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Der Mensch und das Meer: Baudelaireverfilmung in der Bretagne

Der Mensch und das Meer: Baudelaireverfilmung in der Bretagne

Seit meiner Kindheit fasziniert mich das Meer: Der weite Blick ins schier Unendliche, voller Spiegelungen, wild und voller Leben. Keine Menschenseele lässt es unberührt, jeder scheint darin auch einen Teil von sich zu erkennen. Herman Melville bot es die Bühne für wahnsinnig gewordene amerikanische Träume in Gestalt eines Kapitän Ahab, Dichter wie Chateaubriand sahen darin ein „philosophisches Gemälde“. Von Letztgenanntem verfilmte ich 2010 das Gedicht La Mer in der Bretagne, und verliebte mich zum ersten Mal in diese unwirkliche, wilde und scheinbar unberührte Natur, die man dort vorfindet. Acht Jahre später reiste ich ein zweites Mal dahin, diesmal in die südliche Gegend um Quiberon. Dort suchte ich nach einem neuen Filmstoff und wollte dabei zugleich neue Wege einschlagen. 

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Simplified Color Processing Formulas

Simplified Color Processing Formulas

Die Photochemielegende Patrick D. Dignan hat 1978, also vor nunmehr 40 Jahren, eine hochinteressante Schrift mit dem Namen
„How to Compound… Simplified Color Processing Formulas“ herausgegeben.

Diese ist leider nur noch sehr schwer antiquarisch zu bekommen, und auch die Dignan-Familie hat keine weiteren Kopien.
Dunkelkamerad Adrian C. aus England war so nett und hat seine Kopie gescannt, Filmkorn stellt sie hier nun den interessierten Selbstverarbeitern zum Download als durchsuchbares PDF zur Verfügung!

Das Dokument ist hochinteressant. Es listet zwar nicht die exakten Rezepte der originalen Rezepturen, die wären aber auch schwer nachbraubar. Es bietet vielmehr eine Vielzahl vereinfachter und erprobter Alternativprozesse mit oft verblüffend guten (oder auch kaum zu unterscheidenden) Ergebnissen.

In der Sammlung zu finden sind Rezepte für Alternativen zu den Prozessen C-41, C-22, E-6, E-4, E3, Agfachrome und auch einigen Papierprozessen (inklusive Split-einem Entwickler für Cibachrome!).

Toller Lesestoff, und er sollte in keinem ambitionierten Labor fehlen. Hier kann man eine Menge lernen.

DigIt: Das Archiv des analogen Alltags

DigIt: Das Archiv des analogen Alltags

Digit ist ein Projekt des WDR, bei dem täglich neue Fotos und Filme aus dem Alltag der Vergangenheit einer Datenbank hinzugefügt werden. 

Digit soll verhindern, dass diese Bilder und Erinnerungen in Vergessenheit geraten. Stattdessen wollen wir mit Digit analoges Material in unser digitales Zeitalter hinüberretten. Digit steht dabei für digital, ist aber gleichzeitig eine Aufforderung. Denn „Dig it“ heißt im Englischen „Grab es aus“. Wie Schatzgräber sollen Sie also sichten und sortieren. Sie selbst können Ihr Material über einen Upload bei Digit der Allgemeinheit zugänglich machen oder es uns zur Digitalisierung zur Verfügung stellen.

Eine komplette Liste aller bereits von Digit digitalisierten Schmalfilme findet sich hier auf Vimeo. Macht Spaß, sich dort treiben zu lassen!

 

 

Magnetton-Randbespurungen in Perfektion

Magnetton-Randbespurungen in Perfektion

Alberto Vangelisti ist mehr als ein Tüftler — er ist offenbar ein begabter Ingenieur: So schaffte er etwas, an dem in den letzten Jahren die bewährtesten Maschinen versagten: Entwurf, Konstruktion, Bau und Betrieb einer Anlage, die jegliche Filmarten (auch Polyester) zuverlässig, präzise und ausgesprochen preiswert mit Magnettonspuren versehen kann.

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Cine Assist – ein erster Test

Schon seit einiger Zeit bietet Herr Bernhard Kipperer seinen „Cine Assist“ auf seiner Webseite http://cineassist.filmcurl.com/ zum Kauf an. Auf dieser Seite findet man auch zahlreiche Anwendungsbeispiele als Video. Was bislang fehlte, war ein unabhängiger „Test“ durch einen Nutzer. Und so wie es aussieht, darf ich den jetzt schreiben. Bislang habe ich zwar nur eine Funktion des „Cine Assist“ wirklich mit Film in der Kamera genutzt, aber immerhin besser als nichts…

Aber fangen wir doch mal ganz am Anfang an: Der „Cine Assist“ ist eine kleine Platine, die an den elektromagnetischen Fernauslöser der Kamera gehängt wird. Wichtig: Hat Ihre Kamera nur einen Anschluss für einen Drahtauslöser oder gar keinen Anschluss für einen Fernauslöser, dann können Sie das Gerät nicht nutzen. Bei besseren Kameras sollte jedoch ein entsprechender Anschluss vorhanden sein. Für einige Apparate brauchen Sie allerdings noch einen Adapter, z.B. für die Leicina Spezial.

Cine Assist (Mitte) mit USB-Connector (links) – die Batterie darf nicht eingelegt sein, während das Gerät am PC angeschlossen ist.

Die Platine lässt sich im einfachsten Fall per Batterie und über die zwei Knöpfe am Gerät betreiben. In dieser Variante kann man z.B. über den „Cine Assist“ der Kamera „befehlen“, automatisch erst in 10s auszulösen und sich nach 15s wieder auszustellen. Man kann sich so also problemlos auch mal selbst filmen. Falls Ihnen dieses Feature bekannt vorkommt: Einige Schmalfilmkameras hatten so etwas schon fest eingebaut, z.B. die Super8-Kamera „Minolta XL 401“. Und für Kameras mit einem Anschluss für elektromagnetischen Fernauslöser gab es einst kleine, batteriebetriebene „Selbstauslöser“ zu kaufen, z.B. den „Combi Timer“ von hama. Selbst für Kameras mit Drahtauslöseranschluss gab es so etwas – allerdings mit Federwerk, z.B. der „Selbstauslöser Z“ vom VEB Feingerätewerk Weimar oder der „Cinefix“ von Agfa-Gevaert.

Das Gerät lässt sich aber auch für Zeitrafferaufnahmen nutzen, da es auch als externe Zeitschaltuhr für Kameras mit Einzelbildaufnahme fungiert. Ja, auch das ist nicht neu, da es so etwas einst separat zu kaufen gab (z.B. als „Intervall-Timer“ von hama) oder da es in einigen Kameras bereits integriert war, z.B. in der Super8-Kamera Canon 814XL-S.

Was ist nun also neu, bzw. anders? Zum einen funktioniert der „Cine Assist“ quarzgenau, zum anderen ist er deutlich flexibler als die bisherigen Lösungen. Denn seine Fähigkeiten hängen hauptsächlich von der Firmware ab. Und in der neuesten Version ermöglicht diese sogar einen „Speed Ramp“, also eine Änderung der Bildfrequenz während der Aufnahme. Das war bis dato mit keiner Schmalfilmkamera möglich.

Und zum ganz anderen kann man den „Cine Assist“ auch bequem per Bluetooth steuern, jedenfalls sofern man (im Gegensatz zu mir) ein Android-Handy/-Tablet besitzt, das „Bluetooth Low Energy“ unterstützt. Die Software ermöglicht sogar eine parallele Tonaufnahme über das Mikrofon des Handys/Tablets.

Mit der entsprechenden Erweiterung kann man den „Cine Assist“ aber auch an den USB-Port eines Windows-PC anschließen. Mit der entsprechenden Software von Herrn Kipperer kann man so flimmerfrei Videos auf Film überspielen. Denn die Videos werden einzelbildweise wiedergegeben und von der Schmalfilmkamera als Einzelbilder aufgenommen.

Die Nutzeroberfläche der Windows-Software.

Das Überspielen auf Video ist bislang das einzige Feature, das ich mit Film in der Kamera benutzt habe. Ein Problem dabei sind mögliche Reflektionen auf dem Bildschirm. Denn nicht nur der „Cine Assist“ und seine USB-Erweiterung „blinken“, sondern z.T. auch die Kamera selbst, z.B. die „Aufnahmeleuchte“ an der Nizo 4056, die im Handbuch als „Aktionssignal“ betitelt wird. Auch Telefone etc. sollte man weiträumig entfernen.

Ein weiteres Problem ist der Windows-PC: Die Software deaktiviert weder die Energiesparmodi, die bei mir nach 10min den Bildschirm und nach 30min den ganzen Laptop ausgestellt hätten, noch bleibt das Bild sicher im Vordergrund. Damit also kein „es gibt neue Updates“-Fenster plötzlich die Aufnahme ruiniert, habe ich meinen Laptop sicherheitshalber vorher immer in den Flugmodus gestellt.

Wenn der Cine Assist am USB-Port angeschlossen ist, leuchten LEDs und das Display.

Als ein weiteres Problem hat sich die Batterie meiner Kamera, eine Nizo 4056, erwiesen: Wenn man die Kamera stundenlang aktiviert lässt und Einzelbilder aufnimmt, reicht mein Akku nicht für sieben Filmkassetten, sondern noch nicht einmal für eine…

Der Stromverbrauch meiner Nizo 4056 ist bei der Einzelbildaufnahme deutlich höher. Ich empfehle daher den Einsatz eines Netzteils, wenn man eine ganze Kassette belichten will.

Ein weiteres Problem entstand ebenfalls durch meine Kamera: Bei Einzelbildaufnahmen muss der Auslöser mindestens eine halbe Sekunde lang „gedrückt“ werden. Andernfalls blinkt zwar das rote Aufnahmelämpchen, aber es findet keine Belichtung statt! Zum Glück hatte Herr Kipperer schon eine neue Version der Software fertig, bei der man unter „Expose“ die Auslösedauer einstellen kann – bei meiner Nizo 4056 stelle ich hier sicherheitshalber 1s ein.

Die Nizo 4056 bietet einige Einstellmöglichkeiten für die Einzelbildbelichtung an. Am Wichtigsten ist aber der Hinweis mit dem Minimum von einer halben Sekunde.

Ich habe die Kamera zum Überspielen übrigens auf manuelle Belichtung umgestellt, da die Videos einige dunklere Szenen enthielten, die auch dunkel bleiben sollen. Zudem kann man bei der Nizo 4056 über die „Bilder pro Sekunde“-Einstellung die Belichtungsdauer der Einzelbildaufnahmen regulieren. Hier stellte ich die Kamera auf 16 2/3 Bilder pro Sekunde, was am besten zu den Helligkeitseinstellungen und zur Filmempfindlichkeit passte. (Wenn der Auslöser sowieso für eine ganze Sekunde lang betätigt wird, kann man ja ruhig auch mal etwas länger belichten, oder?)

Tja, was gibt es sonst noch zu sagen?

  • Ich habe den „Cine Assist“ auch an anderen Kameras als der Nizo 4056 getestet, allerdings aus Kostengründen bislang immer ohne Film. Er funktionierte überall problemlos, selbst an meiner Fujica P2, bei der der elektromagnetische Fernauslöser nachträglich eingebaut wurde.
  • Ich nutze ein ca. 1,5m langes USB-Kabel, da sich meine Nizo 4056 erst ab 1m scharf stellen lässt.
  • Leider wird das Gerät ohne Gehäuse geliefert.
  • Ein Schwachpunkt des Geräts könnte der USB-Anschluss sein. Er wirkt zwar sehr stabil, aber ist er auch auf Dauer haltbar genug für Grobmotoriker wie mich?
  • Herr Kipperer antwortet extrem schnell auf eMails mit Fragen und hat seit dem Kauf schon einige neuere Firmware- und Windows-Software-Updates geliefert.

Noch Fragen? Dann bitte die „Kommentarfunktion“ nutzen. Ich versuche, so schnell wie möglich zu antworten.

Ein Rauchmelder für die Dunkelkammer

Ein Rauchmelder für die Dunkelkammer

Viele Hobbylaboranten haben Ihre Dunkelkammer wohl im Keller oder auf dem Dachboden, zumindest aber an Orten, die sonst eher selten genutzt werden. Zudem gibt es in der schmalfilmgeeigneten Dunkelkammer einiges an Gerätschaften, wie Wärmeplatte, beheiztes Wassermantelbad, Filmtrockner, Heizsonne, Beleuchtung – und ggf. auch noch Abluftanlage, Hebeanlage, Radio oder Durchlauferhitzer.

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Zwei Schmalfilmabende in Dresden

Zwei Schmalfilmabende in Dresden

Halbzeit bei den Schmalfilmtagen in Dresden. Ich war mit einem Film im Found-Footage-Wettbewerb am Donnerstagabend vertreten und lies mir auch das Programm am Freitag nicht entgehen.

Wie immer waren die Beiträge bunt gemischt. Es gab „echte“ Filmprojektionen in Super8 und 16mm, viele Filme wurden aber als digitale Fassung gezeigt.

Donnerstagabend

Auszug aus dem Festivalprogramm

Zur Eröffnung am ersten Abend gab es Amateurfilm in seiner reinsten Form: private Urlaubs-/Reisefilme eines Herrn Eisenhuth, ehem. Kapitän zur See, die sich in ihrer selbstironischen Machart von den üblichen Flohmarktfunden dieser Art abheben. Eine kleine Auswahl der Filme wurde im Original mit Super8-Projektor vorgeführt. In der Festival-Lounge gab es Abtastungen der übrigen Filme zu sehen.

Sehr interessant fand ich das darauffolgende Programm mit Filmen des amerikanischen Avantgarde-Filmers Stan Vanderbeek. Es wurden 16mm-Filmkopien projeziert, die eigens von der Film-maker’s Cooperative zur Verfügung gestellt und aus USA eingeflogen wurden.

Auszug aus dem Festivalprogramm

Hauptprogramm am ersten Abend war der Found-Footage-Wettbewerb. Hier gewann der bereits mehrfach preisgekrönte Film THE HOUSES WE WERE von Arianna Lodeserto sowohl den Publikums- als auch den Jury-Preis.


„In sensiblen Bildern nähert sich der Film dem Anliegen, ein historisches Phänomen auf seine Gegenwärtigkeit zu befragen. Der Film legt in einer überzeugenden Montage die Schicksale derer frei, die im offiziellen Diskurs fortwährend vergessen werden“, so die Jury am Donnerstag abend.

Den Abschluss am Donnerstagabend bildeten 4 Filme aus dem Köln-Kuba-Projekt der Kunsthochschule für Medien in Köln. Leider lief nur der letzte davon als 16mm-Kopie.

Auszug aus dem Festivalprogramm

Freitagabend

Der Freitagabend begann mit sperrigen Experimentalfilmen von Dore.O

Auszug aus dem Festivalprogramm

Der anschliessende Live-Vertonungswettbewerb bot deutlich leichter konsumierbare Filmkost. Stumme Heimfilme aus alter Defa-Produktion wurden in unterschiedlichsten Stilen vertont und zum Teil auch mit Geräuschen untermalt.

Die Gruppe „Bamd“ – eine der beiden Siegergruppen

Den Abschluss in der Motorenhalle bildete dann ein Programm mit vier Filmen der tschechischen FIlmgruppe „Bullshit“ aus den 80er/90er Jahren.

Im Programm angekündigt als Underground handelt es sich aber bei diesen Filmen vielmehr um Surealistischen Film in der Tradition eines Jan Svankmeier , mit dem die Filmgruppe „Bullshit“ den Vergleich nicht zu scheuen braucht.

Nach Mitternacht ging es dann noch einen Häuserblock weiter in den Keller des Riesa Efau zur Trash-Film-Nacht mit „Perlen“ auf 16mm.

Den Höhepunkt bildete ein Pferderennen als Installation mit 3 Normal-8-Projektoren. Dieser Animationsfilm wurde von Jan Nordsieck, einem der Mitorganisatoren des Festivals angefertigt

Noch das ganze Wochenende,

stehen bei den Dresdner Schmalfilmtagen neben dem Internationalen Wettbewerb am Samstagabend verschiedene Filmprogramme und mehrere Workshops auf dem Programm.

Es lohnt sich!


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