Cine Assist – ein erster Test

Cine Assist – ein erster Test

Schon seit einiger Zeit bietet Herr Bernhard Kipperer seinen „Cine Assist“ auf seiner Webseite http://cineassist.filmcurl.com/ zum Kauf an. Auf dieser Seite findet man auch zahlreiche Anwendungsbeispiele als Video. Was bislang fehlte, war ein unabhängiger „Test“ durch einen Nutzer. Und so wie es aussieht, darf ich den jetzt schreiben. Bislang habe ich zwar nur eine Funktion des „Cine Assist“ wirklich mit Film in der Kamera genutzt, aber immerhin besser als nichts…

Aber fangen wir doch mal ganz am Anfang an: Der „Cine Assist“ ist eine kleine Platine, die an den elektromagnetischen Fernauslöser der Kamera gehängt wird. Wichtig: Hat Ihre Kamera nur einen Anschluss für einen Drahtauslöser oder gar keinen Anschluss für einen Fernauslöser, dann können Sie das Gerät nicht nutzen. Bei besseren Kameras sollte jedoch ein entsprechender Anschluss vorhanden sein. Für einige Apparate brauchen Sie allerdings noch einen Adapter, z.B. für die Leicina Spezial.

Cine Assist (Mitte) mit USB-Connector (links) – die Batterie darf nicht eingelegt sein, während das Gerät am PC angeschlossen ist.

Die Platine lässt sich im einfachsten Fall per Batterie und über die zwei Knöpfe am Gerät betreiben. In dieser Variante kann man z.B. über den „Cine Assist“ der Kamera „befehlen“, automatisch erst in 10s auszulösen und sich nach 15s wieder auszustellen. Man kann sich so also problemlos auch mal selbst filmen. Falls Ihnen dieses Feature bekannt vorkommt: Einige Schmalfilmkameras hatten so etwas schon fest eingebaut, z.B. die Super8-Kamera „Minolta XL 401“. Und für Kameras mit einem Anschluss für elektromagnetischen Fernauslöser gab es einst kleine, batteriebetriebene „Selbstauslöser“ zu kaufen, z.B. den „Combi Timer“ von hama. Selbst für Kameras mit Drahtauslöseranschluss gab es so etwas – allerdings mit Federwerk, z.B. der „Selbstauslöser Z“ vom VEB Feingerätewerk Weimar oder der „Cinefix“ von Agfa-Gevaert.

Das Gerät lässt sich aber auch für Zeitrafferaufnahmen nutzen, da es auch als externe Zeitschaltuhr für Kameras mit Einzelbildaufnahme fungiert. Ja, auch das ist nicht neu, da es so etwas einst separat zu kaufen gab (z.B. als „Intervall-Timer“ von hama) oder da es in einigen Kameras bereits integriert war, z.B. in der Super8-Kamera Canon 814XL-S.

Was ist nun also neu, bzw. anders? Zum einen funktioniert der „Cine Assist“ quarzgenau, zum anderen ist er deutlich flexibler als die bisherigen Lösungen. Denn seine Fähigkeiten hängen hauptsächlich von der Firmware ab. Und in der neuesten Version ermöglicht diese sogar einen „Speed Ramp“, also eine Änderung der Bildfrequenz während der Aufnahme. Das war bis dato mit keiner Schmalfilmkamera möglich.

Und zum ganz anderen kann man den „Cine Assist“ auch bequem per Bluetooth steuern, jedenfalls sofern man (im Gegensatz zu mir) ein Android-Handy/-Tablet besitzt, das „Bluetooth Low Energy“ unterstützt. Die Software ermöglicht sogar eine parallele Tonaufnahme über das Mikrofon des Handys/Tablets.

Mit der entsprechenden Erweiterung kann man den „Cine Assist“ aber auch an den USB-Port eines Windows-PC anschließen. Mit der entsprechenden Software von Herrn Kipperer kann man so flimmerfrei Videos auf Film überspielen. Denn die Videos werden einzelbildweise wiedergegeben und von der Schmalfilmkamera als Einzelbilder aufgenommen.

Die Nutzeroberfläche der Windows-Software.

Das Überspielen auf Video ist bislang das einzige Feature, das ich mit Film in der Kamera benutzt habe. Ein Problem dabei sind mögliche Reflektionen auf dem Bildschirm. Denn nicht nur der „Cine Assist“ und seine USB-Erweiterung „blinken“, sondern z.T. auch die Kamera selbst, z.B. die „Aufnahmeleuchte“ an der Nizo 4056, die im Handbuch als „Aktionssignal“ betitelt wird. Auch Telefone etc. sollte man weiträumig entfernen.

Ein weiteres Problem ist der Windows-PC: Die Software deaktiviert weder die Energiesparmodi, die bei mir nach 10min den Bildschirm und nach 30min den ganzen Laptop ausgestellt hätten, noch bleibt das Bild sicher im Vordergrund. Damit also kein „es gibt neue Updates“-Fenster plötzlich die Aufnahme ruiniert, habe ich meinen Laptop sicherheitshalber vorher immer in den Flugmodus gestellt.

Wenn der Cine Assist am USB-Port angeschlossen ist, leuchten LEDs und das Display.

Als ein weiteres Problem hat sich die Batterie meiner Kamera, eine Nizo 4056, erwiesen: Wenn man die Kamera stundenlang aktiviert lässt und Einzelbilder aufnimmt, reicht mein Akku nicht für sieben Filmkassetten, sondern noch nicht einmal für eine…

Der Stromverbrauch meiner Nizo 4056 ist bei der Einzelbildaufnahme deutlich höher. Ich empfehle daher den Einsatz eines Netzteils, wenn man eine ganze Kassette belichten will.

Ein weiteres Problem entstand ebenfalls durch meine Kamera: Bei Einzelbildaufnahmen muss der Auslöser mindestens eine halbe Sekunde lang „gedrückt“ werden. Andernfalls blinkt zwar das rote Aufnahmelämpchen, aber es findet keine Belichtung statt! Zum Glück hatte Herr Kipperer schon eine neue Version der Software fertig, bei der man unter „Expose“ die Auslösedauer einstellen kann – bei meiner Nizo 4056 stelle ich hier sicherheitshalber 1s ein.

Die Nizo 4056 bietet einige Einstellmöglichkeiten für die Einzelbildbelichtung an. Am Wichtigsten ist aber der Hinweis mit dem Minimum von einer halben Sekunde.

Ich habe die Kamera zum Überspielen übrigens auf manuelle Belichtung umgestellt, da die Videos einige dunklere Szenen enthielten, die auch dunkel bleiben sollen. Zudem kann man bei der Nizo 4056 über die „Bilder pro Sekunde“-Einstellung die Belichtungsdauer der Einzelbildaufnahmen regulieren. Hier stellte ich die Kamera auf 16 2/3 Bilder pro Sekunde, was am besten zu den Helligkeitseinstellungen und zur Filmempfindlichkeit passte. (Wenn der Auslöser sowieso für eine ganze Sekunde lang betätigt wird, kann man ja ruhig auch mal etwas länger belichten, oder?)

Tja, was gibt es sonst noch zu sagen?

  • Ich habe den „Cine Assist“ auch an anderen Kameras als der Nizo 4056 getestet, allerdings aus Kostengründen bislang immer ohne Film. Er funktionierte überall problemlos, selbst an meiner Fujica P2, bei der der elektromagnetische Fernauslöser nachträglich eingebaut wurde.
  • Ich nutze ein ca. 1,5m langes USB-Kabel, da sich meine Nizo 4056 erst ab 1m scharf stellen lässt.
  • Leider wird das Gerät ohne Gehäuse geliefert.
  • Ein Schwachpunkt des Geräts könnte der USB-Anschluss sein. Er wirkt zwar sehr stabil, aber ist er auch auf Dauer haltbar genug für Grobmotoriker wie mich?
  • Herr Kipperer antwortet extrem schnell auf eMails mit Fragen und hat seit dem Kauf schon einige neuere Firmware- und Windows-Software-Updates geliefert.

Noch Fragen? Dann bitte die „Kommentarfunktion“ nutzen. Ich versuche, so schnell wie möglich zu antworten.

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Jörg Polzfuß

5 Kommentare

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Friedemann W. Posted on 20:52 - 4. April 2019

Danke Jörg, sehr interessant!
Eine Frage: ist der Arduino wirklich gequarzt worden? Die meisten dieser Boards kommen bestückt mit preiswerteren keramischen Resonatoren. Die sind weniger genau und Temperaturstabil. Meist macht das wohl nichts, nach einem Monat Betrieb (z.B. Bei Langzeitrafferaufnahmen) läge ein 30ppm Quarz eine gute Minute daneben, ein Resonator schon eher so drei Stunden…

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    Jörg Polzfuß Posted on 09:13 - 5. April 2019

    Tja, das ist eine gute Frage – ich hoffe, das Bild (siehe Email) hilft Dir hier weiter.
    Mir persönlich wäre das aber auch egal, da ich keinesfalls so lange Zeitrafferaufnahmen plane.

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    Jörg Polzfuß Posted on 15:48 - 5. April 2019

    Kleine Ergänzung: Der Hersteller des Arduino-Boards hat ein Bauteil benutzt, das laut Herrn Wachsmuth wirklich wie ein Quarz aussieht. Bleibt also nur zu hoffen, dass er keine illegale „Gewinnmaximierung“ betrieben hat.

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Volkmar Posted on 14:52 - 5. April 2019

Danke für den Test. Eine etwas off-topic-Frage hinsichtlich der erforderlichen Stromversorgung: Was für Stecker / Kabel / Netzteil kann man für externe Versorgung der Nizos (hier 801) verwenden? Die Steckernorm konnte ich noch nicht identifizieren.

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    Jörg Polzfuß Posted on 16:14 - 5. April 2019

    Laut den Bildern handelt es sich bei der 801 um einen ähnlich komischen Stromanschluss wie bei meiner 4056. Allerdings wird die 801 ein anderes Netzteil benötigen, da sie mit 6 normalen AA-Batterien läuft (also mit 9V), während die 4056 mit der Akku-Box läuft (also mit nur 7,2V).
    Laut englischer Anleitung (kostenlos erhältlich als PDF auf apecity.com) gab es für die 801 und ihre Schwestermodelle als separat erhältliches Zubehör extra ein „Nizo Power Set“…

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