„Canon Filmschule“: Bremen Hbf, 1979, auf Super 8

„Canon Filmschule“: Bremen Hbf, 1979, auf Super 8

Eine sehr schöne Perle: 1979 reiste Canon noch mit einem eigens dafür eingerichteten Eisenbahnwaggon durch Deutschland, um interessierten Filmern Grundlagen und erweiterte Techniken zu vermitteln, die natürlich mit den gebotenen Canon-Produkten ganz besonders einfach waren…
Beachtlich auch, dass Kodak die Filme über Nacht entwickelt hat. Damals liefen in Stutgart wohl noch einige K-14 Maschinen… Weiterlesen

Ganz viel Super 8: This ain’t California

Ganz viel Super 8: This ain’t California

411230_410181689013528_570740422_oEin fiktionaler Dokumentarfilm mit ganz ganz viel Schmalfilm: Berichtet wird über die Skater-Szene (Rollbrett-Gemeinschaft?) in der DDR.

Marten Persiel schildert die Geschichte dreier Jugendlicher um Denis „Panik“ Paraceck, die in der DDR bereits mit jungen Jahren das Rollbrett-Fahren für sich entdecken, immer weiter professionalisieren und schließlich ein Teil der internationalen Szene werden, bis sie sich nach dem Mauerfall 1989 aus den Augen verlieren.

Details über den Film sollte man unbedingt erst recherchieren, nach dem man ihn gesehen hat. Jeder Spoiler macht ihn ein Stück kaputt, und ihn einfach nur zu sehen macht viel Freude.

Inklusive Auftritt russischer DS8-Kameras!

Jetzt in der ARD Mediathek ansehen!

Blick nach Mortsel zu AGFA-Gevaert

Blick nach Mortsel zu AGFA-Gevaert

Dieser kurze Clip aus den 80ern zeigt einen Blick nach Mortsel, von wo das neue Aviphot Chrome 200D Material kommt. Ab Minute 01:30 gibt es schöne Innenaufnahmen auf beachtliche Bestände an Widerolls. Wieviel da heute wohl noch auf Lager ist?
Immerhin äusserte sich Agfa auf Rückfrage, dieses Material auch heute noch bei Bedarf herstellen zu können. Mal sehen, wie schnell wir es verbrauchen…

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

2013-08-02 at 00.32

Die Verbraucherzeitschrift test veröffentlichte in Ihrer Reihe Der historische Test heute ist ein Schmankerl vom Mai 1973, das Filmfreunde aufmerken lässt: Es geht um Filmbetrachter. Katastrophale Filmbetrachter, wenn man den Testern glaubt:

Positive Ergeb­nisse in tech­nischer Prüfung und Hand­habung können nicht darüber hinweg­täuschen: Alle 21 untersuchten Film­betrachter haben mehr oder minder schwere Mängel in der elektrischen Sicherheit und verstoßen damit eindeutig gegen das Maschinen­schutz­gesetz. Die test-Qualitäts­urteile mussten entsprechend schlecht ausfallen: Fünf­mal »vom Kauf abzu­raten«, zehnmal »nicht zufrieden­stellend«, einmal »weniger zufrieden­stellend« und nur fünf­mal »zufrieden­stellend«. Wir meinen: Dieser weit­gehend von Importen beherrschte Markt sollte schleunigst von den zuständigen Gewer­beaufsichts­ämtern durch­leuchtet werden. Es ist unzu­mutbar, dass dem Schmalfilm­amateur als Gegen­wert für 80 oder sogar 200 Mark in der Mehr­zahl so eklatant unsichere Geräte angeboten werden.

Den gesamten Test gibt es zur Zeit kostenlos hier herunterzuladen.

Neue Webseite der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg

Neue Webseite der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg

filmstreifen_3_onlinearchiv

Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg hat eine neue, sehenswerte Webseite.

Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und finanziert über Mittel der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg werden alle Facetten des menschlichen Zusammenlebens in Form von Filmdokumenten vergangener Jahrzehnte in der Landesfilmsammlung BW für die Zukunft archiviert. Die historischen Filmdokumente kommen aus allen Teilen Baden-Württembergs und liegen z.B. auch in Form von kulturhistorisch interessanten Reisedokumentationen von Bürgern des Landes aus allen Ecken der Erde vor. Es handelt sich dabei um Filmdokumente aus allen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

pic06493

Werbung für Salamander Schuhe, 1950er Jahre

Werbung für Salamander
Schuhe, 1950er Jahre

Die Landesfilmsammlung BW ist ein Archiv mit inzwischen über 7500 historischen Filmdokumenten. Die ältesten reichen bis ins Jahr 1904 zurück. Schwerpunkte der Sammlung sind Filme aus dem Familienalltag, von Urlaubsreisen, Städteporträts sowie Image- und Werbefilme. Besonders außergewöhnlich ist der große Bestand an Filmtagebüchern deutscher Soldaten: In der Landesfilmsammlung BW sind zwischenzeitlich auch knapp 200 Filmtagebücher von Angehörigen der Deutschen Wehrmacht oder auch zahlreiche Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs archiviert.

Schulkinder am Ulmer Bahnhof 1918

Schulkinder am Ulmer Bahnhof 1918

Historisches Material wird gern für aktuelle Produktionen zur Verfügung gestellt, ist allerdings nicht gerade ausgesprochen günstig. Nutzer haben die Möglichkeit, online in der Datenbanken zu recherchieren, wobei die Beschreibungen auch in englischer Sprache hinterlegt sind.

Bei Fragen zum Archiv oder speziellen Recherchen wende man sich an

Dr. Reiner Ziegler
Landesfilmsammlung Baden-Württemberg
HAUS DES DOKUMENTARFILMS
Europäisches Medienforum Stuttgart
Mörikestraße 19
D-70178 Stuttgart
Telefon +49711 997808-0
Telefax +49711 99780820
reiner.ziegler [AT] swr.de

Kodak 1958: Wie Film gemacht wird

Kodak 1958: Wie Film gemacht wird

Ein ursprünglich von Frank Bruinsma digitalisierter Klassiker, den bestimmt schon viele Leser gesehen haben – aber vielleicht ja nicht alle bzw. schon lange nicht mehr?
In jedem Fall auch wiederholt sehenswert ist diese holländische 18-Minuten-Doku, die den Entstehungsprozess der chemischen Filmmaterialien wunderbar detailliert und schematisch erklärt und zeigt, dank englischer Untertitel auch recht gut verständlich.

Beim Betrachten der fünf Stockwerke hohen, 22m tiefen Maschine wird einem auch klar, warum Skalenökonomie bei der Filmherstellung so wichtig ist und zunehmend nicht mehr stattfinden kann…

Eine Polavision-Kassette lässt die Hüllen fallen

Eine Polavision-Kassette lässt die Hüllen fallen

Viele haben sich schon gefragt, wie die Polavision-Kassetten genau funktionieren. Vor gut fünf Jahren schreib mir Leser Thomas Degenfelder dazu bereits eine genauere Erklärung per Email, die ich hier nun mit minimaler Verzögerung mit der Allgemeinheit teile. 🙂

Es hat mich so gewurmt, daß mein neuerlicher Versuch einer erfolgreichen Polavision-Belichtung wieder nicht geklappt hat, daß ich an einer unbelichteten Kassette den kompletten Aufnahme- und Entwicklungsvorgang noch einmal vollständig simuliert habe.

Ich weiß jetzt, warum das Entwickeln nicht mehr funktioniert (Entwicklerflüssigkeit sehr stark eingedickt und auch im erwärmten Zustand kaum mehr fließfähig).

Ich weiß jetzt aber auch, wie der gesamte Vorgang im Detail funktioniert. Das Zusammenspiel von Laschen und Röllchen, von Schieberchen und Kontakten, von Kunststoffbändern und Widerhaken ist das abenteuerlichste, was ich in meinen 47 Jahren Tüftelei je gesehen habe.

Die Belichtung in der Kamera ist nichts Besonderes – spektakulär ist, was beim Rückspulen im Player passiert:

[list type=“arrow“]
[li]Der Film hat sich beim Belichten in der Kamera auf die linke Spule aufgewickelt[/li]
[li]Beim Zurückspulen im Player verfängt sich eine rote Kunststofflasche in einer Aussparung des Films, wird mit aufgewickelt und reißt – mehrfach durch kleine Röllchen umgelenkt – den Entwicklertank auf. Ist der Tank aufgerissen, reißt das Kunststoffband an einer Sollbruchstelle ab und bleibt in der Kassette liegen[/li]
[li]Im besten Fall läuft nun die Entwicklerflüssigkeit durch das kleine Fenster auf den zurücklaufenden Film und entwickelt diesen[/li]
[li]Am Ende des Rückspulvorgangs verfängt sich eine Blechlasche, die bislang einen elektrischen Kontakt geschlossen hielt, an zwei Einkerbungen im Film, wird mitgerissen und öffnet den Kontakt. Dieser Kontakt steuert offensichtlich den Player[/li]
[li]Diese Blechlasche reißt eine andere Blechlasche mit, welche das Entwicklerfenster verschließt. Diese Blechlasche hat Widerhaken, so daß das Entwicklerfenster für immer verschlossen bleibt[/li]
[li]Die Blechlaschen werden beim Zurückziehen gleichzeitig aus der Filmbahn gezogen, so daß sie sich im Film kein zweites Mal verfangen können.[/li]
[/list]

Von so Kleinigkeiten wie Spulenarretierungen usw. rede ich gar nicht. Alles in allem ein irrsinniger Aufwand, das konnte nur schiefgehen…

Günter Stark und sein selbstgebauter 35mm Projektor

Günter Stark und sein selbstgebauter 35mm Projektor

In diesem wunderbaren Kurzfilm, den Olaf Carls auf seiner inhaltlich einzigartig lesenswerten Webseite geht es um Günter Stark, der – neben vielen anderen unglaublichen Selbstbauprojekten – auch seinen eigenen, tragbaren 35mm Filmprojektor entworfen und gebaut hat. Das schönste daran: Die Dokumentation wurde 1990 vom Erfinder selbst gedreht. Welch wunderbare Rekursion!

Weiterlesen

Maya Deren: Filmer, Eure wichtigste Ausrüstung seid Ihr selbst!

Maya Deren: Filmer, Eure wichtigste Ausrüstung seid Ihr selbst!

Maya Deren mit ihrer Bolex H16, um 1943

Maya Deren mit ihrer Bolex H16, um 1943

„Kameras machen keine Filme; Filmemacher machen Filme. Verbessert Eure Filme nicht durch mehr Ausrüstung“. Dies schrieb die Avantgardefilm-Pionierin Maya Deren allen Amateurfilmern ins Stammbuch, und zwar schon einem halben Jahrhundert.

Maya Deren (1917-1961) war Mitbegründerin des amerikanischen Avantgarde- und Undergroundfilms. 1917 in Kiew als Eleanora Derenkowskaia geboren, wuchs sie ab 1922 in den USA auf. Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Arbeit als Choreographin und Tänzerin fiel ihr 1943 eine Bolex 16mm-Kamera aus elterlichem Erbe in die Hände. Zwischen 1943 und 1948 drehte sie ihre tänzerisch-filmisch choreografierten Experimentalklassiker Meshes of the Afternoon, At Land, A Study in Choreography for the Camera, Ritual in Transfigured Time und Meditation on Violence. An den ersten beiden Filmen wirkte ihr Ehemann Alexander Hammid mit, geboren als Alexander Hackenschmied in Österreich und vor seiner Emigration Berufsfotograf und -kameramann in der Tschechoslowakei. Gemeinsam drehten Deren und Hammid auch einen Privatfilm über ihre Hauskatze, The Private Life of a Cat. Später wandte sich Deren dem Dokumentarfilm zu. Von 1947 bis 1954 drehte sie auf Haiti Divine Horsemen, einen 53minütigen Dokumentarfilm über Voodoo, der erst posthum uraufgeführt wurde.

Deren verstand sich zeitlebens als Amateurfilmerin, die ihre Filme – wie sie es ausdrückte – „mit Budgets macht, die in Hollywood gerade mal für die Lippenstifte reichen“. Sie engagierte sich auch in Amateurfilmvereinigungen. 1959 rief sie im Movie Makers Annual der amerikanischen Amateur Cinema League Filmer dazu auf, sich alle Besessenheit mit Profistandards und Filmausrüstung aus dem Kopf zu schlagen und besseren Gebrauch von ihrer filmerischen Freiheit zu machen.

Ein halbes Jahrhundert später hat Maya Derens Mahnruf nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil, angesichts endloser Technikdebatten und Dauerlamentiererei unter (analogen wie digitalen) Amateurfilmern war er vielleicht noch nie so zeitgemäß wie heute.

Amateur versus Profi

Die größte Hürde, vor der Amateurfilmer stehen, ist ihr Minderwertigkeitsgefühl gegenüber professionellen Filmproduktionen. Schon das Etikett „Amateur“ klingt wie eine Entschuldigung. Doch bezeichnet dieses Wort – abgeleitet vom lateinischen amator, Liebhaber – jemanden, der etwas aus Liebe zur Sache tut anstatt aus wirtschaftlichen Gründen oder Zwängen. Und genau bei dieser Wortbedeutung sollte auch jeder Amateurfilmer beginnen. Statt neidisch auf die Drehbuch- und Dialogschreiber zu schielen, auf die gelernten Schauspieler, die aufwändigen Teams und Sets und auf die enormen Budgets des professionellen Films, sollte der Amateur den großen Vorteil nutzen, um den ihn alle Profis beneiden: Freiheit, sowohl künstlerisch, als auch physisch.

Maya Deren beim 16mm-Filmschnitt

Maya Deren beim 16mm-Filmschnitt

Künstlerische Freiheit bedeutet, dass der Amateurfilmer unter keinem Zwang steht, Drama und Schönheit seiner Bilder einem Schwall von Wörtern, Wörtern und noch mehr Wörtern opfern zu müssen. Keine Erzählhandlung muss erbarmungslos vorangetrieben und dem Zuschauer verständlich gemacht, kein Star oder Sponsorenprodukt ins gute Licht gerückt werden. Auch erwartet niemand von einer Amateurproduktion, dass sie ein gemischtes Massenpublikum neunzig Minuten lang fesselt, damit sich eine enorme Geldinvestition wieder auszahlt. So wie der Amateurfotograf kann sich der Amateurfilmer ganz der Poesie und Schönheit von Orten und Ereignissen widmen, sie festhalten und, da er eine Bewegtbild-Kamera nutzt, die weite Welt der Schönheit von Bewegungen erkunden. (Einer der Filme, die 1958 bei den Creative Film Awards ehrenwert erwähnt wurden, war Round And Square, eine poetische, rhythmische Bearbeitung der tanzenden Lichter von Autos, die eine Autobahn hinunterströmten, unter Brücken hindurch, usw.) Nutzt, statt Euch an einer mitreißenden Erzählhandlung zu versuchen, die Bewegung von Wind oder von Wasser, Kindern, Leuten, Aufzügen, Bällen usw. wie in einem Gedicht. Und nutzt die Freiheit, mit Bildideen zu experimentieren. Niemand kann Euch für Eure Fehler feuern.

Zur physischen Freiheit gehört die Freiheit der Zeit – und von budgetbedingten Abgabeterminen. Vor allem aber besitzt der Amateurfilmer mit seiner kleinen und leichten Ausrüstung eine Unauffälligkeit (für heimliches Drehen) und physische Beweglichkeit, um die ihn die mit ihren tonnenschweren Monsterapparaten, Kabeln und Kameracrews geschlagenen Profis durchaus beneiden. Vergesst nicht, dass noch kein Stativ gebaut wurde, das so wunderbar beweglich ist wie das komplexe System von Sehnen, Gelenken, Muskeln und Nerven namens menschlicher Körper – der, mit etwas Übung, eine enorme Vielfalt von Kameraeinstellungen und visuellen Aktionen ermöglicht. All das besitzt Ihr, und ein Gehirn obendrauf, in einem hübschen, kompakten, mobilen Gesamtpaket.

Kameras machen keine Filme; Filmemacher machen Filme. Verbessert Eure Filme nicht durch mehr Ausrüstung und mehr Mitarbeiter, sondern indem Ihr das, was Ihr schon habt, ausreizt. Die wichtigste Ausrüstung seid Ihr selbst: Eure beweglichen Körper, Euer Einfallsreichtum und Eure Freiheit, beide zu gebrauchen. Bitte gebraucht sie auch.

(Übersetzung aus dem Amerikanischen von Florian Cramer)


1 2 3