Ferrania ist zurück: Interview mit Macher Nicola Baldini

Ferrania ist zurück: Interview mit Macher Nicola Baldini
Film Ferrania: neu-alter Name und Logo

Film Ferrania: neu-alter Name und Logo

Die Nachricht, dass der italienische Filmhersteller Ferrania wiederbelebt wird, schlägt hohe Wellen in der Schmalfilmszene, denn auch neue 8- und 16mm-Umkehrfilme sind angekündigt. Ein Gespräch, das Bellamy Hunt vom Blog Japan Camera Hunter mit Nicola Baldini, Filmemacher und Mitbetreiber der neu gestarteten FILM Ferrania, führte, beantwortet viele offenen Fragen. Wir veröffentlichen es hier in deutscher Übersetzung, mit freundlicher Genehmigung von Bellamy Hunt!

Nicola, was kannst Du unseren Lesern über Ferrania und Ferrania-Filme berichten?

„Ferrania“ ist immer noch ein gut bekannter Name: So heisst eine berühmte italienische Firma mit einer großen Tradition und einer langen Geschichte exzellenter Industrieprodukte, trotz ihrer Schwierigkeiten in der jüngsten Zeit.

Die Geschichte Ferranias als Teil der italienischen Kinofilmproduktion begann kurz nach dem ersten Weltkrieg, als die Sprengstofffabrik SIPE auf die Herstellung von Zelluloid umgestellt wurde und sich in FILM Ferrania umbenannte. (Die Chemie des damaligen Filmträgermaterials glich der von Sprengstoffen stark.) In diesen frühen Jahren eroberte sich Ferrania schnell die Marktführerschaft im Inland und übernahm 1932 den berühmten Mailänder Fotoplatten-Hersteller Cappelli.

In der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs feierte Ferrania die größten Erfolge der Firmengeschichte. Man brachte den berühmten „Ferraniacolor“ auf den Markt. Er gesellte sich zum bereits berühmten Ferrania-Schwarzweissfilm, dem Star vieler italienischer Kino-Meisterwerke dieser Zeit – von Pasolini, De Sica und anderen.

1964 ging Ferrania ins Eigentum des multinationalen 3M Ferrania-Konzerns über. Einerseits wurden so neue Märkte erschlossen, andererseits begann damit der schleichende Abschied von der Kinofilmindustrie, weil man sich ausschließlich auf den Massenmarkt für Amateurfotografie konzentrierte.

1996 fiel Ferrania unter die Firma Imation, in die 3M seine Produktion für die graphische und medizinische Industrie ausgliederte. 1999 wurde Ferrania an die Private Equity-Firma Schroder Ventures (Permira) verkauft und ging danach unter dem Namen Ferrania Technologies zurück in italienischen Besitz (der Messina-Industriegruppe aus Genua).

Nach einer Reihe Verkäufe von Firmenimmobilien und -maschinen wegen der Krise des traditionellen fotografischen Films im Würgegriff der Digitaltechnologie, gibt es jetzt uns mit der Firma FILM Ferrania. Neben dem ursprünglichen Firmennamen hat sie die Abteilung Photocolor Ferrania Technologies übernommen und will die historische Marke Ferrania im Bereich des analogen Films wiederbeleben.

Die Ferrania-Fabrik mit ihrem Forschungs- und Entwicklungscampus, zu 3M-Zeiten auf umweltfreundlichen Betrieb umgerüstet

Stimmt es also wirklich? Wird Ferrania wieder Film herstellen?

Sehr gerne beantworte ich diese Fragen, bitte aber vorab um Entschuldigung, wenn ich manchmal nicht ins Detail gehen kann, weil die ein oder andere Information noch vertraulich ist und wir andere Dinge selbst noch nicht wissen!

Zur ersten Frage, es stimmt absolut, dass in Kürze – und im Gegensatz zum heutigen Trend – ein neuer Filmhersteller auf den Weltmarkt zurückkehrt. Ein Hersteller mit einer Familiengeschichte, die nicht minder stolz ist als die von Kodak oder Agfa. Wie wir auch in unserer ersten Pressemitteilung erklärt haben, sind wir faktisch noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase, weil Ferranias Fabrik die letzten Jahre lang stillgelegen hat und Maschinen neu hergerichtet und kalibriert werden müssen. Dabei fällt zusätzlich ins Gewicht, dass die Herstellungsprozesse bei Ferrania auf tausende von Arbeitern ausgelegt waren – zu Glanzzeiten hatte Ferrania 4000 Angestellte. Doch wenn wir auf dem heutigen Markt konkurrenzfähig sein wollen, brauchen wir einen kleineren, hochoptimierten Arbeitsablauf. Alle Angestellten der Abteilung Ferrania Photocolor wurden entlassen, als die Filmproduktion stoppte. Glücklicherweise waren einige von ihnen für uns noch verfügbar und sind sehr enthusiastisch bei diesem neuen Abenteuer dabei. Und zu guter Letzt sind noch Probleme zu lösen, die nicht an uns liegen, wie zum Beispiel neue EU-Verordnungen zum Chemikaliengebrauch. Trotz all dieser Herausforderungen sind wir optimistisch über die Ergebnisse. Unsere einzige Unsicherheit liegt in der Zeitplanung, aber wir werden unser Bestes dafür tun, dass unsere früheren und künftigen Kunden so bald wie möglich neue, begeisternde Produkte erhalten.

Eines der 9 Stockwerke des mehr als 100 Meter langen Fabrikgebäudes

Wie kam es zur Entscheidung, diese klassische Marke zurückzubringen? Und wie habt Ihr das hingekriegt?

Es war wirklich eine Fügung des Schicksals. Ich bin Filmemacher und -produzent, aber auch leidenschaftlicher Anhänger des analogen Films, besonders in den Schmalfilmformaten. Marco Pagni Fontebuoni, mein Geschäftspartner, betreibt ein Labor für professionelle Kinofilm-Dienstleistungen. Vor ungefähr zwei Jahren nahmen wir Kontakt mit Ferrania auf, um Ausrüstung aufzukaufen, die dort vernichtet werden sollte. Bei dieser Gelegenheit lernten wir die Ferrania-Fabrik besser kennen und schätzen – gerade hinsichtlich der Anlagen und des hochqualifizierten Personals, das dort immer noch arbeitete. So stand am Anfang dieser ganzen Geschichte die Frage: „Was wäre, wenn wir, statt die Technik aufzukaufen und ins Ausland zu bringen, alles hier stehen lassen und versuchen, die Filmherstellung bei Ferrania mit den ehemaligen Angestellten neu zu beginnen?“

Das fabrikeigene Kraftwerk

Welche Filme wollt Ihr zurück auf den Markt bringen?

In dieser ersten Etappe unseres Unternehmens haben wir wenig Alternativen. Unser erstes Ziel ist zu zeigen, dass Ferrania, selbst nach einer Schrumpfkur, wieder Film herstellen kann, auf demselben Qualitätsniveau wie früher. Entscheidend hierbei ist nicht die Qualität unseres Maschinenparks, denn der von Ferrania ist der ausgeklügelste und flexibelste, den es auf der Welt gibt, sondern die Optimierung der chemischen Formeln und Prozesse.

Zum Beispiel können heute einige der alten Chemikalien nicht mehr verwendet werden, weil sie europäischen Umweltgesetzen zuwiderlaufen. Darum ist es logisch, zuerst den modernsten Film, den die alte Ferrania herstellte, neu zu produzieren und so eine objektive Qualitätskontrolle der optimierten Herstellungsprozesse zu gewinnen. Wir wissen, dass der Markt zur Zeit einen guten Farbumkehrfilm vor allem für Schmalfilmformate braucht, und wir sind uns sicher, dass eine überarbeitete Neuauflage unseres klassischen Scotch Chrome 100 die Bedürfnisse der meisten Filmer und Fotografen befriedigen würde.

Der Klassiker bald wieder auch als Schmalfilm: Scotch Chrome 100

Neben dem Chrome werden wir den Farbnegativfilm Solaris FG-100 Plus in möglichst vielen verschiedenen fotografischen Filmformaten auf den Markt bringen. Wir kriegen häufig Fragen nach „ausgemusterten“ Filmformaten wie 126 und 127, und unsere Antwort lautet: Yes, we can! Sobald unser Geschäft gut genug läuft, wollen wir die Konfektionierung für diese Formate beginnen. Es liegt in unserem Interesse, sie herzustellen und zu verkaufen.

Abgesehen davon, gibt es viele wunderbare Produkte aus Ferranias früherer Geschichte, die wir gerne wieder vorstellen möchten. Mit der Unterstützung all der enthusiastischen Leute auf der ganzen Welt werden wir sie sicher wieder herstellen können.

Gibt es auch Zukunftspläne für völlig neue Filmsorten?

Ferrania steht bereit, eine strategische Rolle für die Zukunft des analogen Films zu übernehmen. Das beste, was wir jetzt tun können, ist, dem Markt, neue, frische, aber klassische Produkte anzubieten und damit ein starkes Signal an Verbraucher und Filmlabore zu senden, damit sie in diesen Sektor weiterhin investieren.

Nach dieser Anfangsphase planen wir spannende neue Produkte und Dienstleistungen, die das analoge Bildermachen in diesem Jahrhundert sicher voranbringen werden.

Zweite geplante Neuauflage: der Negativfilm Solaris FG Plus

Welchen Film würdest Du wieder auf den Markt bringen, wenn Ihr Verkaufszahlen ganz außer acht lassen könntet?

Aus meiner eigenen verrückten Sicht, ohne jeden Zweifel: den wunderbaren schwarzweißen Pancro 30-Film, mit dem Pier Paolo Pasolini seine Meisterwerke drehte! Gibt’s mehr als drei oder vier Leute, die ihn gerne wieder haben würden?

Wo wird Deiner Meinung nach die Fotofilm-Industrie in zehn Jahren stehen?

In den nächsten Jahren wird Film ungeeignet für alle sein, die einfach nur Fotos schiessen oder einen Film aufnehmen wollen. Natürlich werden diese Leute Digitaltechnik einsetzen. Sie ist heute ein formidables Werkzeug für den Massengebrauch. In dieser Situation wird Film, so denken wir, ein Mittel der künstlerischen Wahl sein, genauso, wie ein Maler die Wahl hat zwischen Öl- und Aquarellfarben. Wer mit Film gegen die Digitaltechnik ankämpfen will, kämpft eine verlorene Schlacht, einen Kampf gegen diese Zeit. Es geht nicht um Megapixel, und vergesst bitte, wie sich Film äquivalent zu 2K, 4K oder 8K-Auflösungen verhält, sondern es geht ums Gefühl. Manche Leute entscheiden sich für Photoshop als künstlerisches Gestaltungsmittel, andere für spezielle Filme. Was ist daran verkehrt? Würde ein heutiger Michelangelo seinen David mit einem 3D-Drucker ausdrucken? Ja, klar. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der weisse Marmor aus Carrara immer noch das Mittel seiner Wahl wäre.

Eingang zum fabrikeigenen Kraftwerk, das noch in Betrieb ist

Gibt es noch etwas, das Du den Filmfans in aller Welt mitteilen willst?

In den letzten Tagen habe ich dutzende E-Mails persönlich beantwortet und kann Euch nicht genug für Eure wunderbaren und begeisterten Reaktionen danken. Bitte lasst uns weiter Eure Wünsche wissen, und besonders auch Eure Eindrücke und Eure Kritik, wenn unsere Produkte auf dem Markt sind. Wir möchten mit unser Firma nahe bei den Kunden sein, unser Bestes tun und aus Fehlern lernen.

Übersetzung aus dem Englischen: Florian Cramer.
Copyright des Textes und aller Abbildungen bei Japanese Camera Hunter

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

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KINEMATOGRAFIE HEUTE: PHILIPPINEN

Big Boy
PHI 2011, R/B: Shireen Seno, K: Gym Lumbera, Shireen Seno, D: Ian Lomongo, Pamela Miras, 89’ Beta SP, OmeU

Eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre, ein Film, der autobiografische Fragmente und kollektive Imagination auf einzigartige Weise miteinander verknüpft: Big Boy erzählt eine bizarre Episode aus der Provinz über einen Jungen, der von seinen Eltern mit abenteuerlichen Methoden “gestreckt” wird, damit er als poster boy für ihr Fischölgeschäft genutzt werden kann, denn dieses Fischöl soll angeblich wachstumsfördernd wirken. Shireen Seno, die junge Regisseurin des Films, löst die durchaus beängstigende Geschichte auf in disparate, miteinander nur bedingt kompatible Erinnerungsfragmente, in Splitter einer immer schon halbfiktiven Vergangenheit und in quasidokumentarische Impressionen eines vormodernen, aber ganz und gar nicht unschuldigen Dorflebens auf der Insel Mindoro. Der Film wurde auf dem alten, medienhistorisch längst vergessenen Amateurfilmformat Super8 gedreht, die Bilder behalten auch nach dem Transfer ins Digitale eine berückende Brüchigkeit, die sich jeder nostalgischen Schließung widersetzt. (lf)

am 9.8.2013 um 21.00 Uhr
am 10.8.2013 um 19.00 Uhr

zu sehen im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Trailer:

Konfektionierungshilfe für 16mm Meterware

Konfektionierungshilfe für 16mm Meterware

Harald Müller aus dem Filmvorführerforum erhielt, wie dieser Tage viele Filmende, kürzlich größere Mengen Agfa Aviphot Chrome 200D aus einer Sammelbestellung. Das ungemein günstige Material muss allerdings noch auf 30,5m Tageslichtspulen konfektioniert werden, natürlich in völliger Dunkelheit. Der Bastler hat sich mit ein paar einfachen Teilen aus der Bastelkiste und dem Baumarkt hierzu eine Konfektionierungshilfe gebastelt, die sogar im (großzügig dimensionierten) Dunkelsack anwendbar ist.

Tolle Sache zur Nachahmung empfohlen!

Dieser Dorn aus einem alten Plattenspieler nimmt dessen Plattenteller und den Rohfilmwickel auf.

Dieser Dorn aus einem alten Plattenspieler nimmt dessen Plattenteller und den Rohfilmwickel auf.

Die Achse für die 30,5m Tageslichtspule ist einem alten Potentiometer entnommen...

Die Achse für die 30,5m Tageslichtspule ist einem alten Potentiometer entnommen…

...auf das ein Vierkant Messingrohr (8mm Kantenlänge) gesteckt wird.

…auf das ein Vierkant Messingrohr (8mm Kantenlänge) gesteckt wird.

Als "Teller" für die aufnehmende Spule dient der Körper einer alten Lochsäge.

Als „Teller“ für die aufnehmende Spule dient der Körper einer alten Lochsäge.

Hier die verleimte Konstruktion mit aufgesetztem  Plattenteller...

Hier die verleimte Konstruktion mit aufgesetztem Plattenteller…

...und – auf gleicher Höhe montiert – der Aufnahmeseite...

…und – auf gleicher Höhe montiert – der Aufnahmeseite…

...welche die Tageslichtspule aufnimmt.

…welche die Tageslichtspule aufnimmt.

Praktisch: Eine Wäscheklammer hält den Anfang des Filmwickels fest.

Praktisch: Eine Wäscheklammer hält den Anfang des Filmwickels fest.

Eine kleine, improvisierte Kurbel erlaubt schnelles und sicheres Umspulen.

Eine kleine, improvisierte Kurbel erlaubt schnelles und sicheres Umspulen.

Je nach Rohware sollte man die Lage der Perforation beachten und ggf. einmal vom Bobby auf eine 360m Filmspule umspulen, damit die Perforation am Ende auch auf der richtigen Seite liegt. Bei 2R Material ist das natürlich kein Problem.

Ist Elmo umgezogen?

Ist Elmo umgezogen?
Elmo-Werk Wernigerode (Harz)

Elmo-Werk Wernigerode (Harz)

Der japanische Projektoren- und Kamerahersteller ELMO scheint nicht mehr in Nagoya/Japan ansässig zu sein. Sondern in Wernigerode im Harz. Jedenfalls macht uns das dieses Bahnhofsschild Glauben. Bei näherer Betrachtung stellt sich alledings heraus, dasss ELMO ein ehemaliges Kombinat in der DDR war. Später wurde das Elektromotorenwerk zur VEM motors GmbH und hat auch heute noch 520 Mitarbeiter. Und die ehemalige Schmalfilmgerätefabrikation ELMO sitzt weiter in Nagoya. Dort produziert die Firma inzwischen Überwachungskameras, Video- und Overheadprojektoren.

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

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Die Verbraucherzeitschrift test veröffentlichte in Ihrer Reihe Der historische Test heute ist ein Schmankerl vom Mai 1973, das Filmfreunde aufmerken lässt: Es geht um Filmbetrachter. Katastrophale Filmbetrachter, wenn man den Testern glaubt:

Positive Ergeb­nisse in tech­nischer Prüfung und Hand­habung können nicht darüber hinweg­täuschen: Alle 21 untersuchten Film­betrachter haben mehr oder minder schwere Mängel in der elektrischen Sicherheit und verstoßen damit eindeutig gegen das Maschinen­schutz­gesetz. Die test-Qualitäts­urteile mussten entsprechend schlecht ausfallen: Fünf­mal »vom Kauf abzu­raten«, zehnmal »nicht zufrieden­stellend«, einmal »weniger zufrieden­stellend« und nur fünf­mal »zufrieden­stellend«. Wir meinen: Dieser weit­gehend von Importen beherrschte Markt sollte schleunigst von den zuständigen Gewer­beaufsichts­ämtern durch­leuchtet werden. Es ist unzu­mutbar, dass dem Schmalfilm­amateur als Gegen­wert für 80 oder sogar 200 Mark in der Mehr­zahl so eklatant unsichere Geräte angeboten werden.

Den gesamten Test gibt es zur Zeit kostenlos hier herunterzuladen.

Neue Webseite der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg

Neue Webseite der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg

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Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg hat eine neue, sehenswerte Webseite.

Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und finanziert über Mittel der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg werden alle Facetten des menschlichen Zusammenlebens in Form von Filmdokumenten vergangener Jahrzehnte in der Landesfilmsammlung BW für die Zukunft archiviert. Die historischen Filmdokumente kommen aus allen Teilen Baden-Württembergs und liegen z.B. auch in Form von kulturhistorisch interessanten Reisedokumentationen von Bürgern des Landes aus allen Ecken der Erde vor. Es handelt sich dabei um Filmdokumente aus allen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

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Werbung für Salamander Schuhe, 1950er Jahre

Werbung für Salamander
Schuhe, 1950er Jahre

Die Landesfilmsammlung BW ist ein Archiv mit inzwischen über 7500 historischen Filmdokumenten. Die ältesten reichen bis ins Jahr 1904 zurück. Schwerpunkte der Sammlung sind Filme aus dem Familienalltag, von Urlaubsreisen, Städteporträts sowie Image- und Werbefilme. Besonders außergewöhnlich ist der große Bestand an Filmtagebüchern deutscher Soldaten: In der Landesfilmsammlung BW sind zwischenzeitlich auch knapp 200 Filmtagebücher von Angehörigen der Deutschen Wehrmacht oder auch zahlreiche Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs archiviert.

Schulkinder am Ulmer Bahnhof 1918

Schulkinder am Ulmer Bahnhof 1918

Historisches Material wird gern für aktuelle Produktionen zur Verfügung gestellt, ist allerdings nicht gerade ausgesprochen günstig. Nutzer haben die Möglichkeit, online in der Datenbanken zu recherchieren, wobei die Beschreibungen auch in englischer Sprache hinterlegt sind.

Bei Fragen zum Archiv oder speziellen Recherchen wende man sich an

Dr. Reiner Ziegler
Landesfilmsammlung Baden-Württemberg
HAUS DES DOKUMENTARFILMS
Europäisches Medienforum Stuttgart
Mörikestraße 19
D-70178 Stuttgart
Telefon +49711 997808-0
Telefax +49711 99780820
reiner.ziegler [AT] swr.de

Noris – die Marke aus Nürnberg

Noris – die Marke aus Nürnberg

150.000 Laternae Magicae, 80.000 Dampfmaschinen, -lokomotiven und -schiffe. Die Jahresproduktion der Nürnberger Firma des Flaschnermeisters Ernst Plank kann sich 1900 sehen lassen. 130 Mitarbeiter stehen in Lohn und Brot. 1866 hat er 22-jährig seinen Betrieb gegründet, um optische wie technische Spielwaren zu produzieren. 1882 stellt er bereits die erste elektrische Eisenbahn vor. Doch nach dem Ersten Weltkrieg läuft die Fertigung von Spielwaren unter seinem Sohn Karl nur mühsam wieder an. 1929 schließlich die Weltwirtschaftskrise – das stark exportabhängige Unternehmen hat finanzielle Probleme und verkauft an die Gebrüder Schaller in Nürnberg.

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Modernisierte Nizos aus Paris

Modernisierte Nizos aus Paris

Die Nizo 801, eine der von Re:Voir verkauften Kameras

Die Nizo 801, nun auch im Verkauf bei Re:Voir.

Der französische Filmverlag Re:Voir, bekannt für seine DVD-Editionen von Experimentalfilmklassikern, verkauft ab sofort auch generalüberholte Nizo-Super 8-Kameras.

Die Kameras wurden so eingestellt, dass sie die heutigen Filmsorten Ektachrome 100D, Vision 50D und 500T richtig belichten. Sie werden mit drei Monaten Gewährleistung verkauft. Hinter dem Angebot steht neben Pip Chodorov, Filmemacher und Gründer von Re:Voir, der Filmtechnik-Tüftler Christophe Goulard. Kaufen kann man sowohl vor Ort in Paris, als auch via Internet.

Aus zwei Gründen ist dies uns eine Meldung wert. Erstens ist Re:Voir eng mit den Pariser Filmkunstinitiativen Film Gallery und L’Abominable, einem Künstler-Filmlabor, verbunden. Mit ihren Einnahmen fördert die Firma aktive 8- und 16mm-Filmer. Und zweitens hat Goulard einigen Nizos ein besonderes Extra spendiert: einen Drehknopf, mit dem sich die Filmempfindlichkeit der Kamera manuell zwischen 50 und 500 ASA einstellen lässt. In Zeiten, in denen so viele verschiedene Filmsorten in Super 8-Kassetten abgefüllt werden, vermisst man dies bei anderen Kameras oft schmerzlich!

Nachtrag: Pip Chodorov freut sich über die positiven Reaktionen der filmkorn-Leser und erklärt die technischen Details:

Christophe Goulard von „L’Abominable“ baut diese Kameras um. Er ist ein Genie. Der Einstellknopf klinkt sich in einen bereits vorhandenen Einstellmechanismus (Potentiometer?) in der Kamera, mit dem Techniker die Belichtungsautomatik kalibrieren konnten. Er bohrt ein kleines Loch genau über diesem Bauteil, setzt den Knopf ein und graviert ihm kleine Plus- und Minus-Markierungen für die ASA-Werte ein. Jede Markierung steht für eine Verdoppelung bzw. Halbierung des ASA-Werts. Das kann man einfach überprüfen, indem man die Messwerte eines externen Belichtungsmessers mit den Werten vergleicht, die die Kamera liefert. Dreht man am ASA-Knopf, so ändern sich diese Werte. Gleicht man sie seinem externen Belichtungsmesser an, so funktioniert von nun an die Belichtungsautomatik genau auf dem eingestellten ASA-Wert.

Zweite Aktualisierung:
Re:Voir bietet jetzt auch einen Umbauservice für Kunden an, die bereits ein Nizo-Kamera besitzen. Die Modifikation der kleinen Nizos bis einschließlich zum Modell 156 ist unproblematisch und kostet 65 Euro. Später soll ein Umbauservice für die großen Nizo-Kameras (wie die 801) hinzukommen. Neben einem manuellen ASA-Einstellrad, das die Kassettenerkennung vollständig ersetzen wird, soll der Belichtungsmesser an die normalen Kamerabatterien angeschlossen werden, so dass die PX-Knopfzelle überflüssig wird. Dieser Umbau soll, sobald er ausgetestet ist, für 130 Euro angeboten werden.

Kontakt
Re:Voir / Film Gallery
43 rue du Faubourg Saint Martin, 75010 Paris
Telefon : +33-954-225-111
http://www.re-voir.com
Geöffnet von Montag bis Freitag, 11-18 Uhr


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