Analoger Film triumphal zurück bei den Kurzfilmtagen Oberhausen

Analoger Film triumphal zurück bei den Kurzfilmtagen Oberhausen

16mm-Filminstallation von Sandra Gibson und Luis Recorder

Die Frankfurter Rundschau berichtet begeistert von den diesjährigen Kurzfilmtagen Oberhausen – dem legendären Filmfestival, auf dem man 1962 den Bruch mit „Papas Kino“ wagte. In einer „mitunter sensationellen Themenreihe“, wie Filmkritik Daniel Kothenschulte schreibt, feierten klassische Kinoprojektoren und Schmalfilm ihre Rückkehr:

Vier „leere“ 16mm-Projektoren etwa sind das Instrumentarium der jungen US-Künstler Sandra Gibson und Luis Recorder. Aus den vier Lichtfeldern in lebendigem – und überraschend vielfarbigen – Weiß generieren sie in ihrer Performance „On/Off“ allein durch geschickte Betätigung des Startknopfs frei nach Josef Albers eine Huldigung an das Rechteck: Dessen Proportionen im Verhältnis 1,33:1 sind inzwischen ja auch schon „obsolet“ geworden. Freilich nicht in Oberhausen: Selten hat man auf einem Festival so viel „echten“ Zelluloidfilm im Wettbewerb gesehen, sogar das schon in den Sechzigern ausgemusterte Normal-8-Format war vertreten – wenn auch, der besseren Spielbarkeit halber, umkopiert in Super-8.

Hier der vollständige Artikel.

Französische Doku über Super 8-Amateur-Horrorfilme

Französische Doku über Super 8-Amateur-Horrorfilme
Super 8 Madness

Filmstill aus „Super 8 Madness“ – 80er Jahre Amateursplatter aus Frankreich!

Der französische Filmemacher Fabrice Blin hat einen abendfüllenden Dokumentarfilm über Selbstmacher-Horrorfilme aus den 80er Jahren gedreht. Heute abend hat er, unter dem Titel Super 8 Madness, Premiere.

Super 8 Madness spürt französische Amateurfilmer auf, die vor drei Jahrzehnten besessen ihre eigenen Horror-, Splatter-, Fantasyfilme auf Super 8 drehten, mit selbstgebauten Masken und Requisiten, selbstgekochtem Kunstblut und analogen Spezialeffekten. Gummimonster kamen zum Einsatz und sogar die eigene Großmutter als Regieassistentin für Splatterfilme.

Super 8 Madness - Filmplakat

Super 8 Madness – Filmplakat

Ein Vorschauvideo auf den Film gibt es hier.

Wir hoffen, Super 8 Madness bald auch außerhalb Frankreichs (und mit Untertiteln) sehen zu können!

Rückblick: Filmbörse Deidesheim 2014

Rückblick: Filmbörse Deidesheim 2014

Am Samstag, 5. April, ging die Filmbörse Deidesheim in die zweite Runde. In der Stadthalle der Pfälzer Weinstadt machten sich Besucher aus verschiedenen Winkeln Deutschlands und Europas wieder sechs Stunden lang auf die Suche nach Raritäten und Schnäppchen aus den Bereichen der Kino- und Filmtechnik, fachsimpelten und knüpften neue Kontakte.

Deidesheim 2014Das Highlight der „Cinematographica“ war ohne Zweifel die „Logmar“, eine von den beiden Dänen Tommy und Lasse erfundene, neue Super 8 Kamera – die erste seit Jahrzehnten (!). Nach mehreren Jahren Planungs- und Entwicklungsarbeit und beachtlichem finanziellem Aufwand stellten sie heute die erste Version der Kamera persönlich vor, beantworteten geduldig die Fragen der zahlreichen Interessierten.

Filmbörse Deidesheim 2014Im Vorführraum der Stadthalle gab es erstmals projizierte Testfilme zu sehen, die Friedemann Wachsmuth mit der Logmar gedreht hatte. Das Ergebnis waren gestochen scharfe Filmbilder mit perfektem Bildstand. Vor allem die Aufnahmen auf Kodak Ektachrome 100D Material konnten überzeugen.
Die Logmar hat viele Features, die man von heutigen Digitalkameras kennt: 16:9-Format (ähnlich wie bei „Max-8“), ein schwenkbarer Monitor für das elektronisch ausgespiegelte Filmbild, Mikrofoneingang mit Phantomspeisung, Tonaufzeichnung auf SD-Karte, USB-Anschluss, und sogar Wifi-Fähigkeit, die eine Fernsteuerung der Kamera per App ermöglicht.
Die mechanischen Besonderheiten der Logmar sind neben der Zahntrommel, über die der Film mit Schlaufen aus der Super 8 Kassette herausgeführt wird, eine echte Andruckplatte und ein Sperrgreifer, der für diesen tollen Bildstand sorgt und damit das Super-8-Format qualitativ mächtig aufwertet.

Filmbörse Deidesheim 2014Die neue dänische Super 8 Kamera macht es außerdem möglich, die Filmgeschwindigkeit auf bis zu drei Nachkommastellen präzise festzulegen, sehr flexible Zeitrafferaufnahmen mit fließenden Übergängen („Ramping“) zu programmieren, und wiegt dabei nur 1,5 Kilogramm ohne Akku und wechselbare C-Mount-Optik. Tonfilme sind für Super-8-Verhältnisse unkompliziert wie nie, schreibt die Logmar doch Informationen zu jedem Auslösevorgang in Form von Zeitstempel, Filmdauer und -frequenz in einer Excel-Datei mit. Diese kann man zusammen mit den WAV-Dateien auf einen PC überspielen und als Tonbericht nutzen.
Tommy und Lasse, die übrigens Vater und Sohn sind, haben die Logmar sehr modular konzipiert, so soll später beispielsweise ein zweiter Kameradeckel kommen, der 60-Meter-Tageslichtspulen für Super 8 Meterware aufnimmt – das ermöglicht 10 Minuten Filmen am Stück, ohne auf immer seltener werdende Super 8 Kassetten setzen zu müssen.

Filmbörse Deidesheim 2014Weiterhin auf der Filmbörse vertreten waren unter anderem das Magazin Cine 8-16, die von KAHL Film eigens für diesen Tag konfektioniertes Schmalfilmmaterial anboten, zahlreiche Anbieter von 16mm und 35mm Filmkopien und sogar ein Vor-Ort-Reparaturservice für Schmalfilmgeräte.

Die nächste Filmbörse wird voraussichtlich am Samstag, 21.03.2015 sein, an der selben Stelle, zur gleichen Uhrzeit, und mit hoffentlich wieder derselben guten Stimmung mit vielen interessanten Fachgesprächen und Schmalfilmliebhabern, die ihr Hobby aktiv pflegen.

Interessante Links:

Fotos: Niklas Rühl

Mit der Bolex im Narrenturm

Mit der Bolex im Narrenturm

Das Wettbewerbsprogramm der 15. Schmalfilmtage in Dresden.
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Zum Abschluss der 15. Schmalfilmtage stand am vergangenen Samstagabend der Wettbewerb auf dem Programm.
Von 132 eingereichten Arbeiten wurden nach einer internen Vorauswahl durch das Festival-Team 13 Filme im Wettbewerbsprogramm gezeigt.
Einziger gemeinsamer Nenner dieser Filme war, daß alle im Original auf Schmalfilm, also auf 8mm (Super8) oder 16mm breitem Filmmaterial gedreht wurden. Die weitere Bearbeitung der Filme fand zum überwiegenden Teil nach Abtastung des Filmmaterials in digitaler Form statt.
So wurden lediglich zwei 16mm-Filme und ein Film im Super8-Format traditionell mit Filmprojektor vorgeführt. Alle anderen Filme wurden als digitale Datei über Beamer gezeigt.

Die Projektoren-Armada der Schmalfilmtage unter der historischen Dachkkonstruktion der Motorenhalle. Beim Wettbewerbsprogramm kamen die Gerätschaften leider kaum zum EInsatz.

Die Projektoren-Armada der Schmalfilmtage unter der historischen Dachkonstruktion der Motorenhalle.
Beim Wettbewerbsprogramm kamen die Gerätschaften leider kaum zum Einsatz.

Hintergrund, Entstehung und Anspruch der gezeigten Filme hätte nicht unterschiedlicher sein können.
Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Katrin Küchler -Festivalleitung Filmfest Dresden, Naren Wilks -Künstler und Filmemacher aus England (unmittelbar vor dem Wettbewerbsprogramm mit einer eigenen Werkschau vertreten) und Hannes Schönemann -Regisseur/Filmemacher aus der ehemaligen DDR, hatte so die schwierige Aufgabe Filme miteinander zu vergleichen, die letztlich nicht vergleichbar sind:
Von einer Profi-Produktion der HFF München über Musikvideos, Experimentalfilme, Found-Footage-Mash-Ups bis hin zu den Amateur-Schmalfilmen von David Pfluger und Dagie Brundert reichte das Spektrum der gezeigten Filme.

„The HandEye (Bone Ghosts)“ von Anja Dornieden und Juan David Gonzales Monroy (was für ein Name für einen Filmemacher!) wurde von der Jury zum Gewinner des Wettbewerbs gekürt.
Eine bewusst mutige Entscheidung für einen Film, der konsequent analoge Filmtechnik und vor allem experimentelle Selbst-Entwicklungstechniken verwendet, um damit sein sperriges Thema zu gestalten.
Mit bei der späteren Filmentwicklung verfremdeten Aufnahmen von beklemmend-morbiden Artefakten aus drei Wiener Museen, darunter die pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm wird im wahrsten Sinne des Wortes der Geist einer spiritistischen Sitzung des Dichters Robert Musil mit Sigmund Freud Anfang des 20. Jahrhunderts beschworen.
Jegliche Foto- und Filmaufnahmen sind im Narrenturm verboten. Die Aufnahmen mit einer Bolex H16 wurden dort heimlich gemacht.
Dies wurde von den beiden persönlich anwesenden Filmemachern auf sehr angenehm zurückhaltende und bescheidene Weise anschaulich geschildert.
Auch die von ihnen bei der Selbstentwicklung des S/W-Filmmaterials eingesetzten Solarisations- und Negativ/Positiv-Techniken wurden von ihnen kurz angerissen.
Die Entwicklung des Filmmaterials wurde von den beiden Filmemachern im LaborBerlin ausgeführt, einem Filmkollektiv mit eigener Laborausstattung, dem sie seit 2010 angehören.
Der Preisträger-Film wurde selbstverständlich als 16mm-Filmprojektion mit Filmprojektor vorgeführt.

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Es werde Licht (1): 150W Licht-Turbo für Super 8 Projektoren

Es werde Licht (1): 150W Licht-Turbo für Super 8 Projektoren

Heckspoiler: Hinten am Projektor ist das neue 150W Schaltnetzteil montiert. Es kommt ohne Lüfter aus.

Schmalfilm entfaltet seine Wirkung so richtig nur in der Projektion. Und damit die wirkt und Freude macht, muss das Projektionsbild auf der Leinwand groß und hell sein. Und hier wird viel zu oft gespart!
Ist der aktive Schmalfilmer durchaus noch gewillt, für eine Spitzenkamera und Filmmaterial zunehmend hohe Summen hin zu blättern, investiert er gelegentlich auch noch mal in eine fachgerechte Wartung der Gerätschaften, so wenig investiert er meist in eine ideale Projektion.

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Bonjour Rochester: Citroen XM gegen Ford Fiesta

Bonjour Rochester: Citroen XM gegen Ford Fiesta

Inspiriert von einem Bericht des Schmalfilm-Autors Hans-L. Wißkirchen im gleichnamigen Magazin krempelte Stefan vom Stein selbst die Arme hoch und wagte den verbotensten Vergleichstest aller Zeiten: Er lud je eine Kassette Velvia 50 Material in seine Kodak M4, eine simple Klotzkamera aus der Super 8 Anfangszeit, bzw. seine Beaulieu 6008 – das wohl teuerste, was als Super 8 Kamra je zu haben war – und machte sich bei schönem Wetter auf den Weg in den botanischen Garten in Wuppertal, um zeitgleich zwei nahezu identische Filme zu drehen.

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Super-8-Kurs für Newbies: Die Kamera

Super-8-Kurs für Newbies: Die Kamera

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Alles Wissenswerte über Super 8: zu lesen im Handbuch SUPER 8

Wer ins „echte Filmen“ einsteigen will, greift gern mal zu Super 8. Schon wegen des körnigen Looks. Aber mit welcher Kamera dreht man heute noch gute Szenen? Die Geräte sind irgendwann zwischen 1965 und 1985 gebaut worden – viele haben längst das Zeitliche gesegnet, für andere gibt’s keine Ersatzteile mehr. Das aktuelle Handbuch SUPER 8  zeigt, worauf man als Einsteiger achten sollte. In diesem Auszug erfährst Du alles über die Wahl der Kamera.

Es gibt zig Millionen Super-8-Kameras auf dieser Welt. In Deutschland wurden von 1966 bis 1980 pro Jahr rund 100.000 Stück produziert. Aus Japan kamen allein im Jahr 1974 stolze 1,5 Millionen Stück, das blieb so bis 1979, danach fiel die Zahl erstmals unter eine Million im Jahr. Aber auch in den USA, in Österreich und in Frankreich wurden Super-8-Kameras hergestellt.

Wenn Super 8 für Dich neu ist, ist die Verlockung groß, gleich mit einer früheren Spitzenkamera einzusteigen. Die gibt es alle eh’ nur noch gebraucht – und bei eBay kosten wenige Modelle deutlich über 100 Euro. Ich rate trotzdem, mit was Kleinem loszulegen. Nimm’ eine Kompakte! Warum? Die großen Kisten haben viele Funktionen. Wenn Du da was falsch einstellst, ist der Ärger hinterher groß.

Nichts törnt mehr ab als ein erster Film, der missraten ist. Schon diese Ergebnisse sollen Dir Spaß machen. Mit einer Kamera aus der Kompaktklasse ist das viel wahrscheinlicher. Die haben keinen Riesenzoom. Die Gefahr von verwackelten oder unscharfen Bildern ist geringer. Und Du bist damit beweglicher. Kompakte machen alles mit, sind leicht und klein. Können überall dabei sein. Wie man das von Camcordern gewöhnt ist.

Kompakt-Klasse
Kompakte lassen sich zum Beispiel prima an Skateboards befestigen, auf Skiern, an Fahrrädern. Skater sind ja große Freunde von Super 8, auch viele Musikvideos werden nach wie vor auf diesem körnigen Filmformat gedreht. Wenn die Kamera da mal was abkriegt, vom Board fällt oder hinknallt, sind nur 5 bis 25 Euro im Eimer. Mehr kosten die Kleinen gebraucht nicht.

Worauf Du achten musst, ist, dass die Kamera mit der Filmempfindlichkeit Deiner gewählten Super-8-Kassette zurecht kommt. Während früher ASA/ISO 40 die Regel war, haben heutige Filme meist ISO 100 oder 200. Damit kann nicht jede Kamera umgehen! Eine Liste zur ISO-Akzeptanz vieler Modelle findest Du im Internet unter:

http://super8wiki.com/index.php/Super_8_EKTACHROME_100D_motion_picture_film_exposed_in_old_cameras

In der Kompakt-Klasse habe ich Dir nachfolgend handliche Kameras aufgelistet, die entweder gar keinen Handgriff haben oder über einen Klappgriff verfügen.Alle haben ein 3- bis 6-fach Zoom, Belichtungsmessung durchs Objektiv (TTL = Through the Lens) und arbeiten mit 18 Bildern pro Sekunde. Damit wären die wichtigsten Funktionen erfüllt. Du musst jetzt schauen, was Du von der Kamera ansonsten noch erwartest:

• Einzelbildschaltung: haben die meisten
• Fernauslöser: manche arbeiten mit mechanischem, ruckelanfälligem Drahtauslöser, viele mit besserem elektrischen Auslöser über Kabel
• „Profigeschwindigkeit“ 24 B/sec.: ist bei einigen anwählbar, wenige in dieser Klasse haben auch Zeitraffer (9 B/sec.) oder Zeitlupe (ab 36 B/sec.). 24 B/sec. sind wichtig, wenn Du den Film scannen und am Computer schneiden willst. Mit 18 Bildern läuft er zu langsam und muss bei der Abtastung interpoliert werden – das geht zu Lasten der Qualität
• Makro: Alle Objektive können Motive ab etwa einem Meter Entfernung scharf stellen, bei sehr guten Lichtverhältnissen ist im Weitwinkel ab 0,5 m alles scharf. Wenn Du näher ran willst, brauchst Du Makro. Da gibt es einige Varianten: manche Objektive, wie bei Bauer, ermöglichen Scharfstellung ab Frontlinse bis 1,5 m; andere, wie bei der Canon 318M, müssen exakt 22,5 cm vom Motiv weg sein – was die Verwendungsmöglichkeiten total beschränkt. Da hilft nur ein Blick in die Bedienungsanleitung.

Super-8-Kompaktkameras
Agfa Microflex 200, Agfa Microflex 300, Bauer C4, Bauer C6, Bauer C104, Bauer C14, Bauer Star 4, Bauer Top Star, Bolex 350 Macro Compact, Braun Motor Zoom Reflex Compact 500 Macro, Canon Auto Zoom 318M, Elmo C 56 Album 3600, Elmo Super 104, (Honeywell) Elmo Super 106, Elmo Traveler, Eumig Mini 3 Servofocus, Eumig Mini 5 Makro Zoom Reflex, GAF 102 A, Hanimex CPM 53, Minolta Pocket Z-8, Nizo S1, Nizo S125, Nizo S126, Nizo S30, Rollei SL86, Sankyo Super ES-44, Silma 6S, Yashica Super 40 K, Zeiss Ikon M 803 electronic

XL-Nachteulen
XL steht für „existing light“. Diese Kameras sollen sich vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen bewähren. Dafür sind zwei Faktoren maßgeblich: Besonders lichtstarke Objektive mit Öffnungen von 1:1,2 bis 1:1,4 (statt 1:1,8) und ein vergrößerter Hellsektor der Umlaufblende (statt 160–180° bis zu 230°). Dadurch verlängert sich die Belichtungszeit auf rund 1/30 sec., was bei schnellen Motiven zu leichten Bewegungsunschärfen im Einzelbild führen kann. In Verbindung mit hochempfindlichen Filmen (z. B. Kodak Vision3 200T und 500T) lassen sich auch abends interessante Ergebnisse erzielen. Wenn es zu dunkel wird, ist der Blick in den Sucher allerdings schwierig. Im Gegensatz zu hell leuchtenden Monitoren der Camcorder wird bei den meisten Super-8-Kameras ein Teil des Lichts, das ins Objektiv einfällt, abgezweigt und in den Sucher geleitet. Wenn es draußen finster ist, kommt auch im Sucher nichts an.

Besonders empfehlenswert für alle möglichen ISO-Werte der Filme sind die Modelle Canon 310 XL und 514 XL. Was kannst Du von XL-Kameras noch erwarten:

• 9er Gang: Viele haben einen Zeitraffer eingebaut, mit dem die Belichtungszeit der Einzelbilder noch weiter verlängert wird.

Super-8-XL-Kameras
Bauer C 5 XL Makro, Bauer C50 XL macro, Bauer C104XL, Bauer C105 XL, Bauer Top Star XL, Bauer Compact 20 XL, Bauer Compact III XL, Bell & Howell T30XL, Canon 310 XL, Canon 514 XL, Chinon 213, Chinon 133 P XL, Chinon 213 P XL, Elmo 412 XL Macro, Elmo 614 XL macro, Elmo Super 311 Low Light, Kodak XL 33, Kodak XL 55, Kodak XL 320, Kodak XL 330, Kodak XL 360, Minolta XL 250, Minolta XL 400, Minolta XL 401, Minolta XL 601

Spitzen-Modelle
Spitzen-Kameras haben ein 8- bis 12-fach Makro- Zoom, das fest montiert ist und häufig in zwei Geschwindigkeiten motorisch durchfahren werden kann. Es gibt also auch bei diesen Geräten keine Wechseloptik. Das Feature bleibt den System-Kameras vorbehalten, um die wir uns gleich kümmern werden. Außerdem haben Spitzen-Kameras allerlei Spielereien an Bord:

• Auf-, Ab- und Überblendfunktion
• Zeitlupe (meist 48-64 B/sec.)
• Blitzkontakt für Einzelbildbelichtung und Zweibandvertonung mit elektronischen Impulsen
• Intervalltimer für Zeitraffer mittels Einzelbildschaltung
• Langzeitbelichtungsautomatik zwischen 1/10 Sekunde bis zu einem Bild pro Minute mit vorwählbarer Szenenlänge bis 12 sec. (Bauer C Royal und A508/512 sowie Nizo 561-801 und professional)

Super-8-Spitzenkameras
Die besonderen Lieblinge der Super-8-Freunde sind die folgenden Kameras, die gut und gerne für 250 bis 350 Euro über den virtuellen Ladentisch gehen: Canon 814 und 1014XL-S (obwohl mit Sound, aber sehr begehrt), Nikon R8 und R10, Nizo professional, mit einigem Abstand auch Bauer A508/512, Bauer S709/715XL microcomputer (trotz Soundteil), alle Nizo-Modelle 481-801 macro sowie die Nizo 4056 und 6080 (trotz Soundteil).

Echte System-Kameras
Diese Modelle haben einen entscheidenden Vorteil: Du kannst das Objektiv wechseln. Alle aufgelisteten Beaulieu-Kameras verfügen über einen
C-Mount-Anschluss. Damit sind auch die Wechselobjektive von 16-mm-Kameras nutzbar. Bei der Leicina Special ist ein Leica-M-Bajonett vorhanden. Neben der Standardoptik 1:1,8/6-66 mm gibt es für diese Super 8 ein weitwinkliges Macro-Cinegon mit 10 mm, das auch Nahaufnahmen ermöglicht. Außerdem steht die gesamte Palette der Leica M Fotoobjektive offen. Die Brennweite der Foto-Objektive muss natürlich auf das Super-8-Bild berechnet werden. Das geschieht mit dem Faktor 6. Dadurch ergibt sich, dass ein Foto-Normalobjektiv von 50 mm etwa einem 300-mm-Tele an der Filmkamera entspricht. Das ist die 30-fache Vergrößerung der Super-8-Normalbrennweite von 10 mm. Da lässt sich mit extremen Tele-Brennweiten glatt in Mondkrater schauen – aber alles nur vom Stativ.

Beaulieu warb früher mit dem Slogan „100 % Licht im Sucher – 100 % Licht auf dem Film“. Erreicht wird das durch einen Verschluss, der ähnlich wie ein Schwingspiegel bei Profi-Kameras funktioniert. Vorteil ist, dass wirklich das gesamte einfallende Licht für den Film zur Verfügung steht und nichts in den Sucherstrahlengang abgezwackt wird. Nachteil ist, dass es im Sucher flackert, während gedreht wird.

Die hier benannten System-Filmkameras haben aber noch einen gemeinsamen Vorteil: Sie verfügen allesamt über ein Drehrad, um die Filmempfindlichkeit des Materials manuell von außen einzustellen! Da gibt es kein Vertun mit der Erkennung irgendwelcher Kassettenkerben. Extrem empfehlenswert, auf Ewig für alles gewappnet, dafür gern bis 400 Euro teuer!

Super-8-System-Kameras
Beaulieu 2008 S, 4008 ZM II, ZM III, ZM IV, 6008, 7008, 9008 (letztere drei obwohl Sound-Modelle), Leitz Leicina Special

Soundkameras
Vor schweren und klobigen Tonfilmkameras kann man nur warnen. Aber ich muss doch ein paar Ausnahmen schildern. Die erste ist: Wenn Tonfilmkameras Stummfilmtechnik in sich tragen, die für Deine Aufnahmen wichtig ist. Das kann mit den Modellen Canon 814 XL-S oder 1014 XL-S der Fall sein. Sie gehören zu den leistungsfähigen Kameras, die bis kurz vor Schluss der Super-8-Ära 1983 gebaut wurden. Es gibt kaum neuere Geräte. Auch die Soundkameras Nizo 4056 und 6080 sind gerne genommen. Sie sehen topp aus (Braun-Design von Dieter Rams) und sind extrem leise. Außerdem bieten sie viele Funktionen! Tonfilme gibt es aber schon lange nicht mehr. Man kann mit diesen Modellen nur noch stumm drehen.

Unbrauchbare
Vermeide schwere, klobige Kameras, die mit Film und Batterien mehr als 1,3 Kilo wiegen. Vor allem die frühen, unhandlichen Tonfilmklopper von Bauer, Beaulieu (5008), Bolex, Chinon, Copal, Cosina, Elmo, Kodak, Noris, Porst, Revue, Rollei, Sankyo und Yashica sind nicht zu empfehlen. Ignoriere alle Kameras, die eine fette Autofocus- Einheit an der Optik haben. Das hat damals kaum funktioniert und heute sowieso nicht mehr. Die meisten dieser Modelle führen die Bezeichnung „AF“ im Namen. Speziell Bolex, Canon, Chinon, Elmo, Fuji und Sankyo hatten da skurrile Konstrukte am Start.

Es gibt eine Reihe von Kameras, die nur fürs Filmen mit dem früheren Standard ASA-40-Kunstlichtfilm eingerichtet waren. Diese Modelle müssen leider auf den Müll. Oder in die Sammler-Vitrine.

Super-8-Müll
Agfa Microflex Sensor, Agfa Microflex 100 Sensor, Astral T2 Electric Eye, Eumig
Mini, Halina Super Eight, Voyageur Super 8. Besonders primitive Kameras hatten gar keinen Belichtungsmesser eingebaut: Boots Comet 121, Boots Comet S8, Mupi Zeta 1, Muplex MR 3, Universa Junior. Belichtungsmessung, die nicht durch das Zoom-Objektiv, sondern oberhalb der Optik ohne Berücksichtigung des Filmausschnitts erfolgt, ist auch nicht zu empfehlen: Argus 802, Argus 822T, Bentley B-3, Bentley BX-720, Bolex 233 Compact (S), Braun Zoom Reflex S8, Elmo Super 103(T) und 204(T), Eumig Mini Zoom Reflex2, Hanimex MZ 200, viele Kodak Instamatic Modelle.

Handbuch SUPER 8 - zu erstehen bei Amazon oder www.atollmedien.de

Mehr übers Filmen mit Super 8 erfährst Du im Handbuch SUPER 8. Hier zu haben: http://www.amazon.de/Super-Handbuch-Filmformats-digitalen-Zeitalter/dp/3938619031/ref=pd_rhf_se_p_t_2_9Z7T


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