Analoger Film triumphal zurück bei den Kurzfilmtagen Oberhausen

Analoger Film triumphal zurück bei den Kurzfilmtagen Oberhausen

16mm-Filminstallation von Sandra Gibson und Luis Recorder

Die Frankfurter Rundschau berichtet begeistert von den diesjährigen Kurzfilmtagen Oberhausen – dem legendären Filmfestival, auf dem man 1962 den Bruch mit „Papas Kino“ wagte. In einer „mitunter sensationellen Themenreihe“, wie Filmkritik Daniel Kothenschulte schreibt, feierten klassische Kinoprojektoren und Schmalfilm ihre Rückkehr:

Vier „leere“ 16mm-Projektoren etwa sind das Instrumentarium der jungen US-Künstler Sandra Gibson und Luis Recorder. Aus den vier Lichtfeldern in lebendigem – und überraschend vielfarbigen – Weiß generieren sie in ihrer Performance „On/Off“ allein durch geschickte Betätigung des Startknopfs frei nach Josef Albers eine Huldigung an das Rechteck: Dessen Proportionen im Verhältnis 1,33:1 sind inzwischen ja auch schon „obsolet“ geworden. Freilich nicht in Oberhausen: Selten hat man auf einem Festival so viel „echten“ Zelluloidfilm im Wettbewerb gesehen, sogar das schon in den Sechzigern ausgemusterte Normal-8-Format war vertreten – wenn auch, der besseren Spielbarkeit halber, umkopiert in Super-8.

Hier der vollständige Artikel.

Französische Doku über Super 8-Amateur-Horrorfilme

Französische Doku über Super 8-Amateur-Horrorfilme
Super 8 Madness

Filmstill aus „Super 8 Madness“ – 80er Jahre Amateursplatter aus Frankreich!

Der französische Filmemacher Fabrice Blin hat einen abendfüllenden Dokumentarfilm über Selbstmacher-Horrorfilme aus den 80er Jahren gedreht. Heute abend hat er, unter dem Titel Super 8 Madness, Premiere.

Super 8 Madness spürt französische Amateurfilmer auf, die vor drei Jahrzehnten besessen ihre eigenen Horror-, Splatter-, Fantasyfilme auf Super 8 drehten, mit selbstgebauten Masken und Requisiten, selbstgekochtem Kunstblut und analogen Spezialeffekten. Gummimonster kamen zum Einsatz und sogar die eigene Großmutter als Regieassistentin für Splatterfilme.

Super 8 Madness - Filmplakat

Super 8 Madness – Filmplakat

Ein Vorschauvideo auf den Film gibt es hier.

Wir hoffen, Super 8 Madness bald auch außerhalb Frankreichs (und mit Untertiteln) sehen zu können!

Rückblick: Filmbörse Deidesheim 2014

Rückblick: Filmbörse Deidesheim 2014

Am Samstag, 5. April, ging die Filmbörse Deidesheim in die zweite Runde. In der Stadthalle der Pfälzer Weinstadt machten sich Besucher aus verschiedenen Winkeln Deutschlands und Europas wieder sechs Stunden lang auf die Suche nach Raritäten und Schnäppchen aus den Bereichen der Kino- und Filmtechnik, fachsimpelten und knüpften neue Kontakte.

Deidesheim 2014Das Highlight der „Cinematographica“ war ohne Zweifel die „Logmar“, eine von den beiden Dänen Tommy und Lasse erfundene, neue Super 8 Kamera – die erste seit Jahrzehnten (!). Nach mehreren Jahren Planungs- und Entwicklungsarbeit und beachtlichem finanziellem Aufwand stellten sie heute die erste Version der Kamera persönlich vor, beantworteten geduldig die Fragen der zahlreichen Interessierten.

Filmbörse Deidesheim 2014Im Vorführraum der Stadthalle gab es erstmals projizierte Testfilme zu sehen, die Friedemann Wachsmuth mit der Logmar gedreht hatte. Das Ergebnis waren gestochen scharfe Filmbilder mit perfektem Bildstand. Vor allem die Aufnahmen auf Kodak Ektachrome 100D Material konnten überzeugen.
Die Logmar hat viele Features, die man von heutigen Digitalkameras kennt: 16:9-Format (ähnlich wie bei „Max-8“), ein schwenkbarer Monitor für das elektronisch ausgespiegelte Filmbild, Mikrofoneingang mit Phantomspeisung, Tonaufzeichnung auf SD-Karte, USB-Anschluss, und sogar Wifi-Fähigkeit, die eine Fernsteuerung der Kamera per App ermöglicht.
Die mechanischen Besonderheiten der Logmar sind neben der Zahntrommel, über die der Film mit Schlaufen aus der Super 8 Kassette herausgeführt wird, eine echte Andruckplatte und ein Sperrgreifer, der für diesen tollen Bildstand sorgt und damit das Super-8-Format qualitativ mächtig aufwertet.

Filmbörse Deidesheim 2014Die neue dänische Super 8 Kamera macht es außerdem möglich, die Filmgeschwindigkeit auf bis zu drei Nachkommastellen präzise festzulegen, sehr flexible Zeitrafferaufnahmen mit fließenden Übergängen („Ramping“) zu programmieren, und wiegt dabei nur 1,5 Kilogramm ohne Akku und wechselbare C-Mount-Optik. Tonfilme sind für Super-8-Verhältnisse unkompliziert wie nie, schreibt die Logmar doch Informationen zu jedem Auslösevorgang in Form von Zeitstempel, Filmdauer und -frequenz in einer Excel-Datei mit. Diese kann man zusammen mit den WAV-Dateien auf einen PC überspielen und als Tonbericht nutzen.
Tommy und Lasse, die übrigens Vater und Sohn sind, haben die Logmar sehr modular konzipiert, so soll später beispielsweise ein zweiter Kameradeckel kommen, der 60-Meter-Tageslichtspulen für Super 8 Meterware aufnimmt – das ermöglicht 10 Minuten Filmen am Stück, ohne auf immer seltener werdende Super 8 Kassetten setzen zu müssen.

Filmbörse Deidesheim 2014Weiterhin auf der Filmbörse vertreten waren unter anderem das Magazin Cine 8-16, die von KAHL Film eigens für diesen Tag konfektioniertes Schmalfilmmaterial anboten, zahlreiche Anbieter von 16mm und 35mm Filmkopien und sogar ein Vor-Ort-Reparaturservice für Schmalfilmgeräte.

Die nächste Filmbörse wird voraussichtlich am Samstag, 21.03.2015 sein, an der selben Stelle, zur gleichen Uhrzeit, und mit hoffentlich wieder derselben guten Stimmung mit vielen interessanten Fachgesprächen und Schmalfilmliebhabern, die ihr Hobby aktiv pflegen.

Interessante Links:

Fotos: Niklas Rühl

Mit der Bolex im Narrenturm

Mit der Bolex im Narrenturm

Das Wettbewerbsprogramm der 15. Schmalfilmtage in Dresden.
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Zum Abschluss der 15. Schmalfilmtage stand am vergangenen Samstagabend der Wettbewerb auf dem Programm.
Von 132 eingereichten Arbeiten wurden nach einer internen Vorauswahl durch das Festival-Team 13 Filme im Wettbewerbsprogramm gezeigt.
Einziger gemeinsamer Nenner dieser Filme war, daß alle im Original auf Schmalfilm, also auf 8mm (Super8) oder 16mm breitem Filmmaterial gedreht wurden. Die weitere Bearbeitung der Filme fand zum überwiegenden Teil nach Abtastung des Filmmaterials in digitaler Form statt.
So wurden lediglich zwei 16mm-Filme und ein Film im Super8-Format traditionell mit Filmprojektor vorgeführt. Alle anderen Filme wurden als digitale Datei über Beamer gezeigt.

Die Projektoren-Armada der Schmalfilmtage unter der historischen Dachkkonstruktion der Motorenhalle. Beim Wettbewerbsprogramm kamen die Gerätschaften leider kaum zum EInsatz.

Die Projektoren-Armada der Schmalfilmtage unter der historischen Dachkonstruktion der Motorenhalle.
Beim Wettbewerbsprogramm kamen die Gerätschaften leider kaum zum Einsatz.

Hintergrund, Entstehung und Anspruch der gezeigten Filme hätte nicht unterschiedlicher sein können.
Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Katrin Küchler -Festivalleitung Filmfest Dresden, Naren Wilks -Künstler und Filmemacher aus England (unmittelbar vor dem Wettbewerbsprogramm mit einer eigenen Werkschau vertreten) und Hannes Schönemann -Regisseur/Filmemacher aus der ehemaligen DDR, hatte so die schwierige Aufgabe Filme miteinander zu vergleichen, die letztlich nicht vergleichbar sind:
Von einer Profi-Produktion der HFF München über Musikvideos, Experimentalfilme, Found-Footage-Mash-Ups bis hin zu den Amateur-Schmalfilmen von David Pfluger und Dagie Brundert reichte das Spektrum der gezeigten Filme.

„The HandEye (Bone Ghosts)“ von Anja Dornieden und Juan David Gonzales Monroy (was für ein Name für einen Filmemacher!) wurde von der Jury zum Gewinner des Wettbewerbs gekürt.
Eine bewusst mutige Entscheidung für einen Film, der konsequent analoge Filmtechnik und vor allem experimentelle Selbst-Entwicklungstechniken verwendet, um damit sein sperriges Thema zu gestalten.
Mit bei der späteren Filmentwicklung verfremdeten Aufnahmen von beklemmend-morbiden Artefakten aus drei Wiener Museen, darunter die pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm wird im wahrsten Sinne des Wortes der Geist einer spiritistischen Sitzung des Dichters Robert Musil mit Sigmund Freud Anfang des 20. Jahrhunderts beschworen.
Jegliche Foto- und Filmaufnahmen sind im Narrenturm verboten. Die Aufnahmen mit einer Bolex H16 wurden dort heimlich gemacht.
Dies wurde von den beiden persönlich anwesenden Filmemachern auf sehr angenehm zurückhaltende und bescheidene Weise anschaulich geschildert.
Auch die von ihnen bei der Selbstentwicklung des S/W-Filmmaterials eingesetzten Solarisations- und Negativ/Positiv-Techniken wurden von ihnen kurz angerissen.
Die Entwicklung des Filmmaterials wurde von den beiden Filmemachern im LaborBerlin ausgeführt, einem Filmkollektiv mit eigener Laborausstattung, dem sie seit 2010 angehören.
Der Preisträger-Film wurde selbstverständlich als 16mm-Filmprojektion mit Filmprojektor vorgeführt.

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Super-8-Kurs für Newbies: Die Kamera

Super-8-Kurs für Newbies: Die Kamera

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Alles Wissenswerte über Super 8: zu lesen im Handbuch SUPER 8

Wer ins „echte Filmen“ einsteigen will, greift gern mal zu Super 8. Schon wegen des körnigen Looks. Aber mit welcher Kamera dreht man heute noch gute Szenen? Die Geräte sind irgendwann zwischen 1965 und 1985 gebaut worden – viele haben längst das Zeitliche gesegnet, für andere gibt’s keine Ersatzteile mehr. Das aktuelle Handbuch SUPER 8  zeigt, worauf man als Einsteiger achten sollte. In diesem Auszug erfährst Du alles über die Wahl der Kamera.

Es gibt zig Millionen Super-8-Kameras auf dieser Welt. In Deutschland wurden von 1966 bis 1980 pro Jahr rund 100.000 Stück produziert. Aus Japan kamen allein im Jahr 1974 stolze 1,5 Millionen Stück, das blieb so bis 1979, danach fiel die Zahl erstmals unter eine Million im Jahr. Aber auch in den USA, in Österreich und in Frankreich wurden Super-8-Kameras hergestellt.

Wenn Super 8 für Dich neu ist, ist die Verlockung groß, gleich mit einer früheren Spitzenkamera einzusteigen. Die gibt es alle eh’ nur noch gebraucht – und bei eBay kosten wenige Modelle deutlich über 100 Euro. Ich rate trotzdem, mit was Kleinem loszulegen. Nimm’ eine Kompakte! Warum? Die großen Kisten haben viele Funktionen. Wenn Du da was falsch einstellst, ist der Ärger hinterher groß.

Nichts törnt mehr ab als ein erster Film, der missraten ist. Schon diese Ergebnisse sollen Dir Spaß machen. Mit einer Kamera aus der Kompaktklasse ist das viel wahrscheinlicher. Die haben keinen Riesenzoom. Die Gefahr von verwackelten oder unscharfen Bildern ist geringer. Und Du bist damit beweglicher. Kompakte machen alles mit, sind leicht und klein. Können überall dabei sein. Wie man das von Camcordern gewöhnt ist.

Kompakt-Klasse
Kompakte lassen sich zum Beispiel prima an Skateboards befestigen, auf Skiern, an Fahrrädern. Skater sind ja große Freunde von Super 8, auch viele Musikvideos werden nach wie vor auf diesem körnigen Filmformat gedreht. Wenn die Kamera da mal was abkriegt, vom Board fällt oder hinknallt, sind nur 5 bis 25 Euro im Eimer. Mehr kosten die Kleinen gebraucht nicht.

Worauf Du achten musst, ist, dass die Kamera mit der Filmempfindlichkeit Deiner gewählten Super-8-Kassette zurecht kommt. Während früher ASA/ISO 40 die Regel war, haben heutige Filme meist ISO 100 oder 200. Damit kann nicht jede Kamera umgehen! Eine Liste zur ISO-Akzeptanz vieler Modelle findest Du im Internet unter:

http://super8wiki.com/index.php/Super_8_EKTACHROME_100D_motion_picture_film_exposed_in_old_cameras

In der Kompakt-Klasse habe ich Dir nachfolgend handliche Kameras aufgelistet, die entweder gar keinen Handgriff haben oder über einen Klappgriff verfügen.Alle haben ein 3- bis 6-fach Zoom, Belichtungsmessung durchs Objektiv (TTL = Through the Lens) und arbeiten mit 18 Bildern pro Sekunde. Damit wären die wichtigsten Funktionen erfüllt. Du musst jetzt schauen, was Du von der Kamera ansonsten noch erwartest:

• Einzelbildschaltung: haben die meisten
• Fernauslöser: manche arbeiten mit mechanischem, ruckelanfälligem Drahtauslöser, viele mit besserem elektrischen Auslöser über Kabel
• „Profigeschwindigkeit“ 24 B/sec.: ist bei einigen anwählbar, wenige in dieser Klasse haben auch Zeitraffer (9 B/sec.) oder Zeitlupe (ab 36 B/sec.). 24 B/sec. sind wichtig, wenn Du den Film scannen und am Computer schneiden willst. Mit 18 Bildern läuft er zu langsam und muss bei der Abtastung interpoliert werden – das geht zu Lasten der Qualität
• Makro: Alle Objektive können Motive ab etwa einem Meter Entfernung scharf stellen, bei sehr guten Lichtverhältnissen ist im Weitwinkel ab 0,5 m alles scharf. Wenn Du näher ran willst, brauchst Du Makro. Da gibt es einige Varianten: manche Objektive, wie bei Bauer, ermöglichen Scharfstellung ab Frontlinse bis 1,5 m; andere, wie bei der Canon 318M, müssen exakt 22,5 cm vom Motiv weg sein – was die Verwendungsmöglichkeiten total beschränkt. Da hilft nur ein Blick in die Bedienungsanleitung.

Super-8-Kompaktkameras
Agfa Microflex 200, Agfa Microflex 300, Bauer C4, Bauer C6, Bauer C104, Bauer C14, Bauer Star 4, Bauer Top Star, Bolex 350 Macro Compact, Braun Motor Zoom Reflex Compact 500 Macro, Canon Auto Zoom 318M, Elmo C 56 Album 3600, Elmo Super 104, (Honeywell) Elmo Super 106, Elmo Traveler, Eumig Mini 3 Servofocus, Eumig Mini 5 Makro Zoom Reflex, GAF 102 A, Hanimex CPM 53, Minolta Pocket Z-8, Nizo S1, Nizo S125, Nizo S126, Nizo S30, Rollei SL86, Sankyo Super ES-44, Silma 6S, Yashica Super 40 K, Zeiss Ikon M 803 electronic

XL-Nachteulen
XL steht für „existing light“. Diese Kameras sollen sich vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen bewähren. Dafür sind zwei Faktoren maßgeblich: Besonders lichtstarke Objektive mit Öffnungen von 1:1,2 bis 1:1,4 (statt 1:1,8) und ein vergrößerter Hellsektor der Umlaufblende (statt 160–180° bis zu 230°). Dadurch verlängert sich die Belichtungszeit auf rund 1/30 sec., was bei schnellen Motiven zu leichten Bewegungsunschärfen im Einzelbild führen kann. In Verbindung mit hochempfindlichen Filmen (z. B. Kodak Vision3 200T und 500T) lassen sich auch abends interessante Ergebnisse erzielen. Wenn es zu dunkel wird, ist der Blick in den Sucher allerdings schwierig. Im Gegensatz zu hell leuchtenden Monitoren der Camcorder wird bei den meisten Super-8-Kameras ein Teil des Lichts, das ins Objektiv einfällt, abgezweigt und in den Sucher geleitet. Wenn es draußen finster ist, kommt auch im Sucher nichts an.

Besonders empfehlenswert für alle möglichen ISO-Werte der Filme sind die Modelle Canon 310 XL und 514 XL. Was kannst Du von XL-Kameras noch erwarten:

• 9er Gang: Viele haben einen Zeitraffer eingebaut, mit dem die Belichtungszeit der Einzelbilder noch weiter verlängert wird.

Super-8-XL-Kameras
Bauer C 5 XL Makro, Bauer C50 XL macro, Bauer C104XL, Bauer C105 XL, Bauer Top Star XL, Bauer Compact 20 XL, Bauer Compact III XL, Bell & Howell T30XL, Canon 310 XL, Canon 514 XL, Chinon 213, Chinon 133 P XL, Chinon 213 P XL, Elmo 412 XL Macro, Elmo 614 XL macro, Elmo Super 311 Low Light, Kodak XL 33, Kodak XL 55, Kodak XL 320, Kodak XL 330, Kodak XL 360, Minolta XL 250, Minolta XL 400, Minolta XL 401, Minolta XL 601

Spitzen-Modelle
Spitzen-Kameras haben ein 8- bis 12-fach Makro- Zoom, das fest montiert ist und häufig in zwei Geschwindigkeiten motorisch durchfahren werden kann. Es gibt also auch bei diesen Geräten keine Wechseloptik. Das Feature bleibt den System-Kameras vorbehalten, um die wir uns gleich kümmern werden. Außerdem haben Spitzen-Kameras allerlei Spielereien an Bord:

• Auf-, Ab- und Überblendfunktion
• Zeitlupe (meist 48-64 B/sec.)
• Blitzkontakt für Einzelbildbelichtung und Zweibandvertonung mit elektronischen Impulsen
• Intervalltimer für Zeitraffer mittels Einzelbildschaltung
• Langzeitbelichtungsautomatik zwischen 1/10 Sekunde bis zu einem Bild pro Minute mit vorwählbarer Szenenlänge bis 12 sec. (Bauer C Royal und A508/512 sowie Nizo 561-801 und professional)

Super-8-Spitzenkameras
Die besonderen Lieblinge der Super-8-Freunde sind die folgenden Kameras, die gut und gerne für 250 bis 350 Euro über den virtuellen Ladentisch gehen: Canon 814 und 1014XL-S (obwohl mit Sound, aber sehr begehrt), Nikon R8 und R10, Nizo professional, mit einigem Abstand auch Bauer A508/512, Bauer S709/715XL microcomputer (trotz Soundteil), alle Nizo-Modelle 481-801 macro sowie die Nizo 4056 und 6080 (trotz Soundteil).

Echte System-Kameras
Diese Modelle haben einen entscheidenden Vorteil: Du kannst das Objektiv wechseln. Alle aufgelisteten Beaulieu-Kameras verfügen über einen
C-Mount-Anschluss. Damit sind auch die Wechselobjektive von 16-mm-Kameras nutzbar. Bei der Leicina Special ist ein Leica-M-Bajonett vorhanden. Neben der Standardoptik 1:1,8/6-66 mm gibt es für diese Super 8 ein weitwinkliges Macro-Cinegon mit 10 mm, das auch Nahaufnahmen ermöglicht. Außerdem steht die gesamte Palette der Leica M Fotoobjektive offen. Die Brennweite der Foto-Objektive muss natürlich auf das Super-8-Bild berechnet werden. Das geschieht mit dem Faktor 6. Dadurch ergibt sich, dass ein Foto-Normalobjektiv von 50 mm etwa einem 300-mm-Tele an der Filmkamera entspricht. Das ist die 30-fache Vergrößerung der Super-8-Normalbrennweite von 10 mm. Da lässt sich mit extremen Tele-Brennweiten glatt in Mondkrater schauen – aber alles nur vom Stativ.

Beaulieu warb früher mit dem Slogan „100 % Licht im Sucher – 100 % Licht auf dem Film“. Erreicht wird das durch einen Verschluss, der ähnlich wie ein Schwingspiegel bei Profi-Kameras funktioniert. Vorteil ist, dass wirklich das gesamte einfallende Licht für den Film zur Verfügung steht und nichts in den Sucherstrahlengang abgezwackt wird. Nachteil ist, dass es im Sucher flackert, während gedreht wird.

Die hier benannten System-Filmkameras haben aber noch einen gemeinsamen Vorteil: Sie verfügen allesamt über ein Drehrad, um die Filmempfindlichkeit des Materials manuell von außen einzustellen! Da gibt es kein Vertun mit der Erkennung irgendwelcher Kassettenkerben. Extrem empfehlenswert, auf Ewig für alles gewappnet, dafür gern bis 400 Euro teuer!

Super-8-System-Kameras
Beaulieu 2008 S, 4008 ZM II, ZM III, ZM IV, 6008, 7008, 9008 (letztere drei obwohl Sound-Modelle), Leitz Leicina Special

Soundkameras
Vor schweren und klobigen Tonfilmkameras kann man nur warnen. Aber ich muss doch ein paar Ausnahmen schildern. Die erste ist: Wenn Tonfilmkameras Stummfilmtechnik in sich tragen, die für Deine Aufnahmen wichtig ist. Das kann mit den Modellen Canon 814 XL-S oder 1014 XL-S der Fall sein. Sie gehören zu den leistungsfähigen Kameras, die bis kurz vor Schluss der Super-8-Ära 1983 gebaut wurden. Es gibt kaum neuere Geräte. Auch die Soundkameras Nizo 4056 und 6080 sind gerne genommen. Sie sehen topp aus (Braun-Design von Dieter Rams) und sind extrem leise. Außerdem bieten sie viele Funktionen! Tonfilme gibt es aber schon lange nicht mehr. Man kann mit diesen Modellen nur noch stumm drehen.

Unbrauchbare
Vermeide schwere, klobige Kameras, die mit Film und Batterien mehr als 1,3 Kilo wiegen. Vor allem die frühen, unhandlichen Tonfilmklopper von Bauer, Beaulieu (5008), Bolex, Chinon, Copal, Cosina, Elmo, Kodak, Noris, Porst, Revue, Rollei, Sankyo und Yashica sind nicht zu empfehlen. Ignoriere alle Kameras, die eine fette Autofocus- Einheit an der Optik haben. Das hat damals kaum funktioniert und heute sowieso nicht mehr. Die meisten dieser Modelle führen die Bezeichnung „AF“ im Namen. Speziell Bolex, Canon, Chinon, Elmo, Fuji und Sankyo hatten da skurrile Konstrukte am Start.

Es gibt eine Reihe von Kameras, die nur fürs Filmen mit dem früheren Standard ASA-40-Kunstlichtfilm eingerichtet waren. Diese Modelle müssen leider auf den Müll. Oder in die Sammler-Vitrine.

Super-8-Müll
Agfa Microflex Sensor, Agfa Microflex 100 Sensor, Astral T2 Electric Eye, Eumig
Mini, Halina Super Eight, Voyageur Super 8. Besonders primitive Kameras hatten gar keinen Belichtungsmesser eingebaut: Boots Comet 121, Boots Comet S8, Mupi Zeta 1, Muplex MR 3, Universa Junior. Belichtungsmessung, die nicht durch das Zoom-Objektiv, sondern oberhalb der Optik ohne Berücksichtigung des Filmausschnitts erfolgt, ist auch nicht zu empfehlen: Argus 802, Argus 822T, Bentley B-3, Bentley BX-720, Bolex 233 Compact (S), Braun Zoom Reflex S8, Elmo Super 103(T) und 204(T), Eumig Mini Zoom Reflex2, Hanimex MZ 200, viele Kodak Instamatic Modelle.

Handbuch SUPER 8 - zu erstehen bei Amazon oder www.atollmedien.de

Mehr übers Filmen mit Super 8 erfährst Du im Handbuch SUPER 8. Hier zu haben: http://www.amazon.de/Super-Handbuch-Filmformats-digitalen-Zeitalter/dp/3938619031/ref=pd_rhf_se_p_t_2_9Z7T

Sensational: a new Super 8 camera from Denmark

Sensational: a new Super 8 camera from Denmark

A one-of-a-kind machine: the Logmar camera with matte box and external TFT viewfinder. You can still spot the 3D-printed parts.

Translation: Florian Cramer (Originalartikel hier.)

Tommy and Lasse are 63 and 30 years old. They are father and son, and they’ve always bonded over ambitious tech projects. Tommy is an expert mechanic, a crack on the lathe who knows everything about any kind of material. He can manufacture parts that he has in mind just so. Lasse’s expertise is even more microscopic than precision mechanics: He’s an engineer of bits and bytes. As a researcher and consultant, he develops complex micro controller applications, from chip design to full-fledged systems. Fifty years ago, Tommy became an amateur filmmaker, back then on Double 8mm with an Olympus Pen camera. Even today, long after the Olympus had been superseded by a Chinon Super 8 camera, he always keeps a fresh film cartridge in his refrigerator. Lasse has designed the hard- and software of highly complex micro controller systems for more than a decade. Motor control is his particular area of interest.

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Sensation: Neue Super 8 Kamera aus Dänemark

Sensation: Neue Super 8 Kamera aus Dänemark

Macht was her: Die Logmar-Kamera mit Kompendium und aufgesetztem Suchermonitor. Hier sind in grau noch deutlich die Teile aus dem 3D-Drucker zu erkennen

(English version here.)

Tommy und Lasse sind Vater und Sohn, 63 und 30 Jahre alt. Schon immer waren sie durch ambitionierte, technische Projekte besonders verbunden. Tommy ist Mechanikermeister mit großer Erfahrung, spielt virtuos die Drehbank, kennt jedes Material und dessen Eigenheiten, verteilt Kräfte und fertigt die Einzelteile die ihm in den Sinn kommen einfach mal eben aus dem Vollen. Lasses Domäne ist noch feiner als die Feinmechanik: Er ist ein Bit-Dompteur, entwickelt komplexe Mikrocontrolleranwendungen – vom Chipdesign bis zur kompletten Lösung; forschend und beratend. Tommy begann schon vor 50 Jahren zu filmen, seinerzeit mit einer Olympus Pen auf Doppel-8, auch heute hat er noch stets eine frische Rolle Film im Kühlschrank, auch wenn die Super 8 Kamera von Chinon die Olympus irgendwann weitgehend ablöste. Lasse ist seit zehn Jahren dabei, Hard- und Software spezialisierter Steuerungssystem zu entwerfen. Gerade die Motorsteuerung hat es ihm angetan.

Tommy und Lasse sind Logmar, Logmar begann als Firma 2009 in Lasses Haus in Aalborg. Heute steht in den Firmenräumen eine CNC-Fräse, ein MakerBot 3D-Drucker, ein SMD Bestückungsautomat und sogar eine Reflow-Maschine zur professionellen Fertigung von Steuerplatinen mit hoher Bestückungsdichte. Eine große Kiste mit verworfenen Prototypen der Steuerplatinen deutet auf die Unermüdlichkeit und Akribie hin, die Vater und Sohn bei ihren Projekten verbindet.

Wir haben allein bei der Mechanik fünf mal komplett von vorne angefangen. Oder waren es acht mal? Ich habe aufgehört zu zählen.

Aber wie kam es überhaupt dazu, drei Jahrzehnte nach der letzten Neuvorstellung einer Super 8 Kamera nochmals eine solche zu erfinden? Angefangen hat alles mit der Krasnogorsk, der preiswerten, russischen 16mm Kamera voller zickiger Tücken. Tommy und Lasse haben für sie einst ein „Drop-in Replacement“ entwickelt, eine neue Platine, die von jedermann mit wenigen Handgriffen einfach das Innenleben des russischen Kastens ersetzen konnte. So bekam man auf einen Schlag einen ultragenauen Elektromotorantrieb, eine exakte Belichtungsmessung und eine moderne Stromversorgung. Trotz Marktreife starb das Projekt, bevor es auch nur angekündigt war: So gab es bereits Bequarzungslösungen und auch war die Qualitätsstreuung der Krasnogorsk-Kameras erheblich. Schnell wurde den beiden klar: Lieber gleich richtig machen, weg mit alten Zöpfen. Wenn schon modern, dann ganz.

Lasse wollte zunächst eine bessere Ikonoskop bauen. Heute ist er froh, dass nicht probiert zu haben, denn er hatte (ähnlich wie die Entwickler der Ikonoskop-Kamera auch) komplett unterschätzt, was für ein erheblicher Aufwand das gewesen wäre. Die Signalverarbeitung, das Bewegen der Datenmengen… dafür hätte die Zeit niemals gereicht, denn Logmar ist ein Nebenprojekt, und andere haben da einfach den längeren Atem. Alle 14 Tage erscheint eine neue, digitale Filmkamera. Der Markt ist umkämpft und breit besetzt. Beide wusste aber, wie viele Super 8 Kameras, Filme und Filmer es da draussen noch gibt – und alle müssen Kameras verwenden, die mindestens 30 Jahre alt sind und eine Menge Unzulänglichkeiten mitbringen. Damit war der Antrieb geboren, etwas anders zu machen als alle anderen: Eine neue, analoge Kamera zu bauen: Als erste Firma seit vielen Jahrzehnten!

Lasse wollte zunächst 16mm machen, denn „16 war einfach mehr als 8“. Irgendetwas aber sagte den beiden, dass 8mm die bessere Wahl wären. Super-16 stirbt schneller, als Super 8 es tut – und es gibt mehr Super 8 Kameras, mehr Super 8 Filmer, mehr Projektoren… und es ist bezahlbarer.

Unsere ganze Familie hält uns für vollkommen bekloppt. Nun, eigentlich tun das alle.

Lasse hat selber nie mit Super 8 gefilmt, seine erste Kamera war eine in den USA entstandene NTSC-Videokamera mit entsprechender Qualität. Was beiden bei Super 8 schon immer fehlte: Eine Lösung für einfachen, hochqualitativen Ton. Die leidgeprüften Schmalfilmer hatten bis heute immer nur die Wahl zwischen mieser Qualität und hoher Komplexität: Der Pistenton mit annähernd Mittelwellenqualität erlaubt seit langem keine Aufnahme von Liveton mehr, Zweibandverfahren sind so angestaubt wie kompliziert und anfällig. Eine moderne Lösung ist hier also ein echtes Novum.

Die ungeahnten Tonmöglichkeiten (unten dazu mehr) sind aber mitnichten das einzige Novum. Absolut einzigartig sind auch Filmantrieb und Filmschaltwerk, neben einem echten Sperrgreifer verfügt die Kamera auch über eine eigene, feste Andruckplatte und eine kombinierte Vor- und Nachwickelrolle sowie einen Haufen Technik, den es in früheren Kameragenerationen schlichtweg noch nicht gegeben hat.

Aus innerem Antrieb

Fangen wir ganz innen an: Beim Kameramotor. Auffallend ist zunächst, wie ungewohnt leise er läuft, ein souveränes, gesundes Summen. Erstaunt bemerke ich dann, dass sich die Bildrate im Menü auf vier (!) Stellen hinterm Komma einstellen lässt und frage verwundert nach, wie das sein kann. Lasse erklärt: Der Antriebsmotor ist ein Gleichstrommotor von Maxon, wie er auch im Mars Rover verwendet wird — vom feinsten also. Andere Motoren wie zum Beispiel von Faulhaber erfüllten die hohen Ansprüche der beiden Dänen nicht. Geregelt wird er über eine komplett autarke Regelelektronik, die unabhängig von der sonstigen Kameraelektronik für unerreicht hohe Präzision sorgt: Eine PLL, getaktet von einem 100 MHz DDS, sorgt für erreichen der korrekten Umdrehungszahl in wenigen Millisekunden und absolut exaktes Einhalten der Bildfrequenz vom ersten bis zum letzten Bild. Die Fehlerrate nach 10 Sekunden Motorlauf beträgt unter 0,0003 fps – das entspräche einem einzelnen Frame Abweichung nach 90 Minuten Filmen, was aber dank PLL Nachregelung nicht entsteht.

Die Umlaufblende lieferte hier drei Impuls pro Umdrehung. Bei eingestellten 25 fps wurden über 10 Sekunden also 25.000248  fps erreicht.
Die Umlaufblende lieferte hier drei Impuls pro Umdrehung. Bei eingestellten 25 fps wurden über 10 Sekunden also 25.000248 fps erreicht.

[alert type=“info“]Ein DDS (Direct Digital Synthesizer) ist ein Baustein, der mit absoluter Präzision beliebige Frequenzen erzeugen kann. Anders als ein Quarz hat er keine feste Frequenz auf der er schwingt, sondern kann in feinsten Stufen programmiert werden. Die PLL (Phase Locked Loop, auch Phasenregelkreis genannt) sorgt, vereinfacht gesagt, für eine exakte Zwangskopplung der Eingangsfrequenz des DDS und der gewünschten Bildfrequenz der Kamera. Die Sollgeschwindigkeit ist dadurch schon nach Bruchteilen eines Millimeters erreicht und wird zwangsläufig permanent vollkommen exakt eingehalten. Herkömmliche Quarzsteuerungen brauchen oft mehrere Sekunden, bis der Regelkreis „locked-in“ ist, bei der Logmar-Kamera ist alles vom ersten bis zum letzten Bild eines Takes lippensynchron.
[/alert]

Der eingesetzte Motor ist so kräftig und präzis, dass er locker Bildfrequenzen bis 100 B/s regeln könnte – allerdings kann nicht nicht garantiert, dass die Mechanik und auch der Film derartigen Stress lange mitmachen würden. Vorerst wird die Logmar Kamera daher mit Firmwareseitig festgelegten 54 B/s Maximalfrequenz auf den Markt kommen.

Schlaufenformer

Genauso besonders wie der Antrieb ist die Filmführung der Logmar-Kamera. Ähnlich wie bei den ultra-seltenen Hochgeschwindigkeitskameras der Firma Mekel wird die kassetteneigene Andruckplatte von einem Mechanismus eingedrückt und beim Einlegen eine Filmschlaufe aus der Kassette gezogen, damit der Film den Weg einer klassischen Filmführung geht. Hierdurch werden nahezu alle Nachteile der Super 8 Kassette eliminiert, Kassettenklemmer sind ausgeschlossen, der Bildstand könnte nicht perfekter sein, selbst bei störrischem und nicht normgerechtem, unflexibelem Material.
An der unteren Filmschlaufe befindet sich eine Notabschaltung. Verschwindet die Schlaufe, zum Beispiel bei Filmende oder auch bei Blockaden, stoppt der Kameramotor umgehend.

Kennt man nur von Mekel: Eine echte Zahntrommel in einer Super-8 Kamera
Kennt man nur von Mekel: Eine echte Zahntrommel in einer Super-8 Kamera

Greifer

Eine beachtliche Konstruktion ist auch das Filmschaltwerk der neuen Kamera. So verfügt die Filmbühne nicht nur über eine kameraseitige, feste Andruckplatte aus anodisch oxidiertem Aluminium, sondern auch über einen echten Sperrpin. Diese Konstruktion geht sogar über die Schlepphebel hinaus, die eine Nikon R10 zur Verbesserung des Bildstandes benutzt: Der Sperrpin fixiert das Bild bombenfest während der gesamten Zeit, in der der Umlaufverschluss Licht auf den Film lässt. So ist ein bestmöglicher Bildstand garantiert. Der Sperrpin ist dabei übrigens so bemessen, dass er den Film spielfrei im Perfoloch fixiert. Der Testfilm beweist wie gut das funktioniert: Dreht man den Bildstrich in den sichtbaren Bereich, bewegt er sich auch bei Projektion mit 2m Diagonale kein bisschen. Einen solchen Bildstand hat es noch bei keiner 8mm Kamera gegeben, nicht einmal bei den besten DS8-Kameras aus der Schweiz. Das Bildfenster des Prototyps ist übrigens breiter als bei Super 8 Kameras üblich, ähnlich wie Max 8 — „so breit wie es geht“, sagt Tommy. Zudem hat es leicht abgerundete Ecken. Ob das bei den Filmfenstern der Serienkameras auch so sein wird, bleibt abzuwarten.

Sucher

Ebenso einzigartig ist das Suchersystem der Logmar-Kamera. Es ähnelt im Aufbau dem Beaulieu-Mechanismus, hat aber nur einen Verschlussvorhang. So blickt man mit dem Sucher durch die Optik und hat keinerlei Parallaxenprobleme, gleichzeitig kommen 100% des Lichts auf den Film, da kein Prisma zur Ausspiegelung des Sucherbildes vorhanden ist. Aich fehlen kameraseitige Einschwenkfilter, was der Qualität erneut zuträglich ist. Anders als in quasi allen anderen Super 8 Kameras befindet sich zwischen dem aufgesetzten Objektiv und der Filmemulsion zum Zeitpunkt der Belichtung tatsächlich nichts als eine durchgängige Luftschicht! Gleichzeitig bedeutet es, dass man ein helles und großes Sucherbild hat, das auch in großer Dunkelheit vollumfänglich zur Einstellung der Schärfe reicht. Das Sucherbild ist dabei sogar beliebig groß, denn statt einem optischen Sucher gibt es eine kleine CCD-Kamera, die das Sucherbild auf einen Monitor zaubert. Die Logmar hat hierzu nun seitlich ein schwenk- und drehbares LCD-Display fest angebracht, wie man es von digitalen Videokameras kennt. Das das Videosignal nach aussen geführt ist, lässt sich auch ein Kontrollmonitor oben auf der Kamera montieren. Ebenfalls möglich ist das anschliessen eines großen (u.U. weit entfernten) Kontrollbildschirms oder auch ein Aufzeichnen oder Senden des digitalen Sucherbildes, natürlich nur in SD-Qualität. Dem Video-vertrauten wird es fremd vorkommen, dass das Sucherbild während der Aufnahme mit der gewählten Bildfrequenz flackert, der erfahrene Beaulieu-Filmer hingegen fühlt sich sofort zuhause.

Anders als der erste Prototyp enthält die Kamera kein dediziertes, monochromes LC-Display für die möglichen Einstellungen mehr. Alle Einstellungen lassen sich jetzt komfortabel per Knopf und Drehrad über ein On-Screen-Display tätigen. Auch sind alle wichtigen Einstellungen wie Bildrate, Akku-Füllstand und ähnliches so jederzeit im Blick.
Selbstverständlich ist auch ein Einzelbildzähler vorhanden, der sowohl bereits belichtete als auch noch verbleibende Frames einer Kassette anzeigen kann. Da die Kamera bei Kassettenende abschaltet, verschenkt man kein einziges Filmbild und verliert zugleich keine irrtümlich auf „Exposed“ belichtete Szene. Alternativ zum Einzelbildzähler kann der Sucher auch den Filmverbrauch bildgenau in Metern anzeigen.

Neu: Erster Prototyp des seitlich angebrachten, schwenkbaren Sucher-Monitors. Alle grünlich-grauen Teile an der Kamera sind PLU-Prototypen die dem 3D-Drucker entstammen. Sie werden in der finalen Version natürlich aus Aluminium oder hochwertigen Kunststoffen gefertigt sein.
Neu: Erster Prototyp des seitlich angebrachten, schwenkbaren Sucher-Monitors. Alle grünlich-grauen Teile an der Kamera sind PLU-Prototypen die dem 3D-Drucker entstammen. Sie werden in der finalen Version natürlich aus Aluminium oder hochwertigen Kunststoffen gefertigt sein.

Belichtungsmessung

Und doch hat die Kamera ein Prisma als Strahlenteiler: Allerdings erst hinter der Ausspiegelung. Mit diesem wird ein Teil des Lichtes auf eine Photodiode abgezweigt, die für präzise TTL-Belichtungsmessung zuständig sein wird. Im begutachteten Modell war der Belichtungsmesser noch nicht fertig implementiert, dem Profi macht aber ja auch die Benutzung eines externen Handbelichtungsmessers nichts aus. Geplant ist eine Nachführbelichtungsmessung, die auch die gewählte Bildwiederholrate berücksichtigt.
Der Hellsektor der Umlaufblende hat derzeit übrigens 180°, was aber auch noch einfach zu ändern wäre. Eine verstellbare Sektorenblende ist nicht vorgesehen, der konstruktive Aufwand ist schlichtweg zu hoch.

Gehirn

Bemerkenswert und zudem für die hohe Flexibilität und die vielen Möglichkeiten verantwortlich ist das Herzstück der neuen Kamera: Der ARM Cortex M3 als Mikrocontroller ist ein ausgesprochen leistungsfähiges und komplexes Multitalent. Der Anwender bekommt davon nichts mit, wird sich aber über die einfachen, mächtigen Funktionen und zukünftige Weiterentwicklungen der Kamera durch Updates der Firmware freuen. Der ARM-Microcontroller ist koordinierendes Herzstück für eine ganze Anzahl verschiedener, spezialisierter Baugruppen. So stellt er das OSD (On Screen Display, die Menüsteuerung der Kamera), steuert die Regeleinheit zur Bildrate, bedient den USB-Anschluss, lauscht und verwaltet WLAN-Verbindungen, koordiniert den Audio-Teil (siehe unten), regelt die Belichtungsmessung und dergleichen mehr.

Eine von vielen Revisionen der Hauptplatine: Zu sehen sind u.a. Wifi-Chip, SD-Kartenleser, der Scilab ARM Mikrocontroller, JTAG-Anschluss, DDS und PLL zur Motorsteuerung, der Chip für das On-Screen-Display und der Sanyo Motortreiber, der ohne Kühlkörper 24W Leistung schafft.
Eine von vielen Revisionen der Hauptplatine: Zu sehen sind u.a. Wifi-Chip, SD-Kartenleser, der Scilab ARM Mikrocontroller, JTAG-Anschluss, DDS und PLL zur Motorsteuerung, der Chip für das On-Screen-Display und der Sanyo Motortreiber, der ohne Kühlkörper 24W Leistung schafft.

Auch wenn früher schon Elektronik zur Steuerung verschiedener Kamerafunktionen zum Einsatz kam, so ist eine echte Mikrocontroller-Architektur wie hier doch etwas völlig anderes. Da fast alle relevanten Mess-, Steuer- und Regelvorgänge auf Software basieren, lassen sich durch Updates der Firmware nicht nur Fehler beheben sondern auch völlig neue Funktionen schaffen. Die Logmar ist diesbezüglich sehr gut aufgestellt, da sie mit USB und Wifi für die Außenwelt sichtbar wird und die Architektur sehr offen für Erweiterungen ist.

Liveton

Kernkompetenz und deutlichstes Alleinstellungsmerkmal der Logmar-Kamera sind wohl die Liveton-Möglichkeiten, die es so bei Super 8 Film noch nie gegeben hat.
Für den Anwender könnte es kaum simpler sein: Man steckt einfach eine handelsübliche SD-Karte oben in die Kamera. Pro Take enthält man dann eine alleinstehende, lippensynchrone Audio-Datei, deren Dateinamen den Aufnahmezeitpunkt nebst aktuellem Datum enthält. Nach der Aufnahme schliesst man die Kamera an den Computer an oder liest die Speicherkarte direkt aus — die Audiodateien müssen dann im Bearbeitungsprogramm nur noch unter die digitalisierten Spuren gezogen werden (oder für Kopieren auf Pistenton hintereinander gekoppelt) – fertig!

Auch hier wurde Nägel mit Köpfen gemacht: Herzstück ist das Audio-Multitalent 1063 der finnischen Chip-Schmiede VLSI. Dieses kleine Multitalent kann nicht nur Audiodateien in allen erdenklichen Formaten wiedergeben, es kann sie auch in höchster Qualität encodieren und mit 16 Bit und bis zu 48 kHz Samplingrate aufnehmen. Auch der VLSI-chip ist von hoher Erweiterbarkeit: So unterstützt er DSP-Plugins, Echtzeit Audio-Analyse, verschiedene Samplingraten und arbeitet dank Wallclock mit extrem hoher zeitlicher Präzision. Lasse arbeitet noch an Firmware-Änderungen, die Einstellung von Höhen und Tiefen sowie der Empfindlichkeit der automatischen Aussteuerung zulassen. Auch ein optionaler Audiokompressor mit variablem Attack ist vorgesehen, derlei Funktionen werden vermutlich über Firmware Updates sukzessive ausgebaut.

[alert type=“info“]Der derzeitige Prototyp enthält noch den Vorgängerchip 1053, der nur Dateien im Format Ogg-Vorbis erzeugen kann. Eine Umstellung auf den Nachfolger 1063 ist aber geplant, was auch Aufnahmen in MP3 oder unkomprimiertem 16-bit WAV Format erlaubt.
[/alert]

Eingangsseitig steht eine 3,5mm Klinkenbuchse für Mikrophon- oder Line-Pegel zur Verfügung, die Anpassung des Pegels geschieht automatisch. Den Profi erfreut eine XLR/6,3mm-Kombibuchse von Neutric, die auch gleich 48V Phantomspeisung erlaubt. Diese ist natürlich Kurzschlussfest. Die Wahl des Eingangs geschieht vollautomatisch, die Aussteuerung kann sowohl manuell (per Drehknopf, nicht per fummeliger Tipptasten) als auch manuell erfolgen. Der Liveton kann über einen Kopfhöreranschluss bequem kontrolliert werden, ausserdem wird der Audiopegel (nebst Übersteuerungsanzeige) direkt im On-Screen-Display des Sucherbildes angezeigt. So steht professionellen Livetonaufnahmen nichts mehr im Wege!

Anschluss gesucht: Hier die noch unbeschrifteten Buchsen zur Außenwelt und der außen angebrachte, leicht wechselbare Video-Akku
Anschluss gesucht: Hier die noch unbeschrifteten Buchsen zur Außenwelt und der außen angebrachte, leicht wechselbare Video-Akku

Und noch ein Schmankerl bietet die mächtige Sound-Option der neuen Kamera: Optional soll es bald möglich sein, Ton aufzuzeichnen, sobald die Kamera eingeschaltet wird. Nach wie vor wird pro Take eine neue Datei erzeugt, da die Aufnahmen aber lückenlos sind, entfällt effektiv der Fieldrecorder. Auch wenn man beim Livekonzert nur 10 Minuten Film belichtet, hat man trotzdem einen hochqualitativen Mitschnitt des gesamten Konzertes – inklusiv lippensynchronen Tons!

Stromversorgung

Die Logmar-Kamera gibt sich mit standardisierten 7,2V Akkus zufrieden, wie sie an vielen Videokameras verwendet werden. Diese sind schnell zu laden, preiswert, einfach erhältlich und dienen dank verschiedener erhältlicher Größen ggf. auch gleich als Ausgleichsgewicht für lange Objektive.
Erstaunlicherweise genügt dieser einzelne Akku, um die 5 verschiedenen Betriebsspannungen zu erzeugen, die die Kamera benötigt. So werden für die verschiedenen elektronischen Baugruppen 1,8V, 3,3V und 5V benötigt. Die Phantomspeisung des Mikrophoneingangs liefert normgerecht zweimal satte 48V. Der Kameramotor bekommt Betriebsspannungen zwischen 7 und 30V bei 24 Watt, um bei jeder Geschwindigkeit mit bestem Wirkungsgrad zu arbeiten — derlei Perfektionismus hat es bis dato in keiner Super 8 Kamera gegeben.

Ein großes Akkupack eignet sich gut zum ausbalancieren bei der Verwendung langer Objektive
Ein großes Akkupack eignet sich gut zum ausbalancieren bei der Verwendung langer Objektive

Besonderheiten

Das besondere Suchersystem der Logmar-Kamera bedingt ein paar besondere Verhaltensweisen, die dem Nizo- oder Bauer-gewöhnten Schmalfilmer zunächst unvertraut sein werden.
Zum einen ist der Kassettenwechsel natürlich ein wenig aufwendiger als bei normalen Kameras, da mal eine Filmschlaufe herausziehen und mit der Hand einfädeln muss. Auch verwendet die Logmar-Kamera glücklicherweise keinerlei Abtaster für Kassettenkerben, es bleibt also dem Anwender überlassen, Belichtung und ggf. Konversionsfilter korrekt einzustellen.

Zu bedenken ist auch, dass ein Entnehmen des Filmes aus der Kamera durch den Sperrpin erst möglich ist, wenn die Kamera „geparkt“ ist. Im derzeitigen Prototyp muss der Anwender das Parken des Sperrpins noch selbst im Menü initiieren, ansonsten hängt der Film fest. Für die Serienversion ist vorgesehen, dass der Sperrpin bei öffnen des Filmraums automatisch in Parkposition geht.

Da die Logmar-Kamera dank der einmaligen Motorsteuerung ohne mechanische Bremse am Umlaufverschluss auskommt, kann man optional das letzte Bild einer jeden Szene für einige 100 ms belichten. Sinnvoll ist das bei der Arbeit mit Negativmaterial, da die einzelnen Takes so sehr klar erkennbar unterteilt sind, was den Schnitt vereinfacht. Der projizierender Umkehrfilmer kann diese Funktion natürlich auch deaktivieren.

Anschluss gesucht

Neben den bereits erwähnten Anschlussmöglichkeiten für Ton-Peripherie bietet die Kamera eine bisher ungekannte Kontaktfreudigkeit zur Außenwelt. Mechanisch ist an der Vorderseite ein C-Mount Anschluss für Cine-Objektive vorgesehen. Ein PL-Mount wäre denkbar, wurde aber aus Kostengründen vorerst weggelassen. Oben auf der Kamera befindet sich ein Blitzschuh für Mikrofone oder Lampen. An der Unterseite befindet sich eine Stativschraube, in der ggf. auch ein Handgriff mit Auslöser montiert werden kann. So auffällig wie praktisch ist der große Handgriff an der Oberseite, mit dem die Kamera komfortabel und sicher bewegt werden kann.

Auch auf der elektrischen Seite ist die Kamera Gesprächig: Auf der Oberseite befindet sich eine Buchse für das Videosignal des Suchers. Gleich daneben ist die WLAN-Antenne zu sehen: Die Kamera lässt sich nämlich per WLAN fernsteuern. Geplant ist die Offenlegung eines einfachen, mächtigen Protokolls, mit dem jeder Gewillte selbst Anwendungen nach Wunsch programmieren kann. Denkbar sind hier neben klassischen Fernsteuerungen auch Intervalometer, Auslösung per Bewegungsmelder, Geräuschsensor, Lichtschranke u.ä.
Geplant ist es, sämtliche Einstellungen der Kamera auch aus der Ferne konfigurieren zu können, neben der exakten Framerate aber auch so Dinge wie die exakte Belichtungszeit einzelner Frames, DSP-Optionen und anderes mehr.

Zu guter letzt sorgt ein USB-Anschluss für verkabelten Kontakt nach außen. Hierüber lässt sich sowohl neue Firmware einspielen als auch die SD-Karte mit den Audio-Aufnahmen auslesen, ohne einen Kartenleser zu bemühen. Entwickler, die das offene Protokoll der Kamera verwenden wollen, können über die USB-Schnittstelle zudem Debuginformationen auslesen.

Geburtshilfe

Und wann ist sie nun zu haben? Wenn alles gut geht, gegen April 2014. Der Prototyp ist nahezu „feature complete“, die Beta-Testphase beginnt in diesen Tagen. Erster Schritt zum Endprodukt wird es dann sein, mindestens zehn Vorbestellungen zusammen zu bekommen, um Gießformen und Werkzeuge für jene Teile zu fertigen die derzeit noch aus dem 3D-Drucker kommen. Danach kann dann eine echte Serienfertigung beginnen. Der Einführungspreis für Vorbesteller wird vermutlich zwischen €2.000 und €2.500 liegen – nach über 300.000 investierten Dänischen Kronen, über 100 handgefertigten Spezialteilen pro Kamera und vier Jahren unentwegter, unbezahlter Arbeit ein sehr faires Angebot.
Als besonderes Schmankerl können die ersten mutigen Zehn neben schwarz auch blau oder rot anodisiertes Aluminium für das Gehäuse wählen.

Mit exakten 100 cN wickelt die Logmarkamera den Film sauber auf dem Kern der Kassette auf
Mit exakten 100 cN wickelt die Logmarkamera den Film sauber auf dem Kern der Kassette auf
Hier sieht man den Prototypen mit 10mm Cooke Optik und angeschrautem Handgriff, So ist sie nur etwas breiter als die Spitzenmodelle der 70er Jahre.
Hier sieht man den Prototypen mit 10mm Cooke Optik und angeschraubtem Handgriff, So ist sie nur etwas breiter als die Spitzenmodelle der 70er Jahre.

Ein Praxistest wird in den nächsten Tagen folgen – Filmkorn wird ausgiebig berichten!


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