Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs Weiterstadt 2019

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs  Weiterstadt 2019

Am vergangenen Samstagabend stand beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt traditionell der Super-8-Filmwettbewerb auf dem Programm.

Entspannte Biergarten-Atmosphäre auf dem Festivalgelände

Aus acht analog mit Filmprojektor projezierten Super-8-Kurzfilmen wurden durch Publikumsabstimmung folgende Gewinner-Filme gekürt:

Der dritte Platz

ging an Manuel Francescon und Michael Sommermeyer für ein Found-Footage-Projekt :

Abbildung aus dem Festival-Programm

Den zweiten Platz

belegte Mangus Irvin mit einer absurd-artifiziellen Hommage an die klassischen Horrorfilme der 1930er-Jahre, insbesondere natürlich die „Frankenstein“-Filme

Der „Frankenstein“-Arzt erinnert aber auch an Pierre Brasseur in seiner Rolle als Dr. Génessier in „Les yeux sans visage“:

Die Scherenschnitt-Sequenz erinnert an die Filme von Lotte Reiniger, allerdings gepaart mit Splatter-Effekten…

Abbildung aus dem Festival-Programm

And the Winner is…

Achteraus – ein Film von Gunnar Grah, Andreas Kersten und Florian Rau.

Die Gewinner von rechts nach links: Andreas Kersten, Florian Rau (mit dem Hirschen!) und Gunnar Grah

Der auf dem ersten Blick unscheinbare Film zeigt alle Handlungsabläufe rückwärts. Bei klassisch-analogem Film -und bei Verwendung einer üblichen Kamera, die nur „vorwärts“ filmen kann- bedeutet dies, daß mit der Kamera auf dem Kopf stehend gefilmt wird, um anschliessend den Filmstreifen „auf den Kopf zu stellen“ – sprich das Ende an den Anfang zu setzen. Bei Super-8 kommt hierbei erschwerend hinzu, daß aufgrund der einseitigen Filmperforation der Film auch noch gewendet werden muss und somit alle Aufnahmen spiegelverkehrt erscheinen. Die im Film zu sehenden Zeitungsartikel wurden von den Filmemachern daher in Spiegelschrift angefertigt!

Schematische Darstellung, wie eine einzelne „Rückwärts“-Szene in einen ansonsten herkömmlich gedrehten Film eingefügt wird. Abbildung aus dem Buch „Filmen leicht gemacht“ von Fritz Meisnitzer

Als zusätzliche Hürde hatten es sich die drei Filmemacher zur Aufgabe gemacht die Filmhandlung durchgehend ohne nachträglichen Schnitt zu filmen. Die Handlung wurde also auf einer Super-8-Kassette komplett in der „rückwärts richtigen“ Reihenfolge abgedreht.

Rückwärtsfilmen, ein klassisch-analoger Filmtrick, eigentlich aus der Kintopp-Mottenkiste, hier aber konsequent und überzeugend zu Ende gedacht und sehr überzeugend umgesetzt.

Wieder einmal konnten die drei Filmemacher, die bereits mit The Brain Modulator und Veterok auf verschiedenen Festivals erfolgreich waren, das Publikum überzeugen.

Nicht überzeugen

konnte an diesem Abend leider die analoge Super-8-Filmprojektion im Vergleich mit den vorher, nachher und auch noch in der Halbzeit des Super-8-Wettbewerbs mit DCP-Beamer gezeigten digital produzierten Filmen.

Der legendäre Fumeo-Projektor in der Vorführer-Hütte von Weiterstadt

Für die Super-8-Projektion wurde annähernd die gesamte Höhe der Leinwand ausgenutzt, was eine Projektionsgröße von fast 8 x 6 Metern bedeutet. Dies ist zwar ambitioniert, aber für das kleine „Heimkino“-Super-8-Format definitiv zu viel, trotz eines Fumeo-Großraumprojektors mit 500W-Xenonlampe, der seit Jahren in Weiterstadt zum Einsatz kommt. Das Bild war immer leicht unscharf, flau und etwas zu dunkel. Die nicht abgekaschte unscharfe Bildmaske trägt dann noch zum subjektiven Unschärfeempfinden bei. Leider war darüberhinaus bei manchen Filmen der Bildstrich nicht korrekt eingestellt und im Laufe der Filme sammelten sich immer mehr Flusen sichtbar im Bildfenster. Der Charme einer „echten“ Filmprojektion konnte so dem Publikum leider nicht vermittelt werden.

Eine etwas kleiner gehaltene Projektion auf der riesigen Leinwand hätte der Bildqualität gut getan. (so -glaube ich mich zu erinnern- habe ich es 2015 bei meinem letzten Weiterstadt-Besuch gesehen) .

Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Auch bei der 43. Ausgabe des Filmfests in Weiterstadt wird es am Samstag 10. August 2019 abends ab 22.00 Uhr den traditionellen Super8-Filmwettbewerb geben.

Das Wettbewerbsprogramm bestehend aus acht Super-8-Filmen ist seit ein paar Jahren in 2 Blöcke aufgeteilt, unterbrochen von 2 digitalen Projektionen (Platz 2 und 3 der Satirischen Kurzfilmtage Rüsselsheim). Das Filmfest will durch diese Mischung die Zuschauer an den Samstagabend mit seinem Super-8-Wettbewerb binden, da Super-8 mittlerweile leider nicht mehr den üblichen Sehgewohnheiten entspricht. Das sonstige Filmprogramm wird seit Jahren komplett digital projeziert.

Umso schöner, daß es die analoge Super8-Ecke in Weiterstadt noch gibt !

Zwei Schmalfilmabende in Dresden

Zwei Schmalfilmabende in Dresden

Halbzeit bei den Schmalfilmtagen in Dresden. Ich war mit einem Film im Found-Footage-Wettbewerb am Donnerstagabend vertreten und lies mir auch das Programm am Freitag nicht entgehen.

Wie immer waren die Beiträge bunt gemischt. Es gab „echte“ Filmprojektionen in Super8 und 16mm, viele Filme wurden aber als digitale Fassung gezeigt.

Donnerstagabend

Auszug aus dem Festivalprogramm

Zur Eröffnung am ersten Abend gab es Amateurfilm in seiner reinsten Form: private Urlaubs-/Reisefilme eines Herrn Eisenhuth, ehem. Kapitän zur See, die sich in ihrer selbstironischen Machart von den üblichen Flohmarktfunden dieser Art abheben. Eine kleine Auswahl der Filme wurde im Original mit Super8-Projektor vorgeführt. In der Festival-Lounge gab es Abtastungen der übrigen Filme zu sehen.

Sehr interessant fand ich das darauffolgende Programm mit Filmen des amerikanischen Avantgarde-Filmers Stan Vanderbeek. Es wurden 16mm-Filmkopien projeziert, die eigens von der Film-maker’s Cooperative zur Verfügung gestellt und aus USA eingeflogen wurden.

Auszug aus dem Festivalprogramm

Hauptprogramm am ersten Abend war der Found-Footage-Wettbewerb. Hier gewann der bereits mehrfach preisgekrönte Film THE HOUSES WE WERE von Arianna Lodeserto sowohl den Publikums- als auch den Jury-Preis.


„In sensiblen Bildern nähert sich der Film dem Anliegen, ein historisches Phänomen auf seine Gegenwärtigkeit zu befragen. Der Film legt in einer überzeugenden Montage die Schicksale derer frei, die im offiziellen Diskurs fortwährend vergessen werden“, so die Jury am Donnerstag abend.

Den Abschluss am Donnerstagabend bildeten 4 Filme aus dem Köln-Kuba-Projekt der Kunsthochschule für Medien in Köln. Leider lief nur der letzte davon als 16mm-Kopie.

Auszug aus dem Festivalprogramm

Freitagabend

Der Freitagabend begann mit sperrigen Experimentalfilmen von Dore.O

Auszug aus dem Festivalprogramm

Der anschliessende Live-Vertonungswettbewerb bot deutlich leichter konsumierbare Filmkost. Stumme Heimfilme aus alter Defa-Produktion wurden in unterschiedlichsten Stilen vertont und zum Teil auch mit Geräuschen untermalt.

Die Gruppe „Bamd“ – eine der beiden Siegergruppen

Den Abschluss in der Motorenhalle bildete dann ein Programm mit vier Filmen der tschechischen FIlmgruppe „Bullshit“ aus den 80er/90er Jahren.

Im Programm angekündigt als Underground handelt es sich aber bei diesen Filmen vielmehr um Surealistischen Film in der Tradition eines Jan Svankmeier , mit dem die Filmgruppe „Bullshit“ den Vergleich nicht zu scheuen braucht.

Nach Mitternacht ging es dann noch einen Häuserblock weiter in den Keller des Riesa Efau zur Trash-Film-Nacht mit „Perlen“ auf 16mm.

Den Höhepunkt bildete ein Pferderennen als Installation mit 3 Normal-8-Projektoren. Dieser Animationsfilm wurde von Jan Nordsieck, einem der Mitorganisatoren des Festivals angefertigt

Noch das ganze Wochenende,

stehen bei den Dresdner Schmalfilmtagen neben dem Internationalen Wettbewerb am Samstagabend verschiedene Filmprogramme und mehrere Workshops auf dem Programm.

Es lohnt sich!

Agfa Microflex für Provie und E100D fit machen

Agfa Microflex für Provie und E100D fit machen

 

Seit einiger Zeit befindet sich unter meinen Kameras eine Agfa Microflex 100, die offenbar noch ganz fehlerfrei funktioniert. Zumindest haben Testaufnahmen mit abgelaufenem, selbstentwickelten Moviechrome einwandfreie Ergebnisse gebracht.

Die Microflex mit ihrem Metallgehäuse ist sehr wertig verarbeitet und mit Ihren kleinen Abmessungen eine ideale Taschenkamera zum „überall Dabeihaben“. Gerne wollte ich sie daher auch mit aktuellem Farb-Umkehrmaterial mit 100 ASA Empfindlichkeit und Tageslicht-Sensibilisierung benützen, jedoch ist die Agfa Microflex 100 nur für die Verwendung mit 40 ASA-Kunstlichtfilm – dem Standardfilmmaterial seinerzeit – vorgesehen:

Die Filmempfindlichkeit ist mit 40 ASA fest eingestellt, eine Vorrichtung im Kassettenfach zur Empfindlichkeitserkennung oder gar die Möglichkeit der manuellen Einstellung der Filmempfindlichkeit fehlen.

Die Belichtungsmessung erfolgt bei der Microflex 100 nicht durch das Objektiv sondern über einen darüber angeordneten externen Belichtungsmesser. Diesen Umstand habe ich mir zunutze gemacht, um 100 ASA-Filme korrekt belichten zu können: Durch die Verwendung eines Graufilters mit Faktor 2 vor dem Objektiv wird die eintretende Lichtmenge um 50% reduziert, was der Verwendung eines Films mit 50 ASA anstatt 100 ASA entspricht. Dies kommt der kameraseitig eingestellten Empfindlichkeit von 40 ASA nahe genug, um korrekt belichtete Aufnahmen erwarten zu können.

Jedoch hat das Kameraobjektiv kein Filtergewinde und durch den Schiebe-Mechanismus der Schärfeeinstellung gibt es auch keine Möglichkeit einen Aufsteckfilter zu verwenden.

Ich habe mir mit einem Filter mit Durchmesser 35,5 mm geholfen, der verkehrt herum auf das Objektiv gesteckt wird und mit Klebeband so fixiert wird, daß die Schärfeeinstellung weiterhin ungehindert möglich ist.

Ein Filter mit Durchmesser 35,5 mm passt verkehrt herum optimal an das Objektiv der Microflex 100
Der verkehrt herum aufgesteckte Graufilter, noch ohne Klebeband-Fixierung – bei Betätigung der Schärfeeinstellung würde er herunterfallen
Fixierung des Filters mit Klebeband – Schärfe-Markierungen ausgeschnitten

Nun galt es noch, den fest eingestellten „Kunstlichtmodus“ der Kamera zu überlisten bzw. das Tageslichtfilter auszuschwenken. Ein hierfür bei den meisten anderen Kameras vorhandener Schalter fehlt bei der Microflex 100 ebenfalls. Der Filter kann nur auf umständliche Art und Weise ausgeschwenkt werden, wenn mit einer ausreichend langen Schraube ein Kontakt am Boden des Stativgewindes eingedrückt wird. Entsprechende Schrauben sind im Online-Fotozubehörhandel in verschiedenen Ausführungen erhältlich.

Achtung: Die üblichen Stativgewinde-Adapterschrauben sind zu kurz und lösen den Kontakt am Gewindeboden der Kamera nicht aus!

 

 

 

Die 3 Gewindeschrauben links im Bild sind mit jeweils ca. 10 mm Schraubenlänge ausreichend lang. Rechts zum Vergleich eine übliche Stativgewindeschraube mit zu kurzem Gewinde.

Der erste Provie lief mittlerweile erstaunlich reibungslos, ohne die bei diesem Filmmaterial bekannten Filmklemmer durch meine entsprechend umgerüstete Agfa Microflex 100. Nach der Entwicklung des Films durch Frank Bruinsma wird sich zeigen, ob diese Maßnahmen die gewünschte Wirkung gezeigt haben.

Kostengünstig Super-8-Einzelbilder digitalisieren

Kostengünstig Super-8-Einzelbilder digitalisieren

Zum Abfotografieren von Super-8-Einzelbildern wurden „seinerzeit“ verschiedene Spezial-Objektive für Kleinbild-Spiegelreflexkameras angeboten.

Mit diesen speziellen Macro-Objektiven war das formatfüllende Reproduzieren von Super8- und/oder 16mm-Einzelbildern auf Kleinbild-Film möglich. Der Anschluss erfolgt über T2-Gewinde-Adapter an die unterschiedlichen Kamera-Bajonette.

Der Rondo Copy-Tube-8 wird oft im Internet angeboten
Mit diesem Produkt von Fuji lassen sich durch die Verwendung von verschieden langen Verlängerungs-Tuben und auswechselbaren Filmmasken Super8- und 16mm-Einzelbilder abfotografieren. Ohne Maske und mit der 16mm-Verlängerungstube lassen sich 2 Super8-Einzelbilder mit Perforation abfotografieren („Open Gate“)

Ich nutze Einzelbilder aus Super8-Filmen gerne für Flyer oder Film-Cover. Zum Bearbeiten am Computer mit den üblichen Bild- oder Layout-Programmen ist das analoge Kleinbild-Negativ oder -Dia als Grundlage natürlich suboptimal.

Bei Verwendung dieser Objektive an digitalen Kameras mit Wechselobjektivanschluss gibt es jedoch folgendes Problem: Nur bei teueren Kameras mit Vollformat-Sensor, der in seiner Größe dem Kleinbild-Format entspricht wird das Filmbild komplett erfasst.Bei allen anderen Digitalkameras ist mit diesen Objektiven nur eine Ausschnitt-Vergrößerung des einzelnen Filmbildes möglich.

Auch sind diese Objektive recht lichtschwach und benötigen Tageslicht für einigermaßen kurze Belichtungszeiten.

Ich war daher auf der Suche nach einer Möglichkeit mit kostengünstigen Mitteln Filmbilder bzw. Filmstreifen mit einer für diese Zwecke ausreichenden Qualität digital abfotografieren zu können, oder um sie so auf schnelle und einfache Art im Internet veröffentlichen zu können.

Da ich als eingefleischter analoger Fotograf und Filmer keine „anständige“ Digitalkamera besitze habe ich mir für einen zweistelligen Euro-Betrag den Kamera-Body einer etwas älteren digitalen Spiegelreflexkamera besorgt. In meinem Fall war dies eine Nikon D100 – Nikon deshalb, weil mein T2-Adapter für Nikon-Bajonett vorgesehen ist.

Als Reproduktions-Objektiv benutze ich einen Hama-Diaduplikator mit Zoom-Vergrößerungsmöglichkeit, ebenfalls im Internet günstig gebraucht erhältich. Dieser Duplikator war ursprünglich dazu gedacht Ausschnittvergrößerungen von Kleinbild-Dias oder -Negativen anzufertigen.

 

Die Dia-Halterung mit lichtstreuender Milchglas-Scheibe wird entfernt, da sie beim Einlegen von längeren Filmstreifen hinderlich ist.

Ein alter Meopta-Vergrößerer dient als Repro-Stativ. Hierfür gab es früher einen speziellen Reproarm im Fotozubehör, der anstelle des Vergrößerungskopfes angeschraubt wurde und an dem die Kamera befestigt wird.

Der Reproarm für Meopta-Vergrößerer – vor 20 Jahren bei Foto Brenner gekauft

 

Als Leuchtpult nutze ich ein neues aber kostengünstiges Modell von Dörr.

Durch den Vergrößerungs-Faktor des Duplikators zusammen mit dem „Crop“-Faktor des Digitalkamera-Sensors sind theoretisch nun annähernd formatfüllende Aufnahmen von Super8-Einzelbildern möglich.

Theoretisch deshalb, da sich bei meinem „Versuchs“-Aufbau ab einem Zoom-Faktor von ca. 1,6 immer stärker ein Hotspot-Effekt bemerkbar macht.

So belasse ich es bei abfotografierten Filmstreifen mit einer Vergrößerung auf bis zu 3 Super8-Einzelbildern. Gerade diese Aneinanderreihung von Einzelbildern in Verbindung mit der sichtbaren Filmperforation und evtl. Randbeschriftungen bringt die besondere Ästhetik des Schmalfilms auch im Standbild zum Ausdruck. Diese Darstellung wirkt in gewisser Weise „authentisch“.

Die Auflösung ist für die Veröffentlichung im Internet oder für die Verwendung für Flyer/Cover ausreichend. Für gute Vergrößerungen in Foto-Größe reicht diese Geräte-Kombination nicht ganz. Hier abschliessend ein paar Beispiele:

 

Inside Bolex

Inside Bolex

Filmemacher und Beteiligte des „Analog Resistance Festivals“ hatten am Festival-Samstagvormittag Gelegenheit die Firma Bolex in Yverdon-Les Bains zu besuchen.

Ankunft bei Bolex – stilgerecht mit zeitgenössischen Automobilen (Fahrzeuge der Organisatoren)
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