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Interview mit Patrick Müller

Interview mit Patrick Müller

Im Juli interviewte mich Lina Gasser aus der Schweiz für ihre Maturaarbeit SUPER 8 – EIN ANALOGER KURZFILM. Ich stand ihr Rede und Antwort.

Wie bist du zum Filmen gekommen? Warum hast du dich fürs Filmen entschieden? Was reizt dich daran?
Am Anfang stand die völlige Leidenschaft für das Kino. Truffaut, Godard, Hitchcock, Stanley Kubrick und John Ford sagten mir mehr über das Leben aus als andere Kunstformen. Nachdem ich während meines Wirtschaftsstudiums 2003 schon regelmäßig Vorträge über ausgesuchte Filme meiner Lieblingsregisseure gehalten habe, ließ erst ein Auslandsstudium in Paris im Jahre 2006, bei dem ich fast jeden Abend die Cinémathèque française besuchte, die Idee reifen, es einmal selbst mit dem Filmen zu versuchen. Wieder zurück in Deutschland, voller Ideen und hunderte subversiv-transgressive Experimentalfilme im Kopf, nahm ich eine Kamera und ging in den Wald. Der Kurzfilm wurde dann sehr positiv von Freunden und Filmstudenten, Internet sei Dank, besprochen, worauf ich über die Jahre immer neue Kurzfilme machte, die dann sogar regelmäßig auf Festivals liefen. Mich reizt am Filmemachen das bewegte Bild: während ein Gemälde ganz statisch daher kommt, kann man im Film Bewegung zeigen, Musik und Ton in Beziehung setzen und mittels Schnitt einen einzigartigen Rhytmus schaffen. Film als DIE Kunstform des 20. Jahrhunderts vereint nahezu alle anderen Künste in sich. Ein einzigartiges Werkzeug, sich auszudrücken.

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Schmalfilmtiteln – professioneller mit heutiger Technik

Filmtitel nach hier beschriebenem Rezept, Makrofoto eines Super 8-Einzelbilds

Handgemalt, mit Magnetbuchstaben gesetzt oder auf Papier mit Rubbelbuchstaben so entstanden Titel und sonstige Texteinblendungen in klassischen Schmalfilm-Zeiten. Dies gehörte zum typischen handgemachten Charme von Amateurfilmen und hat daher nach wie vor seine Berechtigung. Wer jedoch professioneller aussehende Schmalfilm-Titel anstrebt, die von denen in Super 8-Spielfilm-Kopien nicht zu unterscheiden sind, kommt heute mit Hilfe von Computern und Flachbildschirmen relativ einfach zum Ziel. Eine Praxisanleitung.

Nicht nur das unruhige Schriftbild von Magnet- und Rubbelbuchstaben sorgte für Amateurcharme , sondern auch der geringe Schwarzweiß-Kontrast bei auf Papier gesetzten und davon abgefilmten Titeln. Papier besitzt nur einen Bruchteil des Kontrastumfangs von Film, ungefähr 6 gegenüber 12-13 Blenden. Daher sind auch lasergedruckte und abgefilmte Titel nicht optimal: Statt z.B. zu weißer Schrift auf schwarzem Untergrund führen sie zu hellgrauer Schrift auf dunkelgrauem Untergrund, oft mit sichtbaren Papiertexturen.

Bessere Ergebnisse erzielt heute man mit Titeln, die von einem Flachbildschirm mit der Schmalfilmkamera abgefilmt werden. Hier eine Praxisanleitung:

Benötigte Technik

  • Einfachste Konfiguration: Computer mit Flachbildschirm, mindestens HD-Auflösung.
  • Alternativ, und besser: Laptop mit HDMI-Ausgang + FullHD- oder 4K-Flachbild-Fernseher.
  • Schmalfilmkamera mit manueller Belichtung, Einzelbildschaltung über Fernauslöser und (wenn möglich) mit Zoomobjektiv.

Titel setzen

Typografisch beste Ergebnisse erzielt man nicht mit Textverarbeitungsprogrammen wie Word, sondern mit Layoutprogrammen wie z.B. Adobe InDesign und Adobe Illustrator oder dem kostenlosen, für Windows, Mac und Linux erhältlichen Open Source-Programm Scribus. Layoutprogramme beherrschen nämlich mikrotypografische Feinheiten (wie z.B. Unterschneiden zwischen zwei Buchstaben), Textverarbeitungsprogramme in der Regel nicht. Eine ausgezeichnete Einführung in guten Schriftsatz und Gestaltungsregeln der Typografie bietet das Buch Mut zur Typografie von Jürgen Gulbins und Christine Kahrmann. Noch ein Tip: bei der Schrift nicht den aus Typografen-Sicht scheußlichen Helvetica-Abklatsch Arial oder, schlimmer noch, die Schrift Comic Sans verwenden, sondern z.B. Helvetica Neue, Franklin Gothic oder den Open Source-Font Roboto. Oder man verletzt ganz bewusst die Regeln des guten Geschmacks.

Seitenkonfiguration in 'Scribus'
Seitenkonfiguration in Scribus

So geht’s mit Scribus: Beim Programmstart ein Dokument im Querformat mit dem gleichen Seitenverhältnis wie das Filmbild anlegen, wie z.B. 28x21cm für Super 8 (mit seinem Seitenverhältnis von 5.6×4.2mm). Anschließend einen Textrahmen aufziehen, den Titel setzen, und das Dokument als Bild exportieren (über das Menü Datei Exportieren Als Bild speichern). Dabei das qualitätsverlustfreie PNG als Ausgabeformat wählen und die Größe so wählen, dass die vertikale Pixelzahl optimal für den eingesetzten Flachbildschirm ist. Handelt es sich z.B. um einen FullHD-Fernseher, wären es 1080 vertikale Pixel (bzw. 1440×1080 Pixel bei einem Super 8-äquivalenten Bild). Bei 4K-Fernsehern verdoppeln sich diese Zahlen.

In diesem Beispiel gehen wir übrigens von statischen Titeln aus. Bei bewegten Titeln empfiehlt es sich, das Titelmodul eines Videoschnitt- oder Animationsprogramms statt eines Layoutprogramms zu verwenden und Einzelbild-Sequenzen zu exportieren.

Bei konstantem Timing der Titel (z.B.: 3 Sekunden für jede Texttafel) reicht es, ein Bild pro Titel zu exportieren und sich die Zahl der nötigen Einzelbildaufnahmen pro Titel zu merken (z.B.: 54 Bilder bei 18fps). Haben die Titel jeweils ein individuell verschiedenes Timing, lieber die Bilddateien so kopieren, dass sie 1:1 den Einzelbildern im Schmalfilm entsprechen. (Also z.B. die Bilddatei des ersten Titels 54mal hintereinander kopieren; sollte der zweite Titel nur zwei Sekunden angezeigt werden, ihn 36mal kopieren etc., und dabei die beabsichtigte Reihenfolge in den Dateinamen berücksichtigen.)

Bildschirm konfigurieren

Den Bildschirm auf maximale Leuchtkraft und maximalen Kontrast einstellen, und – bei Farbfilmaufnahme – auf eine Farbtemperatur, die dem Filmmaterial entspricht.

Optimal für maximalen Kontrast und Auflösungsreserven auch bei 16mm-Betitelung sind aktuelle 4K-Fernseher mit HDR (‘High Dynamic Range’)-Unterstützung. Aber auch mit herkömmlichen HD-Fernsehern lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

Der Bildschirm muss in einem vollständig abgedunkelten Raum stehen.

Computersoftware konfigurieren

Die exportierten PNG-Bilder in richtiger Reihenfolge in einen Ordner legen und mit einem Programm betrachten, das sie im Vollbild ohne Menüs und Texteinblendungen in pixelgenauer 1:1-Ansicht anzeigen kann. Unter Windows ist das z.B. das kostenlose Programm Irfanview, unter MacOS das mitgelieferte Vorschauprogramm, unter Linux der Bildbetrachter geeqie.

Belichtung ermitteln

Richtig zu belichten ist die größte Herausforderung: Denn eine konventionelle Belichtungsmessung einer schwarz-auf-weißen Schrifttafel würde z.B. das Hintergrundweiß als Mittelgrau unterbelichten, und bei einer weiß-auf-schwarzen Tafel den schwarzen Hintergrund überbelichten. Ideal wäre, wenn schwarz unter- und weiß zugleich überbelichtet würde. Das gelingt allerdings nur bei extrem kontrast- und leuchtstarken Flachbildschirmen.

Zum besten Ergebnis kommt man nach meiner Erfahrung mit dem folgenden Trick: mit einer digitalen Kamera, die ein vollmanuelles Belichtungsprogramm besitzt (und ggfs. auch eine Smartphone-Kamera sein kann), eine Belichtungsreihe fotografieren, am Computerbildschirm sichten und die Blende der Schmalfilmkamera gemäß der Blendeneinstellung des besten Digitalbilds einstellen.

Dafür muss die Digitalkamera auf ihr Standard-Bildprofil und JPEG-Aufnahme gesetzt werden, ihre ISO auf denselben Wert wie beim verwendeten Schmalfilm, die Belichtungszeit auf 1/40 bei 18 Bildern pro Sekunde und auf 1/50 bei 24 Bildern pro Sekunde. Bleibt bei Offenblende das Bild zu dunkel, dann ist der eingesetzte Flachbildschirm zu leuchtschwach, beziehungsweise der verwendete Film nicht lichtempfindlich genug. Mit 100- und 160 ASA-Filmen (inklusive Kodak Tri-X) und einem neun Jahre alten HD-Flachbild-Fernseher habe ich in der Praxis jedoch keine Probleme.

Mit der Digitalkamera eine Blendenreihe aufnehmen, die Bilder auf dem Computer sichten und das Foto wählen, bei dem Schwarz noch nicht in Dunkelgrau ausbrennt und Weiß leuchtet. Die bei diesem Foto verwendete Blende auch an der Schmalfilmkamera – natürlich im manuellen Belichtungsmodus – einstellen.

Kamera einrichten

Bei einem 40-50 Zoll großem Flachbildschirm die Kamera ca. 2,50-3 Meter genau parallel vor dem Bildschirm auf einem möglichst schweren Stativ montieren. Den Laptop (oder die Tastatur des PCs) direkt neben der Kamera aufstellen. Die Kamera so auf den Bildschirm kadrieren, dass im Film später keine Ränder sichtbar sind; dabei berücksichtigen, dass der Kamerasucher das Kamerabild nicht vollständig abdeckt. Durch maximales Einzoomen auf ein Testbild auf dem Bildschirm scharfstellen und wieder in den gewünschten Bildausschnitt herauszoomen. Den Raum verdunkeln.

Faustregel: Lieber die Kamera mit größerem Abstand zum Bildschirm positionieren und mit Telebrennweite aufnehmen, als die Kamera dicht am Bildschirm positionieren und weitwinklig drehen.

Super 8-Titel, Makrofoto eines Einzelbilds

Aufnahme

Die Titel in Einzelbildschaltung aufnehmen, statt mit laufender Kamera. (Bei laufender Kamera kommt es unvermeidlich zu Asynchronizität mit den Bildwechseln des Displays, was Geisterbilder-Überblendungen und halb belichtete Filmbilder zur unschönen Folge hat.) Das heißt: am PC oder Laptop per Tastatur das nächste Bild aufrufen, den Einzelbildauslöser der Schmalfilmkamera drücken, wieder am PC/Laptop das folgende Bild aufrufen, den Einzelbildauslöser drücken etc. – es sei denn, alle Titel haben dieselbe Länge und für jedes PC/Laptop-Bild ist eine feste Zahl von Einzelbildauslösungen an der Schmalfilmkamera nötig.

Das Aufnehmen einer Super 8-Kassette nur mit Titeln erfordert daher ungefähr 3500 Einzelbildauslösungen. Mit Drahtauslösern ist das eine zwar körperlich ermüdende, aber machbare Tätigkeit, für die das Resultat entschädigt.

Sayonara, Provie 100D

Wie Retro8 über Facebook mitteilte, wurde die Produktion von Provie100D in den Formaten Super8 und Single8 eingestellt. Grund dafür ist das Fehlen weiterer Masterrollen. In Super8 ist der Film bereits bei Retro8 ausverkauft, für Single8 scheint es noch ein paar restliche Kassetten zu geben.

Filmtipp „Chapter 9“

Filmtipp „Chapter 9“

Einzelne auf Super-8 gedrehte Filmszenen in pofessionellen Kino- und Fernsehproduktionen gibt es immer wieder – zumeist wir dabei der ganz spezielle Super-8-Filmlook für Traum- oder Erinnerungssequenzen verwendet.

Aber es gibt auch komplett auf Super-8 gedrehte Produktionen, die Ihre Premiere im Kino erleben, wie z.B. dieser Film, auf den ich durch Zufall aufmerksam wurde:

Auf der Website des Filmemachers die ansonsten wohl bewusst mit näheren Informationen geizt, gibt es hier interessante Bilder zu den Dreharbeiten.

Für die Premiere am 11.Oktober 2019 in Panama City, Florida wünsche ich viel Erfolg! Tickets gibt es hier. Vielleicht haben wir ja einmal die Chance, den gesamten Film zumindest in digitalisierter Form in einem Internet-Guckkasten zu sehen.

Filme vom FPP

Vor Jahren haben einige nordamerikanische Filmenthusiasten einen Podcast namens „Film Photography Podcast“ (FPP) ins Leben gerufen. Mittlerweile betreiben sie auch einen Online-Shop, weshalb das Kürzel FPP mittlerweile für „Film Photography Project“ steht. Bislang gab es dort hauptsächlich Filme für Fotokameras zu kaufen, u.a. auch in eher selteneren Formaten, wie z.B. 620. Mittlerweile bieten sie aber ebenfalls Schmalfilme an: https://filmphotographystore.com/collections/movie-film
Der Clou dabei ist, dass sie nicht nur das normale Sortiment von Foma/Kodak/Pro8mm/Orwo im Programm haben, sondern auch eine Eigenmarke. Hauptsächlich handelt es sich dabei um 16-mm-Filme, die es für ältere 16mm-Kameras/-Projektoren auch mit beidseitiger Perforation gibt. Hinzugekommen sind nun einige Normal8-Filme, mit denen man 2019 wohl nicht mehr als Neuerscheinung gerechnet hätte, wie z.B. Farbnegativfilmen:

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs Weiterstadt 2019

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs  Weiterstadt 2019

Am vergangenen Samstagabend stand beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt traditionell der Super-8-Filmwettbewerb auf dem Programm.

Entspannte Biergarten-Atmosphäre auf dem Festivalgelände

Aus acht analog mit Filmprojektor projezierten Super-8-Kurzfilmen wurden durch Publikumsabstimmung folgende Gewinner-Filme gekürt:

Der dritte Platz

ging an Manuel Francescon und Michael Sommermeyer für ein Found-Footage-Projekt :

Abbildung aus dem Festival-Programm

Den zweiten Platz

belegte Mangus Irvin mit einer absurd-artifiziellen Hommage an die klassischen Horrorfilme der 1930er-Jahre, insbesondere natürlich die „Frankenstein“-Filme

Der „Frankenstein“-Arzt erinnert aber auch an Pierre Brasseur in seiner Rolle als Dr. Génessier in „Les yeux sans visage“:

Die Scherenschnitt-Sequenz erinnert an die Filme von Lotte Reiniger, allerdings gepaart mit Splatter-Effekten…

Abbildung aus dem Festival-Programm

And the Winner is…

Achteraus – ein Film von Gunnar Grah, Andreas Kersten und Florian Rau.

Die Gewinner von rechts nach links: Andreas Kersten, Florian Rau (mit dem Hirschen!) und Gunnar Grah

Der auf dem ersten Blick unscheinbare Film zeigt alle Handlungsabläufe rückwärts. Bei klassisch-analogem Film -und bei Verwendung einer üblichen Kamera, die nur „vorwärts“ filmen kann- bedeutet dies, daß mit der Kamera auf dem Kopf stehend gefilmt wird, um anschliessend den Filmstreifen „auf den Kopf zu stellen“ – sprich das Ende an den Anfang zu setzen. Bei Super-8 kommt hierbei erschwerend hinzu, daß aufgrund der einseitigen Filmperforation der Film auch noch gewendet werden muss und somit alle Aufnahmen spiegelverkehrt erscheinen. Die im Film zu sehenden Zeitungsartikel wurden von den Filmemachern daher in Spiegelschrift angefertigt!

Schematische Darstellung, wie eine einzelne „Rückwärts“-Szene in einen ansonsten herkömmlich gedrehten Film eingefügt wird. Abbildung aus dem Buch „Filmen leicht gemacht“ von Fritz Meisnitzer

Als zusätzliche Hürde hatten es sich die drei Filmemacher zur Aufgabe gemacht die Filmhandlung durchgehend ohne nachträglichen Schnitt zu filmen. Die Handlung wurde also auf einer Super-8-Kassette komplett in der „rückwärts richtigen“ Reihenfolge abgedreht.

Rückwärtsfilmen, ein klassisch-analoger Filmtrick, eigentlich aus der Kintopp-Mottenkiste, hier aber konsequent und überzeugend zu Ende gedacht und sehr überzeugend umgesetzt.

Wieder einmal konnten die drei Filmemacher, die bereits mit The Brain Modulator und Veterok auf verschiedenen Festivals erfolgreich waren, das Publikum überzeugen.

Nicht überzeugen

konnte an diesem Abend leider die analoge Super-8-Filmprojektion im Vergleich mit den vorher, nachher und auch noch in der Halbzeit des Super-8-Wettbewerbs mit DCP-Beamer gezeigten digital produzierten Filmen.

Der legendäre Fumeo-Projektor in der Vorführer-Hütte von Weiterstadt

Für die Super-8-Projektion wurde annähernd die gesamte Höhe der Leinwand ausgenutzt, was eine Projektionsgröße von fast 8 x 6 Metern bedeutet. Dies ist zwar ambitioniert, aber für das kleine „Heimkino“-Super-8-Format definitiv zu viel, trotz eines Fumeo-Großraumprojektors mit 500W-Xenonlampe, der seit Jahren in Weiterstadt zum Einsatz kommt. Das Bild war immer leicht unscharf, flau und etwas zu dunkel. Die nicht abgekaschte unscharfe Bildmaske trägt dann noch zum subjektiven Unschärfeempfinden bei. Leider war darüberhinaus bei manchen Filmen der Bildstrich nicht korrekt eingestellt und im Laufe der Filme sammelten sich immer mehr Flusen sichtbar im Bildfenster. Der Charme einer „echten“ Filmprojektion konnte so dem Publikum leider nicht vermittelt werden.

Eine etwas kleiner gehaltene Projektion auf der riesigen Leinwand hätte der Bildqualität gut getan. (so -glaube ich mich zu erinnern- habe ich es 2015 bei meinem letzten Weiterstadt-Besuch gesehen) .

Elmo Album – die Luxus-Click&Surr. Ein Reparaturbericht

Elmo Album – die Luxus-Click&Surr. Ein Reparaturbericht

Die „Elmo Album“ ist eine recht seltene Super 8 Kamera — und das ist schade, denn sie hat einige wirkliche Besonderheiten. Das besonderste (und zugleich heute irrelevanteste) ist wohl, dass sie zur Familie der „Agfa Family“ Geräte gehört — ein System, das Elmo ja mitentwickelt hat. Was das bedeutet? Um es mit dem damaligen Werbeträger Karl Dall zu sagen: Die Kamera kann „Click und Surr“, also Filmen und auch Fotos machen. Drückt man die gelbe Taste oben auf der Kamera, wird nur ein Einzelbild belichtet. Des weiteren wir das Einzelbild in Perforationsnähe von einer roten LED markiert. Der Agfa Family Betrachter hält so an diesem Einzelbild für ein paar Sekunden an. Soweit ich weiss, ist die Elmo Album die einzige mit diesem System kompatible Kamera, auf der nicht „Agfa Family“ steht.

Eine interessantere Besonderheit ist aber ihre Optik. Das sehr scharfe Fix-Focus-Objektiv (wunderbar falsch und irreführend übersetzt mit „Focus Free“, siehe Bilder) hat nicht nur eine große Lichtstärke von f/1.2, es ist mit seiner Brennweite von 4,6mm auch sehr weitwinklig; nahezu so weitwinklig wie eine Nizo mit montierter UWL. Nur eben viel kleiner, und ausserdem schärfer. Interessant ist, dass der wegklappbare Vorsatz kein Weitwinkelvorsatz, sondern ein Televorsatz ist.

Filmfreund Guy aus Luxemburg lief mit seiner Elmo Album (mit abgebautem Vorsatz, also immer weitwinklig) einige Jahre in Deidesheim über die Börse und dokumentierte das dortige Geschehen. Leider habe ich seine Filme nie gesehen, aber seine Begeisterung für diese kleine Allround-Kamera noch deutlich im Ohr. Trotz Suchauftrag über viele Jahre ist mir bei ebay bis heute nicht eine einzige dieser Kameras begegnet. Auch in Deidesheim habe ich nie eine zum Verkauf gesehen. Nachdem ich diesen Missstand im Forum neulich beklagte, kontaktierte mich ein freundlicher, sammelnder, und leiser Mitforent und bot mir eine Elmo Album zum Kauf an — zu einem ausgesprochenen Freundschaftspreis!

Da beim zum Verkauf angedachten Modell aber die Batteriefachverriegelung fehlte, legte er sogar noch eine zweite, identische Kamera obendrauf — in dieser waren allerdings Batterien ausgelaufen (und steckten auch noch drin), dafür war die Batteriefachverriegelung noch in Takt.

Nach einem temporären Klebeband-Fix und einem erfolgreichen Testeinsatz bei der Filmbörse 2019 in Deidesheim machte ich mich an die Reparatur. Glücklicherweise gelang es mir, beide Kamera wieder voll funktionsfähig zu machen. Hier nun die Dokumentation der erfolgreichen OP!

Genial an der Elmo Album ist der hohle, ergonomische Handgriff, der per Tastendruck komplett verschwindet, indem er sich federgestützt um den Kameraboden legt. Unter ihm liegen die ersten vier Schrauben, die es zu entfernen gilt.
Auf jeder Seite befinden sich zwei dieser Schrauben. Sie sind alle vier identisch.
Voilà, schon lösen sich Handgriff und Batteriefach. Jetzt konnte ich die vier festklemmenden, ausgelaufenen AA-Batterien entfernen und der alkalischen Schmodder entfernen. Ähnlich wie bei den frühen Leicinas, allerdings nicht ganz so dramatisch, ist das Batteriefach der Elmo Album für die heutigen AA-Zellen etwas zu eng. Mit etwas ausprobieren findet man aber Zellen, die gut passen — meine weissen Eneloops machten zum Beispiel keine Probleme.
Vermutlich nicht nötig, aber auch nicht schädlich: Um die Kamera ganz öffnen zu können, habe ich auch den Televorsatz entfernt. Das geht ganz leicht mit einer Schraube, die sich nach wenigen Umdrehungen mit etwas Kraft herausziehen lässt. Wenn man (wie Guy) immer nur Weitwinkel möchte, spart man so Gewicht und hat beim Hantieren keinen abgeklappten Vorsatz im Weg.
Der herausgezogene Stift. Ich habe eine Flachzange verwendet, denn er sitzt recht stramm, damit nichts klappert.
Die nächsten Schrauben verstecken sich unter der Belederung an der Kameraoberseite. Keine Sorge, die lies sich mit einem Spudger aber sehr leicht anheben und entfernen. Der Klebstoff blieb sogar noch klebrig genug, um die Belederung danach einfach wieder aufzubringen.
Vier Schrauben sind zu entfernen…
…und sie will immer noch nicht auseinander. Ebenfalls mit dem Spudger muss noch diese kleine Zierplatte vom Objektiv entfernt werden. Achtung: Möglichst nicht verbiegen.
Man sieht die wenigen Klebepunkte. Ich habe die Platte am Ende mit neuem 3M-Doppelklebeband wieder aufgebracht.
Vier weitere Schrauben werden so freigelegt und sind zu entfernen
Als letztes muss das „ELMO“ Schild noch abgeklipst werden, dann lässt sich die Kamera endlich beidseitig öffnen.
Achtung: Die gelbe Taste fällt einem nebst Zierring entgegen. Kein Problem, aber beim Zusammenbau nicht vergessen, sie wieder einzusetzen!
Dies ist die Seite, die und interessiert. Ganz links unten sieht man ein schwarzes Kabel vom Batteriefach kommen. Obwohl es intakt aussah, bestand kein Kontakt mehr zwischen dem Minuspol (Feder) des Batteriefachs und der Platine, die hier damit verbunden ist.
Ein näherer Blick zeigt es: Das schwarze Kabel bestand nur noch aus Isolation. Das Alkali der leeren Batterei hat sich nicht nur durch deren Zinkbecher, sondern auch durch diese Leitung gefressen. Es ist kein Gramm Kupfer übrig geblieben. Wer genau hinsieht, erkennt, dass sogar die Leiterbahn auf der Platine angegriffen ist. Das untere Ende des schwarzen Kabels hat sich beim Hantieren vom Batteriefach gelöst und baumelt in der Luft.
Flugs ein neues Kabel angelötet und verlegt… das ist nicht schwer. Es ist nur etwa 7cm lang.
Das andere Ende wird an die (gründlich gereinigte) Kontaktfeder des Minuspols angelötet. Diese hatte sich zum Glück noch nicht zersetzt. Ggf. wäre sie aber auch recht leicht zu ersetzen.
Das neue Kabel und die wieder eingesetzte Kontaktfeder. Ich habe sie zusätzlich mit einem Krümel Sugru fixiert (hier nicht sichtbar). Das Sugru brauchte ich später eh noch.
Damit war die erste der beiden Kamera wieder vollständig instand gesetzt!
Hier nun das Batteriefach der zweiten Kamera. Bei dieser musste ich nur die ersten vier Schrauben entfernen, da der Schaden am Batteriefach ist. Es fehlt die Sperrnase, die mit einem ((ebenfalls verlorenen) Daumenrad von aussen drehbar wäre. Den Ersatz habe ich aus FR4 Platinenmaterial gesägt, das dieses sehr stabil ist und mit 1,6mm auch genau die richtige Dicke hat.
Hier ebenfalls zu sehen das aus dem gleichen Material gesägte, angehende Daumenrad. Beide Teile sind passgenau doppelt gelocht (0,8mm), da ich zwischen ihnen eine kraftschlüssige Verbindung herstellen muss. Es ist mir dank Nieten nämlich nicht gelungen, den Batteriefachdeckel so zu zerlegen, dass ein Teil im ganzen einsetzbar wäre.
Hier löte ich „zwei Achsen“ Draht ein, um die Verschlussnase später drehen zu können.
…und verlötet. Das gelbe Kaptonband hielt den Lötzinn davon ab, an der Nase hochzulaufen — sie wäre sonst zu dich geworden.
Zugegebenermaßen eine wacklige Hilfskonstruktion, aber zur Montage hat es absolut gereicht: Die Verschlussnase ist in den Deckel bereits eingesetzt und fixiert. das zukünftige „Daumenrad“ ist aufgelegt, fixiert und wird gleich verlötet. Die überstehenden Drahtenden wurden danach abgeknipst. So ist eine spielfreie, kraftschlüssige Verbindung entstanden.
Der Test: Ausgefahrene Nase, die Klappe ist so verschlossen…
…und nach einem Fimgerdreh ist die Nase zur Seite geklebt, so können die Batterien gewechselt werden.
Da das neue Daumenrad in Kupfer doch sehr auffällig und hässlich ist, kommt ein Kügelchen schwarzes Sugru drauf.
Und damit es wenig auffällt, habe ich hier einen Abdruck des heilen Daumenrades (oben) in das Sugru (unten) gemacht. 24 Stunden später ist das Sugru getrocknet und glänzt. Der nachgefertigte Verschluss fühlt sich fast besser an, als das Original. 🙂

Damit ist auch Kamera #2 vollständig wiederhergestellt.

News: Analoger Film Januar-Juli 2019

Allen Unkenrufen zum Trotz, gibt es auch 2019 noch unzählige Neuigkeiten rund um den perforierten Film. Leider existiert seit diesem Jahr, nach der Einstellung von „Cine 8-16“, kein Print-Medium mehr, das über Neuigkeiten in diesem Bereich informiert. 

Wer mag mithelfen, künftig solche News komprimiert in diesem Blog und einem Newsletter zu „bündeln“?

Eberhard Nuffer

Super-8-Farbumkehr-Entwicklung wieder in Deutschland möglich

Seit Ende Juni ist nun wieder die E6-Entwicklung von Super-8-Farbumkehrfilm (Ektachrome und Cinevia) bei ANDEC-Filmtechnik in Berlin möglich. In den vergangenen Jahren blieb nur noch die Lösung, belichtete Filme ins Ausland zu schicken oder aber selbst zu entwickeln.

http://www.andecfilm.de/d_start_sept_2015.html

Über Jürgen Lossaus Firma „Click & Surr“ sind jetzt außerdem kombinierte Gutscheine für Super-8-Entwicklung und Scan in 2K-Auflösung erhältlich: https://www.super8shop.de/produkt-kategorie/schmalfilm/filme-schmalfilm/

16mm-Ektachrome-Umkehrfilm endlich lieferbar

Seit Ende Mai ist der langersehnte Ektachrome-Umkehrfilm nun auch im 16mm-Format lieferbar. Kodak bietet das neue Farbmaterial in Konfektionierungen zu 30 und 120m an. 

Der Original-Preis liegt bei 60 Dollar für die 30m-Rolle und 240 Dollar in der 120m-Konfektionierung. Leider sind keine Direkt-Bestellungen in USA möglich. Und deutsche Kunden, die bei einem der hiesigen Händler ordern, müssen erwartungsgemäß gleich mal wesentlich tiefer in die Tasche greifen.

Anti-Rotstich-Behandlung für Super-8- und 16mm-Filmkopien

Wertvolle Filmkopien, die plötzlich rotstichig werden, gehören zu den Alpträumen jedes Filmsammlers. Jetzt kommt aus Italien eine sensationelle Meldung: Alberto Vangelisti (jüngst mit seinen neuen Flüssigtonspuren für Super-8- und 16mm-Acetat- und Polyesterfilm bekannt geworden: https://www.filmkorn.org/magnetton-randbespurungen-in-perfektion/) hat offensichtlich ein Verfahren entwickelt, um rotstichige Kopien, die noch Restfarben besitzen, wieder ansehnlich zu machen. Dieses so genannte ORS-System entfernt durch einen subtraktiven chemischen Prozess in einem ersten Arbeitsgang den Rotstich und hebt in der zweiten Phase den Kontrast an. Bislang ist das Verfahren für Kodak- und Fuji-Materialien erprobt.

Im Vergleich zu sonstigen heutigen Kopierwerksleistungen wirken die Preise human: Für die Behandlung einer Rolle mit bis zu 480 Metern Film stellt Vangelisti 50 Euro in Rechnung, Rollen zwischen 480 und 750 Metern kosten 60 Euro. Für Super-8 und 16mm-Film gelten dieselben Preise. 

I.B. Corzos Erfahrungsbericht über die Rotstich-Behandlung: http://mimundoensuper-8.blogspot.com/2019/05/ors-chemical-system-solution-to-red.html?m=1  

MOVIE MAGNETIC
Alberto Vangelisti
Via Don Miliani, 42.
52028 Terranuova
Italia
E-Mail: moviemagnetic@gmail.com  

Vor der Behandlung – Foto: I.B. Corzo
Nach der Behandlung – Foto: I.B. Corzo

Ersatzteile für Noris-Super-8-Projektoren

Nach Auflösung einer Fachwerkstatt für optische Geräte liegt das Ersatzteilelager für Noris-Filmprojektoren beim Oldenburger Medienunternehmer und Gebrauchtwarenhändler Michael Hipp. Der frühere Betreiber der Videotheken-Kette „Video-Hipp“ bietet die Teile im Rahmen seines „Zeitreise“-Webshops über eBay an: https://www.ebay.de/usr/zeitreiseoldenburg2013. Einfach Suchbegriff „Noris“ eingeben.

Fotos: Zeitreiseoldenburg

Filmhändler und Veranstalter der Blackpool-Convention David Guest verstorben

Große Bestürzung in der Sammlerszene löste Ende Januar der Tod des englischen Filmhändlers David Guest aus. Guest hatte erst 2016 den „16mm Film Shop Southport“ in Rufford (West Lancashire, England) eröffnet, in dem es Filmkopien in den Formaten Super-8, 9,5m und 16mm sowie Zubehör wie Spulen oder Projektionslampen zu kaufen gab.

Seit 2011 war Guest außerdem Veranstalter der traditionsreichen, ursprünglich von Derann Films Ltd. ins Leben gerufenen Blackpool Convention. Die Ehefrau Elaine Guest hat angekündigt, die bei Filmsammlern sehr populäre Veranstaltung weiterzuführen. U.a. sollen dort in diesem Jahr Kopien-Restbestände des „Film Shop“ angeboten werden. 

[Informationen zur Blackpool-Convention: siehe unten bei „weitere Veranstaltungen“]

http://8mmforum.film-tech.com/cgi-bin/ubb/ultimatebb.cgi?ubb=send_topic;t=005200;f=8

Neuer Service-Dienstleister für 16mm-Projektoren?  

Eigentlich sollte an dieser Stelle die freudige Nachricht stehen, dass der langjährige Mitarbeiter einer Bildstelle, der jetzt in Ruhestand geschickt wird, künftig von zu Hause aus die Wartung und Reparatur von 16mm-Filmprojektoren für jedermann anbieten will. Zwischenzeitlich hat aber offenbar die Ehefrau ein Veto gegen all die Meßgeräte, Werkzeuge und Ersatzteile eingelegt, die da ins Haus geschafft werden sollten. Und so wird es wohl keinen neuen 16mm-Service geben. Schade! Oder besteht doch noch Hoffnung?

Neue Kinofilme, gedreht auf Super-16 und 65mm-Negativ 

„Ein Gauner & Gentleman“

Im März lief in den deutschen Kinos der Film an, mit dem der bald 83-jährige Robert Redford seine aktive Laufbahn als Schauspieler beenden will: „Ein Gauner & Gentleman“ (The Old Man and the Gun, 2018, R: David Lowery) vermengt reale Erlebnisse aus der Biographie des Ausbrecher-Königs und Gentlemen-Bankräubers Forrest Tucker (1920-2004), der noch als Bewohner einer Seniorenanlage eine „Altherren-Gang“ gründete, mit Elementen aus Redfords Leben und Karriere.

Lowery hat seinen Film auf 16mm-Material gedreht und mit einem sanften Jazz-Soundtrack versehen. Joe Andersons mal grobkörnige, mal Chiaroscuro-eske Breitwandaufnahmen lassen eine längst vergangene Zeit wieder auferstehen, in der noch nicht jede Bank videoüberwacht, panzerglasgeschützt und schwerbewaffnet war. Mit den hypernervösen Schnittgewittern und blutigen Bleiorgien der Gegenwart haben Tuckers Überfälle und Lowerys Inszenierung nichts zu tun“, schreibt Falk Straub auf KINO-ZEIT. 

Zum Einsatz kamen die Arriflex 416 und Kodak Vision 3 200T-Material (7213), entwickelt wurde bei FotoKem und Technicolor in Kalifornien. Mit Super-16-Bildfenster gedreht, wird der Film im Kino im Scope-Bildseitenverhältnis 1:2,35 präsentiert. Weitere „Oldtimer“-Attraktionen des Films – also außer 16 mm und Redford – sind Tom Waits, Danny Glover und Sissy Spacek.

Kameramann (DOP = Director of Photography) Joe Anderson hat in mehreren Interviews ausführlich über die Dreharbeiten, über die Wahl und Belichtung des 16mm-Filmmaterials und die visuelle Ästhetik von „The Old Man and the Gun“ berichtet:

Director of Photography Joe Anderson on the set of THE OLD MAN & THE GUN. Photo by Eric Zachanowich. © 2018 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

Fotos: © Fox Searchlight/Foto Dreharbeiten: Erich Zachnovich

Christopher Nolan

Auch Christopher Nolan bleibt, wie erwartet, dem perforierten Film treu. Von seiner aktuellen Produktion, die für Warner Brothers entsteht, sind bislang weder inhaltliche Details noch ein Titel bekannt. Dennoch steht bereits der Premierentermin fest – der 17. Juli 2020 – und dass der Film im IMAX-Format (65mm-Negativ) produziert und ausgewertet wird.

16mm-Filme im Programm der Berlinale 2019

Neben Super-8-Filmen (siehe Klaus Schreiers Beitrag https://www.filmkorn.org/super8-auf-der-berlinale-2019/) fanden sich im Programm der Berliner Filmfestspiele auch in diesem Jahr wieder Beiträge, die auf 16mm-Material gedreht worden sind.

Im Wettbewerb war „Ghost Town Anthology“ (2019, Super-16, Arri 416, Kodak Vision 500T) von Denis Coté zu sehen, dessen Plot – in einem kanadischen Dorf kommt auf mysteriöse Weise ein 21jähriger zu Tode – nicht von ungefähr an David Lynchs „Twin Peaks“ (1990/91, TV) erinnert. Im „Panorama“ lief „Mid 90s“ (2018, 1:1,33, Arriflex 416 Plus)um einen 13-Jährigen zwischen häuslicher Gewalt und einer Skateboarder-Clique – das Regiedebüt des Oscar-nominierten Schauspielers Jonah Hill. Leider standen beide Werke nur digital, als DCP, zur Verfügung.

Anders der 82-minütige Experimentalfilm „Rasendes Grün mit Pferden“ der Berliner Filmemacherin Ute Aurand, der in der Sektion „Forum Expanded“ lief und nach wie vor in allen Stadien – Aufnahme, Bearbeitung und Projektion – auf analoge 16mm-Technik setzte. „Nichtereignisse“ aus ihrem Leben hat die Autorin von 1998 bis 2018 mit ihrer Bolex-Kamera dokumentiert, zuletzt drei Jahre an der Fertigstellung gearbeitet. Der Auswahlkommission des „Forum“ hat Aurand ihren Film am 16mm-Schneidetisch vorgeführt. Nach der Zusage der Berlinale wurde es zeitlich eng, da die DFFB-Absolventin sich für ein Kopierwerk in den USA, das Colorlab in Maryland, entschieden hatte. „Das gesamte Prozedere um die sogenannte Postproduktion bedeutet für mich, dass ein Negativschnitt hergestellt werden muss und eine Mischung, das Ganze muss ins Kopierwerk, was immer lange dauert und unberechenbar ist. Es müssen Korrekturkopien gemacht werden, die werden dann hin und her geschickt“, erzählte Ute Aurand in der Berlinale-Beilage der TAZ. „Die zweite Rolle kam erst einen Tag vor der Premiere, da ist man schon nervös.“

https://taz.de/Filmemacherin-ueber-die-Berlinale/!5569305/

https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2019/02_programm_2019/02_Filmdatenblatt_2019_201912350.html#tab=filmStills

http://www.uteaurand.de/filme/test.php

Stummfilmvorführungen mit „echter“ Filmprojektion

Insbesondere bei der Vorführung von Stummfilmen kommt bis heute immer wieder perforierter Film zum Einsatz; er ist in diesem Fall einfach das einzig wirklich „authentische“ Präsentationsmedium. Über das 35mm-Stummfilmkonzert mit dem Dupont-Klassiker „Varieté“ (1925) Anfang des Jahres in der Stuttgarter Markuskirche mit rund 800 Besuchern habe ich ja ausführlich berichtet (https://www.filmkorn.org/stummfilmkonzert-in-der-kirche-mit-analoger-35mm-filmprojektion/). Im Mai präsentierte der junge Stummfilmpianist Richard Siedhoff im Dresdner „Kino im Kasten“ den Buster Keaton-Klassiker „Der General“ (1926), Anfang Juni war er zu Gast in Stuttgart und begleitete live in „Eliszis Jahrmarktstheater“ u.a. Murnaus „Nosferatu“ (1922), Harold Lloyds „Why Worry“ (1923) und Kurzfilme mit Chaplin und Keaton. Projiziert wurden 16mm-Kopien aus Siedhoffs Sammlung. In „Cine 8-16“ Heft 41 (März 2017, S. 28-30) erschien ein ausführlicher Artikel von und über Richard Siedhoff. 

Die Termine seiner aktuellen Stummfilm-Konzerte (inklusive Angaben, auf welchem Medium bzw. in welchem Format der entsprechende Film vorgeführt wird) finden sich auf Siedhoffs Webseite: 

https://www.richard-siedhoff.de.ralf-siedhoff.de/index.php?id=116

Wirbel um Tetenal 

Bereits im Herbst 2018 hatte der Traditionshersteller von Photochemie Tetenal Europe GmbH beim Amtsgericht Norderstedt einen Antrag auf Sanierung unter Insolvenzschutz gestellt: Der Einbruch der Analogfotografie in den vergangenen Jahren hatte bei dem Unternehmen zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Da sich kein Investor fand, wurde im Januar die Schließung zum 1. April 2019 angekündigt.

Unter Analog-Filmern und Fotografen führte dies zu einem Aufschrei; man fürchtete um die Verfügbarkeit von Entwicklerflüssigkeiten schlechthin, da Tetenal nicht „irgendein“ Anbieter entsprechender Chemikalien ist, sondern auch entsprechende Produkte für weitere Unternehmen zuliefert, die sich ebenfalls auf diesem schmalen Marktsegment tummeln.

Dann kam die Rettung aus den eigenen Reihen: Im Rahmen der Initiative „New Tetenal“ verkündeten fünf Führungskräfte und etwa 40 Mitarbeiter die Übernahme der Firma auf eigene Faust. Mit dem Insolvenzverwalter wurden Verträge bezüglich der Übernahme von Produktionsmaschinen, Markenrechten, Rezepturen und Registrierungen geschlossen. Zum 1. April 2019 nahm die „Tetenal 1847 GmbH“, die das Gründungsjahr des Unternehmens im Namen trägt, ihre Geschäftstätigkeit auf.

https://new-tetenal.de/

Super-8-Filmvorführungen von Gerold Westermann

Der Oldenburger Gerold Westermann ist Schmalfilm-Anhänger durch und durch. Seit Jahrzehnten dreht der 77-Jährige vorwiegend dokumentarische Filme auf Super-8, die stets akribisch nachbearbeitet und vertont werden. Als kein farbiger Super-8-Umkehrfilm mehr lieferbar war, stieg er kurzerhand auf Negativmaterial um. 

Gerne präsentiert Herr Westermann seine Filme auch öffentlich in Kultureinrichtungen oder bei Vereinsabenden. Veranstalter können sich aus einem Katalog seines filmischen Schaffens ein passendes Filmprogramm zusammenstellen. Westermann reist dann mit seinem HTI-Projektionsequipment an und führt seine Schätze persönlich vor.

Im April war Herr Westermann im Oldenburger PFL-Kulturzentrum zu Gast. Unter den Gästen: Dragan Jovanovic, Inhaber der Firma DJ-Film, der inzwischen auch ein Schmalfilm-Museum in Geeste (Niedersachsen) betreibt. [Siehe unten: Private Film-Museen]

Gerold Westermann
Gerold Westermann kurz vor der Vorführung
Dragan Jovanovic (links) und Gerold Westermann (rechts)
(Fotos: Eberhard Nuffer)

Nachklapp zum Montagsseminar „Renaissance des Analogen – Film is Back“

Das für den 25. Februar angekündigte Montagsseminar der Film Commission Stuttgart  (https://www.filmkorn.org/montagsseminar-renaissance-des-analogen-film-is-back/) wurde am Veranstaltungstag aufgrund von zu wenigen Anmeldungen abgesagt.

Momentan zieht das Start-up „Silbersalz-Film“ in neue Räumlichkeiten um, hat aber versprochen, als kleine Entschädigung alle, die Interesse bekundet hatten, demnächst zu einer Vor-Ort-Führung ins neu eröffnete Labor einzuladen.   

Neunte Auflage des 72-Stunden-Super-8-Festivals „Exposed“ an der Universität Freiburg

Vom 24.-27. Mai veranstaltete der AKA-Filmclub der Uni Freiburg wieder sein „72-Stunden-Super-8-Festival“. Von Freitagabend, 20 Uhr an trafen sich Interessenten, bildeten Teams, erarbeiteten Konzepte, drehten und entwickelten dann ihr Material selbst. Am Montagabend um 20 Uhr wurden die Filme im Hörsaal projiziert.

http://www.uni-freiburg.de/universitaet/veranstaltungskalender/441

Technicolor- und 70mm-Festival in der Karlsruher „Schauburg“

Wer nicht in Freiburg bei der Veranstaltung des AKA-Filmclub war, konnte am gleichen Wochenende in der Karlsruher „Schauburg“ das dritte „Technicolor“-Filmfestival besuchen. Alle Filme, darunter Klassiker wie „Samson und Delilah“ (1949), „Vera Cruz“ (1954), „Woodstock“ (1970) und die „Redux“-Wiederaufführung von Coppolas „Apocalypse Now!“ (1979/2001) wurden als farbstabile 35mm-Druckkopie gezeigt und in der Regel mit filmhistorischen Einführungen präsentiert. 

https://www.in70mm.com/news/2019/technicolor/index.htm

https://www.filmdienst.de/artikel/26857/passionen-hommage-auf-technicolor

Im Oktober (04.-06.10.19) veranstaltet „Schauburg“-Betreiber Herbert Born das ähnlich konzipierte „15. Todd AO-Festival“, bei dem ausschließlich analoge 70mm-Filmkopien zur Aufführung kommen. Die Zeitkarten (Tages- und Wochenendpässe) beinhalten neben dem Eintritt die Verpflegung und ein farbiges Programmheft. Für alle Filme sind auch Einzelkarten erhältlich.

https://www.in70mm.com/schauburg/festival/2019/index.htm

Technicolor-Festival 2019. Fotos: Eberhard Nuffer

Weitere Veranstaltungen

14. April 2019 – 05. Januar 2020 Ausstellung „Großes Kino. Ein Jahrhundert Film- und Kinogeschichte“

U.a. mit Filmtechnik-Ausstellung und 16mm-Vorführungen im Museumskino

Industriemuseum Lauf
Sichartstr. 5-29
91297 Lauf a. d. Pegnitz
Tel. 09123/99 03-0
Mi.-So. 11:00-17:00 Uhr

08. – 12. August 2019 Filmfest Weiterstadt mit Super-8 und 16mm-Filmen

Das „Woodstock des deutschen Kurzfilms!“ Mit großem Super-8-Wettbewerb und Publikumsabstimmung beim Open-Air im Braunshardter Tännchen am Samstag, 10. August ab 21.30 Uhr. Am Sonntag, 11.08, wird zum ersten Mal seit vielen Jahren auch wieder ein 16mm-Filmblock präsentiert – ab 13.20 Uhr im Filmzelt.

Open-Air Filmfest Weiterstadt
Braunshardter Weg
643331 Weiterstadt
Tel. 06150-121 85
E-Mail: filmfest@weiterstadt.de
https://www.filmfest-weiterstadt.de/

Weiterstadt 2018. Foto: Eberhard Nuffer
Beitrag für Weiterstadt 2019. Foto: Eberhard Nuffer

02. November 2019: 2. Festival Super 8-Festival Neuchâtel/Schweiz

Präsentation des „In-Camera Edition Contests“: Beiträge, die mit einer einzigen Super-8-Cassette gedreht und in der Kamera „geschnitten“ wurden. Auch die „Macher“ sehen ihr Werk bei der Präsentation zum ersten Mal.

ENS8FF
Association Super8.Neuch
Châtelard 19
2022 Bevaix
Suisse
info@ens8ff.ch

08.-10. November 2019: Filmertreffen Berlin 

Treffen der „Schmalfilmer“ aus dem Filmvorführer-Forum: Vorführung selbst gedrehter Filme in 8- und 16mm, gemeinsames Super-8-Filmprojekt.

08.11.19 Anreise, gemeinsames Abendessen im Lokal „Zum Haxnwirt“
09.11.19 Filmertreffen im Lichtkeller der Malzfabrik nach Ansage

https://www.filmvorfuehrer.de/topic/30173-filmertreffen-berlin-herbst-2019/

Anmeldung (erforderlich!) unter: https://doodle.com/poll/nktig9eawv4ntuxv

Kosten:  Die Raumiete (EUR 380,00) wird auf die Teilnehmer umgelegt, zzgl. EUR 10,00 Getränke-/Snack-Umlage pro Person 

15.-17. November 2019: Blackpool Convention

15.11. Friday Night Film Show, 20.00 Uhr
16.11. Saturday Evening Meal mit Quiz, Raffle-Film-Show etc.
17.11. Film Fair mit Händlertischen (Filmkopien und Geräte 8, 16 und 35mm), Auktionen und Film-Shows: 10.00 Uhr (Eintritt 6,00 GBP)

Grand Hotel (ehemals Hilton)
North shore, Blackpool
FY1 2JQ
England

Tischbuchungen und Informationen:
Elaine Guest: +44-7931-45 78 17  

Private Film-Museeen 

Kameramuseum Marburg

Ca. 250 Filmkameras in Normal-8, Super-8, 9,5mm, 16mm und 35mm sowie eine Handvoll Projektoren und Filmbetrachter. In Vorbereitung: Eine spezielle 9,5mm-Sektion.

Kameramuseum Marburg
Inh. Günter Giesenfeld
Am Grün 44
35037 Marburg
Tel. 06421-12170
E-Mail: guenter@giesenfeld.de
Website: http://www.giesenfeld.de/Kameramuseum/Museum.html
Öffnungszeiten: Sonntags 14.00 – 18.00 Uhr und nach Vereinbarung.
Sonntags ab 17.00 Uhr: „Stehkino“ mit Filmen aus der Sammlung.

Fotos: Eberhard Nuffer

Schmalfilmmuseum Dragan Jovanovic

Über 300 Filmkameras und 150 Projektoren in Normal-8, Super-8 und 16mm, Schneidetische, Produktionsfotos etc. 

Schmalfilmmuseum DJ-Film
Inh. Dragan Jovanovic
Gartenstrasse 33
49744 Geeste-Osterbrock
Tel. 05907/5859980
Mobil: 01523/2007207
E-Mail: djfilm@gmx.de 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 14.00 – 18.00 Uhr und nach Vereinbarung.

Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Auch bei der 43. Ausgabe des Filmfests in Weiterstadt wird es am Samstag 10. August 2019 abends ab 22.00 Uhr den traditionellen Super8-Filmwettbewerb geben.

Das Wettbewerbsprogramm bestehend aus acht Super-8-Filmen ist seit ein paar Jahren in 2 Blöcke aufgeteilt, unterbrochen von 2 digitalen Projektionen (Platz 2 und 3 der Satirischen Kurzfilmtage Rüsselsheim). Das Filmfest will durch diese Mischung die Zuschauer an den Samstagabend mit seinem Super-8-Wettbewerb binden, da Super-8 mittlerweile leider nicht mehr den üblichen Sehgewohnheiten entspricht. Das sonstige Filmprogramm wird seit Jahren komplett digital projeziert.

Umso schöner, daß es die analoge Super8-Ecke in Weiterstadt noch gibt !

Aufhellen zu dunkler Schwarzweiss-Filme

Aufhellen zu dunkler Schwarzweiss-Filme

Vielleicht kennen auch andere hier das chronische Problem zu dunkler SW-Umkehrfilme. Zumindest mir geraten SW-FIlme fast nie (durchgängig) zu hell, sondern eher zu dunkel. Vor allem bei Ablaufware und obskurem Russenmaterial etc. passiert das, ebenso bei Nachlässigkeit in der Entwicklung oder fehlendem Kaliumrhodanid-Additiv.

Oft hat man auch einfach mal einen Grundschleier (also schlechte Dmin)… Gründe gibt es viele.

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