Justage der Empfindlichkeit bei den kleinen Nizos

Justage der Empfindlichkeit bei den kleinen Nizos

Justage der Empfindlichkeit bei den kleinen Nizos

Neben den großen Silberlingen von Nizo wie S560 oder der 801 gibt es noch die kleine Baureihe mit kleinen, aber feinen Super8-Kameras wie der 136, S30, S128. Ich liebe meine 156 macro als handliche und leichte Reisekamera. Sie ist hier im Artikel abgebildet.

Das große Manko dieser Kameras ist, dass die Belichtungsautomatik nur für 160/40ASA Kunstlichtfilme ausgelegt ist. Heute sind allerdings 100ASA-Filme am verbreitetsten. Allenfalls der Vision 50D ließe sich halbwegs korrekt mit der Kamera belichten.

Die kleinen Nizos haben nur einen Stift zur ASA-Abtastung. Wird der Stift durch die Kassette gedrückt, wird ein Graufilter vor die Photodiode des Belichtungsmessers geschwenkt. Die Umschaltung zwischen 25/100ASA-Tages- und 40/160ASA Kunstlichteinstellung erfolgt leider auch nur dadurch, dass durch den Tageslichtfilter mitgemessen wird. Es wird zwar durch einen weiteren Stift die Kunstlichkerbe der Kassette ausgelesen, aber es wird dann nur rein mechanisch der Tageslichtfilter ausgeschwenkt gehalten. Es ist nicht so wie bei vielen anderen Kameras, dass durch Wahl der Tageslichteinstellung und gleichzeitigen Ausschwenken des Filters die Kamera auf 100ASA gestellt werden kann. Die Kamera belichtet auf 40/160ASA. So lässt sich keine 100ASA Kassette sinnvoll belichten.

Sind die kleinen Nizos nur noch für die Vitrine zu gebrauchen?

Das wäre sehr schade. Zum Glück gibt es eine Möglichkeit den Belichtungsmesser auf 100ASA zu justieren.

Dafür muss allerdings die Kamera geöffnet werden. Mit einem feinen Schlitz-Schraubendreher muss man die vier Schrauben im Boden des Kassettenfachs lösen. Dann lässt sich eine Abdeckung abnehmen und weitere Schrauben kommen zu Tage. Nach Lösen der drei markierten Schrauben kann man den Seitendeckel der Kamera mit den Bedienelementen abnehmen. Dabei sollte man darauf achten, dass man die Schalter nicht verdreht, damit hinterher die Stifte der Knöpfe wieder richtig in den Schaltern stecken. Beim Hauptschalter gibt es feine Abdeckbleche, auf die man beim Abnehmen achten sollte, damit sie nicht verloren gehen.

Auf der linken Seite der Kamera zwischen Zoommotor und Flügelrad mit Elektromagnet sieht man Poti für die Empfindlichkeit (roter Pfeil). Vorm Verstellen sollte man die Position mit einem wasserfesten Stift markieren. Ein zusätzliches Foto, wo man genau die Stellung erkennen kann, schadet auch nicht. Das andere Poti ist für die Regulierung der Batteriekontrolle zuständig.

Zur Einstellung muss der Belichtungswahlschalter natürlich auf Automatik stehen. Am besten montiert man die Kamera auf ein Stativ und richtet sie auf eine gleichmäßig beleuchtete, helle Fläche. Ich habe sie einfach bei absolut wolkenlosem Himmel gegen eine weiße Zimmerwand gerichtet. Mit Wolken kann sich das Tageslicht erstaunlich schnell ändern. Die Beleuchtungsstärke sollte so sein, dass die Kamera im 18er Gang eine mittlere Blende wie 8 oder 11 wählt. Man sollte dabei die Gehäusewand lose aufsetzen, weil durch die offene Seite Licht auf die Messzelle fallen kann und leicht für falsche Messwerte sorgt. Jetzt kann man das Seitenteil wieder entfernen und das Poti verdrehen, so dass die Kamera eine knappe Blende mehr belichtet. Am besten vergleicht man mit einem externen Belichtungsmesser, den man auch auf die helle Fläche richtet. Notfalls kann man auch eine andere Kamera oder einen Fotoapparat nehmen. Die Belichtungszeit beträgt bei einer XL-Kamera ca. 1/28s., bei einer normalen ca. 1/43s.. Meine 156 macro gehört in die Kategorie XL-Kameras. Bei der Einstellung muss man immer wieder das Seitenteil zur Kontrolle aufsetzen.

Hat man die Kamera danach wieder zusammengeschraubt, steht der Nutzung von 100ASA-Filmen wie dem Adox Pan-X nichts mehr im Wege. Statt für 160ASA misst die Kamera jetzt für 100ASA Empfindlichkeit. Weiterer Nebeneffekt: Aus der 40ASA-Stellung sind jetzt 25ASA geworden. Das ist ideal für die Verwendung von uralten 40ASA-Ablauffilmen, die meist etwas mehr Licht haben wollen.

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Hans

6 Kommentare

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Kunst- und Kulturverein Frankenberg e.V. Veröffentlicht am10:50 am - Jan 23, 2017

Ein ganz wunderbarer Tip! Große Klasse, herzlichen Dank dafür!

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Friedemann Wachsmuth Veröffentlicht am4:48 pm - Feb 11, 2017

Noch ein Tipp dazu: In diesen kleinen Nizos sollte man keine Lithium-AA-Zellen verwenden. Die sind zwar schön liecht und haben extrem hohe Kapazität, allerdings liefern sie auch 1.7V statt 1.5V pro Zelle. Mit 6.8V Betriebsspannung vermisst sich der eingebaute Beli aber um fast eine Blende. Gerade schmerzhaft erfahren 🙂

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Harald Vonhoegen Veröffentlicht am11:32 am - Apr 29, 2017

Ein sehr interessanter (die Liebe zu den kleinen Nizos teile ich voll und ganz) und informativer Artikel. Wenn es nicht möglich ist, etwa durch Entfernen des Konversionsfilters die Konversionsfilterschaltung zum Belichtungsausgleich für 100 ASA/21 DIN statt 160 ASA/23 DIN umzufunktionieren, leider mit bedauerlichem Ergebnis.

Die vorgeschlagene Umjustierung hat immerhin den Nachteil, dass die Einstellung danach weder für Kodak Vision 3 50 D noch für 200 T paßt.

M. E. wirft der Artikel aber noch eine Frage auf:

Wenn ich das richtig verstanden habe, sorgt das Konversionsfilter selbst für die notwendige Aufblendung, weil es auch im Strahlengang des Belichtungsmessers liegt. Das Graufilter vor dem Beli hat damit nichts zu tun, sondern dient dem Ausgleich für Unterschiede in der Filmempfindlichkeit.

Falls das richtig ist, müßte das doch bedeuten, dass die Belichtungsautomatik der Kamera auf die höhere Filmempfindlichkeit (160 ASA/ 23 DIN) eingestellt ist, denn durch das Einschwenken des Graufilters vor dem Beli kann nur eine Aufblendung erzielt werden, also der Ausgleich für eine niedrigere Filmempfindlichkeit.

Der Unterschied zwischen 160 ASA/23 DIN und 40 ASA/17 DIN von 6 DIN entspricht 2 Blendenstufen. Um eine entsprechende Aufblendung zu erreichen, müsste also ein ND 4-Graufilter (= 2 Blenden) eingebaut sein.

Wäre es nicht möglich, dieses Graufilter durch ein schwächeres zu ersetzen? Genau genommen müßte es ein Graufilter mit 2/3 Blende Lichtreduzierung sein, aber auch ein ND2 mit 1 Blendenstufe = 3 DIN Lichtreduzierung könnte möglicherweise funktionieren. Damit käme man statt auf 100 ASA/21 DIN auf 80 ASA/20 DIN. Eine Überbelichtung um 1/3 Blende dürfte wahrscheinlich verkraftbar sein, zumal ich meine, gelesen zu haben, dass der E 100D eher etwas reichlicher belichtet werden sollte. Beim ADOX Pan-X reverso habe ich bei 2 Versuchen deutlich den Eindruck, dass eine reichlichere Belichtung besser wäre.

Würde das so funktionieren, hätte man neben der 80-100 ASA/20-21 DIN Einstellung immer noch die auf 160 ASA/23 DIN, die für den Vision 3 200T geeignet sein dürfte.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Vonhoegen

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    Hans Veröffentlicht am12:19 pm - Mai 3, 2017

    Im Prinzip wäre ein Ersatz des Graufilters vor dem Belichtungsmesser möglich. Das dürfte eine etwas fummelige Operation werden. Angesichts der Preise für die Kameras kann man sich überlegen, ob man nicht eine zweite Kamera mit anderer Empfindlichkeitseinstellung nimmt.

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      Manfred Veröffentlicht am9:42 am - Jun 30, 2017

      Ich bin ein wenig irritiert von diesem „Justagevorschlag“.
      in meiner kleinen Nizo 156 macro steht im Kassettenschacht:
      Super 8 Film
      40 oder 160 ASA Kunstlicht
      25 oder 100 ASA Tageslicht
      40 oder 160 ASA Schwarzweiß
      Es gibt einmal den Fühler für die Filmempfindlichkeit 40/160 ASA, aber auch den Fühler für Tageslicht / Kunstlicht -Film.
      Hat der 100 ASA Tageslichtfilm in SW die richtigen Kerbungen, sollte er eigentlich ohne Kameraumbauten richtig belichtet werden.

      ADOX schreibt auf seiner Internetseite, das der ADOX Pan-X:
      Kerbung der Kassette: 100 ASA Kunstlicht (entspricht 64 ASA Tageslicht). ……….. er kann aber auch auf 100 ASA belichtet werden. In diesem Fall müssten Sie eine weitere Kerbe herausbrechen.

      Die Kerbung der ADOX Kassette als Kunstlichtfilm ist also das Problem.
      Ich brauche also nur die obere Kerbung der Kassetten erweitern, damit sich der Fühler auf 160 ASA Kunstlicht stellt und die unteren Kerbung (Kunstlicht/Tageslicht) in der Kassette zu schließen, dann stellt sich die Kamera auf 100 ASA Tageslichtfilm ein und schwenkt gezwungenermaßen auch den Filter aus. (Ob das ein sw oder Farbfilm ist, merkt die Kamera ja nicht)
      Scheint mir eine einfachere Alternative. Der Kodak Ektachrome 100D kann dann auch (wenn er denn mal wiederkommt) ohne Probleme weiterverwendet werden, denn als 100 ASA Tageslichtfilm hat er gleich die richtige Kerbung.

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        Hans Veröffentlicht am10:24 am - Jun 30, 2017

        Hallo Manfred,

        Nizo hat bei der Empfindlichkeitserkennung gespart. Leider widerspricht, dass was man beim Aufschrauben der Kamera vorfindet, auch der Bedienungsanleitung.

        Der Wrappen-Filter ist weit vorne im Strahlengang vor dem Belichtungsmesser angeordnet. Dadurch erfolgt die 100/160ASA Umschaltung leider rein optisch durch den Filter.
        Die Tabelle im Kassettenfach müsste heißen
        40 oder 160 ASA Kunstlichtfilm ohne Filter
        25 oder 100 ASA Tageslicht mit Filter auf 160/40ASA Kunstlichtfilm
        40 oder 160 ASA Schwarzweiß ohne Filter (Filter kann wegen Kerbung nicht eingeschwenkt werden).

        Die fehlende Kunstlichtkerbe sorgt allein mechanisch dafür, dass man den Wrappenfilter nicht einschwenken kann.
        Ein Ektachrome 100D packt die Kamera in die Kategorie 40/160 ASA SW-Film.und belichtet ihn ohne Modifikation der Kamera entsprechend falsch.

        Ich hoffe das trägt zur Klarheit bei.

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