Film als physische Verbindung: Interview mit Pip Chodorov

Film als physische Verbindung: Interview mit Pip Chodorov
Pip Chodorov

Pip Chodorov

Pip Chodorov, Jahrgang 1965, ist unermüdlicher und allgegenwärtiger Aktivist des Selbstmacher- und Experimentalfilms. Über sein Label Re:Voir vertreibt er Film auf Video – und verkauft auch Super 8-Kassetten an Filmemacher. Mit der E-Mail-Diskussionsliste Frameworks begründete das heute wichtigste internationale Diskussionsforum für Ankündigungen, künstlerische und technische Diskussionen rund um den analogen Experimentalfilm. Auf der ganzen Welt gibt er Vorträge über die historische und heutige Filmavantgarde und zeigt Filme, die in selbstorganisierten Filmwerkstätten entstanden sind. Sein abendfüllender Dokumentarfilm Free Radicals (2011) dokumentiert die neuere Geschichte des Experimentalfilms – und wurde mit einer 16mm-Bolex gedreht.

(Dies ist die Kurzfassung eines ausführlichen, auf Englisch geführten Interviews.)

Es nicht einfach, Dich unseren Lesern vorzustellen, weil Du so viele verschiedene Dinge zugleich tust!

Oh, Entschuldigung! (Lacht.) Ich habe als Sechsjähriger meine ersten Filme gemacht und seitdem nicht mehr damit aufgehört. Als Student zog ich aus Amerika nach Paris, weil es da die echte Filmwissenschaft gab. Damals gründete ich eine Firma für Filmveröffentlichungen auf Video, die heute Re:Voir heißt. Und als ich 1995 zum ersten Mal das Internet benutzte, fand ich Diskussionsforen zu allen möglichen Themen, aber nicht zum Experimentalfilm. Daher gründete ich die E-Mail-Liste Frameworks, die heute immer noch sehr lebendig ist, mit rund tausend Mitgliedern. Und 1996 war ich Mitbegründer der Filmwerkstätte L’Abominable in Paris.

Würdest Du Deine eigenen Filme Experimental- oder Avantgardefilme nennen?

Ich würde sie einfach Film nennen. Als Jugendlicher drehte ich dokumentarische, experimentelle und erzählerische Filme und veranstaltete Projektionen – es gab da keine Unterschiede. Ich verwende einen Begriff wie Experimentalfilm nur gegenüber Leuten, die diese Art des Filmemachens noch nicht kennen.

Filmtrailer von Free Radicals

Ist Dein Dokumentarfilm Free Radicals nicht auch ein Versuch, deren Geschichte zu überliefern?

2003 oder 2004 sah ich in Cannes The Soul of a Man, Wim Wenders‘ Dokumentarfilm über Blues-Sänger, die völlig verarmt gestorben waren, aber die Musik wirklich verändert hatten. Da dachte ich mir – sollte man so einen Film nicht auch über Filmemacher drehen, die ähnlich wichtig waren, und noch leben? Ich wollte nicht nur ihre Filme, sondern auch sie selbst dem Publikum vorstellen: gute Freunde, und witzig obendrein. Ein abendfüllender Film über sie würde mehr Leute erreichen als meine Filmvorträge und -vorführungen, und mich überleben.

…sicher auch eine Funktion Deines „Re:voir“-Labels. Interessanterweise weigerst Du Dich, Filme auf DVD herauszubringen und ziehst VHS-Kassetten vor.

Das betrifft vor allem den experimentellen Film. Die Datenkomprimierung der DVD zerstört viel vom Bild. Ich habe VHS nie gemocht, aber wenn man ein wirklich gutes Beta-Videomaster von einem Film herstellt und davon eine VHS-Kopie zieht und auf einem guten Fernseher abspielt, sieht das auch wie der Film aus. DVDs hingegen haben ein sehr flaches Bild, viele Farben, Nuancen und Details gehen verloren. Wenn man sich für einen optischen Bildträger entscheidet, dann bitte gleich für BluRay.

Fast immer, wenn es mal wieder einen technischen Fortschritt gibt, der uns als das nächste große Ding angepriesen wird, stellt man bei genauerer Betrachtung fest, dass es billiger und schlechter ist, und alle dabei verlieren. Bei der Entwicklung von der LP zur CD zu mp3 ist das ja offensichtlich, man hat uns mit immer weniger abgespeist.

Und beim Film wiederholt sich das jetzt. Es sind wieder mal die Medien, die Presse und die großen Konzerne mit ihrer Gehirnwäsche, die uns weismachen wollen, dass Film tot ist. Die Gefahr ist, dass es wirklich passiert, sobald Leute das einmal glauben.

Ein Blick in die Filmwerkstatt L'Abominable

Ein Blick in die Filmwerkstatt L’Abominable

Siehst Du nicht die Gefahr, dass die Filmemacher-Szene, über die wir hier reden, zu sehr in eine Nostalgie für den analogen Film abdriftet?

Ich glaube, dass wir noch in einem goldenen Zeitalter leben, mit der freie Wahl, auf Film oder digital zu drehen. Und ich bin überzeugt, dass es Film noch so lange geben wird, wie wir leben.

Kodak ist eine sehr schlecht geführte Firma. Sollte sie scheitern, dann nicht, weil sie keinen Film mehr verkauft. Als Kodachrome eingestellt wurde, erzählte mir ein Kodak-Chef in Cannes, dass jährlich noch mehrere hunderttausend Dollar mit dem Material umgesetzt wurden. Das ist ein gutes Geschäft für eine kleine Firma. Aber für einen Großkonzern waren das Peanuts. Das Problem sind die Gehirnwäsche und die Großkonzerne.

Würdest Du Deine Filmarbeit, und die Filmkultur, zu der Du gehörst, eine Form von Widerstand gegen die Globalisierung nennen?

Ja, durchaus. Ich drehe zwar keine Filme darüber. Aber es ist unser Weise des Produzierens und des Vertriebs, die ich mehr eine Ökologie nennen würde als eine Ökonomie. Es ist Graswurzelaktivismus. Wir helfen einander, wo immer wir Können. Alle sind miteinander verbunden in dieser Art von Dritter Welt-Parallelwirtschaft.

Jonas Mekas-DVD-Box von Re:voir

Jonas Mekas-DVD-Box von Re:voir

Oft gewinnt man den Eindruck, dass das analoge Filmemachen insgesamt, nicht nur im Experimentalfilm, heute viel mehr mit der Materialität spielt – mit Kratzern, Lichtlecks, Bildzittern…

Für mich geht es nicht um Lichtlecks und Bildzittern, sondern darum, dass man etwas durch ein Medium mitteilen kann – sei es Farben beim Malen, Theater, Tanz, Film, Video. Und ein Medium wird zur Deiner Sprache, wobei jede einzelne Sprache bestimmte Dinge besser ausdrücken kann.

Film hat etwas, das mich immer anziehen wird. Wenn ich etwas filmen will, das mich bewegt, einen Sonnenuntergang, eine Person oder was auch immer, kann ich es damit festhalten. Und zwar so, dass die Emulsion sich chemisch verändert, wenn sie vom Licht getroffen wird, und sich wieder chemisch verändert – durchsichtig oder undurchsichtig wird -, wenn ich sie in einem Flüssigkeitsbad entwickele. Und wenn das Projektorlicht sie durchdringt und auf die Leinwand trifft, in Deine Augen springt und Hirnströme aktiviert, entsteht eine direkte physische Verbindung mit dem ursprünglich aufgenommenen Ereignis. Kein Schleier von Nullen und Einsen liegt dazwischen.

Kann aus alternativen Ökonomien wie Euren Filmlabors mehr als nur eine Subkultur wachsen, gerade in Zeiten, in denen das ganze Wirtschaftssystem einstürzt?

Solange wir nichtkommerziell bleiben, werden wir überleben, weil wir tun, was wir tun wollen, und das gefällt mir. Auch wenn Kodak aufhört, werden einige Filmemacher einen Weg finden, ihr eigenes Filmmaterial herzustellen, und wir machen weiter.

Das ist eine beinahe wörtliche Definition des Amateurs – jemand, der etwas aus Liebe zur Sache tut.

Ja. In diesem Sinne identifizierten sich auch die historischen amerikanischen Avantgardefilmer Maya Deren und Stan Brakhage als Amateurfilmemacher. Die meisten Leute hingegen verbinden damit Familienfilme. Aber was Du sagst, stimmt. Das ist Amateurkultur, aber im richtigen Sinne des Wortes.

Noch eine Interviewfrage auf Video: Pip Chodorov – Is there a film lab aesthetic?

Konfektionierungshilfe für 16mm Meterware

Konfektionierungshilfe für 16mm Meterware

Harald Müller aus dem Filmvorführerforum erhielt, wie dieser Tage viele Filmende, kürzlich größere Mengen Agfa Aviphot Chrome 200D aus einer Sammelbestellung. Das ungemein günstige Material muss allerdings noch auf 30,5m Tageslichtspulen konfektioniert werden, natürlich in völliger Dunkelheit. Der Bastler hat sich mit ein paar einfachen Teilen aus der Bastelkiste und dem Baumarkt hierzu eine Konfektionierungshilfe gebastelt, die sogar im (großzügig dimensionierten) Dunkelsack anwendbar ist.

Tolle Sache zur Nachahmung empfohlen!

Dieser Dorn aus einem alten Plattenspieler nimmt dessen Plattenteller und den Rohfilmwickel auf.

Dieser Dorn aus einem alten Plattenspieler nimmt dessen Plattenteller und den Rohfilmwickel auf.

Die Achse für die 30,5m Tageslichtspule ist einem alten Potentiometer entnommen...

Die Achse für die 30,5m Tageslichtspule ist einem alten Potentiometer entnommen…

...auf das ein Vierkant Messingrohr (8mm Kantenlänge) gesteckt wird.

…auf das ein Vierkant Messingrohr (8mm Kantenlänge) gesteckt wird.

Als "Teller" für die aufnehmende Spule dient der Körper einer alten Lochsäge.

Als „Teller“ für die aufnehmende Spule dient der Körper einer alten Lochsäge.

Hier die verleimte Konstruktion mit aufgesetztem  Plattenteller...

Hier die verleimte Konstruktion mit aufgesetztem Plattenteller…

...und – auf gleicher Höhe montiert – der Aufnahmeseite...

…und – auf gleicher Höhe montiert – der Aufnahmeseite…

...welche die Tageslichtspule aufnimmt.

…welche die Tageslichtspule aufnimmt.

Praktisch: Eine Wäscheklammer hält den Anfang des Filmwickels fest.

Praktisch: Eine Wäscheklammer hält den Anfang des Filmwickels fest.

Eine kleine, improvisierte Kurbel erlaubt schnelles und sicheres Umspulen.

Eine kleine, improvisierte Kurbel erlaubt schnelles und sicheres Umspulen.

Je nach Rohware sollte man die Lage der Perforation beachten und ggf. einmal vom Bobby auf eine 360m Filmspule umspulen, damit die Perforation am Ende auch auf der richtigen Seite liegt. Bei 2R Material ist das natürlich kein Problem.

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

„Film­betrachter – ein Fall für die Gewer­beaufsicht“

2013-08-02 at 00.32

Die Verbraucherzeitschrift test veröffentlichte in Ihrer Reihe Der historische Test heute ist ein Schmankerl vom Mai 1973, das Filmfreunde aufmerken lässt: Es geht um Filmbetrachter. Katastrophale Filmbetrachter, wenn man den Testern glaubt:

Positive Ergeb­nisse in tech­nischer Prüfung und Hand­habung können nicht darüber hinweg­täuschen: Alle 21 untersuchten Film­betrachter haben mehr oder minder schwere Mängel in der elektrischen Sicherheit und verstoßen damit eindeutig gegen das Maschinen­schutz­gesetz. Die test-Qualitäts­urteile mussten entsprechend schlecht ausfallen: Fünf­mal »vom Kauf abzu­raten«, zehnmal »nicht zufrieden­stellend«, einmal »weniger zufrieden­stellend« und nur fünf­mal »zufrieden­stellend«. Wir meinen: Dieser weit­gehend von Importen beherrschte Markt sollte schleunigst von den zuständigen Gewer­beaufsichts­ämtern durch­leuchtet werden. Es ist unzu­mutbar, dass dem Schmalfilm­amateur als Gegen­wert für 80 oder sogar 200 Mark in der Mehr­zahl so eklatant unsichere Geräte angeboten werden.

Den gesamten Test gibt es zur Zeit kostenlos hier herunterzuladen.

Trockentrommel für 16mm Filme bis 61m

Trockentrommel für 16mm Filme bis 61m

Wer mit 16mm oder auch den 30,5 Rollen DS8-Material filmt und selbstentwickelt, kennt das Problem: Diese unendliche Bandnudel will sauber getrocknet werden. Im folgenden beschreibe ich den Aufbau einer einfachen Trockenvorrichtung, die nicht nur wenig kostet und an einem Nachmittag zusammengebaut ist, sondern die sich auch noch sehr platzsparend – zusammengeklappt – verstauen lässt.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Beginnen wir mit der Einkaufsliste:

[list type=“check“]
[li]Leimholzplatte 80x40cm[/li]
[li]Leimholzplatte 80x20cm[/li]
[li]4 Rundstäbe Buche 18mm[/li]
[li]1 Rundstab Buche geriffelt (6mm, als Holzdübel)[/li]
[li]1 Rundstab Buche als Achse (z.B. 25mm)[/li]
[li]4 Kantholzstäbe Buche (13x18x1000 mm)[/li]
[li]4x1m Heizungsrohr-Isolierung (innen 18mm, aussen etwa 40mm)[/li]
[li]50cm Klavierband (so nennt man diese langen Scharniere)[/li]
[li]Ponal, ein paar Schrauben[/li]
[/list]

Die Materialien, die zur Konstruktion mindestens benötigt werden

Die Materialien, die zur Konstruktion mindestens benötigt werden

skitched-20130526-215514

Die Kanthölzer werden abgelängt. Zwei sind etwas länger als die beiden anderen (warum, sieht man unten)

Die Kanthölzer werden abgelängt. Zwei sind etwas länger als die beiden anderen (warum, sieht man unten)

Jeweils zwei gleichlange Kanthölzer werden aufeinander gelegt und senkrecht durchbohrt (6mm). So erhält man später einen gerade Rahmen.

Jeweils zwei gleichlange Kanthölzer werden aufeinander gelegt und senkrecht durchbohrt (6mm). So erhält man später einen gerade Rahmen.

Alle vier Kanthölzer werden auch exakt mittig durchbohrt. Hier kommt später die Achse hin.

Alle vier Kanthölzer werden auch exakt mittig durchbohrt. Hier kommt später die Achse hin.

Nun baut man zwei Rahmen. Die Querstreben sind aus den 18mm Rundhölzern. Die Gesamtlänge des größeren Rahmens sollte so bemessen sein dass sie etwas schmaler ist als die Grundplatte (bei mir ist die Grundplatte 80cm, also der Rahmen 76cm breit). Die Gesamtlänge des inneren Rahmens sollte so bemessen sein, dass er genau in den größeren passt.

Nun baut man zwei Rahmen. Die Querstreben sind aus den 18mm Rundhölzern. Die Gesamtlänge des größeren Rahmens sollte so bemessen sein dass sie etwas schmaler ist als die Grundplatte (bei mir ist die Grundplatte 80cm, also der Rahmen 76cm breit). Die Gesamtlänge des inneren Rahmens sollte so bemessen sein, dass er genau in den größeren passt.

skitched-20130526-215858

Ich habe hier mit Ponal vorgeleimt und dann mit eingeleimten Holzdübeln verbunden. Ich mag Holzdübel lieber in Stirnholz als Schrauben... ist aber Geschmacksache.

Ich habe hier mit Ponal vorgeleimt und dann mit eingeleimten Holzdübeln verbunden. Ich mag Holzdübel lieber in Stirnholz als Schrauben… ist aber Geschmacksache.

Hier der eine Rahmen, noch "unten offen". Das ist wichtig, denn vorm Zusammenkleben sollte man die Rohrisolierungen aufschieben. Sie lassen sich sehr leicht mit dem Cuttermesser ablängen.

Hier der eine Rahmen, noch „unten offen“. Das ist wichtig, denn vorm Zusammenkleben sollte man die Rohrisolierungen aufschieben. Sie lassen sich sehr leicht mit dem Cuttermesser ablängen.

Hier die aufgeschobenen Isolierungen kurz vorm Verleimen.

Hier die aufgeschobenen Isolierungen kurz vorm Verleimen.

Voilá! Hier sieht man beide Rahmen fertig verleimt und ineinadner gelegt.

Voilá! Hier sieht man beide Rahmen fertig verleimt und ineinadner gelegt.

Dies wird die Achse. Ich habe mir Muttern in die Enden versenkt, damit ich die Achsauflagen aus einfachen Schlossschrauben machen kann.

Dies wird die Achse. Ich habe mir Muttern in die Enden versenkt, damit ich die Achsauflagen aus einfachen Schlossschrauben machen kann.

Hier sind nun Rahmen und Achse mit den zwei Schlossschrauben miteinander verbunden. Der Rahmen nimmt flach zusammengelegt kaum Platz weg. Faltet man ihn nun auf, kann manden bis zu 61m 16mm Film draufwickeln (Schicht nach aussen natürlich)

Hier sind nun Rahmen und Achse mit den zwei Schlossschrauben miteinander verbunden. Der Rahmen nimmt flach zusammengelegt kaum Platz weg. Faltet man ihn nun auf, kann manden bis zu 61m 16mm Film draufwickeln (Schicht nach aussen natürlich)

Hier sieht man die Halterung entstehen. Die Seitenwände (auf denen die Trommel dann liegen kann) lassen sich einfach umklappen. Die Kurzen Flügel schützen sie einfach vorm umkippen unter Last.

Hier sieht man die Halterung entstehen. Die Seitenwände (auf denen die Trommel dann liegen kann) lassen sich einfach umklappen. Die Kurzen Flügel schützen sie einfach vorm umkippen unter Last.

Die Grundplatte nebst Halterung lässt sich flach zusammenlegen, die „Trommel“ selber eben auch. Beides klässt sich so prima irgendwo verstecken wenn man es nicht braucht — und in einem Müllsack o.ä. auch staubfrei aufbewahren.

Die Trockenvorrichtung zusammengefaltet. So verschwindet sie, in einem Müllsack vor Staub geschützt, leicht unter einem Bett oder hinter einem Schrank.

Die Trockenvorrichtung zusammengefaltet. So verschwindet sie, in einem Müllsack vor Staub geschützt, leicht unter einem Bett oder hinter einem Schrank.

Die Seitenwände aufgestellt, das Trockenkreuz aufgeklappt. Ein bisschen Platz braucht man so auf dem Tisch schon.

Die Seitenwände aufgestellt, das Trockenkreuz aufgeklappt. Ein bisschen Platz braucht man so auf dem Tisch schon.

Diese kleine Klemme hält die "Streben der Trommel zuverlässig im rechten Winkel. Eine kleine Tesakreppschlinge hält sie ggf. fest.

Diese kleine Klemme hält die „Streben der Trommel zuverlässig im rechten Winkel. Eine kleine Tesakreppschlinge hält sie ggf. fest.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Eine Heizung und/oder Motor hat diese Trommel (noch) nicht, geht aber auch gut ohne. Ich verwende eh gern chemische Trocknungshilfen (Mirasol oder ggf. auch mal Drysonal, wenn es schnell gehen soll)

Ganz Patent: die Luxus-Wechselkassette

Ganz Patent: die Luxus-Wechselkassette

Faszinierend, was der Münchner Tüftler Martin Prohaska 1967 zum Patent anmeldete: Im nüchternen Patentdeutsch ist es eine „Kassette für kinematographischen Super 8 Rollfilm“, in der Beschreibung verbirgt sich eine massiv verbesserte Version der allseits hassgeliebten S8 Kassette – vollkompatibel, aber mit etlichen Verbesserungen. Eine wiederbefüllbare Kassette mit gelagerten Gleitrollen, Rückspuleinrichtung, Filmzählwerk, einem verbesserten Andrucksystem, Platz für 20m Film und einem wiederverschliessbaren Deckel.
Ob es diese Kassette jemals gegeben hat? Vermutlich nicht, und wenn, dann nur als Prototyp. Interessant ist es trotzdem, was man sich in Untermenzing kurz nach der Super 8 Markteinführung für Gedanken machte.

Selbst die verbesserte Agfa-Kassette mit nadelgelagertem Wickelteller für den unbelichteten Rohfilm reichte Prohaska nicht: Er spendierte seiner Kassette drei in beide Kassettenhälften ragende, gelagerte Gleitrollen (8), um die Friktion beim Filmtransport auf ein Mindestmaß zu beschränken. Auch sah er eine (gleitende, nicht kraftschlüssige) Verbindung beider koaxial angeordneter Spulen vor; da diese die gleiche Drehrichtung haben und sich so bei anfallenden Lasten gegenseitig „unterstützen“ können.

Prohaskas Kassette sieht nicht nur einen schlüssiger gelagerten Aufwickelkern vor, dessen Lager durch den gesamten Kassettenraum reicht, wodurch Auf- und Abwickelspule stets parallel stünden; auch der Rohfilmwickel soll auf einer Vorratsspule lagern, die über eine Öffnung an der Oberseite (18, 20) ein komplettes Rückspulen des Filmes erlaubt – ganz ähnlich dem von der gängigen Super 8 Kassette bekannten Antriebsloch.

2013-07-19 at 12.10

Eine federnd gegen den abwickelnden Filmwickel gelagerte Skala sollte dabei ein einfaches Ablesen des Füllstandes erlauben (16).

Auch war ihm das Beladen und Einfädeln des Filmes zu kompliziert. Jeder, der seine Super 8 Kassetten heute selbst befüllt, kennt es: Der Film muss mühsam durch die Kassette gefädelt und dann in völliger Dunkelheit sicher am Aufwickelkern befestigt werden. Die verbesserte Kassette erlaubte es, vorkonfektionierten Film bereits beidseitig mit Spulen versehen zu haben und den Film so wesentlich einfacher einfädeln zu können. Vorgesehen war hierzu eine entfernbare, einrastende Andruckplatte (skurrilerweise ausgerechnet durch Schaumstoff gefedert), die nach Beladen der Kassette lediglich wieder in eine für sie vorgesehen Nut geschoben werden musste.

Wohl ein Luftschloss…

Leider enthält Prohaskas Erfindung eine Menge konzeptioneller Fehler und wird somit nie umsetzbar gewesen sein. Die von ihm vorgesehenen Spulen im Kassetteninneren verhindern leider, dass der Film auf ausreichend Strecke die „Seite wechseln“ kann. Eine Kopplung beider Spulen, auch ohne vollen Kraftschluss, würde ob der unterschiedlichen Wickeldurchmesser zwangsläufig zu Staus führen. Gerade zum Beginn einer Kassette würde eine Umdrehung des Aufwickelkerns drei Umdrehungen des Filmvorrats bewirken — wo soll dieser Film aber hin?
Das Federband für die Filmverbrauchsanzeige soll durchgehend am Filmwickel schleifen — das erzeugt nicht nur wieder viel Reibung, es garantiert auch schöne Laufstreifen. Zudem kann die Skala dieser Verbrauchsanzeige nicht linear gestaltet sein. Und die vorgesehene Kapazität von 20m — wo wird dieser Platz gewonnen?

Auch enthält die vorgesehene Andruckplatte keine Aussparung für den Greifer. Herr Prohaska war sich wohl nicht bewusst, wie das Kassettensystem exakt funktionierte und verbesserte „auf Sicht“ — so sind Tungsten- und Empfindlichkeitskerbe für ihn auch nur „Ausnehmungen zur Aufnahme mechanischer Teile der Filmkamera“. Vermutlich hätte er sie sonst verstellbar ausgelegt.

Zu guter letzte fehlt der Erfindung die Ratsche des Aufwickelkerns. Nähme man diese Kassette aus der Kamera, würde der Aufwickelkern weit aufschnurren, ein Transport des Filmes wäre also (zum Beispiel nach einer vorgesehenen Rückspulung) nicht mehr gewährleistet.

Agfa Moviechrome 40 entwickeln

Agfa Moviechrome 40 entwickeln

In meinem Kellerregal lagert noch eine ansehnliche Zahl abgelaufener AGFA Moviechrome 40 Super 8 Filme, vor allem jener Version in weisser Schachtel mit blauem Streifen. Da diese Filme Ende der 80er als 3er „Economy Pack“ für zusammen ca. DM 30,- verschleudert wurden, sind sie noch relativ häufig anzutreffen. In meinen Vorräten befinden sich mehr als ein Dutzend dieser Filme aus der gleichen Charge, abgelaufen 10/91, Einhaltung der Lagerbedingungen vollständig unbekannt.

Weiterlesen

Schwarzweissfilm entwickeln ohne Schwefelsäure

Schwarzweissfilm entwickeln ohne Schwefelsäure

Keine ungefährliche Chemikalie!

Keine ungefährliche Chemikalie!

 

Martha Jurksaitis vom Künstler-Filmlabor Cherry Kino im englischen Leeds hat eine Erfolgsmeldung auf ihrem Blog: Es ist ihr gelungen, Kodak Tri-X-Schwarzweissmaterial ohne klassisches Schwefelsäurebad als Umkehrfilm zu entwickeln. Auf der Website www.photosensitive.ca fand sie einen Alternativprozess mit Natriumhydrogensulfatlösung und Kaliumdichromat. Natriumhydrogensulfat ist eine verbreitete Lebensmittelchemikalie, Kaliumdichromat allerdings laut Wikipedia „sehr giftig, brandfördernd, umweltgefährlich, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend und krebserzeugend“. Weil das Natriumhydrogensulfat als Pulver vorliegt, findet Jurksaitis diese Kombination dennoch sicherer als das Schwefelsäurebad, mit dem Schwarzweissfilm beim Umkehrentwickeln normalerweise gebleicht wird.

Hier ihr Rezept:

  • Erstes Entwickelbad: D-19, 7 Minuten
  • Spülen
  • Bleichen: 65g Natriumhydrogensulfat/Liter + 10g Kaliumdichromat/Liter, 3 Minuten
  • Spülen
  • Reinigungsbad: 50g Natriumsulfit/Liter, 1 Minute
  • Spülen
  • Film mit Lichtquelle neubelichten
  • Zweites Entwickelbad: D-19, 4 Minuten
  • Spülen
  • Fixierbad
  • Spülen, 15 Minuten

Und fertig. Übers Ergebnis schreibt Martha Jurksaitis: „It has come out beautifully.“

 

Selbstgebaute Trockner-Vorrichtung für Schmalfilm

Selbstgebaute Trockner-Vorrichtung für Schmalfilm

Für das Selbstentwickeln von Schmalfilm ist der Lomo-Tank ein praktikables Werkzeug.
Das abschliessende Trocknen des Films ist damit jedoch nicht gelöst.

Im Prinzip kann der Film zwar nach Ende des Entwicklungsprozesses im Spiraleinsatz des
Lomo-Tanks verbleiben und darin abtrocknen (ich nehme dazu die obere Spiral-Hälfte ab), der Trocknungsvorgang dauert dabei aber recht lange und die Spirale ist in dieser Zeit für weiteres Filmentwickeln nicht verfügbar.
Zudem besteht nach dem Abnehmen der oberen Spiral-Hälfte vor allem bei 16mm breitem Film die Gefahr, daß der feuchte Film stellenweise zusammenklebt.

Weiterlesen

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13