate Solar – (FOR ONCE I DREAMED OF YOU), ebenfalls hervorragend und völlig verdient. Der Publikumspreis ging an Britta Sommermeyer – ERIKA WAR KEINE SCHREIBMASCHINE. Ein liebevolles, sehr lustiges und kurzweiliges Personen- und Familienporträt, das für einen Film eher untypisch eine Fotoschau mit brillantem Erzähltrack ist. Schön, dass die hier ebenfalls involvierte Konzeptschmiede „Sommermeyer / Francescon“ den üblichen Rahmen verließ, was sicherlich auch der Autorin Britta Sommermeyer zu verdanken ist. Verdient.

Nach kurzer Gesprächsrunde und Preisverleihung war der Abend inhaltlich für mich vorüber, und ich fiel ins Bett und in Tiefschlaf. So entging mir leider das „Archival Feelings x Videoclub“ Programm, das ich einfach nicht mehr hätte aufnehmen können.
Reisebedingt würde mir das Programm des Sonntags entgehen, aber für noch mehr Inhalte hatte mein erfülltes Hirn ohnehin kaum noch Platz.

Resümee

Das waren ausgesprochen gelungene Schmalfilmtage. Die Veranstaltung ist wirklich jedem Schmalfilmfreund wärmstens zu empfehlen. Inhalt, Publikum und Form finden hier so symbiotisch zueinander, wie es nur selten der Fall ist. Eine herzerwärmende Veranstaltung, für die es sich absolut lohnt, gegebenenfalls ein paar Tage Urlaub zu nehmen.

Ein ausgesprochen großes Lob und ebenso großer Dank gebühren zudem den Organisator_innen des Festivals sowie der Technik. Beachtlich, was hier in überwiegend ehrenamtlichem Rahmen beziehungsweise mit kleinsten Mitteln auf die Beine gestellt wurde — so etwas schaffen nur Menschen mit echtem Herzblut. Nicht nur die breite Inklusivität, inklusive KI-gestützter Live-Übersetzungen, die für viele herzliche Lacher sorgten, sondern auch die vielen liebevollen Details zeigen, wie sehr die Schmalfilmtage Herzenssache der Veranstalter sind. Jedes über den Tresen gereichte Getränk, begleitet von einem Lächeln und netten Worten, handgeschmierte Brötchen, leckere Suppe und Popcorn für den kleinen Hunger, aber auch die Mühe der vorausgegangenen Kuration, die Auswahl der eingeladenen Künstler und Performer, Barrierefreiheit, Bedachtheit und Maß der Moderation, Zeitmanagement und nicht zuletzt die Sauberkeit waren schlichtweg herzerwärmend.

Auch die Technik lief so problemlos, dass sie völlig in den Hintergrund trat. Guter Sound, kein Brummen und Krachen, Projektionstechnik vom Feinsten und die Behebung jeder kleinen Panne binnen Sekunden — hier waren Profis am Werk, denen es wirklich um die Sache geht. Das war schwer beeindruckend und gibt zum einen den Künstlern eine Bühne, die echte Wertschätzung ausdrückt, und zum anderen dem Publikum die Möglichkeit, vollends in das Gebotene einzutauchen. Das kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

Ich freue mich schon so sehr aufs nächste Jahr!

Friedemann Wachsmuth

Schmalfilmer, Dunkelkammerad, Selbermacher, Zerleger, Reparierer und guter Freund des Assistenten Zufalls. Nimmt sich immer viel zu viele Projekte vor.

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