BBC akzeptiert wieder Super 16

BBC akzeptiert wieder Super 16
Bei Super 16 wird der Filmstreifen in seiner gesamten Breite belichtet und der Ton extern aufgenommen. Das Format ist nicht für die Projektion gedacht.

Bei Super 16 wird der Filmstreifen in seiner gesamten Breite belichtet und der Ton extern aufgenommen. Das Format ist nicht für die Projektion gedacht.

Ab sofort akzeptiert die BBC Super 16mm-Film wieder als Produktionsformat für HD-Sendungen. Wie die Website Televisual.com berichtet, revidiert der Sender damit seinen früheren Beschluss gegen das Filmformat. Prominente britische Filmregisseure – darunter Ken Loach, Sam Mendes, Stephen Frears, Kenneth Branagh und Terry Gilliam – hatten sich damals in einem Protestbrief für Super 16 als kreative Option eingesetzt.

Vor dem Aufkommen digitaler HD-Kameras war Super 16 mit seinem 16:9-Bild Standardformat für Dokumentar- und Fernsehfilme. Auch die Hollywoodfilme The Hurt Locker und Black Swan wurden mit Super 16-Kameras gefilmt. In Deutschland dreht der Regisseur Dominik Graf häufig auf dem Format, unter anderem den Mehrteiler Im Angesicht des Verbrechens und wahrscheinlich auch den gestrigen Tatort Aus der Tiefe der Zeit.

Ursprünglich hatte die BBC Super 16 für HD-Fernsehausstrahlungen abgelehnt, weil das Korn des Filmmaterials die Kompressionsalgorithmen für Digitalvideo überfordere. Laut Televisual.com bietet die BBC nun eine Kompromisslösung an, bei der Super 16 unter Auflagen akzeptiert wird. Die dürften wahrscheinlich die Körnigkeit des verwendeten Materials betreffen und darauf hinauslaufen, dass nur auf feinkörnigen Filmsorten gedreht werden darf.

Dies ist eine gute Nachricht für alle verbliebenen Filmdienstleister, besonders im Großbritannien. Nachdem das traditionsreiche Londoner SoHo Filmlab 2011 seine Pforten schloss, sah die Zukunft des 16mm-Films jenseits des Ärmelkanals zeitweilig düster aus.

Murphy’s Law ausgetrickst: Das 8mm-Filmfestival Kampen 2013

Murphy’s Law ausgetrickst: Das 8mm-Filmfestival Kampen 2013

Wieder gut besucht: Das 8mm-Filmfestival Kampen 2013

Wieder gut besucht: Das 8mm-Filmfestival Kampen 2013

Was schiefgehen konnte, ging schief bei der zehnten Ausgabe des 8mm-Filmfestivals im niederländischen Kampen. Erst fraß der Projektor einen Wettbewerbsfilm, dann fiel auch das Ersatzgerät aus – und die gesamte Freiluft-Vorführung ins Wasser eines plötzlich einsetzenden Dauerregens. Doch Organisatoren und Publikum ließen sich von nichts beirren, improvisierten Ersatz und feierten wieder ein Schmalfilm-Volksfest.

Glücklicherweise gab es noch einen dritten Projektor, glücklicherweise konnte man schnell vom Vorplatz in den Saal des Kulturzentrums ‚t Ukien umziehen, und glücklicherweise saß ein Filmrestaurateur im Publikum, der sich des geschredderten Kurzfilms „Vlucht“ („Flucht“) des Kampener Amateurfilmers Kazim Oçak annehmen wird – obwohl der Unfall ungeplant zu Titel und Thema des Films passte.

Bilder sagen mehr über das Festival und seine besondere Atmosphäre in der historischen Hanse-Kleinstadt Kampen als viele Worte, weshalb filmkorn.org mit der Videokamera dabei war:

(Wen die elektronische Bildaufzeichnung stört, sehe sich stattdessen unseren Super 8-Film des Festivals von 2011 an.)

Mit dreizehn Kurzfilmen lokaler, niederländischer und internationaler Super 8-Filmer plus dem traditionellen, vom Organisatorenteam selbst aufwändig gedrehten Super 8-Spielfilm hatte das Festival diesmal deutlich mehr zu bieten als im Jahr zuvor. Von einer Schmalfilm-Krise war zumindest hier nichts zu merken. Unter den Filmen fand sich wieder alles mögliche und denkbare, von gefilmten Kochanleitungen („Koken met Leon“ von Vorjahressieger Leon Harms), einer Rotkäppchen-Adaption („Cappuccetto Rosso“ von Bernhard André), existentialistischen Selbstreflexionen („Donderdag“ von Tobias Asser) bis hin zu spontanen Dreh- und Kameraexperimenten („Gentlemen“ von Sipke Mellema und „Ramblin‘ On“ von Geert Bloupot).

Neu im Angebot: 8mm-Popcorn

Neu im Angebot: 8mm-Popcorn

Drei Filme stachen künstlerisch heraus: „Les Vampires Font Leur Cinéma“ („Die Vampire machen Kino“) von Chloé Scalvino, „8-en/80“ („Acht-und-achtzig“) von Annemar van Ommen sowie „The Death of the Real“ („Der Tod des Wirklichen“) von Jolien Former. Chloé Scalvino, die in einem Pariser Kino arbeitet, drehte einen expressionistischen Schwarzweiss-Stummfilm über einen Vampir, der sich als Filmvorführer einstellen lässt, das Kinopublikum in seinesgleichen und einen Kinoabend in einen buchstäblichen Tanz der Vampire verwandelt. Der Film, ihr Erstling, wurde chronologisch in der Kamera gedreht und ungeschnitten aufgeführt, hätte aber ein paar Straffungen gut vertragen.

In „8-en/80“ wurde eine achtzigjährige Frau gefragt, was sie heute als Achtjährige tun würde, und ein achtjähriger Junge, was er als Achtzigjähriger täte. Beide wurden unabhängig voneinander gefilmt, ihre Bilder und Aussagen gegeneinander montiert. Zu Recht gewann er den zweiten Preis des Festivals, der wie immer durch Publikumsabstimmung ermittelt wurde.

Conferencier Frank Huser

Conferencier Frank Huser

Der Hauptpreis des „vergeten lensdop“ („vergessenen Objektivdeckels“), diesmal ein Ölgemälde von Festival-Mitorganisator, Filmemacher und bildendem Künstler Martin-Jan van Santen, ging klar und verdient an Jolien Former, die damit das Festival zum dritten Mal gewann. Ihr diesjähriger Animationsfilm war von dem französischen Soziologen Jean Baudrillard beeinflusst, der schon in den 1980er Jahren das Verschwinden der Wirklichkeit durch massenmedial erzeugte Simulation, Ersatz- und Hyperrealität feststellte. Visuell beeindruckend und einfallsreich zeigte er den Zusammenbruch einer Welt und ihre Transformation in eine neue. Wie in ihren früheren Festivalfilmen näherte sich Former dabei dem Niveau von Animationsfilmkünstlern wie Jan Švankmajer und den Brüdern Quay.

Der Hauptpreis "vergeten lensdop" diesmal in Öl.

Der Hauptpreis „vergeten lensdop“ diesmal in Öl.

Wie immer in Kampen, lief der populärste Film ausser Konkurrenz. Der knapp zwanzigminütige Super 8-Spielfilm des Festivalteams von Martin-Jan van Santen, Gertjan Prins, Gwen Mustamu, Roy Bergsma, Daan Jilesen, Frank Huser, Bas Nijhof und Marijke de Boer handelte von Leben und Werk des fiktiven Filmregisseurs Tony Bodd, der sich in seiner kurzen Karriere Schauspieler, Produzenten, Presse und Publikum zu Feinden gemacht hatte. In den fingierten Dokumentaraufnahmen und Filmausschnitten wurden Klischees des Autoren- und Experimentalkinos gekonnt auf die Schippe genommen. Das überdeutliche product placement für die lokalen Kampener Festival-Sponsoren sorgte, wie auch in den Jahren zuvor, für zusätzliche Lacher.

Eintritt frei - Spende willkommen.

Eintritt frei – Spenden willkommen.

Obwohl Murphy’s Law gnadenlos zugeschlagen hatte, entließ das diesjährige Kampener 8mm-Festival sein Publikum gut gelaunt und optimistischer als im Jahr zuvor. Damals gab’s ein arg geschrumpftes Filmprogramm und Fragezeichen hinter der Zukunft von ‚t Ukien. Diesmal jedoch bleibt für Kampen-Fans kein Zweifel, dass man sich jetzt schon ein Wochenende im August 2014 freihalten sollte.

Filmtrocknung, hemdsärmelig

Filmtrocknung, hemdsärmelig

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Salatscheleudern, Blumentöpfe und Badezimmerlüfter… nicht unbedingt typisches Gerät für die Dunkelkammer. Trotzdem sinnig und praktisch, was hier in Frankreich erdacht wurde: Zwei PDF-Dateien zeigen Vorrichtungen zur schnellen, schonenden und staubarmen Trocknung von 15m 8mm Film in der Lomo-Spirale und 30m 16mm Film in der Jobo-Spirale.

Man kann und sollte das ganze natürlich noch etwas sauberer aufbauen als hier gezeigt, vermutlich haben die gezeigten Geräte einfach schon einige Kilometer Film auf dem Buckel.

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Praktischer Trockenturm, offensichtlich dem ultraseltenen Jobo-Original nachempfunden

Praktischer Trockenturm, offensichtlich dem ultraseltenen Jobo-Original nachempfunden

Elektronik, dei man durchaus VDE-gerechter auslegen kann und sollte

Elektronik, dei man durchaus VDE-gerechter auslegen kann und sollte

Noch seltener als die Jobo-Entwicklungsspulen ist der Jobo Trockenturm

Noch seltener als die Jobo-Entwicklungsspulen ist der Jobo Trockenturm

Das Prinzip ist gut, die Ausführung kann man besser (und sicherer) machen. Bastler vor, wer zeigt die ersten Fotos eines VDE-konformen Nachbaus?

Blick nach Mortsel zu AGFA-Gevaert

Blick nach Mortsel zu AGFA-Gevaert

Dieser kurze Clip aus den 80ern zeigt einen Blick nach Mortsel, von wo das neue Aviphot Chrome 200D Material kommt. Ab Minute 01:30 gibt es schöne Innenaufnahmen auf beachtliche Bestände an Widerolls. Wieviel da heute wohl noch auf Lager ist?
Immerhin äusserte sich Agfa auf Rückfrage, dieses Material auch heute noch bei Bedarf herstellen zu können. Mal sehen, wie schnell wir es verbrauchen…

Ferrania ist zurück: Interview mit Macher Nicola Baldini

Ferrania ist zurück: Interview mit Macher Nicola Baldini

Film Ferrania: neu-alter Name und Logo

Film Ferrania: neu-alter Name und Logo

Die Nachricht, dass der italienische Filmhersteller Ferrania wiederbelebt wird, schlägt hohe Wellen in der Schmalfilmszene, denn auch neue 8- und 16mm-Umkehrfilme sind angekündigt. Ein Gespräch, das Bellamy Hunt vom Blog Japan Camera Hunter mit Nicola Baldini, Filmemacher und Mitbetreiber der neu gestarteten FILM Ferrania, führte, beantwortet viele offenen Fragen. Wir veröffentlichen es hier in deutscher Übersetzung, mit freundlicher Genehmigung von Bellamy Hunt!

Nicola, was kannst Du unseren Lesern über Ferrania und Ferrania-Filme berichten?

„Ferrania“ ist immer noch ein gut bekannter Name: So heisst eine berühmte italienische Firma mit einer großen Tradition und einer langen Geschichte exzellenter Industrieprodukte, trotz ihrer Schwierigkeiten in der jüngsten Zeit.

Die Geschichte Ferranias als Teil der italienischen Kinofilmproduktion begann kurz nach dem ersten Weltkrieg, als die Sprengstofffabrik SIPE auf die Herstellung von Zelluloid umgestellt wurde und sich in FILM Ferrania umbenannte. (Die Chemie des damaligen Filmträgermaterials glich der von Sprengstoffen stark.) In diesen frühen Jahren eroberte sich Ferrania schnell die Marktführerschaft im Inland und übernahm 1932 den berühmten Mailänder Fotoplatten-Hersteller Cappelli.

In der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs feierte Ferrania die größten Erfolge der Firmengeschichte. Man brachte den berühmten „Ferraniacolor“ auf den Markt. Er gesellte sich zum bereits berühmten Ferrania-Schwarzweissfilm, dem Star vieler italienischer Kino-Meisterwerke dieser Zeit – von Pasolini, De Sica und anderen.

1964 ging Ferrania ins Eigentum des multinationalen 3M Ferrania-Konzerns über. Einerseits wurden so neue Märkte erschlossen, andererseits begann damit der schleichende Abschied von der Kinofilmindustrie, weil man sich ausschließlich auf den Massenmarkt für Amateurfotografie konzentrierte.

1996 fiel Ferrania unter die Firma Imation, in die 3M seine Produktion für die graphische und medizinische Industrie ausgliederte. 1999 wurde Ferrania an die Private Equity-Firma Schroder Ventures (Permira) verkauft und ging danach unter dem Namen Ferrania Technologies zurück in italienischen Besitz (der Messina-Industriegruppe aus Genua).

Nach einer Reihe Verkäufe von Firmenimmobilien und -maschinen wegen der Krise des traditionellen fotografischen Films im Würgegriff der Digitaltechnologie, gibt es jetzt uns mit der Firma FILM Ferrania. Neben dem ursprünglichen Firmennamen hat sie die Abteilung Photocolor Ferrania Technologies übernommen und will die historische Marke Ferrania im Bereich des analogen Films wiederbeleben.

Die Ferrania-Fabrik mit ihrem Forschungs- und Entwicklungscampus, zu 3M-Zeiten auf umweltfreundlichen Betrieb umgerüstet

Stimmt es also wirklich? Wird Ferrania wieder Film herstellen?

Sehr gerne beantworte ich diese Fragen, bitte aber vorab um Entschuldigung, wenn ich manchmal nicht ins Detail gehen kann, weil die ein oder andere Information noch vertraulich ist und wir andere Dinge selbst noch nicht wissen!

Zur ersten Frage, es stimmt absolut, dass in Kürze – und im Gegensatz zum heutigen Trend – ein neuer Filmhersteller auf den Weltmarkt zurückkehrt. Ein Hersteller mit einer Familiengeschichte, die nicht minder stolz ist als die von Kodak oder Agfa. Wie wir auch in unserer ersten Pressemitteilung erklärt haben, sind wir faktisch noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase, weil Ferranias Fabrik die letzten Jahre lang stillgelegen hat und Maschinen neu hergerichtet und kalibriert werden müssen. Dabei fällt zusätzlich ins Gewicht, dass die Herstellungsprozesse bei Ferrania auf tausende von Arbeitern ausgelegt waren – zu Glanzzeiten hatte Ferrania 4000 Angestellte. Doch wenn wir auf dem heutigen Markt konkurrenzfähig sein wollen, brauchen wir einen kleineren, hochoptimierten Arbeitsablauf. Alle Angestellten der Abteilung Ferrania Photocolor wurden entlassen, als die Filmproduktion stoppte. Glücklicherweise waren einige von ihnen für uns noch verfügbar und sind sehr enthusiastisch bei diesem neuen Abenteuer dabei. Und zu guter Letzt sind noch Probleme zu lösen, die nicht an uns liegen, wie zum Beispiel neue EU-Verordnungen zum Chemikaliengebrauch. Trotz all dieser Herausforderungen sind wir optimistisch über die Ergebnisse. Unsere einzige Unsicherheit liegt in der Zeitplanung, aber wir werden unser Bestes dafür tun, dass unsere früheren und künftigen Kunden so bald wie möglich neue, begeisternde Produkte erhalten.

Eines der 9 Stockwerke des mehr als 100 Meter langen Fabrikgebäudes

Wie kam es zur Entscheidung, diese klassische Marke zurückzubringen? Und wie habt Ihr das hingekriegt?

Es war wirklich eine Fügung des Schicksals. Ich bin Filmemacher und -produzent, aber auch leidenschaftlicher Anhänger des analogen Films, besonders in den Schmalfilmformaten. Marco Pagni Fontebuoni, mein Geschäftspartner, betreibt ein Labor für professionelle Kinofilm-Dienstleistungen. Vor ungefähr zwei Jahren nahmen wir Kontakt mit Ferrania auf, um Ausrüstung aufzukaufen, die dort vernichtet werden sollte. Bei dieser Gelegenheit lernten wir die Ferrania-Fabrik besser kennen und schätzen – gerade hinsichtlich der Anlagen und des hochqualifizierten Personals, das dort immer noch arbeitete. So stand am Anfang dieser ganzen Geschichte die Frage: „Was wäre, wenn wir, statt die Technik aufzukaufen und ins Ausland zu bringen, alles hier stehen lassen und versuchen, die Filmherstellung bei Ferrania mit den ehemaligen Angestellten neu zu beginnen?“

Das fabrikeigene Kraftwerk

Welche Filme wollt Ihr zurück auf den Markt bringen?

In dieser ersten Etappe unseres Unternehmens haben wir wenig Alternativen. Unser erstes Ziel ist zu zeigen, dass Ferrania, selbst nach einer Schrumpfkur, wieder Film herstellen kann, auf demselben Qualitätsniveau wie früher. Entscheidend hierbei ist nicht die Qualität unseres Maschinenparks, denn der von Ferrania ist der ausgeklügelste und flexibelste, den es auf der Welt gibt, sondern die Optimierung der chemischen Formeln und Prozesse.

Zum Beispiel können heute einige der alten Chemikalien nicht mehr verwendet werden, weil sie europäischen Umweltgesetzen zuwiderlaufen. Darum ist es logisch, zuerst den modernsten Film, den die alte Ferrania herstellte, neu zu produzieren und so eine objektive Qualitätskontrolle der optimierten Herstellungsprozesse zu gewinnen. Wir wissen, dass der Markt zur Zeit einen guten Farbumkehrfilm vor allem für Schmalfilmformate braucht, und wir sind uns sicher, dass eine überarbeitete Neuauflage unseres klassischen Scotch Chrome 100 die Bedürfnisse der meisten Filmer und Fotografen befriedigen würde.

Der Klassiker bald wieder auch als Schmalfilm: Scotch Chrome 100

Neben dem Chrome werden wir den Farbnegativfilm Solaris FG-100 Plus in möglichst vielen verschiedenen fotografischen Filmformaten auf den Markt bringen. Wir kriegen häufig Fragen nach „ausgemusterten“ Filmformaten wie 126 und 127, und unsere Antwort lautet: Yes, we can! Sobald unser Geschäft gut genug läuft, wollen wir die Konfektionierung für diese Formate beginnen. Es liegt in unserem Interesse, sie herzustellen und zu verkaufen.

Abgesehen davon, gibt es viele wunderbare Produkte aus Ferranias früherer Geschichte, die wir gerne wieder vorstellen möchten. Mit der Unterstützung all der enthusiastischen Leute auf der ganzen Welt werden wir sie sicher wieder herstellen können.

Gibt es auch Zukunftspläne für völlig neue Filmsorten?

Ferrania steht bereit, eine strategische Rolle für die Zukunft des analogen Films zu übernehmen. Das beste, was wir jetzt tun können, ist, dem Markt, neue, frische, aber klassische Produkte anzubieten und damit ein starkes Signal an Verbraucher und Filmlabore zu senden, damit sie in diesen Sektor weiterhin investieren.

Nach dieser Anfangsphase planen wir spannende neue Produkte und Dienstleistungen, die das analoge Bildermachen in diesem Jahrhundert sicher voranbringen werden.

Zweite geplante Neuauflage: der Negativfilm Solaris FG Plus

Welchen Film würdest Du wieder auf den Markt bringen, wenn Ihr Verkaufszahlen ganz außer acht lassen könntet?

Aus meiner eigenen verrückten Sicht, ohne jeden Zweifel: den wunderbaren schwarzweißen Pancro 30-Film, mit dem Pier Paolo Pasolini seine Meisterwerke drehte! Gibt’s mehr als drei oder vier Leute, die ihn gerne wieder haben würden?

Wo wird Deiner Meinung nach die Fotofilm-Industrie in zehn Jahren stehen?

In den nächsten Jahren wird Film ungeeignet für alle sein, die einfach nur Fotos schiessen oder einen Film aufnehmen wollen. Natürlich werden diese Leute Digitaltechnik einsetzen. Sie ist heute ein formidables Werkzeug für den Massengebrauch. In dieser Situation wird Film, so denken wir, ein Mittel der künstlerischen Wahl sein, genauso, wie ein Maler die Wahl hat zwischen Öl- und Aquarellfarben. Wer mit Film gegen die Digitaltechnik ankämpfen will, kämpft eine verlorene Schlacht, einen Kampf gegen diese Zeit. Es geht nicht um Megapixel, und vergesst bitte, wie sich Film äquivalent zu 2K, 4K oder 8K-Auflösungen verhält, sondern es geht ums Gefühl. Manche Leute entscheiden sich für Photoshop als künstlerisches Gestaltungsmittel, andere für spezielle Filme. Was ist daran verkehrt? Würde ein heutiger Michelangelo seinen David mit einem 3D-Drucker ausdrucken? Ja, klar. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass der weisse Marmor aus Carrara immer noch das Mittel seiner Wahl wäre.

Eingang zum fabrikeigenen Kraftwerk, das noch in Betrieb ist

Gibt es noch etwas, das Du den Filmfans in aller Welt mitteilen willst?

In den letzten Tagen habe ich dutzende E-Mails persönlich beantwortet und kann Euch nicht genug für Eure wunderbaren und begeisterten Reaktionen danken. Bitte lasst uns weiter Eure Wünsche wissen, und besonders auch Eure Eindrücke und Eure Kritik, wenn unsere Produkte auf dem Markt sind. Wir möchten mit unser Firma nahe bei den Kunden sein, unser Bestes tun und aus Fehlern lernen.

Übersetzung aus dem Englischen: Florian Cramer.
Copyright des Textes und aller Abbildungen bei Japanese Camera Hunter

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

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KINEMATOGRAFIE HEUTE: PHILIPPINEN

Big Boy
PHI 2011, R/B: Shireen Seno, K: Gym Lumbera, Shireen Seno, D: Ian Lomongo, Pamela Miras, 89’ Beta SP, OmeU

Eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre, ein Film, der autobiografische Fragmente und kollektive Imagination auf einzigartige Weise miteinander verknüpft: Big Boy erzählt eine bizarre Episode aus der Provinz über einen Jungen, der von seinen Eltern mit abenteuerlichen Methoden “gestreckt” wird, damit er als poster boy für ihr Fischölgeschäft genutzt werden kann, denn dieses Fischöl soll angeblich wachstumsfördernd wirken. Shireen Seno, die junge Regisseurin des Films, löst die durchaus beängstigende Geschichte auf in disparate, miteinander nur bedingt kompatible Erinnerungsfragmente, in Splitter einer immer schon halbfiktiven Vergangenheit und in quasidokumentarische Impressionen eines vormodernen, aber ganz und gar nicht unschuldigen Dorflebens auf der Insel Mindoro. Der Film wurde auf dem alten, medienhistorisch längst vergessenen Amateurfilmformat Super8 gedreht, die Bilder behalten auch nach dem Transfer ins Digitale eine berückende Brüchigkeit, die sich jeder nostalgischen Schließung widersetzt. (lf)

am 9.8.2013 um 21.00 Uhr
am 10.8.2013 um 19.00 Uhr

zu sehen im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Trailer:

Konfektionierungshilfe für 16mm Meterware

Konfektionierungshilfe für 16mm Meterware

Harald Müller aus dem Filmvorführerforum erhielt, wie dieser Tage viele Filmende, kürzlich größere Mengen Agfa Aviphot Chrome 200D aus einer Sammelbestellung. Das ungemein günstige Material muss allerdings noch auf 30,5m Tageslichtspulen konfektioniert werden, natürlich in völliger Dunkelheit. Der Bastler hat sich mit ein paar einfachen Teilen aus der Bastelkiste und dem Baumarkt hierzu eine Konfektionierungshilfe gebastelt, die sogar im (großzügig dimensionierten) Dunkelsack anwendbar ist.

Tolle Sache zur Nachahmung empfohlen!

Dieser Dorn aus einem alten Plattenspieler nimmt dessen Plattenteller und den Rohfilmwickel auf.

Dieser Dorn aus einem alten Plattenspieler nimmt dessen Plattenteller und den Rohfilmwickel auf.

Die Achse für die 30,5m Tageslichtspule ist einem alten Potentiometer entnommen...

Die Achse für die 30,5m Tageslichtspule ist einem alten Potentiometer entnommen…

...auf das ein Vierkant Messingrohr (8mm Kantenlänge) gesteckt wird.

…auf das ein Vierkant Messingrohr (8mm Kantenlänge) gesteckt wird.

Als "Teller" für die aufnehmende Spule dient der Körper einer alten Lochsäge.

Als „Teller“ für die aufnehmende Spule dient der Körper einer alten Lochsäge.

Hier die verleimte Konstruktion mit aufgesetztem  Plattenteller...

Hier die verleimte Konstruktion mit aufgesetztem Plattenteller…

...und – auf gleicher Höhe montiert – der Aufnahmeseite...

…und – auf gleicher Höhe montiert – der Aufnahmeseite…

...welche die Tageslichtspule aufnimmt.

…welche die Tageslichtspule aufnimmt.

Praktisch: Eine Wäscheklammer hält den Anfang des Filmwickels fest.

Praktisch: Eine Wäscheklammer hält den Anfang des Filmwickels fest.

Eine kleine, improvisierte Kurbel erlaubt schnelles und sicheres Umspulen.

Eine kleine, improvisierte Kurbel erlaubt schnelles und sicheres Umspulen.

Je nach Rohware sollte man die Lage der Perforation beachten und ggf. einmal vom Bobby auf eine 360m Filmspule umspulen, damit die Perforation am Ende auch auf der richtigen Seite liegt. Bei 2R Material ist das natürlich kein Problem.


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