S/W-Film colorieren – Ein Versuch mit Colorvir

S/W-Film colorieren – Ein Versuch mit Colorvir

Seit Erfindung des Films wurden schwarz-weiße Filmbilder auch farbig gestaltet. Bekannt sind monochrome Tonungen ganzer Stummfilmsequenzen, z.b. in Blau bei Nachtszenen oder aber auch Handcolorierung der einzelnen Filmbilder (was natürlich beim kleinformatigen Super8 einigermaßen mühsam ist).

Ich habe vor geraumer Zeit einmal mit der Colorierung von Tri-X-Resteschnipseln experimentiert und dabei die Chemikalien des Colorvir-Systems verwendet, welches sich noch in meinem Labor-Fundus befindet.

Das Colorvir-System war bis Anfang der 2000er Jahre im gut sortierten Fotohandel erhältlich und hauptsächlich für die Colorierung von S/W-Papierabzügen gedacht. Im Anwendungsleitfaden wird jedoch auch die Behandlung von S/W-Diafilmmaterial erwähnt (ab S. 41 im Colorvir-Leitfaden).

Das Colorvir-System mit seinen unterschiedlichen Tonern und Färbemitteln eröffnet(e) fast grenzenlose Möglichkeiten der farbigen Nachbehandlung von S/W-Bildern.

Diese Farbtafel aus dem Colorvir-Leitfaden zeigt einige Möglichkeiten der Farbgestaltung mit den System-Chemikalien

Die Super-8-Filmstreifen habe ich einer mehrstufigen Behandlung bestehend aus Tonung, (chemischer) Solarisation und anschliessender Färbung gemäß den Vorgaben im System-Leitfaden unterzogen.

abschliessende Behandlung mit Polychromie-Färbung K (Farbton Rot)

In der Projektion wirkt die Colorierung leider etwas unruhig:

Wer sich näher über das Colorvir-System informieren möchte: Der Leitfaden als pdf befindet sich hier

Interview mit Patrick Müller

Interview mit Patrick Müller

Im Juli interviewte mich Lina Gasser aus der Schweiz für ihre Maturaarbeit SUPER 8 – EIN ANALOGER KURZFILM. Ich stand ihr Rede und Antwort.

Wie bist du zum Filmen gekommen? Warum hast du dich fürs Filmen entschieden? Was reizt dich daran?
Am Anfang stand die völlige Leidenschaft für das Kino. Truffaut, Godard, Hitchcock, Stanley Kubrick und John Ford sagten mir mehr über das Leben aus als andere Kunstformen. Nachdem ich während meines Wirtschaftsstudiums 2003 schon regelmäßig Vorträge über ausgesuchte Filme meiner Lieblingsregisseure gehalten habe, ließ erst ein Auslandsstudium in Paris im Jahre 2006, bei dem ich fast jeden Abend die Cinémathèque française besuchte, die Idee reifen, es einmal selbst mit dem Filmen zu versuchen. Wieder zurück in Deutschland, voller Ideen und hunderte subversiv-transgressive Experimentalfilme im Kopf, nahm ich eine Kamera und ging in den Wald. Der Kurzfilm wurde dann sehr positiv von Freunden und Filmstudenten, Internet sei Dank, besprochen, worauf ich über die Jahre immer neue Kurzfilme machte, die dann sogar regelmäßig auf Festivals liefen. Mich reizt am Filmemachen das bewegte Bild: während ein Gemälde ganz statisch daher kommt, kann man im Film Bewegung zeigen, Musik und Ton in Beziehung setzen und mittels Schnitt einen einzigartigen Rhytmus schaffen. Film als DIE Kunstform des 20. Jahrhunderts vereint nahezu alle anderen Künste in sich. Ein einzigartiges Werkzeug, sich auszudrücken.

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Sayonara, Provie 100D

Wie Retro8 über Facebook mitteilte, wurde die Produktion von Provie100D in den Formaten Super8 und Single8 eingestellt. Grund dafür ist das Fehlen weiterer Masterrollen. In Super8 ist der Film bereits bei Retro8 ausverkauft, für Single8 scheint es noch ein paar restliche Kassetten zu geben.

Filmtipp „Chapter 9“

Filmtipp „Chapter 9“

Einzelne auf Super-8 gedrehte Filmszenen in pofessionellen Kino- und Fernsehproduktionen gibt es immer wieder – zumeist wir dabei der ganz spezielle Super-8-Filmlook für Traum- oder Erinnerungssequenzen verwendet.

Aber es gibt auch komplett auf Super-8 gedrehte Produktionen, die Ihre Premiere im Kino erleben, wie z.B. dieser Film, auf den ich durch Zufall aufmerksam wurde:

Auf der Website des Filmemachers die ansonsten wohl bewusst mit näheren Informationen geizt, gibt es hier interessante Bilder zu den Dreharbeiten.

Für die Premiere am 11.Oktober 2019 in Panama City, Florida wünsche ich viel Erfolg! Tickets gibt es hier. Vielleicht haben wir ja einmal die Chance, den gesamten Film zumindest in digitalisierter Form in einem Internet-Guckkasten zu sehen.

Filme vom FPP

Vor Jahren haben einige nordamerikanische Filmenthusiasten einen Podcast namens „Film Photography Podcast“ (FPP) ins Leben gerufen. Mittlerweile betreiben sie auch einen Online-Shop, weshalb das Kürzel FPP mittlerweile für „Film Photography Project“ steht. Bislang gab es dort hauptsächlich Filme für Fotokameras zu kaufen, u.a. auch in eher selteneren Formaten, wie z.B. 620. Mittlerweile bieten sie aber ebenfalls Schmalfilme an: https://filmphotographystore.com/collections/movie-film
Der Clou dabei ist, dass sie nicht nur das normale Sortiment von Foma/Kodak/Pro8mm/Orwo im Programm haben, sondern auch eine Eigenmarke. Hauptsächlich handelt es sich dabei um 16-mm-Filme, die es für ältere 16mm-Kameras/-Projektoren auch mit beidseitiger Perforation gibt. Hinzugekommen sind nun einige Normal8-Filme, mit denen man 2019 wohl nicht mehr als Neuerscheinung gerechnet hätte, wie z.B. Farbnegativfilmen:

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs Weiterstadt 2019

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs  Weiterstadt 2019

Am vergangenen Samstagabend stand beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt traditionell der Super-8-Filmwettbewerb auf dem Programm.

Entspannte Biergarten-Atmosphäre auf dem Festivalgelände

Aus acht analog mit Filmprojektor projezierten Super-8-Kurzfilmen wurden durch Publikumsabstimmung folgende Gewinner-Filme gekürt:

Der dritte Platz

ging an Manuel Francescon und Michael Sommermeyer für ein Found-Footage-Projekt :

Abbildung aus dem Festival-Programm

Den zweiten Platz

belegte Mangus Irvin mit einer absurd-artifiziellen Hommage an die klassischen Horrorfilme der 1930er-Jahre, insbesondere natürlich die „Frankenstein“-Filme

Der „Frankenstein“-Arzt erinnert aber auch an Pierre Brasseur in seiner Rolle als Dr. Génessier in „Les yeux sans visage“:

Die Scherenschnitt-Sequenz erinnert an die Filme von Lotte Reiniger, allerdings gepaart mit Splatter-Effekten…

Abbildung aus dem Festival-Programm

And the Winner is…

Achteraus – ein Film von Gunnar Grah, Andreas Kersten und Florian Rau.

Die Gewinner von rechts nach links: Andreas Kersten, Florian Rau (mit dem Hirschen!) und Gunnar Grah

Der auf dem ersten Blick unscheinbare Film zeigt alle Handlungsabläufe rückwärts. Bei klassisch-analogem Film -und bei Verwendung einer üblichen Kamera, die nur „vorwärts“ filmen kann- bedeutet dies, daß mit der Kamera auf dem Kopf stehend gefilmt wird, um anschliessend den Filmstreifen „auf den Kopf zu stellen“ – sprich das Ende an den Anfang zu setzen. Bei Super-8 kommt hierbei erschwerend hinzu, daß aufgrund der einseitigen Filmperforation der Film auch noch gewendet werden muss und somit alle Aufnahmen spiegelverkehrt erscheinen. Die im Film zu sehenden Zeitungsartikel wurden von den Filmemachern daher in Spiegelschrift angefertigt!

Schematische Darstellung, wie eine einzelne „Rückwärts“-Szene in einen ansonsten herkömmlich gedrehten Film eingefügt wird. Abbildung aus dem Buch „Filmen leicht gemacht“ von Fritz Meisnitzer

Als zusätzliche Hürde hatten es sich die drei Filmemacher zur Aufgabe gemacht die Filmhandlung durchgehend ohne nachträglichen Schnitt zu filmen. Die Handlung wurde also auf einer Super-8-Kassette komplett in der „rückwärts richtigen“ Reihenfolge abgedreht.

Rückwärtsfilmen, ein klassisch-analoger Filmtrick, eigentlich aus der Kintopp-Mottenkiste, hier aber konsequent und überzeugend zu Ende gedacht und sehr überzeugend umgesetzt.

Wieder einmal konnten die drei Filmemacher, die bereits mit The Brain Modulator und Veterok auf verschiedenen Festivals erfolgreich waren, das Publikum überzeugen.

Nicht überzeugen

konnte an diesem Abend leider die analoge Super-8-Filmprojektion im Vergleich mit den vorher, nachher und auch noch in der Halbzeit des Super-8-Wettbewerbs mit DCP-Beamer gezeigten digital produzierten Filmen.

Der legendäre Fumeo-Projektor in der Vorführer-Hütte von Weiterstadt

Für die Super-8-Projektion wurde annähernd die gesamte Höhe der Leinwand ausgenutzt, was eine Projektionsgröße von fast 8 x 6 Metern bedeutet. Dies ist zwar ambitioniert, aber für das kleine „Heimkino“-Super-8-Format definitiv zu viel, trotz eines Fumeo-Großraumprojektors mit 500W-Xenonlampe, der seit Jahren in Weiterstadt zum Einsatz kommt. Das Bild war immer leicht unscharf, flau und etwas zu dunkel. Die nicht abgekaschte unscharfe Bildmaske trägt dann noch zum subjektiven Unschärfeempfinden bei. Leider war darüberhinaus bei manchen Filmen der Bildstrich nicht korrekt eingestellt und im Laufe der Filme sammelten sich immer mehr Flusen sichtbar im Bildfenster. Der Charme einer „echten“ Filmprojektion konnte so dem Publikum leider nicht vermittelt werden.

Eine etwas kleiner gehaltene Projektion auf der riesigen Leinwand hätte der Bildqualität gut getan. (so -glaube ich mich zu erinnern- habe ich es 2015 bei meinem letzten Weiterstadt-Besuch gesehen) .

News: Analoger Film Januar-Juli 2019

Allen Unkenrufen zum Trotz, gibt es auch 2019 noch unzählige Neuigkeiten rund um den perforierten Film. Leider existiert seit diesem Jahr, nach der Einstellung von „Cine 8-16“, kein Print-Medium mehr, das über Neuigkeiten in diesem Bereich informiert. 

Wer mag mithelfen, künftig solche News komprimiert in diesem Blog und einem Newsletter zu „bündeln“?

Eberhard Nuffer

Super-8-Farbumkehr-Entwicklung wieder in Deutschland möglich

Seit Ende Juni ist nun wieder die E6-Entwicklung von Super-8-Farbumkehrfilm (Ektachrome und Cinevia) bei ANDEC-Filmtechnik in Berlin möglich. In den vergangenen Jahren blieb nur noch die Lösung, belichtete Filme ins Ausland zu schicken oder aber selbst zu entwickeln.

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Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Auch bei der 43. Ausgabe des Filmfests in Weiterstadt wird es am Samstag 10. August 2019 abends ab 22.00 Uhr den traditionellen Super8-Filmwettbewerb geben.

Das Wettbewerbsprogramm bestehend aus acht Super-8-Filmen ist seit ein paar Jahren in 2 Blöcke aufgeteilt, unterbrochen von 2 digitalen Projektionen (Platz 2 und 3 der Satirischen Kurzfilmtage Rüsselsheim). Das Filmfest will durch diese Mischung die Zuschauer an den Samstagabend mit seinem Super-8-Wettbewerb binden, da Super-8 mittlerweile leider nicht mehr den üblichen Sehgewohnheiten entspricht. Das sonstige Filmprogramm wird seit Jahren komplett digital projeziert.

Umso schöner, daß es die analoge Super8-Ecke in Weiterstadt noch gibt !

Der Mensch und das Meer: Baudelaireverfilmung in der Bretagne

Der Mensch und das Meer: Baudelaireverfilmung in der Bretagne

Seit meiner Kindheit fasziniert mich das Meer: Der weite Blick ins schier Unendliche, voller Spiegelungen, wild und voller Leben. Keine Menschenseele lässt es unberührt, jeder scheint darin auch einen Teil von sich zu erkennen. Herman Melville bot es die Bühne für wahnsinnig gewordene amerikanische Träume in Gestalt eines Kapitän Ahab, Dichter wie Chateaubriand sahen darin ein „philosophisches Gemälde“. Von Letztgenanntem verfilmte ich 2010 das Gedicht La Mer in der Bretagne, und verliebte mich zum ersten Mal in diese unwirkliche, wilde und scheinbar unberührte Natur, die man dort vorfindet. Acht Jahre später reiste ich ein zweites Mal dahin, diesmal in die südliche Gegend um Quiberon. Dort suchte ich nach einem neuen Filmstoff und wollte dabei zugleich neue Wege einschlagen. 

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Magnetton-Randbespurungen in Perfektion

Magnetton-Randbespurungen in Perfektion

Alberto Vangelisti ist mehr als ein Tüftler — er ist offenbar ein begabter Ingenieur: So schaffte er etwas, an dem in den letzten Jahren die bewährtesten Maschinen versagten: Entwurf, Konstruktion, Bau und Betrieb einer Anlage, die jegliche Filmarten (auch Polyester) zuverlässig, präzise und ausgesprochen preiswert mit Magnettonspuren versehen kann.

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