
Beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt sind auf Super-8 gedrehte Filme Tradition und auch im 60 Jubiläumsjahr von Super-8 nach wie vor sehr willkommen. Wie jedes Jahr bildete auch diesmal der Super-8-Wettbewerb publikumswirksam zur “Prime-Time” am Samstagabend den Hauptprogrammpunkt zum Thema Schmalfilm.
Nachdem 2023 nur vier Super-8-Filme den Wettbewerb untereinander entschieden, sah vielleicht manch einer schon das Ende der echten Super-8-Filmprojektion in Weiterstadt gekommen. Im Jahr 2024 aber waren es wieder acht Stück und dieses Jahr immerhin sieben Filme, die als projektionsfähiges Super-8-Original zu sehen waren (2022 war sogar die Kopie eines auf Super-8-Negativmaterial gedrehten Films zu sehen)
Denn in Weiterstadt wird beim Super-8-Wettbewerb ganz traditionell nur mit Filmprojektor vorgeführt. Alle Filme waren auch mit Ton – zum Teil von Magnetpiste, zum Teil mehr oder weniger synchron von einer separaten Tonquelle eingespielt.

Die Quantität der Filme stimmt also wieder. Und gern schliesse ich mich dem hoffnungsvollen beim Q&A geäusserten Wunsch der beiden Wettbewerbsteilnehmer Norbert Bouchon und Michael Lücker nach doppelt soviel Wettbewerbsbeiträgen im nächsten Jahr an!
Nur leider die Qualität der Beiträge konnte mich dieses Jahr nicht ganz überzeugen.
Der Super-8-Wettbewerb in Weiterstadt ist ein Publikumswettbewerb und den ersten Preis gewann dieses Jahr stimmenmässig mit großem Abstand – wieder einmal- das Filmemacher-Duo Manuel Francescon und Michael Sommermeyer, die seit Jahren als Dauergäste erfolgreich beim Super-8-Wettbewerb vertreten sind. Ihr Gewinnerfilm “Der Plot” wurde großteils während eines zurückliegenden Festivals direkt am Festivalgelände in Weiterstadt gedreht und wurde auch speziell für den Super-8-Wettbewerb in Weiterstadt gedreht, mit dem konkreten Ziel, den Wettbewerb zu gewinnen – so haben es die beiden Filmemacher bei Ihrer Werkschau bei den Dresdner Schmalfilmtagen 2023 selbst ganz direkt formuliert. Der Film handelt von den Schwierigkeiten als Super-8-Filmer einen geeigneten Plot zu finden. Er war in der Tat “der beste Film” des Wettbewerbs und durchaus witzig. Schon während der Projektion war an den Publikumsreaktionen erkennbar, das hier gerade der Anwärter auf den ersten Platz läuft. Der kreativ-künstlerische Ansatz hinter einer derart auf ganz bestimmten Erfolg kalkulierten Arbeit erschliesst sich mir -selbst Super8-FIlmemacher- allerdings nicht.
Der zweite Preis ging an “The Foodtaster” von Magnus Irvin, ebenfalls seit vielen Jahren immer wieder in Weiterstadt mit Super-8-Filmen zu Gast. Der Film ist eine Art Super-8-Trash-Version der derzeit im “großen Kino” laufenden “Vorkosterinnen” . Der relativ lange Film (fast 10 Minuten) beeindruckt durch kreative Besetzung (eine weibliche Darstellerin als Hitler), gelungene Kostümierung und Ausstattung, gekonnter (Kunst-)Lichtgestaltung und interessanter Einbeziehung von animierten Sequenzen. Leider wird die grausig- lächerliche Gestalt Hitlers allein an sehr derben Flatulenz-Humor festgemacht -für meinen Geschmack etwas zu pubertär und dem Thema nicht ganz gerecht werdend. Magnus Irvin ist bekannt für seinen schrägen Humor, aber hier hat er ihn zu einseitig auf Blähungen abgestellt.
Als dritter Preisträger wurde vom Publikum der found-footage-Film “Diode 1” von Markus Mischkowski gewählt. Ein alter stummer FWU-Lehrfilm über die Funktionsweise von Leuchtdioden wird mit moderner Musik kombiniert. Der Soundtrack wurde sehr gut ausgewählt und passt in der Tat hervorragend zum jahrzehnte älteren Filmbild. Es fehlt allerdings der filmerisch-kreative Eigenanteil, um dies als eigenes neues Werk, als “einen Film von” zu definieren. Sei es in Form von Kombination bzw. in Beziehung mit oder Kontrastsetzung zu anderem found-footage-Material oder einer sonstigen irgendwie gearteten “eigenen” Bearbeitung des found-footage-Materials.
Die Qualität der übrigen Filme war leider ähnlich durchwachsen wie die der Preisträger-Filme.
Und auch die Super-8-Projektion konnte wie bereits die letzten Jahre im Vergleich mit den vorher und nachher auf der selben Leinwand gezeigten Beamer-Projektionen nicht mithalten. Bei einer Projektionsentfernung von ca. 30 Metern und einer Leinwandhöhe von ca. 5 m sind auch die 500 W Lichtleistung (oder sind es sogar 1000 ?) des Fumeo-Projektor-Boliden nicht mehr ausreichend. Das unvermeidliche Restlicht auf dem Open-Air-Gelände oder Fremdlicht hinter der Leinwand ( Autoscheinwerfer während eines Kurzfilms!) tun dazu ein übriges. Für den unbedarften Festivalbesucher stellt sich das Super-8-Bild dadurch dar, wie es nicht ist bzw. nicht sein muss: dunkel, flau und leicht unscharf…. Ich kann dem Veranstalter-Team nur raten, hier nach anderen Projektions-/Präsentationskonzepten zu suchen. Vielleicht kann das 50-jährige Festivaljubiläum dazu ein Anlass sein.
Das Super-8-Projektion im geeigneten Rahmen auch den filmischen Laien durchaus überzeugen kann, zeigte eine Veranstaltung vor dem Open-Air am frühen Samstagabend im Kommunalen Kino in Weiterstadt:

Anlässlich des 60-jährigen Super-8-Jubiläums zeigte der aus dem nahen Frankfurt stammende Filmemacher Enrico Corsano ein etwas mehr als einstündiges bunt gemixtes Programm aus eigenen und Filmen befreundeter Super-8-Filmer, alten Super-8-Werbefilmen und Trailern von Kauffilmen. Für die wenigen Super-8-Laien unter den Zuschauern gab es zu Beginn noch eine kleine Einführung in die Geschichte von Super-8. Das Kino mit 70 Plätzen hatte für diese Veranstaltung die ideale Größe. Die beiden im Saal aufgebauten Bauer-Studioklasse-Projektoren waren angenehm leise und konnten mit ihren 150W-Halogenleuchtmitteln die Programmkino-Leinwand auf volle Höhe mit ausreichend Helligkeit versorgen.
Weitere auf Super-8- und auch auf 16mm gedrehte Filme gab es auch im “regulären” Programm, sowohl nachmittags im Filmzelt als auch abends bei den Open-Air-Vorstellungen zu entdecken. Diese Filme wurden allerdings alle als digitale Projektion gezeigt. Auffallend viele dieser Schmalfilme waren dabei dem Genre des found-footage-Films zuzurechnen. So war auch ich mit einem found-footage-Film am Samstagnachmittag im Filmzelt vertreten. In meinem Fall würde auch ein projektionsfähiges Super-8-Original mit Magnettonspur zur Verfügung stehen. Die digitale Projektion zwischen all den anderen digital gedrehten Filmen ist mir allerdings aus oben geschilderten Gründen mittlerweile fast lieber. Das ganz besondere Gefühl, welches man als Filmemacher bei der Projektion des Super-8-Originals vor großem Publikum hat ist dabei allerdings nicht mehr vorhanden….








Related Posts