Klein, und doch so fein: Die 16mm-Kamera Kiew 16U

Klein, und doch so fein: Die 16mm-Kamera Kiew 16U

Klein, und doch so fein: Die 16mm-Kamera Kiew 16U

Gibt man heute „Kiew 16U“ in die Suchmaschine ein, so findet man in hunderten Beiträgen die Objektive einer ungewöhnlichen ukrainischen 16mm-Schmalfilmkamera: Mir 11-m, Vega 7-1 und Tair 41. Zahlreiche russische Händler schrauben sie heutzutage von ihren angestammten Kameragehäusen ab, um sie einzeln zu verkaufen und an digitalen Kameras umzunutzen. An modernen Blackmagic Pocket Cinema Cameras adaptiert, liefern die schlanken Festbrennweiten tatsächlich bestechende Bildqualität.

Für die analoge Kamera aus der Stadt mit dem Großen Tor scheint sich hingegen niemand mehr zu interessieren. Zugegeben: Es war auch bei mir Liebe auf den zweiten Blick, denn die Kamera erinnert zunächst an ein bizarres, panzerförmiges Insekt mit Gasmaske. Dabei hat man mit der Kiew ein besonderes Stück Technikgeschichte in der Hand, das zu begeistern vermag: Solide verarbeitet, fasst sie 30m-Spulen, die übereinander gelagert sind und sich gegenläufig drehen. Mit etwas Phantasie erinnert das an eine Super8-Kassette ohne Plastikhülle, das Kamerainnere ähnelt dadurch sogar etwas dem der Logmar S8, welchen den Film mit einer Schlaufe aus der Kassette heraus und wieder hineinführt. Verbunden mit dem praktischen Objektivrevolver, hat man eine der kompaktesten 16mm Kameras für 30m-Spulen, die in jede Standardtasche passt. Man ist schnell fasziniert von dem großen Sucher, wenngleich die Augenmuschel für Brillenträger eher ungünstig gestaltet ist. Mittels Kurbel kann man den Film für Trickaufnahmen zurückspulen, was mir sehr viel Spaß macht. Wer immer noch genervt vom hakeligen Filmbeladen der Krasnogorsk 3 ist und deshalb (wie ich) ihre Schlaufenformer ausgebaut hat, der wird mit der Kiew 16U seine Freude haben: das automatische Filmeinlegen funktioniert tadellos. Wenn der Film einmal aus der unteren Spule um das Bildfenster schnurrt und dann über die Umlenkrolle in die obere Spule saust, wird man wieder zum staunenden Kind. Der Bildstand ist tadellos, das Gewicht genau richtig, um auch aus der Hand gefilmt ruhige Aufnahmen zu bekommen. Da die Objektive Festbrennweiten sind, erzielt man eine noch bessere Abbildungsqualität als mit dem ohnehin bereits guten Meteor-Zoomobjektiv der Krasnogorsk 3. Der Federwerksmotor ist als Modul abnehmbar und kann problemlos durch einen Elektroantrieb der Kiew 16UE getauscht werden. Allerdings ist es da fast unmöglich, noch einen brauchbaren zu bekommen, da man das Batteriegehäuse auf heutige Batterien umbauen muss, was einiges Bastelgeschick erfordert.

Wer meint, eine 50jährige Kamera sei sofort einsetzbar, irrt. Meine erste, die ich in der eBucht erwarb, war hoffnungslos verbastelt und der Abstand zu den Objektiven stimmte nicht mehr. Ich habe dann glücklicherweise von einem russischen Bekannten einen neuen Kamerabody in Bestzustand bekommen und habe seither keinerlei Probleme mehr mit der Kamera.

Fazit: Wer keine teure Bolex kaufen möchte bzw. wem diese zu klobig ist, für den kann die Kiew durchaus eine tolle Alternative sein. Durch ihre Nutzung pflegt und würdigt man diese ungewöhnliche Kameraentwicklung und wird mit traumschönen Bildern reichlich belohnt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift Cine 8–16, Nr. 46, Juni 2018.

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