Doppelt super: DS8

Doppelt super: DS8

Doppelt super: DS8

Den folgenden Artikel habe ich im August 2015 vorbereitet und dann irgendwie nie veröffentlicht.
Dennoch ist er nicht uninteressant geworden, denn er zeigt, dass die Firma Wittner nach wie vor in der Lage wäre, DS8 zu konfektionieren – natürlich vorausgesetzt, dass sie unperforierten 35mm Film auftreiben können.

Vielleicht erleben wir es ja noch, dass der neue Ektachrome 7294 in einer Sondercharge derartig doppelt super auf den Markt kommt…


Vor einem guten Jahr wurde es eng um Doppel-Super-8, das Nischenformat der Nischenformate. Nachdem die letzten Rollen des begehrten Ektachrome 100D überraschend schnell verkauft waren, tat sich auch für dieses Filmformat eine Lücke auf. Das ist insbesondere deshalb ironisch, weil viele Super 8 Filmmaterialien als 16 mm breites „DS8“-Material geboren und dann erst nach dem Perforieren in 8 mm breite Streifen geteilt werden.

Doppel-Super-8 ist ein Format, das ungemein viele Vorteile in sich vereint – so ist es Spulenware, benötigt also keine komplizierte Kassette, was die Konfektionierung erleichtert und zudem einen Filmtransport mit echter Andruckplatte sowie Vor- und Nachwickelzahnrädern erlaubt, was perfekte Schärfe und perfekten Bildstand sichert. Es bietet bei gleichen Dimensionen wie ein 16 mm Film die vierfache Laufzeit – das Filmbild ist schliesslich nicht nur halb so hoch, sondern auch nur halb so breit, und das hat schon etwas, sechs bis sieben Minuten am Stück filmen zu können, bevor die Filmspule für die zweite Hälfte des Films geendet werden muss. Gegenüber herkömmlichem Doppel-8 Film wird die Filmbreite sehr viel besser ausgenutzt.

Leider ist DS8 immer ein Nischenformat geblieben. War es im Ostblock durch die weit verbreiteten, so einfachen wie robusten Quartz-Kameras mit ihren kleinen 7,5-Rollen noch relativ verbreitet, gab es diesseits des eisernen Vorhangs nur wenige DS8 Kameras. Gerne wurden Bolex H8 Kameras umgebaut (bekannte Umbauten gibt es von Muster, Grebenstein, Pitterling und „JK“ Jaakko Kurhi), diese schlucken die praktische 30m-Spule und sind als echte Profiwerkzeuge mit hervorragenden Optiken so beliebt wie anerkannt. Canon brachte kurz und spät eine DS8-Version der Scoopic auf den Markt, die heutzutage aber oft nach Service schreit, den kaum noch jemand zu leisten vermag. Darüber hinaus gab es nur Umbauten in Kleinserien; man hat von Arris, Leicinas und Pentakas gehört bzw. solche in der heimischen Vitrine.

Umso überraschender war der Aufschrei, als die letzten Rollen farbigen DS8-Filmes verschwanden. Offenbar sind die wenigen aktiven DS8-Filmer ganz besonders tief mit den Vorteilen ihres Lieblingsformats verbunden. Zwar gibt es noch immer den hervorragenden, schwarzweissen, aber nicht ganz einfach zu entwickelnden  Umkehrfilm 100 R von Foma, man verlangte aber nach Farbe. Etwas frustrierend war, daß die Firma Wittner zwar gerade in neue Perforationswerkzeuge investiert hatte, diese den Film aber im Sinne von Schonung und  Zeitersparnis so perforierten, dass vier Stränge mit Perforation auf der gleichen Seite entstehen. Eine Zeit lang sah es daher nicht gut aus für DS8.

Wittner wäre aber nicht Wittner, wenn man an dieser Stelle aufgegeben hätte. Von mittlerweile fünf Filmherstellern wurde der gesamte Werkzeugbestand für alle denkbaren Schmalfilmformate aufgekauft. Das betrifft nicht nur die großen Maschinen, die zum Schneiden und perforieren gebraucht werden, sondern auch die Stanzwerkzeuge: Viele sind nicht nur gehärtet, sondern vollständig aus Hartmetall gefertigt, womit auch die Konfektionierung des sehr harten Polyestermaterials noch verfügbarer Rohfilme ohne übermäßigen Verschleiß möglich ist.

Leider war der angelieferte DS8-Perforator in einem erbärmlichen Zustand, der keine professionellen Ergebnisse mehr liefern kann… wenn er denn überhaupt noch gelaufen ist. Im folgenden eine kleine Restaurationsgeschichte in Bildern.

Halt von allen Seiten für den Umzug
Halt von allen Seiten für den Umzug
Verzurrt und zugemüllt: So kam der Perforator bei Wittner an
Verzurrt und zugemüllt: So kam der Perforator bei Wittner an
Man kann es deutlich erkennen: Das Gerät ist von Buko
Man kann es deutlich erkennen: Das Gerät ist von Buko Man kann es deutlich erkennen: Das Gerät ist von Buko
Diese Lagerungspuren sind nicht filmfreundlich
Diese Lagerungspuren sind nicht filmfreundlich
Dieser Standfuß hat schon eine Menge gesehen. Schön ist das nicht
Dieser Standfuß hat schon eine Menge gesehen. Schön ist das nicht
Einzelteile mit Flugrost und deutlichen Gebrauchsspuren
Einzelteile mit Flugrost und deutlichen Gebrauchsspuren
Fein einstell- und konterbare Gerätefüße gewährleisten einen sicheren Stand in der Waage
Fein einstell- und konterbare Gerätefüße gewährleisten einen sicheren Stand in der Waage
Der Filmlauf hinter dem Stanzwerkzeug, wie er bei der Übernahme aussah
Der Filmlauf hinter dem Stanzwerkzeug, wie er bei der Übernahme aussah
Saubere Verdrahtung
Saubere Verdrahtung
Kein einziges Einzelteil wird außer Acht gelassen
Kein einziges Einzelteil wird außer Acht gelassen
Die FIlmvorschubeinheit ist von vielen Spuren gezeichnet...
Die FIlmvorschubeinheit ist von vielen Spuren gezeichnet…
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...was man ihr nach WIttners Restauration nicht mehr ansieht!
…was man ihr nach WIttners Restauration nicht mehr ansieht!

Nach erfolgter Restauration stellte Herr Wittner noch fest, dass die verbauten IR-Lichtschranken leider bei einigen Materialien zu Fogging führen konnten. Diese wurden dann noch auch noch durch spezielle Module ausgetauscht, deren Spektrum für jedes denkbare Filmmaterial komplett unsichtbar ist.

Sehenswert ist, mit welcher Akribie und bei Wittner eine Steuerelektronik neu aufgebaut wird hier noch mit den alten Lichtschranken):

Im Grunde müsste also wieder produziert werden können…



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Friedemann Wachsmuth

Schmalfilmer, Dunkelkammerad, Selbermacher, Zerleger, Reparierer und guter Freund des Assistenten Zufalls. Nimmt sich immer viel zu viele Projekte vor.

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