S/W-Film colorieren – Ein Versuch mit Colorvir

S/W-Film colorieren – Ein Versuch mit Colorvir

Seit Erfindung des Films wurden schwarz-weiße Filmbilder auch farbig gestaltet. Bekannt sind monochrome Tonungen ganzer Stummfilmsequenzen, z.b. in Blau bei Nachtszenen oder aber auch Handcolorierung der einzelnen Filmbilder (was natürlich beim kleinformatigen Super8 einigermaßen mühsam ist).

Ich habe vor geraumer Zeit einmal mit der Colorierung von Tri-X-Resteschnipseln experimentiert und dabei die Chemikalien des Colorvir-Systems verwendet, welches sich noch in meinem Labor-Fundus befindet.

Das Colorvir-System war bis Anfang der 2000er Jahre im gut sortierten Fotohandel erhältlich und hauptsächlich für die Colorierung von S/W-Papierabzügen gedacht. Im Anwendungsleitfaden wird jedoch auch die Behandlung von S/W-Diafilmmaterial erwähnt (ab S. 41 im Colorvir-Leitfaden).

Das Colorvir-System mit seinen unterschiedlichen Tonern und Färbemitteln eröffnet(e) fast grenzenlose Möglichkeiten der farbigen Nachbehandlung von S/W-Bildern.

Diese Farbtafel aus dem Colorvir-Leitfaden zeigt einige Möglichkeiten der Farbgestaltung mit den System-Chemikalien

Die Super-8-Filmstreifen habe ich einer mehrstufigen Behandlung bestehend aus Tonung, (chemischer) Solarisation und anschliessender Färbung gemäß den Vorgaben im System-Leitfaden unterzogen.

abschliessende Behandlung mit Polychromie-Färbung K (Farbton Rot)

In der Projektion wirkt die Colorierung leider etwas unruhig:

Wer sich näher über das Colorvir-System informieren möchte: Der Leitfaden als pdf befindet sich hier

Interview with Patrick Müller

Interview with Patrick Müller

In July, Lina Gasser from Switzerland interviewed me for her Matura thesis SUPER 8 – AN ANALOGUE SHORT FILM. I answered her questions.

How did you come to filmmaking? What attracts you to it?
In the beginning there was a huge passion for cinema. The films of Truffaut, Godard, Hitchcock, Stanley Kubrick and John Ford told me more about life than other art forms. After having given lectures on selected films by my favorite directors during my studies in 2003, it was studying abroad in Paris in 2006, during which I attended the Cinémathèque française almost every evening, that I got the idea to try filmmaking. Back in Germany, full of ideas and having hundreds of subversive-transgressive experimental films in my head, I took a camera and went into the woods. The resulting short film was then very positively discussed by friends and film students. Over the years I made more and more short films, which then even ran regularly at festivals. What makes me excited about filmmaking is the moving image: while a painting is quite static, in film, one can now show movement, relate music and sound, and create a unique rhythm through editing. Film as the art form of the 20th century unites almost all other arts in itself. A unique tool to express yourself.

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Schmalfilmtiteln – professioneller mit heutiger Technik

Filmtitel nach hier beschriebenem Rezept, Makrofoto eines Super 8-Einzelbilds

Handgemalt, mit Magnetbuchstaben gesetzt oder auf Papier mit Rubbelbuchstaben so entstanden Titel und sonstige Texteinblendungen in klassischen Schmalfilm-Zeiten. Dies gehörte zum typischen handgemachten Charme von Amateurfilmen und hat daher nach wie vor seine Berechtigung. Wer jedoch professioneller aussehende Schmalfilm-Titel anstrebt, die von denen in Super 8-Spielfilm-Kopien nicht zu unterscheiden sind, kommt heute mit Hilfe von Computern und Flachbildschirmen relativ einfach zum Ziel. Eine Praxisanleitung.

Nicht nur das unruhige Schriftbild von Magnet- und Rubbelbuchstaben sorgte für Amateurcharme , sondern auch der geringe Schwarzweiß-Kontrast bei auf Papier gesetzten und davon abgefilmten Titeln. Papier besitzt nur einen Bruchteil des Kontrastumfangs von Film, ungefähr 6 gegenüber 12-13 Blenden. Daher sind auch lasergedruckte und abgefilmte Titel nicht optimal: Statt z.B. zu weißer Schrift auf schwarzem Untergrund führen sie zu hellgrauer Schrift auf dunkelgrauem Untergrund, oft mit sichtbaren Papiertexturen.

Bessere Ergebnisse erzielt heute man mit Titeln, die von einem Flachbildschirm mit der Schmalfilmkamera abgefilmt werden. Hier eine Praxisanleitung:

Benötigte Technik

  • Einfachste Konfiguration: Computer mit Flachbildschirm, mindestens HD-Auflösung.
  • Alternativ, und besser: Laptop mit HDMI-Ausgang + FullHD- oder 4K-Flachbild-Fernseher.
  • Schmalfilmkamera mit manueller Belichtung, Einzelbildschaltung über Fernauslöser und (wenn möglich) mit Zoomobjektiv.

Titel setzen

Typografisch beste Ergebnisse erzielt man nicht mit Textverarbeitungsprogrammen wie Word, sondern mit Layoutprogrammen wie z.B. Adobe InDesign und Adobe Illustrator oder dem kostenlosen, für Windows, Mac und Linux erhältlichen Open Source-Programm Scribus. Layoutprogramme beherrschen nämlich mikrotypografische Feinheiten (wie z.B. Unterschneiden zwischen zwei Buchstaben), Textverarbeitungsprogramme in der Regel nicht. Eine ausgezeichnete Einführung in guten Schriftsatz und Gestaltungsregeln der Typografie bietet das Buch Mut zur Typografie von Jürgen Gulbins und Christine Kahrmann. Noch ein Tip: bei der Schrift nicht den aus Typografen-Sicht scheußlichen Helvetica-Abklatsch Arial oder, schlimmer noch, die Schrift Comic Sans verwenden, sondern z.B. Helvetica Neue, Franklin Gothic oder den Open Source-Font Roboto. Oder man verletzt ganz bewusst die Regeln des guten Geschmacks.

Seitenkonfiguration in 'Scribus'
Seitenkonfiguration in Scribus

So geht’s mit Scribus: Beim Programmstart ein Dokument im Querformat mit dem gleichen Seitenverhältnis wie das Filmbild anlegen, wie z.B. 28x21cm für Super 8 (mit seinem Seitenverhältnis von 5.6×4.2mm). Anschließend einen Textrahmen aufziehen, den Titel setzen, und das Dokument als Bild exportieren (über das Menü Datei Exportieren Als Bild speichern). Dabei das qualitätsverlustfreie PNG als Ausgabeformat wählen und die Größe so wählen, dass die vertikale Pixelzahl optimal für den eingesetzten Flachbildschirm ist. Handelt es sich z.B. um einen FullHD-Fernseher, wären es 1080 vertikale Pixel (bzw. 1440×1080 Pixel bei einem Super 8-äquivalenten Bild). Bei 4K-Fernsehern verdoppeln sich diese Zahlen.

In diesem Beispiel gehen wir übrigens von statischen Titeln aus. Bei bewegten Titeln empfiehlt es sich, das Titelmodul eines Videoschnitt- oder Animationsprogramms statt eines Layoutprogramms zu verwenden und Einzelbild-Sequenzen zu exportieren.

Bei konstantem Timing der Titel (z.B.: 3 Sekunden für jede Texttafel) reicht es, ein Bild pro Titel zu exportieren und sich die Zahl der nötigen Einzelbildaufnahmen pro Titel zu merken (z.B.: 54 Bilder bei 18fps). Haben die Titel jeweils ein individuell verschiedenes Timing, lieber die Bilddateien so kopieren, dass sie 1:1 den Einzelbildern im Schmalfilm entsprechen. (Also z.B. die Bilddatei des ersten Titels 54mal hintereinander kopieren; sollte der zweite Titel nur zwei Sekunden angezeigt werden, ihn 36mal kopieren etc., und dabei die beabsichtigte Reihenfolge in den Dateinamen berücksichtigen.)

Bildschirm konfigurieren

Den Bildschirm auf maximale Leuchtkraft und maximalen Kontrast einstellen, und – bei Farbfilmaufnahme – auf eine Farbtemperatur, die dem Filmmaterial entspricht.

Optimal für maximalen Kontrast und Auflösungsreserven auch bei 16mm-Betitelung sind aktuelle 4K-Fernseher mit HDR (‘High Dynamic Range’)-Unterstützung. Aber auch mit herkömmlichen HD-Fernsehern lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

Der Bildschirm muss in einem vollständig abgedunkelten Raum stehen.

Computersoftware konfigurieren

Die exportierten PNG-Bilder in richtiger Reihenfolge in einen Ordner legen und mit einem Programm betrachten, das sie im Vollbild ohne Menüs und Texteinblendungen in pixelgenauer 1:1-Ansicht anzeigen kann. Unter Windows ist das z.B. das kostenlose Programm Irfanview, unter MacOS das mitgelieferte Vorschauprogramm, unter Linux der Bildbetrachter geeqie.

Belichtung ermitteln

Richtig zu belichten ist die größte Herausforderung: Denn eine konventionelle Belichtungsmessung einer schwarz-auf-weißen Schrifttafel würde z.B. das Hintergrundweiß als Mittelgrau unterbelichten, und bei einer weiß-auf-schwarzen Tafel den schwarzen Hintergrund überbelichten. Ideal wäre, wenn schwarz unter- und weiß zugleich überbelichtet würde. Das gelingt allerdings nur bei extrem kontrast- und leuchtstarken Flachbildschirmen.

Zum besten Ergebnis kommt man nach meiner Erfahrung mit dem folgenden Trick: mit einer digitalen Kamera, die ein vollmanuelles Belichtungsprogramm besitzt (und ggfs. auch eine Smartphone-Kamera sein kann), eine Belichtungsreihe fotografieren, am Computerbildschirm sichten und die Blende der Schmalfilmkamera gemäß der Blendeneinstellung des besten Digitalbilds einstellen.

Dafür muss die Digitalkamera auf ihr Standard-Bildprofil und JPEG-Aufnahme gesetzt werden, ihre ISO auf denselben Wert wie beim verwendeten Schmalfilm, die Belichtungszeit auf 1/40 bei 18 Bildern pro Sekunde und auf 1/50 bei 24 Bildern pro Sekunde. Bleibt bei Offenblende das Bild zu dunkel, dann ist der eingesetzte Flachbildschirm zu leuchtschwach, beziehungsweise der verwendete Film nicht lichtempfindlich genug. Mit 100- und 160 ASA-Filmen (inklusive Kodak Tri-X) und einem neun Jahre alten HD-Flachbild-Fernseher habe ich in der Praxis jedoch keine Probleme.

Mit der Digitalkamera eine Blendenreihe aufnehmen, die Bilder auf dem Computer sichten und das Foto wählen, bei dem Schwarz noch nicht in Dunkelgrau ausbrennt und Weiß leuchtet. Die bei diesem Foto verwendete Blende auch an der Schmalfilmkamera – natürlich im manuellen Belichtungsmodus – einstellen.

Kamera einrichten

Bei einem 40-50 Zoll großem Flachbildschirm die Kamera ca. 2,50-3 Meter genau parallel vor dem Bildschirm auf einem möglichst schweren Stativ montieren. Den Laptop (oder die Tastatur des PCs) direkt neben der Kamera aufstellen. Die Kamera so auf den Bildschirm kadrieren, dass im Film später keine Ränder sichtbar sind; dabei berücksichtigen, dass der Kamerasucher das Kamerabild nicht vollständig abdeckt. Durch maximales Einzoomen auf ein Testbild auf dem Bildschirm scharfstellen und wieder in den gewünschten Bildausschnitt herauszoomen. Den Raum verdunkeln.

Faustregel: Lieber die Kamera mit größerem Abstand zum Bildschirm positionieren und mit Telebrennweite aufnehmen, als die Kamera dicht am Bildschirm positionieren und weitwinklig drehen.

Super 8-Titel, Makrofoto eines Einzelbilds

Aufnahme

Die Titel in Einzelbildschaltung aufnehmen, statt mit laufender Kamera. (Bei laufender Kamera kommt es unvermeidlich zu Asynchronizität mit den Bildwechseln des Displays, was Geisterbilder-Überblendungen und halb belichtete Filmbilder zur unschönen Folge hat.) Das heißt: am PC oder Laptop per Tastatur das nächste Bild aufrufen, den Einzelbildauslöser der Schmalfilmkamera drücken, wieder am PC/Laptop das folgende Bild aufrufen, den Einzelbildauslöser drücken etc. – es sei denn, alle Titel haben dieselbe Länge und für jedes PC/Laptop-Bild ist eine feste Zahl von Einzelbildauslösungen an der Schmalfilmkamera nötig.

Das Aufnehmen einer Super 8-Kassette nur mit Titeln erfordert daher ungefähr 3500 Einzelbildauslösungen. Mit Drahtauslösern ist das eine zwar körperlich ermüdende, aber machbare Tätigkeit, für die das Resultat entschädigt.

Sayonara, Provie 100D

Wie Retro8 über Facebook mitteilte, wurde die Produktion von Provie100D in den Formaten Super8 und Single8 eingestellt. Grund dafür ist das Fehlen weiterer Masterrollen. In Super8 ist der Film bereits bei Retro8 ausverkauft, für Single8 scheint es noch ein paar restliche Kassetten zu geben.

Filmtipp “Chapter 9”

Filmtipp “Chapter 9”

Einzelne auf Super-8 gedrehte Filmszenen in pofessionellen Kino- und Fernsehproduktionen gibt es immer wieder – zumeist wir dabei der ganz spezielle Super-8-Filmlook für Traum- oder Erinnerungssequenzen verwendet.

Aber es gibt auch komplett auf Super-8 gedrehte Produktionen, die Ihre Premiere im Kino erleben, wie z.B. dieser Film, auf den ich durch Zufall aufmerksam wurde:

Auf der Website des Filmemachers die ansonsten wohl bewusst mit näheren Informationen geizt, gibt es hier interessante Bilder zu den Dreharbeiten.

Für die Premiere am 11.Oktober 2019 in Panama City, Florida wünsche ich viel Erfolg! Tickets gibt es hier. Vielleicht haben wir ja einmal die Chance, den gesamten Film zumindest in digitalisierter Form in einem Internet-Guckkasten zu sehen.

Filme vom FPP

Vor Jahren haben einige nordamerikanische Filmenthusiasten einen Podcast namens “Film Photography Podcast” (FPP) ins Leben gerufen. Mittlerweile betreiben sie auch einen Online-Shop, weshalb das Kürzel FPP mittlerweile für “Film Photography Project” steht. Bislang gab es dort hauptsächlich Filme für Fotokameras zu kaufen, u.a. auch in eher selteneren Formaten, wie z.B. 620. Mittlerweile bieten sie aber ebenfalls Schmalfilme an: https://filmphotographystore.com/collections/movie-film
Der Clou dabei ist, dass sie nicht nur das normale Sortiment von Foma/Kodak/Pro8mm/Orwo im Programm haben, sondern auch eine Eigenmarke. Hauptsächlich handelt es sich dabei um 16-mm-Filme, die es für ältere 16mm-Kameras/-Projektoren auch mit beidseitiger Perforation gibt. Hinzugekommen sind nun einige Normal8-Filme, mit denen man 2019 wohl nicht mehr als Neuerscheinung gerechnet hätte, wie z.B. Farbnegativfilmen:

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs Weiterstadt 2019

Die Gewinner des Super-8-Wettbewerbs  Weiterstadt 2019

Am vergangenen Samstagabend stand beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt traditionell der Super-8-Filmwettbewerb auf dem Programm.

Entspannte Biergarten-Atmosphäre auf dem Festivalgelände

Aus acht analog mit Filmprojektor projezierten Super-8-Kurzfilmen wurden durch Publikumsabstimmung folgende Gewinner-Filme gekürt:

Der dritte Platz

ging an Manuel Francescon und Michael Sommermeyer für ein Found-Footage-Projekt :

Abbildung aus dem Festival-Programm

Den zweiten Platz

belegte Mangus Irvin mit einer absurd-artifiziellen Hommage an die klassischen Horrorfilme der 1930er-Jahre, insbesondere natürlich die “Frankenstein”-Filme

Der “Frankenstein”-Arzt erinnert aber auch an Pierre Brasseur in seiner Rolle als Dr. Génessier in “Les yeux sans visage”:

Die Scherenschnitt-Sequenz erinnert an die Filme von Lotte Reiniger, allerdings gepaart mit Splatter-Effekten…

Abbildung aus dem Festival-Programm

And the Winner is…

Achteraus – ein Film von Gunnar Grah, Andreas Kersten und Florian Rau.

Die Gewinner von rechts nach links: Andreas Kersten, Florian Rau (mit dem Hirschen!) und Gunnar Grah

Der auf dem ersten Blick unscheinbare Film zeigt alle Handlungsabläufe rückwärts. Bei klassisch-analogem Film -und bei Verwendung einer üblichen Kamera, die nur “vorwärts” filmen kann- bedeutet dies, daß mit der Kamera auf dem Kopf stehend gefilmt wird, um anschliessend den Filmstreifen “auf den Kopf zu stellen” – sprich das Ende an den Anfang zu setzen. Bei Super-8 kommt hierbei erschwerend hinzu, daß aufgrund der einseitigen Filmperforation der Film auch noch gewendet werden muss und somit alle Aufnahmen spiegelverkehrt erscheinen. Die im Film zu sehenden Zeitungsartikel wurden von den Filmemachern daher in Spiegelschrift angefertigt!

Schematische Darstellung, wie eine einzelne “Rückwärts”-Szene in einen ansonsten herkömmlich gedrehten Film eingefügt wird. Abbildung aus dem Buch “Filmen leicht gemacht” von Fritz Meisnitzer

Als zusätzliche Hürde hatten es sich die drei Filmemacher zur Aufgabe gemacht die Filmhandlung durchgehend ohne nachträglichen Schnitt zu filmen. Die Handlung wurde also auf einer Super-8-Kassette komplett in der “rückwärts richtigen” Reihenfolge abgedreht.

Rückwärtsfilmen, ein klassisch-analoger Filmtrick, eigentlich aus der Kintopp-Mottenkiste, hier aber konsequent und überzeugend zu Ende gedacht und sehr überzeugend umgesetzt.

Wieder einmal konnten die drei Filmemacher, die bereits mit The Brain Modulator und Veterok auf verschiedenen Festivals erfolgreich waren, das Publikum überzeugen.

Nicht überzeugen

konnte an diesem Abend leider die analoge Super-8-Filmprojektion im Vergleich mit den vorher, nachher und auch noch in der Halbzeit des Super-8-Wettbewerbs mit DCP-Beamer gezeigten digital produzierten Filmen.

Der legendäre Fumeo-Projektor in der Vorführer-Hütte von Weiterstadt

Für die Super-8-Projektion wurde annähernd die gesamte Höhe der Leinwand ausgenutzt, was eine Projektionsgröße von fast 8 x 6 Metern bedeutet. Dies ist zwar ambitioniert, aber für das kleine “Heimkino”-Super-8-Format definitiv zu viel, trotz eines Fumeo-Großraumprojektors mit 500W-Xenonlampe, der seit Jahren in Weiterstadt zum Einsatz kommt. Das Bild war immer leicht unscharf, flau und etwas zu dunkel. Die nicht abgekaschte unscharfe Bildmaske trägt dann noch zum subjektiven Unschärfeempfinden bei. Leider war darüberhinaus bei manchen Filmen der Bildstrich nicht korrekt eingestellt und im Laufe der Filme sammelten sich immer mehr Flusen sichtbar im Bildfenster. Der Charme einer “echten” Filmprojektion konnte so dem Publikum leider nicht vermittelt werden.

Eine etwas kleiner gehaltene Projektion auf der riesigen Leinwand hätte der Bildqualität gut getan. (so -glaube ich mich zu erinnern- habe ich es 2015 bei meinem letzten Weiterstadt-Besuch gesehen) .

Elmo Album – the luxury “click & whir”. A repair report

Die “Elmo Album” ist eine recht seltene Super 8 Kamera — und das ist schade, denn sie hat einige wirkliche Besonderheiten. Das besonderste (und zugleich heute irrelevanteste) ist wohl, dass sie zur Familie der “Agfa Family” Geräte gehört — ein System, das Elmo ja mitentwickelt hat. Was das bedeutet? Um es mit dem damaligen Werbeträger Karl Dall zu sagen: Die Kamera kann “Click und Surr”, also Filmen und auch Fotos machen. Drückt man die gelbe Taste oben auf der Kamera, wird nur ein Einzelbild belichtet. Des weiteren wir das Einzelbild in Perforationsnähe von einer roten LED markiert. Der Agfa Family Betrachter hält so an diesem Einzelbild für ein paar Sekunden an. Soweit ich weiss, ist die Elmo Album die einzige mit diesem System kompatible Kamera, auf der nicht “Agfa Family” steht.

Eine interessantere Besonderheit ist aber ihre Optik. Das sehr scharfe Fix-Focus-Objektiv (wunderbar falsch und irreführend übersetzt mit “Focus Free”, siehe Bilder) hat nicht nur eine große Lichtstärke von f/1.2, es ist mit seiner Brennweite von 4,6mm auch sehr weitwinklig; nahezu so weitwinklig wie eine Nizo mit montierter UWL. Nur eben viel kleiner, und ausserdem schärfer. Interessant ist, dass der wegklappbare Vorsatz kein Weitwinkelvorsatz, sondern ein Televorsatz ist.

Filmfreund Guy aus Luxemburg lief mit seiner Elmo Album (mit abgebautem Vorsatz, also immer weitwinklig) einige Jahre in Deidesheim über die Börse und dokumentierte das dortige Geschehen. Leider habe ich seine Filme nie gesehen, aber seine Begeisterung für diese kleine Allround-Kamera noch deutlich im Ohr. Trotz Suchauftrag über viele Jahre ist mir bei ebay bis heute nicht eine einzige dieser Kameras begegnet. Auch in Deidesheim habe ich nie eine zum Verkauf gesehen. Nachdem ich diesen Missstand im Forum neulich beklagte, kontaktierte mich ein freundlicher, sammelnder, und leiser Mitforent und bot mir eine Elmo Album zum Kauf an — zu einem ausgesprochenen Freundschaftspreis!

Da beim zum Verkauf angedachten Modell aber die Batteriefachverriegelung fehlte, legte er sogar noch eine zweite, identische Kamera obendrauf — in dieser waren allerdings Batterien ausgelaufen (und steckten auch noch drin), dafür war die Batteriefachverriegelung noch in Takt.

Nach einem temporären Klebeband-Fix und einem erfolgreichen Testeinsatz bei der Filmbörse 2019 in Deidesheim machte ich mich an die Reparatur. Glücklicherweise gelang es mir, beide Kamera wieder voll funktionsfähig zu machen. Hier nun die Dokumentation der erfolgreichen OP!

Genial an der Elmo Album ist der hohle, ergonomische Handgriff, der per Tastendruck komplett verschwindet, indem er sich federgestützt um den Kameraboden legt. Unter ihm liegen die ersten vier Schrauben, die es zu entfernen gilt.
Auf jeder Seite befinden sich zwei dieser Schrauben. Sie sind alle vier identisch.
Voilà, schon lösen sich Handgriff und Batteriefach. Jetzt konnte ich die vier festklemmenden, ausgelaufenen AA-Batterien entfernen und der alkalischen Schmodder entfernen. Ähnlich wie bei den frühen Leicinas, allerdings nicht ganz so dramatisch, ist das Batteriefach der Elmo Album für die heutigen AA-Zellen etwas zu eng. Mit etwas ausprobieren findet man aber Zellen, die gut passen — meine weissen Eneloops machten zum Beispiel keine Probleme.
Vermutlich nicht nötig, aber auch nicht schädlich: Um die Kamera ganz öffnen zu können, habe ich auch den Televorsatz entfernt. Das geht ganz leicht mit einer Schraube, die sich nach wenigen Umdrehungen mit etwas Kraft herausziehen lässt. Wenn man (wie Guy) immer nur Weitwinkel möchte, spart man so Gewicht und hat beim Hantieren keinen abgeklappten Vorsatz im Weg.
Der herausgezogene Stift. Ich habe eine Flachzange verwendet, denn er sitzt recht stramm, damit nichts klappert.
Die nächsten Schrauben verstecken sich unter der Belederung an der Kameraoberseite. Keine Sorge, die lies sich mit einem Spudger aber sehr leicht anheben und entfernen. Der Klebstoff blieb sogar noch klebrig genug, um die Belederung danach einfach wieder aufzubringen.
Vier Schrauben sind zu entfernen…
…und sie will immer noch nicht auseinander. Ebenfalls mit dem Spudger muss noch diese kleine Zierplatte vom Objektiv entfernt werden. Achtung: Möglichst nicht verbiegen.
Man sieht die wenigen Klebepunkte. Ich habe die Platte am Ende mit neuem 3M-Doppelklebeband wieder aufgebracht.
Vier weitere Schrauben werden so freigelegt und sind zu entfernen
Als letztes muss das “ELMO” Schild noch abgeklipst werden, dann lässt sich die Kamera endlich beidseitig öffnen.
Achtung: Die gelbe Taste fällt einem nebst Zierring entgegen. Kein Problem, aber beim Zusammenbau nicht vergessen, sie wieder einzusetzen!
Dies ist die Seite, die und interessiert. Ganz links unten sieht man ein schwarzes Kabel vom Batteriefach kommen. Obwohl es intakt aussah, bestand kein Kontakt mehr zwischen dem Minuspol (Feder) des Batteriefachs und der Platine, die hier damit verbunden ist.
Ein näherer Blick zeigt es: Das schwarze Kabel bestand nur noch aus Isolation. Das Alkali der leeren Batterei hat sich nicht nur durch deren Zinkbecher, sondern auch durch diese Leitung gefressen. Es ist kein Gramm Kupfer übrig geblieben. Wer genau hinsieht, erkennt, dass sogar die Leiterbahn auf der Platine angegriffen ist. Das untere Ende des schwarzen Kabels hat sich beim Hantieren vom Batteriefach gelöst und baumelt in der Luft.
Flugs ein neues Kabel angelötet und verlegt… das ist nicht schwer. Es ist nur etwa 7cm lang.
Das andere Ende wird an die (gründlich gereinigte) Kontaktfeder des Minuspols angelötet. Diese hatte sich zum Glück noch nicht zersetzt. Ggf. wäre sie aber auch recht leicht zu ersetzen.
Das neue Kabel und die wieder eingesetzte Kontaktfeder. Ich habe sie zusätzlich mit einem Krümel Sugru fixiert (hier nicht sichtbar). Das Sugru brauchte ich später eh noch.
Damit war die erste der beiden Kamera wieder vollständig instand gesetzt!
Hier nun das Batteriefach der zweiten Kamera. Bei dieser musste ich nur die ersten vier Schrauben entfernen, da der Schaden am Batteriefach ist. Es fehlt die Sperrnase, die mit einem ((ebenfalls verlorenen) Daumenrad von aussen drehbar wäre. Den Ersatz habe ich aus FR4 Platinenmaterial gesägt, das dieses sehr stabil ist und mit 1,6mm auch genau die richtige Dicke hat.
Hier ebenfalls zu sehen das aus dem gleichen Material gesägte, angehende Daumenrad. Beide Teile sind passgenau doppelt gelocht (0,8mm), da ich zwischen ihnen eine kraftschlüssige Verbindung herstellen muss. Es ist mir dank Nieten nämlich nicht gelungen, den Batteriefachdeckel so zu zerlegen, dass ein Teil im ganzen einsetzbar wäre.
Hier löte ich “zwei Achsen” Draht ein, um die Verschlussnase später drehen zu können.
…und verlötet. Das gelbe Kaptonband hielt den Lötzinn davon ab, an der Nase hochzulaufen — sie wäre sonst zu dich geworden.
Zugegebenermaßen eine wacklige Hilfskonstruktion, aber zur Montage hat es absolut gereicht: Die Verschlussnase ist in den Deckel bereits eingesetzt und fixiert. das zukünftige “Daumenrad” ist aufgelegt, fixiert und wird gleich verlötet. Die überstehenden Drahtenden wurden danach abgeknipst. So ist eine spielfreie, kraftschlüssige Verbindung entstanden.
Der Test: Ausgefahrene Nase, die Klappe ist so verschlossen…
…und nach einem Fimgerdreh ist die Nase zur Seite geklebt, so können die Batterien gewechselt werden.
Da das neue Daumenrad in Kupfer doch sehr auffällig und hässlich ist, kommt ein Kügelchen schwarzes Sugru drauf.
Und damit es wenig auffällt, habe ich hier einen Abdruck des heilen Daumenrades (oben) in das Sugru (unten) gemacht. 24 Stunden später ist das Sugru getrocknet und glänzt. Der nachgefertigte Verschluss fühlt sich fast besser an, als das Original. 🙂

Damit ist auch Kamera #2 vollständig wiederhergestellt.

News: Analoger Film Januar-Juli 2019

Allen Unkenrufen zum Trotz, gibt es auch 2019 noch unzählige Neuigkeiten rund um den perforierten Film. Leider existiert seit diesem Jahr, nach der Einstellung von “Cine 8-16”, kein Print-Medium mehr, das über Neuigkeiten in diesem Bereich informiert. 

Wer mag mithelfen, künftig solche News komprimiert in diesem Blog und einem Newsletter zu “bündeln”?

Eberhard Nuffer

Super-8-Farbumkehr-Entwicklung wieder in Deutschland möglich

Seit Ende Juni ist nun wieder die E6-Entwicklung von Super-8-Farbumkehrfilm (Ektachrome und Cinevia) bei ANDEC-Filmtechnik in Berlin möglich. In den vergangenen Jahren blieb nur noch die Lösung, belichtete Filme ins Ausland zu schicken oder aber selbst zu entwickeln.

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Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Super-8 beim Open-Air-Filmfest in Weiterstadt

Auch bei der 43. Ausgabe des Filmfests in Weiterstadt wird es am Samstag 10. August 2019 abends ab 22.00 Uhr den traditionellen Super8-Filmwettbewerb geben.

Das Wettbewerbsprogramm bestehend aus acht Super-8-Filmen ist seit ein paar Jahren in 2 Blöcke aufgeteilt, unterbrochen von 2 digitalen Projektionen (Platz 2 und 3 der Satirischen Kurzfilmtage Rüsselsheim). Das Filmfest will durch diese Mischung die Zuschauer an den Samstagabend mit seinem Super-8-Wettbewerb binden, da Super-8 mittlerweile leider nicht mehr den üblichen Sehgewohnheiten entspricht. Das sonstige Filmprogramm wird seit Jahren komplett digital projeziert.

Umso schöner, daß es die analoge Super8-Ecke in Weiterstadt noch gibt !


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