Taylor Swift auf Super 8

Pro8mm zufolge wird die Reputation Stadium Tour mit der US-amerikanischen Country-Pop-Musikerin Taylor Swift eine ganze Menge Super 8 beinhalten. Für die Sendung wurden vier Kameras von Pro8mm geliehen und 22 Kassetten Negativfilm verfilmt. Pro8mm hat anschließend das Material in 4K gescannt. Die „Reputation Stadium Tour“ der zehnfachen Grammy-Gewinnerin Swift ist die erfolgreichste Tournee der US-Geschichte.

Ab 31. Dezember wird das rund zweistündige Konzert auf Netflix zu sehen sein. https://www.netflix.com/de/title/81026251

Ganz viel Super 8: This ain’t California

Ganz viel Super 8: This ain’t California

411230_410181689013528_570740422_oEin fiktionaler Dokumentarfilm mit ganz ganz viel Schmalfilm: Berichtet wird über die Skater-Szene (Rollbrett-Gemeinschaft?) in der DDR.

Marten Persiel schildert die Geschichte dreier Jugendlicher um Denis „Panik“ Paraceck, die in der DDR bereits mit jungen Jahren das Rollbrett-Fahren für sich entdecken, immer weiter professionalisieren und schließlich ein Teil der internationalen Szene werden, bis sie sich nach dem Mauerfall 1989 aus den Augen verlieren.

Details über den Film sollte man unbedingt erst recherchieren, nach dem man ihn gesehen hat. Jeder Spoiler macht ihn ein Stück kaputt, und ihn einfach nur zu sehen macht viel Freude.

Inklusive Auftritt russischer DS8-Kameras!

Jetzt in der ARD Mediathek ansehen!

Miradas Múltiples – La Máquina Loca

Miradas Múltiples – La Máquina Loca

poster_miradas„Miradas múltiples – La máquina loca“, übersetzt etwa „Vielerlei Ansichten – Die verrückte Maschine“ ist ein Film über die Bilder im Kino und über die Schöpfer dieser Bilder am Beispiel eines Mannes der zu den besten dieser Schöpfer gehörte: Gabriel Figueroa.

Der in Paris lebende, ebenfalls aus Mexiko stammende, Regisseur Emilio Maillé (51) hat ein beeindruckendes Stück über diesen außergewöhnlichen Kameramann geschaffen. Dabei hat er mehr als zwanzig international bekannte und renommierte Kameraleute über die Arbeit des Meisters befragt, mit ihnen geredet und geplaudert. Diese Gespräche, in denen es auch um das Kino, die Kunst, die Motivation und vieles mehr geht, werden begleitet von Momenten aus dem Werk Figueroas, brillanten Beispielen seiner Kunst. Die Ausschnitte sind mit bedacht gewählt und mit einer passenden musika-lischen Begleitung unterlegt.

Figueroa, der 90 Jahre alt wurde und 1997 starb, hat in Laufe seiner Karriere über 200 Filme gedreht und u.a. mit so grossen Regisseuren wie Luis Buñuel, John Ford, John Huston gearbeitet.

mujer_miradasIn den anregenden Gesprächen mit den Kameraleuten aus  aller Welt, von den Altmeistern wie: Raul Coutard (Á bout de souffle, 1959), Ricardo Aronovich (Le Bal, 1983), Darius Khondji (Seven, 1995), über Javier Aguirresarobe (The Others, 2001) und Antony Dod Mantle (Dogville,2003), bis zu dem jungen Alexis Zabe (Temporada de Patos,2004) u.v.m., erkundet Emilio Maillé auch die Rolle des Kameramanns, der fast immer im Schatten eines Regisseurs steht, aber ohne den es den Film gar nicht geben würde. Und so sehen wir einige von ihnen auch mal vor der Kamera.

hombre_2560x1440Ein Teil des Films wurde mit einer Bolex H16 gedreht, was dem Film für uns Filmverrückte noch die Krone aufsetzt. Wenn man die Chance hat, diesen Film im Kino zu sehen, sollte man sie unbedingt ergreifen. Premiere hatte der Film am 29. September 2013 in Mexiko. Vielleicht findet sich ja ein Verleiher für Deutschland.  Wer nicht warten will: die Blu-ray oder DVD gibt es bereits bei mixup.com.mx oder amazon.com.

Von der Spule auf die Scheibe: Grandma Lo-Fi

Von der Spule auf die Scheibe: Grandma Lo-Fi

In dieser Kolumne stellen wir 8mm-Filme vor, die auf DVD veröffentlicht wurden. Der Anfang wurde in Schmalfilm (5/2011, 2/2012, 1/2013) gemacht, nun geht es hier weiter.

Grandma Lo-Fi, DVD-Hülle

Grandma Lo-Fi: DVD-Hülle

Grandma Lo-Fi: The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir
Island 2011, 63 min.
Regie: Orri Jónsson, Kristín Björk Kristjánsdóttir, Ingibjörg Birgisdóttir

Im Alter von 70 fand die in Island lebende Dänin Sigrídur Níelsdóttir zu ihrer Berufung. Innerhalb von sieben Jahren nahm sie 687 selbstkomponierte Lieder auf Audiocassetten auf, zuhause, mit halbautomatischer Akkord- und Rhythmusbegleitung ihres Casio-Keyboards und Geräuscheffekten aus Küchenutensilien. Insgesamt 59 CDs entstanden so. Daneben gestaltet Níelsdóttir, im selben fröhlichen Hausmacherstil, Fotocollagen. Dies brachte ihr schnell Kultstatus unter Musikern und Künstlern in Island ein, ähnlich dem Berliner Selfmade-Beatle und Super 8-Filmer Klaus Beyer.

Jahre lang begleiteten die Musiker und Künstler Kristín Björk Kristjánsdóttir, Orri Jónsson und Ingibjörg Birgisdóttir „Grandma Lo-Fi“ mit der 16mm- und Super 8-Kamera, rekonstruierten ihren Lebensweg und führten zahlreiche Gespräche. Heraus kam ein gut einstündiger Dokumentarfilm, der nicht nur redende Köpfe zeigt, sondern auch durch zahlreiche Kurzanimationen im bunt-naiven Stil von Níelsdóttirs Collagen aufgelockert ist. In den besten Momenten ufert das in kinderbuchartige Phantastik aus. Zwischendurch singen isländische Musiker in farbenfrohen Kurzvideos Hommagen an die Frau, die 2011 verstarb – noch vor der Uraufführung beim Rotterdamer Filmfestival.

Sigrídur Níelsdóttir beim Musizieren.

Sigrídur Níelsdóttir beim Musizieren.

Wie man im Trailer unten sieht, hat der Film Charme und ist liebevoll gemacht. Die Macherinnen setzten Super 8 und 16mm überzeugend als Äquivalent von Níelsdóttirs Cassettenaufnahmen und analoger Amateurästhetik ein. Auch in der DVD-Fassung ist das Material so digitalisiert, dass Filmkorn und Kratzer sichtbar bleiben. Ton und Filmschnitt sowie Licht und Kameraführung der 16mm-Aufnahmen sind professionell.

Bemängeln kann man jedoch, dass der Film zu weiten Teilen belanglos-nett vor sich hinplätschert. „Nett“ ist auch das passende Attribut für die Musik und die Bilder der Grandma Lo-Fi, denen – wie man am Ende erfährt – freikirchliche Bibellektüre vorausging. Da die Adventisten, denen Níelsdóttir anhing, teilweise zum christlichen Fundamentalismus gezählt werden können, hätte man sich von den Filmemachern etwas weniger Konsenssauce und zumindest leises Nachhaken gewünscht. Außergewöhnlich ist an Níelsdóttirs Schaffen ansonsten die schiere Quantität. Sieht man davon ab, ist trocken festzustellen, dass es interessantere Outsiderkünstler gibt, und zwar auch unter den Naiven und nicht-Psychotikern (wie z.B. den schon genannten Klaus Beyer).

Grandma Lo-Fi: Trailer

Angebracht ist auch ein technischer Warnhinweis an alle Hardcore-Analogfilmer unter unseren Lesern: „Grandma Lo-Fi“ wurde zwar auf Schmalfilmmaterial gedreht, aber digital geschnitten und als HD-Video gemastert und vorgeführt. Bis auf ein paar putzige Super 8-Stoptricks stammen auch die meisten Animationen aus dem Rechner. Störend ist das nicht. Was aber nervt, ist der billige Pseudo-Schmalfilm-Digitalfilter auf den Hommage-Clips der isländischen Musiker.

„Grandma Lo-Fi“ dreht immer noch seine Runden auf zahlreichen kleineren und mittelgroßen Filmfestivals und konnte eine Reihe von Preisen einheimsen. Die hier besprochene DVD-Fassung wurde vom Filmfestival Rotterdam verlegt und ist bislang die einzige, die man kaufen kann. Leider bietet sie nur niederländische Untertitel unter dem dänischen und isländischen Originalton.

Originaltitel: Amma Lo-Fi
Isländisch & Dänisch mit niederländischen Untertiteln
DVD, 2012
Tiger Releases, herausgegeben vom International Film Festival Rotterdam, Distributor: Filmfreak, Amsterdam
Erhältlich für 16,90 EUR u.a. bei bol.com

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

Big Boy: Super 8 Schmankerl in Berlin

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KINEMATOGRAFIE HEUTE: PHILIPPINEN

Big Boy
PHI 2011, R/B: Shireen Seno, K: Gym Lumbera, Shireen Seno, D: Ian Lomongo, Pamela Miras, 89’ Beta SP, OmeU

Eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre, ein Film, der autobiografische Fragmente und kollektive Imagination auf einzigartige Weise miteinander verknüpft: Big Boy erzählt eine bizarre Episode aus der Provinz über einen Jungen, der von seinen Eltern mit abenteuerlichen Methoden “gestreckt” wird, damit er als poster boy für ihr Fischölgeschäft genutzt werden kann, denn dieses Fischöl soll angeblich wachstumsfördernd wirken. Shireen Seno, die junge Regisseurin des Films, löst die durchaus beängstigende Geschichte auf in disparate, miteinander nur bedingt kompatible Erinnerungsfragmente, in Splitter einer immer schon halbfiktiven Vergangenheit und in quasidokumentarische Impressionen eines vormodernen, aber ganz und gar nicht unschuldigen Dorflebens auf der Insel Mindoro. Der Film wurde auf dem alten, medienhistorisch längst vergessenen Amateurfilmformat Super8 gedreht, die Bilder behalten auch nach dem Transfer ins Digitale eine berückende Brüchigkeit, die sich jeder nostalgischen Schließung widersetzt. (lf)

am 9.8.2013 um 21.00 Uhr
am 10.8.2013 um 19.00 Uhr

zu sehen im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Trailer:

Kodak 1958: Wie Film gemacht wird

Kodak 1958: Wie Film gemacht wird

Ein ursprünglich von Frank Bruinsma digitalisierter Klassiker, den bestimmt schon viele Leser gesehen haben – aber vielleicht ja nicht alle bzw. schon lange nicht mehr?
In jedem Fall auch wiederholt sehenswert ist diese holländische 18-Minuten-Doku, die den Entstehungsprozess der chemischen Filmmaterialien wunderbar detailliert und schematisch erklärt und zeigt, dank englischer Untertitel auch recht gut verständlich.

Beim Betrachten der fünf Stockwerke hohen, 22m tiefen Maschine wird einem auch klar, warum Skalenökonomie bei der Filmherstellung so wichtig ist und zunehmend nicht mehr stattfinden kann…

Faszination Cinemascope

Faszination Cinemascope

BOLEX H16 RX 4 mit Möller 2x Anamorphot

Anamorphotische Aufzeichnung und Wiedergabe

Anamorphoten sind Vorsatz-Objektive, deren Aufbau mindestens ein zylindrisch geschliffenes Element enthält. Dadurch wird das erzeugte Abbild, je nach Positionierung, horizontal oder vertikal komprimiert. Bei Cinemascope-Aufnahmen muss der Vorsatz im Azimuth als „stehendes Ei” vor einem regulären Aufnahmeobjektiv rechtwinklig angebracht sein. Der Grad dieser Stauchung ist als Faktor (1,5-fach, 2-fach) immer mit angegeben und dieser sorgt dann für das endgültige Seitenverhältnis. So erhält man mit einer 16mm Filmkamera mit „Academy“-Bildfenster bei 1,5-fach Anamorphoten ein Seitenverhältnis von 1:2 – also geringer als Cinemascope – mit einem 2-fach Anamorphoten wäre es mit 1:2,66 aber größer. Bei der Projektion wird das Bild erneut durch einen Anamorphoten mit gleichem Faktor entzerrt, der in gleicher Weise montiert ist. Diese Entzerrung kann bei einer Abtastung (Telecine) übrigens besser im Rechner geschehen. Dabei ist das volle Bild (also 4:3) ohne Balken und ohne optische Entzerrung zu digitalisieren. Zwar ermutige ich 8mm-Interessenten eigene Erfahrungen zu machen, möchte mich hier jedoch ausschließlich auf das 16mm-Format beschränken, da es hierfür bereits fertige Lösungen gab und die Bildgröße noch genügend Toleranz-Spielraum besitzt.

ARRI 16 ST mit Rectimaskop

Objektivtypen und Kompromisse

Für welches Seitenverhältnis seiner Breitlinge sich der Einzelne entscheidet wird fast schon zur Philosophiefrage. Wer keine Kompromisse bei der Bildschärfe eingehen möchte, der sollte bestenfalls zu einem der 1,5-fach Anamorphoten greifen, die ISCO für die Kleinbildfotografie entwickelte. Generell kann man nämlich sagen: Je geringer der Kompressionsfaktor, desto mehr Schärfe bleibt von der Auflösung noch übrig. Um den horizontalen Matsch zu umschiffen wurde der Faktor 1,5 der in der 16mm-Filmerei von Bolex (System Möller) und Beaulieu (ISCO) bis Mitte der 80er Jahre unter der Bezeichnung „Superscope“ protegiert. Wem 1,5 nicht ausreicht, der kann zu jenen „echten“ 2-fach Scope-Vorsätzen z.B. aus der Kowa Prominar-Serie greifen, deren begehrtester Vertreter wohl das 8Z / 16-H sein dürfte. Dieses Aufnahmeobjektiv eignet sich deshalb besonders gut, weil es kompakt ist und einen großen Hinterlinsendurchmesser besitzt – leider das Problem bei den kleineren Typen Kowa 16 A bis D. Zooms eignen sich wegen des größeren Frontdurchmessers kaum – deshalb ist echtes Gelingen auf kleine Objektive beschränkt, wie bei der Bolex H16 mit den Kern Switaren hat. Festbrennweite und Anamorphot müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, sonst kommt es zu Unschärfen oder Vignettierung. Filmer, die mit Macro-Vorsatzlinsen drehen, werden von dieser Materie ein Lied singen können. Doch der wichtigste Punkt kommt jetzt! Wie schon erwähnt muss das Ding eben vor ein normales Aufnahmeobjektiv, dessen Brennweite er horizontal zweidrittelt bzw. halbiert. Da die Anamorphoten aber keine Macro-Vorsätze sind und durchaus bauliche Längen haben, muss sich der Cinemascope-Filmer von seinen Weitwinkel-Objektiven verabschieden. Ein Kern 10mm ist zwischen Kamera und Anamorphot ein glatter Versager – es bleiben noch horizontale 5mm Brennweite übrig und man fühlt sich wie der weisse Hase in einem Zauberhut – so groß ist im Sucher die zylindrische Vignettierung. Die 16mm Scope-Vorsätze für Normal16 sind am Besten für die Festbrennweiten 25, 50 und 75mm geeignet, wer auf Weitwinkel-Einstellungen nicht verzichten kann, der sollte lieber die Finger von anamorphotischer Aufnahme lassen. Nach jahrelanger Testerei komme ich zu dem Ergebnis: Das Kern 26mm Macro zusammen mit dem Möller 1,5 oder 2-fach Vorsatz führt zum besten Ergebnis und geringsten Problemen mit Randabschattung und ist noch mobil, da die Montage-Einheit noch relativ leicht ist.

KOWA PROMINAR 16D

Konstruktionen, die halten was sie versprechen

Die meisten Aufnahmeobjektive haben keine Innenfokussierung, das heißt das Vorderteil dreht sich bei der Schärferegulation mit. Deshalb muss für den Anamorphoten eine Extra-Halterung her, die weder kippt oder dreht, immer rechtwinklig ausgerichtet ist (!) und möglichst nah an die Grundoptik herangeschoben werden kann. Im Bestfall findet man dafür eine bestehende Lösung wie die Halterungen für die Bolex H16 oder die Objektivstützen oder Kompendiumhalterungen von Arri. Die Lösungen neueren Datums glänzen hier mit 15mm Stützrohr-Adaption, die gängiges Zubehör wie z.B. ein Kompendium mit Filterhalter aufnehmen können. Diverse professionelle Feinmechaniker aus dem In- und Ausland fertigen solche Halterungen auch relativ kostengünstig (für ca. 300 Euro) nach Mass. Besonders empfehlenswerte Dienste leistet hier der englische Kameratechniker Les Bosher aus South Wales.

Achtung, Aufnahme!

Die Naheinstellgrenze beträgt durchweg 1,5 Meter. Cinemascopefilmen ist deshalb besonders für Aussendrehs geeignet, da man seltener in Platzprobleme gerät. Naheinstellungen können entweder aus einiger Entfernung mit einem teligeren Grundobjektiv oder mit einer Nahlinse (Diopter) realisiert werden. Aufnahme- und Quetschobjektiv müssen die selbe Entfernungseinstellung haben, was bei den Reflexkameras kein Problem ist, wenn das Auflagemaß stimmt. Löbliche Ausnahme macht hierbei einzig die 1,5er Iscorama-Serie, bei denen das Grundobjektiv in der Einstellung „unendlich” bleibt. Hier könnte man also sogar die Schärfe mitziehen. Durch die Stauchung erhöht sich die Tiefenschärfe beträchtlich. Auch deshalb bewährt sich der mittlere Blendenbereich – zu kneifen empfiehlt sich nicht, da das erhöhte Linsenaufkommen Lichteinfall und Schlieren produzieren kann, obwohl genau diese Gegenlichter bei vielen Kameraleuten noch heute geschätzt sind und als besonderes Gestaltungsmerkmal das eiförmige Bokeh und die „Lichtschmiere“ meist absichtlich herbeigeführt werden. Für die Normalanwendung gilt aber: besser mit einem Neutralgraufilter kompensieren und seitlich einfallendes Licht mit einem Kompendium oder einer Sonnenblende abschatten.

Gebrauchtmarkt

Während Profis wegen 4K-Auflösung davon abkommen anamorphotisch aufzunehmen, erzielen Quetschlinsen für den Amateurmarkt seit Jahren Spitzenpreise die oft über dem damaligen Neupreis liegen. Es werden online nur wenige brauchbare Anamorphoten angeboten, und nicht jeder Projektionsvorsatz eignet sich für die Aufnahme. Die ostdeutschen 2-fach Rectimaskope wären zwar wunderbar scharf, sie besitzen jedoch eine Naheinstellgrenze von 6 Metern, das ist praxisuntauglich. Die Iscorama Objektive erzielen Spitzenpreise, das liegt an der Tatsache, dass sie sich auch auf filmende Spiegelreflexkameras montieren lassen. Für den Schmalfilmer sind die Vorsätze von Kowa oder Möller die attraktivere Wahl, sie sind bei ausreichend Licht auch schärfer. Beim Online-Kauf ist Vorsicht geboten! Ist auf der Hinterlinse ein Regenbogenmuster oder Trübung erkennbar hat sich die Verkittung der Linsen (lens separation) gelöst. Dieser Schaden ist irreparabel und stammt vermutlich von Wärmeeinwirkung, die bei der Projektion entstanden ist. In diesem Fall lieber nicht kaufen.

KOWA INFLIGHT LENS 1:1,75 an einer modernen Digitalkamera

Die Zukunft des Breitbildes

Im Zuge des fortschreitenden Paradigmenwechsels in Richtung Digitalaufzeichnung hat es selbst die amerikanische Firma Panavision schwer, die das Anamorphot-Patent von Henri Chretien von 20the Century Fox Mitte der Sechziger Jahre übernahm. Denn die modernen Sensoren in digitalen Filmkameras liefern auch in diesem Format genügend Auflösung – deshalb werden Filme, die ein Seitenverhältnis von 1:2,35 haben, heute seltener mit einer „Quetschlinse“ aufgenommen. 4K Digitalkino wird einfach in Scope Seitenverhältnis beschnitten, wenn aber bei größeren Produktionen doch noch auf 35mm-Cinefilm aufgezeichnet wird, dann passiert das häufig auch hier im sog. 3 Perf oder 2 Perf Verfahren mit sphärischen Objektiven um Filmmaterial zu sparen. Für einige wenige Hollywood-Produktionen hält die deutsche Firma Vantage aus Weiden Aufnahme-Anamorphoten bereit, die leider für den Amateurfilmer kaum erschwinglich sind. Das anamorphotische, breite Bild bleibt für jene Filmer eine fazinierende Königsdisziplin, die im heimischen Wohnzimmer dem modernen Pixel-Zeitgeist mit ihrem Malteserkreuz-Bildwerfer mit einem Lächeln begegnen.

Aktualisierte Fassung des im Heft 04-2010 erschienenen Artikels „Breites Bild – Starke Wirkung“ der Zeitschrift schmalfilm 8-16.


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