Filmkorn präsentiert: Synkino

Filmkorn präsentiert: Synkino

Filmkorn präsentiert: Synkino

Digitaler Synchronton für 8 und 16 mm-Film, endlich leicht gemacht!

Bist du es leid, Stummfilme vorzuführen? Hast du jemals an eine dieser alten Zweiband-Methoden mit Magnetband und proprietären Synchronisationsgeräten gedacht, die wie die 70er Jahre aussahen (und rochen)?

Das ist nicht mehr nötig.

Hä? Was ist das?

Synkino ist im Grunde genommen ein digitaler Musikplayer, welcher der Geschwindigkeit deines Projektors Einzelbild für Einzelbild folgt und seine Audio-Wiedergabegeschwindigkeit nach Bedarf anpasst, um eine lippensynchrone Tonwiedergabe zu gewährleisten.

Klingt gut, erzähl mir mehr!

Im Gegensatz zu den alten Spulentonbandgeräten ermöglicht kein digitaler Musikplayer, den ich gefunden habe, ausreichend granulare Geschwindigkeitskorrekturen, um der tatsächlichen Geschwindigkeit eines Projektors exakt zu folgen. Deshalb habe ich einen gebaut. Für mich, für dich, für jeden Interessierten. Er ist Open Source und funktioniert großartig. Er funktioniert mit jedem Projektor und Filmformat – wenn man will, sogar mit einem handgekurbelten 9,5 mm-Projektor! Außerdem ist es super simpel und erfordert keine permanenten Projektor-Modifikationen. Guck ihn dir an!

Benutzbar ohne Gehäuse, in einer Schachtel oder angebracht im Projektor… Deine Wahl!

Wie man sieht, ist er winzig und kann leicht in einen Projektor eingebaut werden oder auch einfach daneben liegen. Die Konstruktion ist robust und funktioniert auch ohne Gehäuse gut, aber zögere nicht, dir eins zu bauen, wenn du willst – ich persönlich fand die Elektronik zu schön, um sie in einer Plastikhülle zu verstecken.

Und wie funktioniert das?

Oben rechts sieht man einen microSD-Kartenleser. Dort steckt man die fingernagelgroße Speicherkarte ein. Eine 32 GB-µSD-Karte kostet etwa 10 Euro und kann schon Hunderte Stunden Audio speichern, sodass du hier keine teure, riesige Speicherkarte benötigst.

Wie viele moderne elektrische Geräte verfügt Synkino über nur einen Drehknopf zur Steuerung. Er ist kinderleicht und intuitiv zu bedienen.

Die Ports: ein µSD-Slot, der Audioausgang und zwei 2,5 mm Stecker zum Anschluss der „Augen“

Ebenfalls auf der Oberseite befinden sich drei Kopfhörerbuchsen. Die rechte ist für den Stereo-Sound; schließ ihn einfach an deinen normalen Verstärker oder einen Bluetooth-Lautsprecher an, wie es gerade passt. Die beiden anderen (2,5 mm) Buchsen sollen die „Augen“ des Synkino verbinden. Ja, genau wie du hat er zwei davon:

  • Das eine Auge ist ein Sensor, der das Flackern des Projektors oder das Drehen der Motorwelle überwacht. Keine Magnete, keine permanenten Modifikationen, keine zusätzlichen Vorrichtungen: Dieses Auge ist so groß wie ein Fingernagel und muss beim Benutzen des Projektors nur ca. 1 cm von etwas entfernt sein, dass sich im Bildtakt (oder einem vielfachen davon) bewegt. Man kann es auch über ein Stück Glasfaserkabel am Rand des Objektivs „gucken“ lassen, damit es das Flackern sieht. Ganz einfach.
  • Das andere Auge soll erkennen, wo der eigentliche Film beginnt. Man braucht keine Startmarken, Metallaufkleber oder nerviges Hin und Her, um den ersten Frame zu finden. Alles, was man braucht, ist ein weißer Vorspann, der irgendwo endet. Man kann dieses Auge an einer beliebigen Stelle vorm Bildfenster montieren, da der Abstand zwischen Bildfenster und diesem Auge einfach in den Synkino programmiert wird. Für bis zu ein Dutzend Projektoren, wenn man will, denn wer hat heutzutage schon nur einen Projektor?
Winzige Augen: Sie können gerade oder angewinkelt angebracht werden, so wie es benötigt wird. In oder an deine Projektoren. (Ja, Mehrzahl!)

Sobald du alles eingerichtet hast, kodiere deine Audiodateien in AAC oder M4A (oder MP3 oder OGG, die ich aber kaum getestet habe, da ich sie nicht mag) und kopiere sie auf die SD-Karte. Sie müssen hier einem einfachen Namensschema folgen: Jede Filmrolle hat eine Nummer, und dein Film Nr. 1 erhält den Dateinamen „001-24.m4a“ – Der Teil hinter dem Strich ist die Bildrate, in der der Film aufgenommen wurde.

Deine SD-Karte sollte jetzt etwa so aussehen:

Ganz einfach, oder?

Und wie benutzt man das jetzt?

  • Nimm die gewünschte Filmrolle – z. B. Nr. 007 – und befestige sie am Projektor
  • Führe den Filmanfang in den Projektor ein
  • Starte Synkino und wähle Titel Nr. 007
  • Starte den Projektor

Das war’s!

Sobald der Vorspann endet und das Bildfenster erreicht hat, beginnt Synkino, den Ton abzuspielen. Wenn der Projektor langsamer wird, tut Synkino es ihm gleich. Wenn der Projektor dazu neigt, schneller zu werden, macht Synkino das auch. Es spielt keine Rolle, wie viele Stunden der Film lang ist, Synkino bleibt synchron. Selbst wenn man den Projektor mittendrin anhält oder mit falscher Geschwindigkeit startet (z. B. mit 18 fps statt 24 fps) – Synkino holt auf und rastet in die Synchronisation ein.

Technische Details!

Synkino verwendet für die Wiedergabe digitaler Musik den bekannten DSP VLSI 1053B.

Sein Samplecount-Register wird zusammen mit einem Einzelbildzähler verwendet, um einen PID-Regler zu speisen und die vom DSP verwendete Sample-Rate in Echtzeit anzupassen. Auf dem Board befinden sich zwei Atmega328-Mikrocontroller, der eine schaufelt Daten von der SD-Karte in den DSP und betreibt den PID-Regler, der andere ist für das Display, die Benutzeroberfläche, zwei EEPROMs und Organisatorisches zuständig. Die beiden µCs kommunizieren über I2C.

Also ja: Synkino besteht aus zwei Arduinos! Tatsächlich sind beide Mikrocontroller zu 100 % arduinokompatibel, sodass man die Funktionalität leicht erweitern, optimieren und eigene Ideen hinzufügen kann. Die ungenutzten Ports beider Controller werden sogar zum Rand der Platine geführt, sodass das Hinzufügen weiterer Sensoren oder Aktoren sehr einfach sein sollte. Außerdem gibt es auf beiden Seiten der Leiterplatte FTDI-Ports, was die Programmierung so einfach macht wie z. B. die eines Arduino Pro oder Pro Micro. Du musst nichts erweitern, aber du kannst es, wenn du willst! Die Steuerung der Stromversorgung deines Verstärkers, deiner Raumbeleuchtung oder das Hinzufügen eines RFID-Lesers zur Erkennung von markierten Filmrollen durch einfaches Wischen sind nur einige Ideen, die du gern hinzufügen kannst.

Die freien Pins beider Mikrocontroller sind für den eigenen Gebrauch zur Verfügung gestellt – falls nötig. Es gibt auch FTDI- und ICSP-Anschlüsse für die einfache Programmierung, wie es von Arduinos bekannt sein könnte.

Und wie kriege ich davon einen?

Synkino ist gratis!

Nun, Synkino ist ein Open-Source-Projekt, so dass man selbst einen bauen kann. Alles ist auf Github, die Quellen, die Schaltpläne, eine ausgeklügelte geroutete Leiterplatte und alle benötigten Bibliotheken. Aber sei gewarnt: Es ist ein Projekt mit winzigen SMD-Bauteilen und es gibt etwa 500 Pads zu löten. Ich habe drei Jahre meiner Freizeit mit diesem Projekt verbracht und kann dir versichern, dass es keinen Spaß macht, den Fehler auf einer SMD-Platine mit einem TQFP-48 Fine-Pitch-Chip zu finden. Es ist durchaus machbar, wenn man etwas Erfahrung im Löten hat, KiCad kennt, ein Mikroskop besitzt und viel Zeit hat, also bau einen. Oder zehn. Oder hundert!

Durch das lange Basteln habe ich jedes Teil mehrfach auf Vorrat, und kann dir deshalb mit einem von drei Angeboten weiterhelfen, solange der Vorrat reicht. Das deckt dann etwa meine Kosten:

Für 99 € bekommst du einen Bausatz. Er beinhaltet die Platine (doppelseitig, vergoldet, blaues FR4) und alle mehr als 150 Teile, inklusive OLED-Display, den DSP, den Aluminium-Drehknopf, und was man noch auf den Fotos hier sieht. Damit kostet er in etwa so viel, wie ich für die Teile bezahlt habe. Du solltest außerdem meinen C-Code verstehen und fortgeschrittene Lötfähigkeiten, ein Oszilloskop, ein gutes Multimeter und einige Erfahrungen mit AVR-Microcontrollern haben.
Für 199 € bekommst du das selbe wie oben, nur dass die Halbleiter schon aufgelötet und die Mikrocontroller programmiert sind. Alle „Zweibeiner“ und Durchsteckmontageteile müssen noch auf die Platine gelötet werden, das sind noch etwa 250 Lötstellen. Dieses Angebot ist für Leute, die keine Angst vor dem Löten von SMD (0805) haben, aber keine empfindlichen Finepitch-Halbleiter mögen. Das Finden von Fehlern und das Ersetzen von verlorenen Komponenten (die 0805-Widerstände springen gerne mal weg) ist deine Aufgabe!
Für 299 € gibt es einen getesteten und vollständig zusammengesetzten Synkino, so wie oben auf den Bildern gezeigt. Du musst nur noch deine Audiodateien auf eine microSD-Karte kopieren und die beiden Augen an dem Projektor platzieren und bist von nun an immer bereit, deine Filme mit synchronisiertem Ton zu genießen.

Diese Angebote werden nur so lange bereitgestellt, wie der Vorrat reicht.
Ich habe einen täglichen Job und viele Hobbys und da manuelles Zusammenlöten eine ganze Weile dauert, werde ich keine Massenproduktion starten. Ich habe aber kein Problem, wenn jemand anderes das machen will.
Es ist immer noch Open-Source 🙂


Ich will...
den komplizierten Bausatz für 99 €den vorgelöteten, einfacheren Bausatz für 199 €das betriebsbereite Modul für 299 €

(zzgl. Versand)

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Friedemann Wachsmuth

Schmalfilmer, Dunkelkammerad, Selbermacher, Zerleger, Reparierer und guter Freund des Assistenten Zufalls. Nimmt sich immer viel zu viele Projekte vor.

2 Kommentare

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Herbert Schmelzer Veröffentlicht am19:05 - 3. Januar 2019

Super Idee! Freue mich auf den ersten Test!

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Wolfgang Thuille Veröffentlicht am02:29 - 11. März 2019

Das ist eine grossartige Idee! Vor der Regelung von digitalem Ton bin ich bisher immer zurückgeschreckt, auch mangels Programmierkenntnissen.
Interessant wäre es, dieses Modul in den kompletten Heimfilmer-Workflow so einzubinden, dass es auch bei der Erstellung der synchronen Audiodateien nützlich ist.
Bisher übertrage ich die fertig geschnittenen (Stumm-)Filme per Kamera auf Video und vertone mit iMovie oder auch Garageband. Die Übertragung erfolgt mit einem Projektor, der im Quarztakt arbeitet (eigene Konstruktion mit eigenem Synchronizer für den Projektor). Dadurch ist das digitale Duplikat für iMovie auch im Quarztakt mit 24,000 fps. Die Wiedergabe bisher erfolgt durch Parallelbetrieb von Projektor und Audiodatei, wobei der Projektor entweder wieder im Quarztakt läuft oder über eine Implusspur von der Audiodatei gesteuert werden kann.

Mit dem Synkino könnte nun die Vorführung viel einfacher bewältigt werden und immer mit Zweikanalton.

Wie ist bei diesem System die Unterstützung der Vertonungsarbeit gedacht, ohne einen eher aufwändigen Projektor-Synchronizer zu benutzen?
Enthält das Angebot bereits die optischen Sensoren, bzw. sind die auch einzeln dazukaufbar?

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