Filmtrocknung, hemdsärmelig

Filmtrocknung, hemdsärmelig

2013-08-26 at 17.36

Salatscheleudern, Blumentöpfe und Badezimmerlüfter… nicht unbedingt typisches Gerät für die Dunkelkammer. Trotzdem sinnig und praktisch, was hier in Frankreich erdacht wurde: Zwei PDF-Dateien zeigen Vorrichtungen zur schnellen, schonenden und staubarmen Trocknung von 15m 8mm Film in der Lomo-Spirale und 30m 16mm Film in der Jobo-Spirale.

Man kann und sollte das ganze natürlich noch etwas sauberer aufbauen als hier gezeigt, vermutlich haben die gezeigten Geräte einfach schon einige Kilometer Film auf dem Buckel.

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Praktischer Trockenturm, offensichtlich dem ultraseltenen Jobo-Original nachempfunden

Praktischer Trockenturm, offensichtlich dem ultraseltenen Jobo-Original nachempfunden

Elektronik, dei man durchaus VDE-gerechter auslegen kann und sollte

Elektronik, dei man durchaus VDE-gerechter auslegen kann und sollte

Noch seltener als die Jobo-Entwicklungsspulen ist der Jobo Trockenturm

Noch seltener als die Jobo-Entwicklungsspulen ist der Jobo Trockenturm

Das Prinzip ist gut, die Ausführung kann man besser (und sicherer) machen. Bastler vor, wer zeigt die ersten Fotos eines VDE-konformen Nachbaus?

Trockentrommel für 16mm Filme bis 61m

Trockentrommel für 16mm Filme bis 61m

Wer mit 16mm oder auch den 30,5 Rollen DS8-Material filmt und selbstentwickelt, kennt das Problem: Diese unendliche Bandnudel will sauber getrocknet werden. Im folgenden beschreibe ich den Aufbau einer einfachen Trockenvorrichtung, die nicht nur wenig kostet und an einem Nachmittag zusammengebaut ist, sondern die sich auch noch sehr platzsparend – zusammengeklappt – verstauen lässt.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Beginnen wir mit der Einkaufsliste:

[list type=”check”]
[li]Leimholzplatte 80x40cm[/li]
[li]Leimholzplatte 80x20cm[/li]
[li]4 Rundstäbe Buche 18mm[/li]
[li]1 Rundstab Buche geriffelt (6mm, als Holzdübel)[/li]
[li]1 Rundstab Buche als Achse (z.B. 25mm)[/li]
[li]4 Kantholzstäbe Buche (13x18x1000 mm)[/li]
[li]4x1m Heizungsrohr-Isolierung (innen 18mm, aussen etwa 40mm)[/li]
[li]50cm Klavierband (so nennt man diese langen Scharniere)[/li]
[li]Ponal, ein paar Schrauben[/li]
[/list]

Die Materialien, die zur Konstruktion mindestens benötigt werden

Die Materialien, die zur Konstruktion mindestens benötigt werden

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Die Kanthölzer werden abgelängt. Zwei sind etwas länger als die beiden anderen (warum, sieht man unten)

Die Kanthölzer werden abgelängt. Zwei sind etwas länger als die beiden anderen (warum, sieht man unten)

Jeweils zwei gleichlange Kanthölzer werden aufeinander gelegt und senkrecht durchbohrt (6mm). So erhält man später einen gerade Rahmen.

Jeweils zwei gleichlange Kanthölzer werden aufeinander gelegt und senkrecht durchbohrt (6mm). So erhält man später einen gerade Rahmen.

Alle vier Kanthölzer werden auch exakt mittig durchbohrt. Hier kommt später die Achse hin.

Alle vier Kanthölzer werden auch exakt mittig durchbohrt. Hier kommt später die Achse hin.

Nun baut man zwei Rahmen. Die Querstreben sind aus den 18mm Rundhölzern. Die Gesamtlänge des größeren Rahmens sollte so bemessen sein dass sie etwas schmaler ist als die Grundplatte (bei mir ist die Grundplatte 80cm, also der Rahmen 76cm breit). Die Gesamtlänge des inneren Rahmens sollte so bemessen sein, dass er genau in den größeren passt.

Nun baut man zwei Rahmen. Die Querstreben sind aus den 18mm Rundhölzern. Die Gesamtlänge des größeren Rahmens sollte so bemessen sein dass sie etwas schmaler ist als die Grundplatte (bei mir ist die Grundplatte 80cm, also der Rahmen 76cm breit). Die Gesamtlänge des inneren Rahmens sollte so bemessen sein, dass er genau in den größeren passt.

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Ich habe hier mit Ponal vorgeleimt und dann mit eingeleimten Holzdübeln verbunden. Ich mag Holzdübel lieber in Stirnholz als Schrauben... ist aber Geschmacksache.

Ich habe hier mit Ponal vorgeleimt und dann mit eingeleimten Holzdübeln verbunden. Ich mag Holzdübel lieber in Stirnholz als Schrauben… ist aber Geschmacksache.

Hier der eine Rahmen, noch "unten offen". Das ist wichtig, denn vorm Zusammenkleben sollte man die Rohrisolierungen aufschieben. Sie lassen sich sehr leicht mit dem Cuttermesser ablängen.

Hier der eine Rahmen, noch “unten offen”. Das ist wichtig, denn vorm Zusammenkleben sollte man die Rohrisolierungen aufschieben. Sie lassen sich sehr leicht mit dem Cuttermesser ablängen.

Hier die aufgeschobenen Isolierungen kurz vorm Verleimen.

Hier die aufgeschobenen Isolierungen kurz vorm Verleimen.

Voilá! Hier sieht man beide Rahmen fertig verleimt und ineinadner gelegt.

Voilá! Hier sieht man beide Rahmen fertig verleimt und ineinadner gelegt.

Dies wird die Achse. Ich habe mir Muttern in die Enden versenkt, damit ich die Achsauflagen aus einfachen Schlossschrauben machen kann.

Dies wird die Achse. Ich habe mir Muttern in die Enden versenkt, damit ich die Achsauflagen aus einfachen Schlossschrauben machen kann.

Hier sind nun Rahmen und Achse mit den zwei Schlossschrauben miteinander verbunden. Der Rahmen nimmt flach zusammengelegt kaum Platz weg. Faltet man ihn nun auf, kann manden bis zu 61m 16mm Film draufwickeln (Schicht nach aussen natürlich)

Hier sind nun Rahmen und Achse mit den zwei Schlossschrauben miteinander verbunden. Der Rahmen nimmt flach zusammengelegt kaum Platz weg. Faltet man ihn nun auf, kann manden bis zu 61m 16mm Film draufwickeln (Schicht nach aussen natürlich)

Hier sieht man die Halterung entstehen. Die Seitenwände (auf denen die Trommel dann liegen kann) lassen sich einfach umklappen. Die Kurzen Flügel schützen sie einfach vorm umkippen unter Last.

Hier sieht man die Halterung entstehen. Die Seitenwände (auf denen die Trommel dann liegen kann) lassen sich einfach umklappen. Die Kurzen Flügel schützen sie einfach vorm umkippen unter Last.

Die Grundplatte nebst Halterung lässt sich flach zusammenlegen, die “Trommel” selber eben auch. Beides klässt sich so prima irgendwo verstecken wenn man es nicht braucht — und in einem Müllsack o.ä. auch staubfrei aufbewahren.

Die Trockenvorrichtung zusammengefaltet. So verschwindet sie, in einem Müllsack vor Staub geschützt, leicht unter einem Bett oder hinter einem Schrank.

Die Trockenvorrichtung zusammengefaltet. So verschwindet sie, in einem Müllsack vor Staub geschützt, leicht unter einem Bett oder hinter einem Schrank.

Die Seitenwände aufgestellt, das Trockenkreuz aufgeklappt. Ein bisschen Platz braucht man so auf dem Tisch schon.

Die Seitenwände aufgestellt, das Trockenkreuz aufgeklappt. Ein bisschen Platz braucht man so auf dem Tisch schon.

Diese kleine Klemme hält die "Streben der Trommel zuverlässig im rechten Winkel. Eine kleine Tesakreppschlinge hält sie ggf. fest.

Diese kleine Klemme hält die “Streben der Trommel zuverlässig im rechten Winkel. Eine kleine Tesakreppschlinge hält sie ggf. fest.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Die Trommel fasst 61m 16mm Film auf einmal, wenn man platzsparend wickelt.

Eine Heizung und/oder Motor hat diese Trommel (noch) nicht, geht aber auch gut ohne. Ich verwende eh gern chemische Trocknungshilfen (Mirasol oder ggf. auch mal Drysonal, wenn es schnell gehen soll)

Abwickelhilfe für den Lomo-Tank

Abwickelhilfe für den Lomo-Tank

Abwickelhilfe1

Wohl jeder Selbstverarbeiter kennt das – einer der hakeligsten Schritte bei der Entwicklung mit dem Lomo-Tank ist das abwickeln des noch nassen Filmes auf die Trockenvorrichtung der Wahl. Die nasse Emulsion flutscht nicht sonderlich willig aus ihrer Spur und gerade die Inneren Lagen bewirken beim Abwickeln doch eine beachtliche Beschleunigung der schweren Spindel.
Bisher hielt ich diese beim Abwickeln in der “hohlen Hand”, in der Tat kein ideales Lager, da aber der Winkel der Spindel zur Trockentrommel möglichst konstant gehalten werden muss um keine Emulsion an den Spulenrändern abzuscheren, irgendwie doch auch die einzig praktikable.

Das hat nun ein Ende: Ich habe mir eine kleine Abwickelhilfe erdacht, die man mit wenig Geschick in einer halben Stunde nachbauen kann.

Benötigt wird:

  • ein (gern altes, gebrauchtes, ausgeschlachtetes) Kugellager – einzige Anforderung ist, dass es noch einigermaßen leicht dreht und der Innendurchmesser größer ist als der des Spindeldorns des Lomo-Tanks (an welchem man während der Entwicklung für Drehung sorgt)
  • Ein paar cm Schrumpfschlauch, der etwa auf den Durchmesser des Spindeldorns gebracht wird
  • Epoxydharz und Powerknete
  • Ein geeignetes “Handstück”, bei mir die alte Verpackung eines Forstner-Bohrers

Zunächst schiebt man den Schrumpfschlauch auf den Spindeldorn und schrumpft ihn mit dem Heissluftföhn so, dass er eine schlüssige Aufnahme für den Spindeldorn wird. Anschliessend befestigt man diese Aufnahme mit Powerknete zentrisch im Kugellager. Nach deren Aushärtung sollte man noch mit Epoxydharz verfüllen, um die Scherkräfte besser aufzunehmen. Dabei darf natürlich keine Kleber ins Kugellager gelangen!

Im zweiten Schritt befestigt man das Kugellager auf dem hohlen Handstück (Auch hier wieder: Zwei-Komponenten-Kleber ist sehr gut geeignet).
Fertig!

Nach der letzten Wässerung lässt sich die gesamte, beladene Lomo-Spirale jetzt einfach kopfüber auf das Handstück stecken und der Film sich ohne Kraftaufwand und wechselnde Zugbelastungen abwickeln.

Abwickelhilfe2

Wirkt Wunder – zur Nachahmung empfohlen!