Ist Elmo umgezogen?

Ist Elmo umgezogen?
Elmo-Werk Wernigerode (Harz)

Elmo-Werk Wernigerode (Harz)

Der japanische Projektoren- und Kamerahersteller ELMO scheint nicht mehr in Nagoya/Japan ansässig zu sein. Sondern in Wernigerode im Harz. Jedenfalls macht uns das dieses Bahnhofsschild Glauben. Bei näherer Betrachtung stellt sich alledings heraus, dasss ELMO ein ehemaliges Kombinat in der DDR war. Später wurde das Elektromotorenwerk zur VEM motors GmbH und hat auch heute noch 520 Mitarbeiter. Und die ehemalige Schmalfilmgerätefabrikation ELMO sitzt weiter in Nagoya. Dort produziert die Firma inzwischen Überwachungskameras, Video- und Overheadprojektoren.

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

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Die Verbraucherzeitschrift test veröffentlichte in Ihrer Reihe Der historische Test heute ist ein Schmankerl vom Mai 1973, das Filmfreunde aufmerken lässt: Es geht um Filmbetrachter. Katastrophale Filmbetrachter, wenn man den Testern glaubt:

Positive Ergeb­nisse in tech­nischer Prüfung und Hand­habung können nicht darüber hinweg­täuschen: Alle 21 untersuchten Film­betrachter haben mehr oder minder schwere Mängel in der elektrischen Sicherheit und verstoßen damit eindeutig gegen das Maschinen­schutz­gesetz. Die test-Qualitäts­urteile mussten entsprechend schlecht ausfallen: Fünf­mal »vom Kauf abzu­raten«, zehnmal »nicht zufrieden­stellend«, einmal »weniger zufrieden­stellend« und nur fünf­mal »zufrieden­stellend«. Wir meinen: Dieser weit­gehend von Importen beherrschte Markt sollte schleunigst von den zuständigen Gewer­beaufsichts­ämtern durch­leuchtet werden. Es ist unzu­mutbar, dass dem Schmalfilm­amateur als Gegen­wert für 80 oder sogar 200 Mark in der Mehr­zahl so eklatant unsichere Geräte angeboten werden.

Den gesamten Test gibt es zur Zeit kostenlos hier herunterzuladen.

Ganz Patent: die Luxus-Wechselkassette

Ganz Patent: die Luxus-Wechselkassette

Faszinierend, was der Münchner Tüftler Martin Prohaska 1967 zum Patent anmeldete: Im nüchternen Patentdeutsch ist es eine „Kassette für kinematographischen Super 8 Rollfilm“, in der Beschreibung verbirgt sich eine massiv verbesserte Version der allseits hassgeliebten S8 Kassette – vollkompatibel, aber mit etlichen Verbesserungen. Eine wiederbefüllbare Kassette mit gelagerten Gleitrollen, Rückspuleinrichtung, Filmzählwerk, einem verbesserten Andrucksystem, Platz für 20m Film und einem wiederverschliessbaren Deckel.
Ob es diese Kassette jemals gegeben hat? Vermutlich nicht, und wenn, dann nur als Prototyp. Interessant ist es trotzdem, was man sich in Untermenzing kurz nach der Super 8 Markteinführung für Gedanken machte.

Selbst die verbesserte Agfa-Kassette mit nadelgelagertem Wickelteller für den unbelichteten Rohfilm reichte Prohaska nicht: Er spendierte seiner Kassette drei in beide Kassettenhälften ragende, gelagerte Gleitrollen (8), um die Friktion beim Filmtransport auf ein Mindestmaß zu beschränken. Auch sah er eine (gleitende, nicht kraftschlüssige) Verbindung beider koaxial angeordneter Spulen vor; da diese die gleiche Drehrichtung haben und sich so bei anfallenden Lasten gegenseitig „unterstützen“ können.

Prohaskas Kassette sieht nicht nur einen schlüssiger gelagerten Aufwickelkern vor, dessen Lager durch den gesamten Kassettenraum reicht, wodurch Auf- und Abwickelspule stets parallel stünden; auch der Rohfilmwickel soll auf einer Vorratsspule lagern, die über eine Öffnung an der Oberseite (18, 20) ein komplettes Rückspulen des Filmes erlaubt – ganz ähnlich dem von der gängigen Super 8 Kassette bekannten Antriebsloch.

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Eine federnd gegen den abwickelnden Filmwickel gelagerte Skala sollte dabei ein einfaches Ablesen des Füllstandes erlauben (16).

Auch war ihm das Beladen und Einfädeln des Filmes zu kompliziert. Jeder, der seine Super 8 Kassetten heute selbst befüllt, kennt es: Der Film muss mühsam durch die Kassette gefädelt und dann in völliger Dunkelheit sicher am Aufwickelkern befestigt werden. Die verbesserte Kassette erlaubte es, vorkonfektionierten Film bereits beidseitig mit Spulen versehen zu haben und den Film so wesentlich einfacher einfädeln zu können. Vorgesehen war hierzu eine entfernbare, einrastende Andruckplatte (skurrilerweise ausgerechnet durch Schaumstoff gefedert), die nach Beladen der Kassette lediglich wieder in eine für sie vorgesehen Nut geschoben werden musste.

Wohl ein Luftschloss…

Leider enthält Prohaskas Erfindung eine Menge konzeptioneller Fehler und wird somit nie umsetzbar gewesen sein. Die von ihm vorgesehenen Spulen im Kassetteninneren verhindern leider, dass der Film auf ausreichend Strecke die „Seite wechseln“ kann. Eine Kopplung beider Spulen, auch ohne vollen Kraftschluss, würde ob der unterschiedlichen Wickeldurchmesser zwangsläufig zu Staus führen. Gerade zum Beginn einer Kassette würde eine Umdrehung des Aufwickelkerns drei Umdrehungen des Filmvorrats bewirken — wo soll dieser Film aber hin?
Das Federband für die Filmverbrauchsanzeige soll durchgehend am Filmwickel schleifen — das erzeugt nicht nur wieder viel Reibung, es garantiert auch schöne Laufstreifen. Zudem kann die Skala dieser Verbrauchsanzeige nicht linear gestaltet sein. Und die vorgesehene Kapazität von 20m — wo wird dieser Platz gewonnen?

Auch enthält die vorgesehene Andruckplatte keine Aussparung für den Greifer. Herr Prohaska war sich wohl nicht bewusst, wie das Kassettensystem exakt funktionierte und verbesserte „auf Sicht“ — so sind Tungsten- und Empfindlichkeitskerbe für ihn auch nur „Ausnehmungen zur Aufnahme mechanischer Teile der Filmkamera“. Vermutlich hätte er sie sonst verstellbar ausgelegt.

Zu guter letzte fehlt der Erfindung die Ratsche des Aufwickelkerns. Nähme man diese Kassette aus der Kamera, würde der Aufwickelkern weit aufschnurren, ein Transport des Filmes wäre also (zum Beispiel nach einer vorgesehenen Rückspulung) nicht mehr gewährleistet.

Filmkamera-Modell eines Fünfjährigen

Filmkamera-Modell eines Fünfjährigen

Vor kurzem hat mich mein fünfjähriger Sohn mit einem speziellen Geschenk, einer selbstgebastelten Filmkamera überrascht.
Das Modell besticht durch die klare geometrische Grundform von drei waagrecht übereinander angeordneten Zylindern und steht den Design-Qualitäten etwa der Modelle eines Dieter Rams in nichts nach.
Man sieht, die Filmbegeisterung des Vaters ist also wohl auch schon in den Augen des Sohnes etwas besonderes.

Der Filmkamera-Prototyp des Sohnes - mit den technischen Wunschvorstellungen des Vaters

Der Filmkamera-Prototyp
des Sohnes – mit den technischen Wunschvorstellungen des Vaters

Sound 8 Orchestra: Psychopop mit Parallelprojektion

Sound 8 Orchestra: Psychopop mit Parallelprojektion

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Der Exil-Schweizer und Wahlberliner Matthias Wyder ist Musiker und großer Super 8 Fan.
Seine eigenwillige und zugleich eingängige Musik „vereint Elemente aus Easy Listening, Lounge Musik und retrofuturistischen B-Movie Soundtracks mit psychedelische Electrosounds“. Dabei entsteht ein sehr gefälliger, instrumentaler Klangix, der an Lee Perry, Add N To X, Sun Ra und irgendwie auch sehr an Jean-Jacques Perrey und Jim Avignon erinnert.

Dies wäre aber kein Schmalfilm-Blog, wenn es nur um Musik ginge: Matthias sammelt auch seit vielen Jahren Super 8 Filme auf Flohmärkten. Ganz egal was er findet, seine Live-Auftritte (auf denen er vom Zeugschläger Rudi Fischerlehner schlagkräftig unterstützt wird) werden von Parallelprojektionen dieser Filme untermalt.
Mit Hilfe von drei oder vier Elmo-Projektoren entstehen so faszinierende Retro-Collagen, in denen sich Zeitgeist, Zufall und Matthias‘ Klänge alter Synthesizer und Hawaii-Gitarren zu einer ausgesprochen heilvollen Mélange verbinden.

Einen Live Auftritt dieses Medienkombinats sollte man sich nicht entgehen lassen. Ich habe den Hamburger Auftritt aus Unwissenheit leider verpasst – mögen die beiden bald wiederkommen!

Für Couchpotatoes gibt es hier einen kurzen Einblick, wie das ganze aussieht:

Der in diesem Clip zu sehende Hintergrund-Filim ist mir übrigens nicht ganz unbekannt.

Und für die, die lieber nur Hören mögen:

Mehr Infos: sound8orchestra.com

Günter Stark und sein selbstgebauter 35mm Projektor

Günter Stark und sein selbstgebauter 35mm Projektor

In diesem wunderbaren Kurzfilm, den Olaf Carls auf seiner inhaltlich einzigartig lesenswerten Webseite geht es um Günter Stark, der – neben vielen anderen unglaublichen Selbstbauprojekten – auch seinen eigenen, tragbaren 35mm Filmprojektor entworfen und gebaut hat. Das schönste daran: Die Dokumentation wurde 1990 vom Erfinder selbst gedreht. Welch wunderbare Rekursion!

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Fundstücke verzaubern durch Neuvertonung

Fundstücke verzaubern durch Neuvertonung

Frederic Girardet alias „Grand Marquis“ aus der Bolex-Stadt Yverdon hat ein Hobby, das einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert: Er sucht Perlen in ihm zugefallenen Super-8 Privatfilmen, schneidet sie heraus und vertont sie neu.
Fred ist somit nicht nur ein Perlentaucher, er poliert die gefundenen Stücke durch Schnitt und Einfassung in eine neue Tonspur zu ganz eigenen Schmuckstücken auf.

Wir stellen hier drei sechs dieser Juwelen vor, die allesamt durch das Thema Tanz verbunden sind:

Weitere Schmankerl findet man auf Freds Vimeo-Seite oder – in Einzelbildern – auf seiner Webseite.

Lego Technic Super-8 Projektor

Lego Technic Super-8 Projektor

Lego Technic ist das beste Spielzeug der Welt. Mit Lego ist nämlich eigentlich alles möglich, zumindest konzeptionell. In den letzten 20 Jahren hat sich ein guter Kubikmeter dieser etwas spezialisierteren Legosteine bei mir angesammelt und wird zwar zu selten, aber doch regelmässig ausgekippt und verwendet. In der letzten Zeit war es mein Technik- und Schmalfilmbegeisterter Sohn Kalle, der mich vermehrt zu Legoabenden überredete.

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