Von zwanghaftem Wesen: Pentaflex 8 – (Teil 1)

Von zwanghaftem Wesen: Pentaflex 8 – (Teil 1)

Das untersuchte Exemplar trägt die Nummer 35933; mit Pentovar, Nr. 6355608. Auf der Rückseite der Selenzelle finde ich als Bestätigung ELECTROCELL Dez. 1963 aufgestempelt. Die Jahreszahl kann also der Seriennummer entnommen werden. Auf der Innenseite des Gehäuses ist die Nummer 1675 eingeschlagen. Reihe 1, Exemplar 675
Die Zelle stammt von der 1933 gegründeten Electrocell-Gesellschaft Falkenthal & Presser, Berlin-Dahlem, das Drehspulinstrument vielleicht aus Erlangen.

Weiterlesen

Taylor Swift auf Super 8

Pro8mm zufolge wird die Reputation Stadium Tour mit der US-amerikanischen Country-Pop-Musikerin Taylor Swift eine ganze Menge Super 8 beinhalten. Für die Sendung wurden vier Kameras von Pro8mm geliehen und 22 Kassetten Negativfilm verfilmt. Pro8mm hat anschließend das Material in 4K gescannt. Die „Reputation Stadium Tour“ der zehnfachen Grammy-Gewinnerin Swift ist die erfolgreichste Tournee der US-Geschichte.

Ab 31. Dezember wird das rund zweistündige Konzert auf Netflix zu sehen sein. https://www.netflix.com/de/title/81026251

Wettbewerb der Schmalfilmtage Dresden – ein subjektiver Sehbericht

Wettbewerb der Schmalfilmtage Dresden – ein subjektiver Sehbericht

Den Höhepunkt der 18. Schmalfilmtage in Dresden vom 19. – 21.01.2017 bildete auch dieses Jahr am Samstagabend der Internationale Wettbewerb für Kurzfilme, die auf 8 oder 16 mm breitem Filmmaterial gedreht wurden.

In den beiden Retrospektiven vor dem Wettbewerb liefen ausschliesslich 16mm-Filmkopien. Hier konnte man den Charme der klassischen Filmprojektion mit atmosphärischem Filmkorn und knisternd-sonorem Ton von der Lichttonspur genießen.

Im Wettbewerb dagegen wurden die Beiträge abwechselnd mit Filmprojektor und Beamer vorgeführt.
Von den 13 Filmen im Wettbewerb liefen sieben Stück als digitale Projektion.
Fast ausnahmslos erfolgte bei diesen Filmen Schnitt, Betitelung, Vertonung und die sonstige Post-Produktion im digitalen Work-Flow.
Drei Filme wurden als Super8-Original mit Magnet-Tonspur vorgeführt, ebenfalls drei Filme liefen in 16mm.

Weiterlesen

Ganz viel Super 8: This ain’t California

Ganz viel Super 8: This ain’t California

411230_410181689013528_570740422_oEin fiktionaler Dokumentarfilm mit ganz ganz viel Schmalfilm: Berichtet wird über die Skater-Szene (Rollbrett-Gemeinschaft?) in der DDR.

Marten Persiel schildert die Geschichte dreier Jugendlicher um Denis „Panik“ Paraceck, die in der DDR bereits mit jungen Jahren das Rollbrett-Fahren für sich entdecken, immer weiter professionalisieren und schließlich ein Teil der internationalen Szene werden, bis sie sich nach dem Mauerfall 1989 aus den Augen verlieren.

Details über den Film sollte man unbedingt erst recherchieren, nach dem man ihn gesehen hat. Jeder Spoiler macht ihn ein Stück kaputt, und ihn einfach nur zu sehen macht viel Freude.

Inklusive Auftritt russischer DS8-Kameras!

Jetzt in der ARD Mediathek ansehen!

Miradas Múltiples – La Máquina Loca

Miradas Múltiples – La Máquina Loca

poster_miradas„Miradas múltiples – La máquina loca“, übersetzt etwa „Vielerlei Ansichten – Die verrückte Maschine“ ist ein Film über die Bilder im Kino und über die Schöpfer dieser Bilder am Beispiel eines Mannes der zu den besten dieser Schöpfer gehörte: Gabriel Figueroa.

Der in Paris lebende, ebenfalls aus Mexiko stammende, Regisseur Emilio Maillé (51) hat ein beeindruckendes Stück über diesen außergewöhnlichen Kameramann geschaffen. Dabei hat er mehr als zwanzig international bekannte und renommierte Kameraleute über die Arbeit des Meisters befragt, mit ihnen geredet und geplaudert. Diese Gespräche, in denen es auch um das Kino, die Kunst, die Motivation und vieles mehr geht, werden begleitet von Momenten aus dem Werk Figueroas, brillanten Beispielen seiner Kunst. Die Ausschnitte sind mit bedacht gewählt und mit einer passenden musika-lischen Begleitung unterlegt.

Figueroa, der 90 Jahre alt wurde und 1997 starb, hat in Laufe seiner Karriere über 200 Filme gedreht und u.a. mit so grossen Regisseuren wie Luis Buñuel, John Ford, John Huston gearbeitet.

mujer_miradasIn den anregenden Gesprächen mit den Kameraleuten aus  aller Welt, von den Altmeistern wie: Raul Coutard (Á bout de souffle, 1959), Ricardo Aronovich (Le Bal, 1983), Darius Khondji (Seven, 1995), über Javier Aguirresarobe (The Others, 2001) und Antony Dod Mantle (Dogville,2003), bis zu dem jungen Alexis Zabe (Temporada de Patos,2004) u.v.m., erkundet Emilio Maillé auch die Rolle des Kameramanns, der fast immer im Schatten eines Regisseurs steht, aber ohne den es den Film gar nicht geben würde. Und so sehen wir einige von ihnen auch mal vor der Kamera.

hombre_2560x1440Ein Teil des Films wurde mit einer Bolex H16 gedreht, was dem Film für uns Filmverrückte noch die Krone aufsetzt. Wenn man die Chance hat, diesen Film im Kino zu sehen, sollte man sie unbedingt ergreifen. Premiere hatte der Film am 29. September 2013 in Mexiko. Vielleicht findet sich ja ein Verleiher für Deutschland.  Wer nicht warten will: die Blu-ray oder DVD gibt es bereits bei mixup.com.mx oder amazon.com.

Von der Spule auf die Scheibe: Grandma Lo-Fi

Von der Spule auf die Scheibe: Grandma Lo-Fi

In dieser Kolumne stellen wir 8mm-Filme vor, die auf DVD veröffentlicht wurden. Der Anfang wurde in Schmalfilm (5/2011, 2/2012, 1/2013) gemacht, nun geht es hier weiter.

Grandma Lo-Fi, DVD-Hülle

Grandma Lo-Fi: DVD-Hülle

Grandma Lo-Fi: The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir
Island 2011, 63 min.
Regie: Orri Jónsson, Kristín Björk Kristjánsdóttir, Ingibjörg Birgisdóttir

Im Alter von 70 fand die in Island lebende Dänin Sigrídur Níelsdóttir zu ihrer Berufung. Innerhalb von sieben Jahren nahm sie 687 selbstkomponierte Lieder auf Audiocassetten auf, zuhause, mit halbautomatischer Akkord- und Rhythmusbegleitung ihres Casio-Keyboards und Geräuscheffekten aus Küchenutensilien. Insgesamt 59 CDs entstanden so. Daneben gestaltet Níelsdóttir, im selben fröhlichen Hausmacherstil, Fotocollagen. Dies brachte ihr schnell Kultstatus unter Musikern und Künstlern in Island ein, ähnlich dem Berliner Selfmade-Beatle und Super 8-Filmer Klaus Beyer.

Jahre lang begleiteten die Musiker und Künstler Kristín Björk Kristjánsdóttir, Orri Jónsson und Ingibjörg Birgisdóttir „Grandma Lo-Fi“ mit der 16mm- und Super 8-Kamera, rekonstruierten ihren Lebensweg und führten zahlreiche Gespräche. Heraus kam ein gut einstündiger Dokumentarfilm, der nicht nur redende Köpfe zeigt, sondern auch durch zahlreiche Kurzanimationen im bunt-naiven Stil von Níelsdóttirs Collagen aufgelockert ist. In den besten Momenten ufert das in kinderbuchartige Phantastik aus. Zwischendurch singen isländische Musiker in farbenfrohen Kurzvideos Hommagen an die Frau, die 2011 verstarb – noch vor der Uraufführung beim Rotterdamer Filmfestival.

Sigrídur Níelsdóttir beim Musizieren.

Sigrídur Níelsdóttir beim Musizieren.

Wie man im Trailer unten sieht, hat der Film Charme und ist liebevoll gemacht. Die Macherinnen setzten Super 8 und 16mm überzeugend als Äquivalent von Níelsdóttirs Cassettenaufnahmen und analoger Amateurästhetik ein. Auch in der DVD-Fassung ist das Material so digitalisiert, dass Filmkorn und Kratzer sichtbar bleiben. Ton und Filmschnitt sowie Licht und Kameraführung der 16mm-Aufnahmen sind professionell.

Bemängeln kann man jedoch, dass der Film zu weiten Teilen belanglos-nett vor sich hinplätschert. „Nett“ ist auch das passende Attribut für die Musik und die Bilder der Grandma Lo-Fi, denen – wie man am Ende erfährt – freikirchliche Bibellektüre vorausging. Da die Adventisten, denen Níelsdóttir anhing, teilweise zum christlichen Fundamentalismus gezählt werden können, hätte man sich von den Filmemachern etwas weniger Konsenssauce und zumindest leises Nachhaken gewünscht. Außergewöhnlich ist an Níelsdóttirs Schaffen ansonsten die schiere Quantität. Sieht man davon ab, ist trocken festzustellen, dass es interessantere Outsiderkünstler gibt, und zwar auch unter den Naiven und nicht-Psychotikern (wie z.B. den schon genannten Klaus Beyer).

Grandma Lo-Fi: Trailer

Angebracht ist auch ein technischer Warnhinweis an alle Hardcore-Analogfilmer unter unseren Lesern: „Grandma Lo-Fi“ wurde zwar auf Schmalfilmmaterial gedreht, aber digital geschnitten und als HD-Video gemastert und vorgeführt. Bis auf ein paar putzige Super 8-Stoptricks stammen auch die meisten Animationen aus dem Rechner. Störend ist das nicht. Was aber nervt, ist der billige Pseudo-Schmalfilm-Digitalfilter auf den Hommage-Clips der isländischen Musiker.

„Grandma Lo-Fi“ dreht immer noch seine Runden auf zahlreichen kleineren und mittelgroßen Filmfestivals und konnte eine Reihe von Preisen einheimsen. Die hier besprochene DVD-Fassung wurde vom Filmfestival Rotterdam verlegt und ist bislang die einzige, die man kaufen kann. Leider bietet sie nur niederländische Untertitel unter dem dänischen und isländischen Originalton.

Originaltitel: Amma Lo-Fi
Isländisch & Dänisch mit niederländischen Untertiteln
DVD, 2012
Tiger Releases, herausgegeben vom International Film Festival Rotterdam, Distributor: Filmfreak, Amsterdam
Erhältlich für 16,90 EUR u.a. bei bol.com

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

tumblr_mh47fmtwPu1qm7z5lo1_1280

KINEMATOGRAFIE HEUTE: PHILIPPINEN

Big Boy
PHI 2011, R/B: Shireen Seno, K: Gym Lumbera, Shireen Seno, D: Ian Lomongo, Pamela Miras, 89’ Beta SP, OmeU

Eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre, ein Film, der autobiografische Fragmente und kollektive Imagination auf einzigartige Weise miteinander verknüpft: Big Boy erzählt eine bizarre Episode aus der Provinz über einen Jungen, der von seinen Eltern mit abenteuerlichen Methoden “gestreckt” wird, damit er als poster boy für ihr Fischölgeschäft genutzt werden kann, denn dieses Fischöl soll angeblich wachstumsfördernd wirken. Shireen Seno, die junge Regisseurin des Films, löst die durchaus beängstigende Geschichte auf in disparate, miteinander nur bedingt kompatible Erinnerungsfragmente, in Splitter einer immer schon halbfiktiven Vergangenheit und in quasidokumentarische Impressionen eines vormodernen, aber ganz und gar nicht unschuldigen Dorflebens auf der Insel Mindoro. Der Film wurde auf dem alten, medienhistorisch längst vergessenen Amateurfilmformat Super8 gedreht, die Bilder behalten auch nach dem Transfer ins Digitale eine berückende Brüchigkeit, die sich jeder nostalgischen Schließung widersetzt. (lf)

am 9.8.2013 um 21.00 Uhr
am 10.8.2013 um 19.00 Uhr

zu sehen im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Trailer:


1 2