Archives November 2013

Sensational: a new Super 8 camera from Denmark

Sensational: a new Super 8 camera from Denmark

A one-of-a-kind machine: the Logmar camera with matte box and external TFT viewfinder. You can still spot the 3D-printed parts.

Translation: Florian Cramer (Originalartikel hier.)

Tommy and Lasse are 63 and 30 years old. They are father and son, and they’ve always bonded over ambitious tech projects. Tommy is an expert mechanic, a crack on the lathe who knows everything about any kind of material. He can manufacture parts that he has in mind just so. Lasse’s expertise is even more microscopic than precision mechanics: He’s an engineer of bits and bytes. As a researcher and consultant, he develops complex micro controller applications, from chip design to full-fledged systems. Fifty years ago, Tommy became an amateur filmmaker, back then on Double 8mm with an Olympus Pen camera. Even today, long after the Olympus had been superseded by a Chinon Super 8 camera, he always keeps a fresh film cartridge in his refrigerator. Lasse has designed the hard- and software of highly complex micro controller systems for more than a decade. Motor control is his particular area of interest.

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Sensation: Neue Super 8 Kamera aus Dänemark

Sensation: Neue Super 8 Kamera aus Dänemark

Macht was her: Die Logmar-Kamera mit Kompendium und aufgesetztem Suchermonitor. Hier sind in grau noch deutlich die Teile aus dem 3D-Drucker zu erkennen

(English version here.)

Tommy und Lasse sind Vater und Sohn, 63 und 30 Jahre alt. Schon immer waren sie durch ambitionierte, technische Projekte besonders verbunden. Tommy ist Mechanikermeister mit großer Erfahrung, spielt virtuos die Drehbank, kennt jedes Material und dessen Eigenheiten, verteilt Kräfte und fertigt die Einzelteile die ihm in den Sinn kommen einfach mal eben aus dem Vollen. Lasses Domäne ist noch feiner als die Feinmechanik: Er ist ein Bit-Dompteur, entwickelt komplexe Mikrocontrolleranwendungen – vom Chipdesign bis zur kompletten Lösung; forschend und beratend. Tommy begann schon vor 50 Jahren zu filmen, seinerzeit mit einer Olympus Pen auf Doppel-8, auch heute hat er noch stets eine frische Rolle Film im Kühlschrank, auch wenn die Super 8 Kamera von Chinon die Olympus irgendwann weitgehend ablöste. Lasse ist seit zehn Jahren dabei, Hard- und Software spezialisierter Steuerungssystem zu entwerfen. Gerade die Motorsteuerung hat es ihm angetan.

Tommy und Lasse sind Logmar, Logmar begann als Firma 2009 in Lasses Haus in Aalborg. Heute steht in den Firmenräumen eine CNC-Fräse, ein MakerBot 3D-Drucker, ein SMD Bestückungsautomat und sogar eine Reflow-Maschine zur professionellen Fertigung von Steuerplatinen mit hoher Bestückungsdichte. Eine große Kiste mit verworfenen Prototypen der Steuerplatinen deutet auf die Unermüdlichkeit und Akribie hin, die Vater und Sohn bei ihren Projekten verbindet.

Wir haben allein bei der Mechanik fünf mal komplett von vorne angefangen. Oder waren es acht mal? Ich habe aufgehört zu zählen.

Aber wie kam es überhaupt dazu, drei Jahrzehnte nach der letzten Neuvorstellung einer Super 8 Kamera nochmals eine solche zu erfinden? Angefangen hat alles mit der Krasnogorsk, der preiswerten, russischen 16mm Kamera voller zickiger Tücken. Tommy und Lasse haben für sie einst ein „Drop-in Replacement“ entwickelt, eine neue Platine, die von jedermann mit wenigen Handgriffen einfach das Innenleben des russischen Kastens ersetzen konnte. So bekam man auf einen Schlag einen ultragenauen Elektromotorantrieb, eine exakte Belichtungsmessung und eine moderne Stromversorgung. Trotz Marktreife starb das Projekt, bevor es auch nur angekündigt war: So gab es bereits Bequarzungslösungen und auch war die Qualitätsstreuung der Krasnogorsk-Kameras erheblich. Schnell wurde den beiden klar: Lieber gleich richtig machen, weg mit alten Zöpfen. Wenn schon modern, dann ganz.

Lasse wollte zunächst eine bessere Ikonoskop bauen. Heute ist er froh, dass nicht probiert zu haben, denn er hatte (ähnlich wie die Entwickler der Ikonoskop-Kamera auch) komplett unterschätzt, was für ein erheblicher Aufwand das gewesen wäre. Die Signalverarbeitung, das Bewegen der Datenmengen… dafür hätte die Zeit niemals gereicht, denn Logmar ist ein Nebenprojekt, und andere haben da einfach den längeren Atem. Alle 14 Tage erscheint eine neue, digitale Filmkamera. Der Markt ist umkämpft und breit besetzt. Beide wusste aber, wie viele Super 8 Kameras, Filme und Filmer es da draussen noch gibt – und alle müssen Kameras verwenden, die mindestens 30 Jahre alt sind und eine Menge Unzulänglichkeiten mitbringen. Damit war der Antrieb geboren, etwas anders zu machen als alle anderen: Eine neue, analoge Kamera zu bauen: Als erste Firma seit vielen Jahrzehnten!

Lasse wollte zunächst 16mm machen, denn „16 war einfach mehr als 8“. Irgendetwas aber sagte den beiden, dass 8mm die bessere Wahl wären. Super-16 stirbt schneller, als Super 8 es tut – und es gibt mehr Super 8 Kameras, mehr Super 8 Filmer, mehr Projektoren… und es ist bezahlbarer.

Unsere ganze Familie hält uns für vollkommen bekloppt. Nun, eigentlich tun das alle.

Lasse hat selber nie mit Super 8 gefilmt, seine erste Kamera war eine in den USA entstandene NTSC-Videokamera mit entsprechender Qualität. Was beiden bei Super 8 schon immer fehlte: Eine Lösung für einfachen, hochqualitativen Ton. Die leidgeprüften Schmalfilmer hatten bis heute immer nur die Wahl zwischen mieser Qualität und hoher Komplexität: Der Pistenton mit annähernd Mittelwellenqualität erlaubt seit langem keine Aufnahme von Liveton mehr, Zweibandverfahren sind so angestaubt wie kompliziert und anfällig. Eine moderne Lösung ist hier also ein echtes Novum.

Die ungeahnten Tonmöglichkeiten (unten dazu mehr) sind aber mitnichten das einzige Novum. Absolut einzigartig sind auch Filmantrieb und Filmschaltwerk, neben einem echten Sperrgreifer verfügt die Kamera auch über eine eigene, feste Andruckplatte und eine kombinierte Vor- und Nachwickelrolle sowie einen Haufen Technik, den es in früheren Kameragenerationen schlichtweg noch nicht gegeben hat.

Aus innerem Antrieb

Fangen wir ganz innen an: Beim Kameramotor. Auffallend ist zunächst, wie ungewohnt leise er läuft, ein souveränes, gesundes Summen. Erstaunt bemerke ich dann, dass sich die Bildrate im Menü auf vier (!) Stellen hinterm Komma einstellen lässt und frage verwundert nach, wie das sein kann. Lasse erklärt: Der Antriebsmotor ist ein Gleichstrommotor von Maxon, wie er auch im Mars Rover verwendet wird — vom feinsten also. Andere Motoren wie zum Beispiel von Faulhaber erfüllten die hohen Ansprüche der beiden Dänen nicht. Geregelt wird er über eine komplett autarke Regelelektronik, die unabhängig von der sonstigen Kameraelektronik für unerreicht hohe Präzision sorgt: Eine PLL, getaktet von einem 100 MHz DDS, sorgt für erreichen der korrekten Umdrehungszahl in wenigen Millisekunden und absolut exaktes Einhalten der Bildfrequenz vom ersten bis zum letzten Bild. Die Fehlerrate nach 10 Sekunden Motorlauf beträgt unter 0,0003 fps – das entspräche einem einzelnen Frame Abweichung nach 90 Minuten Filmen, was aber dank PLL Nachregelung nicht entsteht.

Die Umlaufblende lieferte hier drei Impuls pro Umdrehung. Bei eingestellten 25 fps wurden über 10 Sekunden also 25.000248  fps erreicht.
Die Umlaufblende lieferte hier drei Impuls pro Umdrehung. Bei eingestellten 25 fps wurden über 10 Sekunden also 25.000248 fps erreicht.

[alert type=“info“]Ein DDS (Direct Digital Synthesizer) ist ein Baustein, der mit absoluter Präzision beliebige Frequenzen erzeugen kann. Anders als ein Quarz hat er keine feste Frequenz auf der er schwingt, sondern kann in feinsten Stufen programmiert werden. Die PLL (Phase Locked Loop, auch Phasenregelkreis genannt) sorgt, vereinfacht gesagt, für eine exakte Zwangskopplung der Eingangsfrequenz des DDS und der gewünschten Bildfrequenz der Kamera. Die Sollgeschwindigkeit ist dadurch schon nach Bruchteilen eines Millimeters erreicht und wird zwangsläufig permanent vollkommen exakt eingehalten. Herkömmliche Quarzsteuerungen brauchen oft mehrere Sekunden, bis der Regelkreis „locked-in“ ist, bei der Logmar-Kamera ist alles vom ersten bis zum letzten Bild eines Takes lippensynchron.
[/alert]

Der eingesetzte Motor ist so kräftig und präzis, dass er locker Bildfrequenzen bis 100 B/s regeln könnte – allerdings kann nicht nicht garantiert, dass die Mechanik und auch der Film derartigen Stress lange mitmachen würden. Vorerst wird die Logmar Kamera daher mit Firmwareseitig festgelegten 54 B/s Maximalfrequenz auf den Markt kommen.

Schlaufenformer

Genauso besonders wie der Antrieb ist die Filmführung der Logmar-Kamera. Ähnlich wie bei den ultra-seltenen Hochgeschwindigkeitskameras der Firma Mekel wird die kassetteneigene Andruckplatte von einem Mechanismus eingedrückt und beim Einlegen eine Filmschlaufe aus der Kassette gezogen, damit der Film den Weg einer klassischen Filmführung geht. Hierdurch werden nahezu alle Nachteile der Super 8 Kassette eliminiert, Kassettenklemmer sind ausgeschlossen, der Bildstand könnte nicht perfekter sein, selbst bei störrischem und nicht normgerechtem, unflexibelem Material.
An der unteren Filmschlaufe befindet sich eine Notabschaltung. Verschwindet die Schlaufe, zum Beispiel bei Filmende oder auch bei Blockaden, stoppt der Kameramotor umgehend.

Kennt man nur von Mekel: Eine echte Zahntrommel in einer Super-8 Kamera
Kennt man nur von Mekel: Eine echte Zahntrommel in einer Super-8 Kamera

Greifer

Eine beachtliche Konstruktion ist auch das Filmschaltwerk der neuen Kamera. So verfügt die Filmbühne nicht nur über eine kameraseitige, feste Andruckplatte aus anodisch oxidiertem Aluminium, sondern auch über einen echten Sperrpin. Diese Konstruktion geht sogar über die Schlepphebel hinaus, die eine Nikon R10 zur Verbesserung des Bildstandes benutzt: Der Sperrpin fixiert das Bild bombenfest während der gesamten Zeit, in der der Umlaufverschluss Licht auf den Film lässt. So ist ein bestmöglicher Bildstand garantiert. Der Sperrpin ist dabei übrigens so bemessen, dass er den Film spielfrei im Perfoloch fixiert. Der Testfilm beweist wie gut das funktioniert: Dreht man den Bildstrich in den sichtbaren Bereich, bewegt er sich auch bei Projektion mit 2m Diagonale kein bisschen. Einen solchen Bildstand hat es noch bei keiner 8mm Kamera gegeben, nicht einmal bei den besten DS8-Kameras aus der Schweiz. Das Bildfenster des Prototyps ist übrigens breiter als bei Super 8 Kameras üblich, ähnlich wie Max 8 — „so breit wie es geht“, sagt Tommy. Zudem hat es leicht abgerundete Ecken. Ob das bei den Filmfenstern der Serienkameras auch so sein wird, bleibt abzuwarten.

Sucher

Ebenso einzigartig ist das Suchersystem der Logmar-Kamera. Es ähnelt im Aufbau dem Beaulieu-Mechanismus, hat aber nur einen Verschlussvorhang. So blickt man mit dem Sucher durch die Optik und hat keinerlei Parallaxenprobleme, gleichzeitig kommen 100% des Lichts auf den Film, da kein Prisma zur Ausspiegelung des Sucherbildes vorhanden ist. Aich fehlen kameraseitige Einschwenkfilter, was der Qualität erneut zuträglich ist. Anders als in quasi allen anderen Super 8 Kameras befindet sich zwischen dem aufgesetzten Objektiv und der Filmemulsion zum Zeitpunkt der Belichtung tatsächlich nichts als eine durchgängige Luftschicht! Gleichzeitig bedeutet es, dass man ein helles und großes Sucherbild hat, das auch in großer Dunkelheit vollumfänglich zur Einstellung der Schärfe reicht. Das Sucherbild ist dabei sogar beliebig groß, denn statt einem optischen Sucher gibt es eine kleine CCD-Kamera, die das Sucherbild auf einen Monitor zaubert. Die Logmar hat hierzu nun seitlich ein schwenk- und drehbares LCD-Display fest angebracht, wie man es von digitalen Videokameras kennt. Das das Videosignal nach aussen geführt ist, lässt sich auch ein Kontrollmonitor oben auf der Kamera montieren. Ebenfalls möglich ist das anschliessen eines großen (u.U. weit entfernten) Kontrollbildschirms oder auch ein Aufzeichnen oder Senden des digitalen Sucherbildes, natürlich nur in SD-Qualität. Dem Video-vertrauten wird es fremd vorkommen, dass das Sucherbild während der Aufnahme mit der gewählten Bildfrequenz flackert, der erfahrene Beaulieu-Filmer hingegen fühlt sich sofort zuhause.

Anders als der erste Prototyp enthält die Kamera kein dediziertes, monochromes LC-Display für die möglichen Einstellungen mehr. Alle Einstellungen lassen sich jetzt komfortabel per Knopf und Drehrad über ein On-Screen-Display tätigen. Auch sind alle wichtigen Einstellungen wie Bildrate, Akku-Füllstand und ähnliches so jederzeit im Blick.
Selbstverständlich ist auch ein Einzelbildzähler vorhanden, der sowohl bereits belichtete als auch noch verbleibende Frames einer Kassette anzeigen kann. Da die Kamera bei Kassettenende abschaltet, verschenkt man kein einziges Filmbild und verliert zugleich keine irrtümlich auf „Exposed“ belichtete Szene. Alternativ zum Einzelbildzähler kann der Sucher auch den Filmverbrauch bildgenau in Metern anzeigen.

Neu: Erster Prototyp des seitlich angebrachten, schwenkbaren Sucher-Monitors. Alle grünlich-grauen Teile an der Kamera sind PLU-Prototypen die dem 3D-Drucker entstammen. Sie werden in der finalen Version natürlich aus Aluminium oder hochwertigen Kunststoffen gefertigt sein.
Neu: Erster Prototyp des seitlich angebrachten, schwenkbaren Sucher-Monitors. Alle grünlich-grauen Teile an der Kamera sind PLU-Prototypen die dem 3D-Drucker entstammen. Sie werden in der finalen Version natürlich aus Aluminium oder hochwertigen Kunststoffen gefertigt sein.

Belichtungsmessung

Und doch hat die Kamera ein Prisma als Strahlenteiler: Allerdings erst hinter der Ausspiegelung. Mit diesem wird ein Teil des Lichtes auf eine Photodiode abgezweigt, die für präzise TTL-Belichtungsmessung zuständig sein wird. Im begutachteten Modell war der Belichtungsmesser noch nicht fertig implementiert, dem Profi macht aber ja auch die Benutzung eines externen Handbelichtungsmessers nichts aus. Geplant ist eine Nachführbelichtungsmessung, die auch die gewählte Bildwiederholrate berücksichtigt.
Der Hellsektor der Umlaufblende hat derzeit übrigens 180°, was aber auch noch einfach zu ändern wäre. Eine verstellbare Sektorenblende ist nicht vorgesehen, der konstruktive Aufwand ist schlichtweg zu hoch.

Gehirn

Bemerkenswert und zudem für die hohe Flexibilität und die vielen Möglichkeiten verantwortlich ist das Herzstück der neuen Kamera: Der ARM Cortex M3 als Mikrocontroller ist ein ausgesprochen leistungsfähiges und komplexes Multitalent. Der Anwender bekommt davon nichts mit, wird sich aber über die einfachen, mächtigen Funktionen und zukünftige Weiterentwicklungen der Kamera durch Updates der Firmware freuen. Der ARM-Microcontroller ist koordinierendes Herzstück für eine ganze Anzahl verschiedener, spezialisierter Baugruppen. So stellt er das OSD (On Screen Display, die Menüsteuerung der Kamera), steuert die Regeleinheit zur Bildrate, bedient den USB-Anschluss, lauscht und verwaltet WLAN-Verbindungen, koordiniert den Audio-Teil (siehe unten), regelt die Belichtungsmessung und dergleichen mehr.

Eine von vielen Revisionen der Hauptplatine: Zu sehen sind u.a. Wifi-Chip, SD-Kartenleser, der Scilab ARM Mikrocontroller, JTAG-Anschluss, DDS und PLL zur Motorsteuerung, der Chip für das On-Screen-Display und der Sanyo Motortreiber, der ohne Kühlkörper 24W Leistung schafft.
Eine von vielen Revisionen der Hauptplatine: Zu sehen sind u.a. Wifi-Chip, SD-Kartenleser, der Scilab ARM Mikrocontroller, JTAG-Anschluss, DDS und PLL zur Motorsteuerung, der Chip für das On-Screen-Display und der Sanyo Motortreiber, der ohne Kühlkörper 24W Leistung schafft.

Auch wenn früher schon Elektronik zur Steuerung verschiedener Kamerafunktionen zum Einsatz kam, so ist eine echte Mikrocontroller-Architektur wie hier doch etwas völlig anderes. Da fast alle relevanten Mess-, Steuer- und Regelvorgänge auf Software basieren, lassen sich durch Updates der Firmware nicht nur Fehler beheben sondern auch völlig neue Funktionen schaffen. Die Logmar ist diesbezüglich sehr gut aufgestellt, da sie mit USB und Wifi für die Außenwelt sichtbar wird und die Architektur sehr offen für Erweiterungen ist.

Liveton

Kernkompetenz und deutlichstes Alleinstellungsmerkmal der Logmar-Kamera sind wohl die Liveton-Möglichkeiten, die es so bei Super 8 Film noch nie gegeben hat.
Für den Anwender könnte es kaum simpler sein: Man steckt einfach eine handelsübliche SD-Karte oben in die Kamera. Pro Take enthält man dann eine alleinstehende, lippensynchrone Audio-Datei, deren Dateinamen den Aufnahmezeitpunkt nebst aktuellem Datum enthält. Nach der Aufnahme schliesst man die Kamera an den Computer an oder liest die Speicherkarte direkt aus — die Audiodateien müssen dann im Bearbeitungsprogramm nur noch unter die digitalisierten Spuren gezogen werden (oder für Kopieren auf Pistenton hintereinander gekoppelt) – fertig!

Auch hier wurde Nägel mit Köpfen gemacht: Herzstück ist das Audio-Multitalent 1063 der finnischen Chip-Schmiede VLSI. Dieses kleine Multitalent kann nicht nur Audiodateien in allen erdenklichen Formaten wiedergeben, es kann sie auch in höchster Qualität encodieren und mit 16 Bit und bis zu 48 kHz Samplingrate aufnehmen. Auch der VLSI-chip ist von hoher Erweiterbarkeit: So unterstützt er DSP-Plugins, Echtzeit Audio-Analyse, verschiedene Samplingraten und arbeitet dank Wallclock mit extrem hoher zeitlicher Präzision. Lasse arbeitet noch an Firmware-Änderungen, die Einstellung von Höhen und Tiefen sowie der Empfindlichkeit der automatischen Aussteuerung zulassen. Auch ein optionaler Audiokompressor mit variablem Attack ist vorgesehen, derlei Funktionen werden vermutlich über Firmware Updates sukzessive ausgebaut.

[alert type=“info“]Der derzeitige Prototyp enthält noch den Vorgängerchip 1053, der nur Dateien im Format Ogg-Vorbis erzeugen kann. Eine Umstellung auf den Nachfolger 1063 ist aber geplant, was auch Aufnahmen in MP3 oder unkomprimiertem 16-bit WAV Format erlaubt.
[/alert]

Eingangsseitig steht eine 3,5mm Klinkenbuchse für Mikrophon- oder Line-Pegel zur Verfügung, die Anpassung des Pegels geschieht automatisch. Den Profi erfreut eine XLR/6,3mm-Kombibuchse von Neutric, die auch gleich 48V Phantomspeisung erlaubt. Diese ist natürlich Kurzschlussfest. Die Wahl des Eingangs geschieht vollautomatisch, die Aussteuerung kann sowohl manuell (per Drehknopf, nicht per fummeliger Tipptasten) als auch manuell erfolgen. Der Liveton kann über einen Kopfhöreranschluss bequem kontrolliert werden, ausserdem wird der Audiopegel (nebst Übersteuerungsanzeige) direkt im On-Screen-Display des Sucherbildes angezeigt. So steht professionellen Livetonaufnahmen nichts mehr im Wege!

Anschluss gesucht: Hier die noch unbeschrifteten Buchsen zur Außenwelt und der außen angebrachte, leicht wechselbare Video-Akku
Anschluss gesucht: Hier die noch unbeschrifteten Buchsen zur Außenwelt und der außen angebrachte, leicht wechselbare Video-Akku

Und noch ein Schmankerl bietet die mächtige Sound-Option der neuen Kamera: Optional soll es bald möglich sein, Ton aufzuzeichnen, sobald die Kamera eingeschaltet wird. Nach wie vor wird pro Take eine neue Datei erzeugt, da die Aufnahmen aber lückenlos sind, entfällt effektiv der Fieldrecorder. Auch wenn man beim Livekonzert nur 10 Minuten Film belichtet, hat man trotzdem einen hochqualitativen Mitschnitt des gesamten Konzertes – inklusiv lippensynchronen Tons!

Stromversorgung

Die Logmar-Kamera gibt sich mit standardisierten 7,2V Akkus zufrieden, wie sie an vielen Videokameras verwendet werden. Diese sind schnell zu laden, preiswert, einfach erhältlich und dienen dank verschiedener erhältlicher Größen ggf. auch gleich als Ausgleichsgewicht für lange Objektive.
Erstaunlicherweise genügt dieser einzelne Akku, um die 5 verschiedenen Betriebsspannungen zu erzeugen, die die Kamera benötigt. So werden für die verschiedenen elektronischen Baugruppen 1,8V, 3,3V und 5V benötigt. Die Phantomspeisung des Mikrophoneingangs liefert normgerecht zweimal satte 48V. Der Kameramotor bekommt Betriebsspannungen zwischen 7 und 30V bei 24 Watt, um bei jeder Geschwindigkeit mit bestem Wirkungsgrad zu arbeiten — derlei Perfektionismus hat es bis dato in keiner Super 8 Kamera gegeben.

Ein großes Akkupack eignet sich gut zum ausbalancieren bei der Verwendung langer Objektive
Ein großes Akkupack eignet sich gut zum ausbalancieren bei der Verwendung langer Objektive

Besonderheiten

Das besondere Suchersystem der Logmar-Kamera bedingt ein paar besondere Verhaltensweisen, die dem Nizo- oder Bauer-gewöhnten Schmalfilmer zunächst unvertraut sein werden.
Zum einen ist der Kassettenwechsel natürlich ein wenig aufwendiger als bei normalen Kameras, da mal eine Filmschlaufe herausziehen und mit der Hand einfädeln muss. Auch verwendet die Logmar-Kamera glücklicherweise keinerlei Abtaster für Kassettenkerben, es bleibt also dem Anwender überlassen, Belichtung und ggf. Konversionsfilter korrekt einzustellen.

Zu bedenken ist auch, dass ein Entnehmen des Filmes aus der Kamera durch den Sperrpin erst möglich ist, wenn die Kamera „geparkt“ ist. Im derzeitigen Prototyp muss der Anwender das Parken des Sperrpins noch selbst im Menü initiieren, ansonsten hängt der Film fest. Für die Serienversion ist vorgesehen, dass der Sperrpin bei öffnen des Filmraums automatisch in Parkposition geht.

Da die Logmar-Kamera dank der einmaligen Motorsteuerung ohne mechanische Bremse am Umlaufverschluss auskommt, kann man optional das letzte Bild einer jeden Szene für einige 100 ms belichten. Sinnvoll ist das bei der Arbeit mit Negativmaterial, da die einzelnen Takes so sehr klar erkennbar unterteilt sind, was den Schnitt vereinfacht. Der projizierender Umkehrfilmer kann diese Funktion natürlich auch deaktivieren.

Anschluss gesucht

Neben den bereits erwähnten Anschlussmöglichkeiten für Ton-Peripherie bietet die Kamera eine bisher ungekannte Kontaktfreudigkeit zur Außenwelt. Mechanisch ist an der Vorderseite ein C-Mount Anschluss für Cine-Objektive vorgesehen. Ein PL-Mount wäre denkbar, wurde aber aus Kostengründen vorerst weggelassen. Oben auf der Kamera befindet sich ein Blitzschuh für Mikrofone oder Lampen. An der Unterseite befindet sich eine Stativschraube, in der ggf. auch ein Handgriff mit Auslöser montiert werden kann. So auffällig wie praktisch ist der große Handgriff an der Oberseite, mit dem die Kamera komfortabel und sicher bewegt werden kann.

Auch auf der elektrischen Seite ist die Kamera Gesprächig: Auf der Oberseite befindet sich eine Buchse für das Videosignal des Suchers. Gleich daneben ist die WLAN-Antenne zu sehen: Die Kamera lässt sich nämlich per WLAN fernsteuern. Geplant ist die Offenlegung eines einfachen, mächtigen Protokolls, mit dem jeder Gewillte selbst Anwendungen nach Wunsch programmieren kann. Denkbar sind hier neben klassischen Fernsteuerungen auch Intervalometer, Auslösung per Bewegungsmelder, Geräuschsensor, Lichtschranke u.ä.
Geplant ist es, sämtliche Einstellungen der Kamera auch aus der Ferne konfigurieren zu können, neben der exakten Framerate aber auch so Dinge wie die exakte Belichtungszeit einzelner Frames, DSP-Optionen und anderes mehr.

Zu guter letzt sorgt ein USB-Anschluss für verkabelten Kontakt nach außen. Hierüber lässt sich sowohl neue Firmware einspielen als auch die SD-Karte mit den Audio-Aufnahmen auslesen, ohne einen Kartenleser zu bemühen. Entwickler, die das offene Protokoll der Kamera verwenden wollen, können über die USB-Schnittstelle zudem Debuginformationen auslesen.

Geburtshilfe

Und wann ist sie nun zu haben? Wenn alles gut geht, gegen April 2014. Der Prototyp ist nahezu „feature complete“, die Beta-Testphase beginnt in diesen Tagen. Erster Schritt zum Endprodukt wird es dann sein, mindestens zehn Vorbestellungen zusammen zu bekommen, um Gießformen und Werkzeuge für jene Teile zu fertigen die derzeit noch aus dem 3D-Drucker kommen. Danach kann dann eine echte Serienfertigung beginnen. Der Einführungspreis für Vorbesteller wird vermutlich zwischen €2.000 und €2.500 liegen – nach über 300.000 investierten Dänischen Kronen, über 100 handgefertigten Spezialteilen pro Kamera und vier Jahren unentwegter, unbezahlter Arbeit ein sehr faires Angebot.
Als besonderes Schmankerl können die ersten mutigen Zehn neben schwarz auch blau oder rot anodisiertes Aluminium für das Gehäuse wählen.

Mit exakten 100 cN wickelt die Logmarkamera den Film sauber auf dem Kern der Kassette auf
Mit exakten 100 cN wickelt die Logmarkamera den Film sauber auf dem Kern der Kassette auf
Hier sieht man den Prototypen mit 10mm Cooke Optik und angeschrautem Handgriff, So ist sie nur etwas breiter als die Spitzenmodelle der 70er Jahre.
Hier sieht man den Prototypen mit 10mm Cooke Optik und angeschraubtem Handgriff, So ist sie nur etwas breiter als die Spitzenmodelle der 70er Jahre.

Ein Praxistest wird in den nächsten Tagen folgen – Filmkorn wird ausgiebig berichten!

Die glorreichen Sieben

Die glorreichen Sieben

Bei Ferrania Film geht es voran:

Vordenker und Initiator Nicola Baldini stellt auf seinem Blog heute das Forschungs- und Entwicklungsteam vor, das ihm beim Erreichen der Marktreife seines ambitionierten Projektes helfen will:

gruppo2-800

Die ehemaligen Ferrania-Mitarbeiter sind naturgemäß mit den nötigen Prozessen, Aufgaben und Schweirigkeiten gut vertraut. Laut Baldini ist dies aber nur der Anfang; so stehen wohl eine Reihe weiterer Ferrania-Veteranen bereit, um den Farbumkehrfilm durch ein neues Produkt am Leben zu erhalten.

Auf den Team-Seiten wird das Team ausführlich vorgestellt.