Anamorphotische Aufnahmen

Anamorphotische Aufnahmen

Immer wieder stellen Anfänger die Frage, warum man mit Schmalfilm nicht genauso schön breite Bilder wie im Kino projizieren könne. Die Antwort lautet: Man kann, allerdings leider nicht so einfach. Denn leider haben die Bilder bei den meisten Schmalfilmformaten nur ein Seitenverhältnis von 1,33:1 (Breite zu Höhe).

Doch wie bekommt man nun sein Bild so schön breit im folgenden Foto?

Dafür gibt es zwei Varianten:

Variante 1

Man verdeckt einfach die oberen und unteren Teile seines Bildfensters und nimmt so schwarze Balken auf, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Das Ergebnis würde in etwa so aussehen:

Leider hat diese Variante einen entscheidenden Nachteil: Man würde wertvolles Filmmaterial vergeuden, um schwarze Balken aufzunehmen. Und man müßte das Bild viel stärker vergrößern, um auf die gewünschte Breite zu kommen. Trotzdem wurde diese Verfahren auch bei Kaufkopien von Spielfilmen eingesetzt, insbesondere dann, wenn sie auch im Original nur wenig „breitwandig“ waren (Seitenverhältnisse 1,66:1 oder 1,85:1).

Variante 2

Man arbeitet mit Anamorphoten – sowohl bei der Aufnahme, als auch bei der Projektion. Ein Anamorphot sorgt dafür, daß das Bild bei der Aufnahme in der Breite gestaucht und bei der Projektion wieder auf die korrekte Breite kommt. So würde das aufgenommene Bild auf dem Film ungefähr so aussehen:

Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann jetzt auf dem Film die komplette Fläche nutzen, die auch fürs Bild gedacht war. Dafür gibt es einen Nachteil: Man benötigt einen Anamorphoten. Als Schmalfilmer kann man praktisch nur auf anamorphotische Vorsätze zurückgreifen, die man vor dem Kameraobjektiv, bzw. vor dem Projektionsobjektiv anbringen muß. Diese haben folgende Nachteile:

Preis

Wurden einem rund ums Jahr 2000 gebrauchte Anamorphoten förmlich nachgeschmissen, werden sie nun auch die Nutzer von Videokameras eingesetzt. Seitdem haben sich die Preise auf dem Gebrauchtmark für einige Anamorphoten fast schon verzehnfacht.

Projektion

Der Vorsatz „schluckt Licht“. Zum einen durch das zusätzliche Glas, zum anderen will das „Mehr an Breite“ natürlich auch ausgeleuchtet werden. Zudem wird nicht nur das Bild, sondern auch das Filmkorn verbreitert und damit deutlich sichtbarer.

Aufnahme

Ja, es gibt einige Vorsätze, bei denen man nur mit einem Objektiv fokussieren muß. Aber die meisten, deutlich billigeren Lösungen erfordern es, daß sowohl das Objektiv der Kamera/des Projektors, als auch der Vorsatz auf die richtige Entfernung eingestellt werden müssen. Während man das bei der Aufführung nur einmal am Anfang machen muß, „darf“ man diese Prozedur bei der Aufnahme für jede Szene wiederholen. Dabei muß man dann noch aufpassen, daß sich der Vorsatz nicht verdreht – denn man will ja zu einem breiteren und nicht zu einem höheren Bild kommen. Zudem wiegen diese Vorsätze natürlich noch etwas – und schränken wegen der üblichen Vignettierung den Zoombereich der Kamera ein. Meistens bleibt einem nur der Bereich ab 20mm, oft kann man gar nur den Telebereich ab 30 oder 40mm nutzen. Warum das so ist? Die meisten Vorsätze haben am hinteren Ende, also dort, wo sie an die Kamera angeschlossen werden, nur einen sehr kleinen Durchmesser (49mm oder geringer). So darf man also nach einer Kamera suchen, die selbst möglichst kleine Filter nutzen würde, und nach einem Vorsatz, der einen möglichst großen Durchmesser hat… Ob es noch weitere Nachteile gibt? Ja, z.B., daß sich die meisten Vorsätze nur im Bereich von 1,5m bis unendlich scharf stellen lassen.

Keine Standards

Während sich bei gekauften „Cinemascope„-Filmen für Super8/16mm Anamorphoten mit einem Faktor von „2x“ durchgesetzt haben (2x= doppelte Breite), sieht es beim Amateurbereich etwas anders aus. Und so gibt es auch Vorsätze, die die Bildbreite weniger stark verändern. Üblich waren einst Faktoren von nur 1,5x und 1,75x. In den letzten Jahren sind aber noch andere hinzugekommen, wie z.B. 1,33x.

Fazit

Trotz der ganzen Nachteile machen Breitwandfilme extrem viel Spaß.

Beispiele

Ein Film, der mit einem 2x Anamorphoten aufgenommen wurde:

Ein Film, der mit einem 1,75x Anamorphoten aufgenommen wurde:

Ein Film, der mit einem 1,5x Anamorphoten aufgenommen wurde:

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Jörg Polzfuß

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